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12.
September 2008
Herr Daniel H.
schrieb: Sehr geehrter Herr Hiebl,
Ihr
Artikel über den Islam ist schlichtweg falsch. Es
wird nur lückenhaft argumentiert, und man sieht sogleich Ihre feindliche
Einstellung gegenüber dem Islam. Wer so etwas Uninformatives und
Schwachsinniges schreibt, der sollte andere wenigstens nicht mit falschen
Informationen überfluten. Ihre rechtsradikale Propaganda kann niemand
gebrauchen.
Mit freundlichen Grüßen
Daniel H.
Antwort: Sehr
geehrter Herr H.,
Sie werden sicher nicht erwarten, daß
ich Ihren Eintrag in mein Gästebuch aufnehme. Wenn er am 11.
September erfolgt wäre, hätte ich es als einen schlechten Scherz gewertet. Was hat
eine lückenhafte mit einer falschen Argumentation zu tun? Glauben Sie, daß
es anstatt auf Qualität auf Quantität ankommt, oder daß auch nur ein Satz im
Kontext anders lauten würde? Sie denken wohl, Weltanschauung müsse das Recht
haben, sich in die Politik einzumischen. Ich für meinen Teil habe nur abgeschrieben und das Abgeschriebene,
wie es sich gehört, zitiert. Würden
Sie vielleicht den Koran in einer besseren Übersetzung vorschlagen? Bevor Sie meine
Einstellung als islamfeindlich kritisieren, sollten Sie zuerst versuchen,
die Feindschaft des Islam gegenüber dem Judentum zu verstehen. Der größte
„Schwachsinn“ entsteht immer dort, wo Menschen an etwas glauben,
was man ihnen vorbetet. Das kommt einer Kapitulation vor dem menschlichen
Geiste gleich. Es
liegt im übrigen ganz bei Ihnen, wie Sie zu Ihrer Information kommen. Wer seine
Information aus dem Internet bezieht, darf sich über die Qualität dieser
Information nicht beschweren. Ich habe niemanden „überflutet“, sondern
nur einiges zu bedenken gegeben. Sie sind derjenige, der sich auf
solche „rechtsradikalen“ Seiten begibt, und nicht ich habe mir deren Inhalte zu eigen
gemacht. Und
über das, was der Begriff Propaganda besagt, haben Sie offenbar auch
noch nicht hinreichend nachgedacht. Propaganda bezeichnet einen
absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen,
Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern. Wenn Sie die
knappe und zudem subjektive Kommentierung eines Textes, den noch nicht einmal ich verfaßt
habe, sondern ein Prophet, als Propaganda einordnen und nicht wahrhaben,
daß ich gar keiner politischen Partei angehöre, sondern nur von meinem Recht
auf freie Meinungsäußerung Gebrauch mache, dann überantworten Sie mich der
Inquisition, ohne auch nur den geringsten Nachweis für ein begangenes Sakrileg erbracht
zu haben. Mein Großvater hat bei Hitlers Machtergreifung öffentlich vor der
Münchner Feldherrnhalle dagegen protestiert, daß Hitler einen Krieg
anzettelt, und nur der Fürsprache seiner Kollegen ist es zu verdanken
gewesen, daß ihm wegen seines sonst untadeligen Verhaltens das KZ
erspart geblieben ist, denn er war bereits inhaftiert.
Aber Sie haben recht: Niemand braucht die Muslime, am wenigsten der
Papst. Und auch mir wäre ein Europa frei von Muslimen lieber. Ich wünschte
mir, daß ich endlich wieder einmal in ein Flugzeug oder einen Zug einsteigen
könnte, ohne jeden Augenblick damit rechnen zu müssen, in die Luft zu
fliegen. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als es diese
verschärften Kontrollen auf den Flughäfen nicht gab, weil es diese
Verrückten nicht gab, die von Deutschland aus Anschläge in Amerika planen
und jeden Tag mit Bomben in ihren Koffern durch unsere Großstädte laufen.
Ich kenne noch die Zeiten, als die Frauen kein Kopftuch tragen mußten, um
anzuzeigen, daß sie einem anderen Mann gehören. Es gab damals auch
niemanden, der geglaubt hätte, daß er sofort ins Paradies eingeht, wenn er
nur genügend andere in den Märtyrertod mitreißt. Niemand konnte sich dazu
ein ewiges Leben vorstellen, das wiederum nichts anderes war als eine
Fortsetzung des irdischen, nur eben mit noch mehr Jungfrauen. Gewiß, Muslime
brauchen auch Arbeit, aber wenn es nach mir ginge, jedenfalls keine solche,
bei der man lernt, wie man Atombomben bastelt, um sie dann auf Israel zu
werfen. Jetzt verstehen Sie sicher, warum ich das nicht möchte, auch ganz
ohne Jude zu sein. Aber wie Sie bereits sagten: Es ist nicht meine Aufgabe,
andere zu missionieren, das ist schon Sache des Papstes.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hiebl
29.
September 2007
Herr Jürgen Clausen
schrieb: Hallo Herr Hiebl,
verstehe ich Ihre
Gesellschafskritik richtig, was das Aufgeben fast aller Errungenschaften der
Zivilisation in unserer Zeit anbetrifft? Sie nehmen uns doch alle auf den
Arm, oder? Wie sonst soll ich einen Menschen verstehen, der einerseits die
Aufgabe fast der gesamten Zivilisation fordert, andererseits jedoch in
erheblichem Maße mit Flugzeugen unterwegs ist und so zu einer extremen
Luftverschmutzung beiträgt. Ich bringe das jedenfalls in meinem Kopf nicht
zusammen. Sicherlich meinen Sie das alles nicht ernst, oder? lachen sich
einen, wenn die Leser hochgehen, weil sie total anderer Meinung sind. Für
meine Begriffe ist es nicht möglich, eine Gesellschaft so zu gestalten, daß
jedwedes größere Leid vermieden wird. Leid wird es immer geben, solange es
Menschen gibt. Die meisten Menschen auf diesem Planeten brauchen dafür keine
Klimakatastrophe, ihr Leben ist auch so mühsam genug. Das gilt nicht nur in
„Entwicklungsländern“, sondern auch hier bei uns: viele sind im Streß, viele
sind krank, viele rauchen und machen sich scheinbar freiwillig krank, viele
sind gerade dort anwesend, wo Katastrophen oder Unfälle geschehen. Ich habe
kein Problem mit dem Sterben, es würde für mich nichts ändern, nur eben
andere Erfahrungen. (Das trifft auf alle Menschen zu, da es „Leben“ oder
„Tod“ nicht real gibt, sondern nur in der Ausprägung unseres gegenwärtigen
Traumes, den wir „Realität“ nennen. So what? Es lohnt sich nicht, sich über
irgend etwas aufzuregen, alles ist genau so, wie es immer war. Ein paar
Betrachtungen, die anders sind als gewohnt, finden Sie auch noch auf einer
meiner Homepages
http://jhc.1000seiten.de,
auf der ich mich ein wenig mit dem auseinandersetze, was wir hier aus
Gewohnheit und Common Sense „Realität“ nennen.
Mit besten Grüßen aus Kiel
Jürgen Clausen
Antwort: Hallo Herr Clausen,
Sie sollten diese Kritik genau so verstehen, wie sie hier vorgetragen wird,
und keinen Deut anders. Ich nehme Sie auch keineswegs auf den Arm, ich meine
es total ernst. Daß es keinen Widerspruch darstellt, selbst zur CO2-Emission
beizutragen und zugleich die Forderung aufzustellen, diese abzustellen, habe
ich bereits an anderer Stelle gezeigt. Von einem Aufgeben „fast der gesamten
Zivilisation“ ist nirgends die Rede - die Menschen haben vor 200 Jahren
schließlich auch gelebt -, allerdings möchte ich die von Ihnen erwähnten
„Errungenschaften“ einigermaßen in Frage stellen? Zwar glaube ich nicht, daß
es einem einzelnen möglich ist, die Gesellschaft umzukrempeln - daran sind
schon zu viele gescheitert -, zweifelsfrei wird sich die Gesellschaft jedoch
aufgrund der anstehenden Probleme von sich aus grundlegend wandeln. Der
Erfolg bei der Lösung des Problems hängt entschieden von der Bereitschaft
ab, eine kollektive Entscheidung mitzutragen. Früher sah man sich geistig
nicht in der Lage, das Problem zu begreifen, heute will man es plötzlich
nicht mehr begreifen, weil sein Abstellen mit einschneidenden
Verzichtleistungen verbunden ist. Angesichts der Dringlichkeit, die
Immission von Treibhausgasen einer Lösung zuzuführen, wird man es sich
allerdings nicht noch einmal leisten können, dieselbe Geduld aufzubringen,
wie man sie etwa für die vielgescholtenen Raucher aufgebracht hat, bei denen
die Änderung ihrer Geisteshaltung mit ganz ähnlichen Schwierigkeiten
verknüpft war, obwohl auch sie an den Tatsachen nicht vorbeikamen. Ich kann
nur zu äußerst rigorosem Umgang mit solchen Verweigerern raten, die sich
ihre täglichen Bequemlichkeiten gerne bis ins Grab sichern möchten und deren
Wahlspruch es ganz offenbar ist: „Nach mir die Sintflut.“ Von ihrer
dürftigen Entscheidungsfähigkeit soll es nicht abhängen, wie mit dem
Schicksal von Millionen von Menschen umgegangen wird. Sie werden doch wohl
nicht glauben, daß es jemals der Fall war, daß Menschen, die in Not
gerieten, nicht Hilfe geleistet wurde. Die schon heute prognostizierten
Kosten, die auf die Bundesregierung zukommen werden, wenn ganze
Flüchtlingsströme auf uns zukommen, die kaum etwas retten konnten als das
nackte Leben, liegen schon heute so eklatant hoch, daß es die
wirtschaftlichen Fähigkeiten unseres Gemeinwesens übersteigt. Daher sind
Vorkehrungen zu treffen, daß dieser „worst case“ niemals eintritt, und den
daraus resultierenden Beschlüssen haben alle Folge zu leisten, ohne
Ausnahme. Das Klima bleibt nicht so, wie es immer war, und wenn die Menschen
keine Klimakatastrophe brauchen, dann sollen sie sich eben keine bereiten.
Wenn man nicht gerade zuviel Wein getrunken hat, dann gibt es das Sterben
sehr wohl, und zwar relativ hautnah, zumal wenn es sich hinzögert. Viele
sterben tausend Tode, und das schon zu Lebzeiten. Viele unternehmen
Klimmzüge, um gerade diese „anderen Erfahrungen“, die Sie erwähnen, nicht
machen zu müssen. Nur der Nihilist lebt nicht in der Realität, weil ihm eben
alles „nichts“ ist. Der Nihilismus zeigt allerdings keine Wege auf: das
Denken muß früher einsetzen, nicht erst, wenn es zu spät ist.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred
18.
September 2007
Sehr geehrter Herr Hiebl,
durch Zufall bin ich auf
Ihre Homepage gestoßen und habe da Ihren Artikel über die globale Erwärmung
gelesen!
Ich stimme Ihnen hierbei in
allem unbedingt zu - aber wie ist es zu verstehen, daß Sie sich gegen
das übermäßige Herumjetten in der Welt aussprechen und gleichzeitig
Reiseberichte über Vulkanbergsteigen in Indonesien in Ihre Homepage stellen?
Mit freundlichen Grüßen
J. B.
Antwort: Sehr geehrter Herr B.,
schönen
Dank, daß Sie mir recht geben. Ihr Einwand ist mir allerdings nicht neu und
es wurde bereits einmal dazu Stellung bezogen. Um mich nicht wiederholen zu
müssen, empfehle ich Ihnen, meine Antwort auf folgenden Leserbrief zu lesen:
http://www.manfredhiebl.de/Politik/leserbriefe_politik.htm#Frau_Anke_S._schrieb:
Um Ihre
Frage zu beantworten, es handelt sich hier durchaus um keinen Widerspruch.
Das liegt nur daran, daß Sie glauben, einen solchen entdeckt zu haben. Sie
wollten mir doch wohl sagen:
»Wenn
jemand nicht selbst mit gutem Beispiel vorangeht, dann kann er auch von
anderen nicht verlangen, daß sie seiner Forderung nachkommen.«
Dieser
Schluß ist zwingend falsch, wie ich Ihnen im folgenden beweisen werde.
Der obige
Satz ist eine Subjunktion vom Typ
A ═> B
Aussage A:
Jemand geht selbst nicht mit gutem Beispiel voran.
Diese
Aussage ist zweifellos wahr, wenn sie sich auf mich bezieht.
Aussage B: Niemand kann von anderen
verlangen, daß sie seiner Forderung nachkommen.
Die Negation des Satzes lautet:
Aussage ¬B: Jemand kann von anderen
verlangen, daß sie seiner Forderung nachkommen.
Diese Aussage ist zweifellos richtig,
d.h. wahr, denn verlangen kann man alles, fraglich ist nur, ob man es auch
erhält.
Damit ist die Aussage B schlichtweg
falsch.
Sie folgern also aus einer wahren
Aussage eine falsche Aussage, obwohl diese Schlußfolgerung nach den Gesetzen
der Logik falsch ist, auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben.
Richtig ist vielmehr die Negation der
obigen Schlußfolgerung:
¬(A ═> B)
Diese wiederum ist äquivalent zu der
Aussage
A ^ ¬B
D.h. es gilt beides:
»Jemand geht selbst nicht mit gutem
Beispiel voran, und er kann von anderen verlangen, daß sie seiner Forderung
nachkommen.«
Diese Aussage ist wahr, weil die beiden
Teilaussagen wahr sind. Wenn diese Aussage falsch wäre, müßte wenigstens
eine der beiden Teilaussagen falsch sein, was jedoch, wie wir oben gesehen
haben, nicht der Fall ist.
Um nun auf den eingangs vorgetragenen
Vorwurf zurückzukommen: ja, ich darf nach Indonesien fliegen, um dort
Vulkane zu besteigen, auch wenn ich dabei selbst viel CO2
produziere, und ich kann dennoch von anderen verlangen, daß sie ihren CO2-Ausstoß verringern. Das ist kein Widerspruch, und damit sind Sie
widerlegt (was zu beweisen war).
Nun zu Ihrem eigentlichen Anliegen: Sie wollen offenbar,
daß Menschen nach dem kategorischen Imperativ handeln. Demnach dürfte sich
auf der Welt niemals jemand über etwas beschweren, wessen er selbst
bezichtigt werden kann. Der Satz von Kant mag zwar in der Ethik gelten,
nicht aber in der Logik, denn wenn jemand seine eigenen Fehler erkennt, darf
er diese durchaus auch denen vorwerfen, die sich ihrer nicht bewußt sind,
weil eben Fehler an sich kritikwürdig sind. Immanuel Kant legte diesen
moralischen Grundsatz fest, ohne sich bewußt zu sein, daß er für das
biologische Überleben wenig taugt. Ich möchte Ihnen kurz erklären, warum ich
selbst nicht immer nach dem kategorischen Imperativ handele und manchmal
sogar unmoralisch (egoistisch) handeln muß. Ich habe irgendwann vor langer
Zeit gelernt, daß es eigentlich nichts nützt, mit gutem Beispiel
voranzugehen, weil die anderen normalerweise nicht folgen, denn sie
gehorchen der Notwendigkeit. Gegen diese kann man nicht ankämpfen, dieser
Kampf wäre von Anfang an verloren. Man kann das, durch das man zugleich
wollen kann, daß es ein allgemeines Gesetz werde, nicht durch eine
moralische Verhaltensweise erreichen. Es würde sich die Welt dadurch nicht
ändern, denn das Bewegen einer trägen Masse bedarf einer besonderen
Kraftanstrengung. Die Moral ist eine Erfindung der Philosophen, die Natur
richtet sich nicht danach, sie gehorcht anderen Gesetzen. Auch eine noch so
hohe Moral kann ein Geschöpf nicht vor dem Zugriff des Menschen bewahren,
womit wir beim Punkt wären: der Mensch verdient eigentlich gar keine
moralische Behandlung. Einer, der daran geht, überall dort, wo er auftritt,
aus reiner Mordlust, und nicht nur um zu überleben, alle anderen Arten
auszurotten, wie hätte der selbst Gnade verdient? Warum sollte daher der
Mensch den Menschen schonen, wo doch gilt: »homo lupus homini.« Ich
persönlich habe gelernt, mit den Wölfen zu tanzen, auch wenn ich mir immer
wieder sagen muß: »Ihr seid Wölfe!«
Ich wünsche Ihnen einen schönen und
erholsamen Urlaub in Indonesien.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hiebl
2. Juli 2007
Frau Anke S. schrieb:
Sehr geehrter Herr Hiebl,
durch das Einsteinrätsel bin ich auf Ihre Homepage gekommen und fand diese
zunächst interessant, z.B. wegen der Reiseberichte. Dann las ich den Inhalt
der Startseite: G8 … Finden Sie nicht ein paar Widersprüche?
„Entweder geht man aber mit gutem Beispiel voran, dann darf man andere auch
kritisieren, oder man unterläßt es und es geschieht wieder nichts.“
Oder haben Sie die beschriebenen Reisen nicht selbst unternommen? Wo leben
und arbeiten Sie eigentlich?
Mit
freundlichen Grüßen
Anke S.
Antwort:
Sehr geehrte Frau S.,
das Leben ist voller Widersprüche.
Wie brauchen nicht darüber zu diskutieren, was in der Vergangenheit
geschehen ist, es geht um die Zukunft. Der Satz, den Sie zitieren, ist nicht
auf eine Einzelperson gemünzt, sondern an die Nation gerichtet. Natürlich
kann man ihn auch so verstehen, wie Sie ihn jetzt gegen mich verwenden. Ein
globales Problem kann aber nicht dadurch gelöst werden, daß man an jede
Einzelperson appelliert, sich konform zu verhalten, und dann argumentiert,
es sei schiefgelaufen, weil der Appell nutzlos verhallt sei. Mit den
Treibhausgasverursachern verhält es sich nämlich exakt wie mit den Rauchern,
und jeder einzelne von uns ist ein solcher »Raucher«. Auch hier können
vermutlich nur Verbote etwas Positives bewirken, und die müssen
sinnigerweise von den Regierenden ausgesprochen werden. Der einzelne kann
hierzu nur ganz geringfügig beitragen, weil ihm keine Alternativen angeboten
werden. Ich meine, ich kann auch nicht jeden Tag 20 km zu Fuß in die Arbeit
laufen, nur weil es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, die mich ebenso
schnell an meinen Arbeitsplatz bringen, als wenn ich mit dem eigenen Wagen
fahre. Die Energiepolitik ist nicht Sache des einzelnen, sie muß im Verbund
mit der Wirtschaft von der Regierung beschlossen werden. Kritisieren darf
einer die Regierung dafür, daß sie keine Konzepte vorlegt, allemal. Und Sie
werden mir doch wohl nicht sagen wollen, daß es keine Konzepte gäbe, ich
habe Ihnen doch eine ganze Reihe von Möglichkeiten aufgezeigt.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hiebl
19. März 2007
Herr Michael B. schrieb:
Sehr geehrter Herr Hiebl,
selten habe ich solch eine geballte Ladung verworrener
und widersprüchlicher Aussagen gelesen, wie die in Ihrem
Artikel vom 4. März 2007. Abstruse Forderungen (Bejagung
der Menschheit, Aussetzung der Fortpflanzung für mind. 2
Generationen ...) werden hier gepaart mit
pseudowissenschaftlichen »Tatsachen«, so daß man der
Meinung sein könnte, einer Satireschrift auf den Leim zu
gehen. Falls dem so ist, möchte ich mich für meine
Reaktion entschuldigen. Sollten Sie diese verbale
Diarrhöe aber tatsächlich ernst meinen, dann wollte ich
nur noch eines zum Ausdruck bringen: Ihre Forderungen
und Vorwürfe an die lebensunwerte, verwerfliche
Menschheit gepaart mit Ihrem eigenen, persönlichen
Lebensstil (überdurchschnittlich viele Fernreisen)
machen Sie einfach nur extrem unglaubwürdig. Auf diese
Diskrepanz hinzuweisen, das war mir ein Anliegen. Für
Ihre verworrene Lebensphilosophie bleibt im besten Fall
ein müdes befremdetes Lächeln.
Mit freundlichen Grüßen
Michael B.
Antwort:
Sehr
geehrter Herr B.,
Sie wissen sicher selbst sehr gut, daß niemand unter den heute Lebenden sich von
einem Mitverschulden an der globalen Erderwärmung freisprechen und die ihm
gemachten Vorwürfe zurückweisen kann, denn jeder von uns hat dazu den jeweiligen
Umständen entsprechend seinen Beitrag geleistet. Zu meiner Ehrenrettung muß ich
gestehen, daß jeder Reinwaschungsversuch diesbezüglich von Anfang an zum
Scheitern verurteilt ist. Somit möchte ich auf die mir gemachten Vorwürfe
überdurchschnittlich häufiger Fernreisen erst gar nicht eingehen, es käme dem
Versuche gleich, anderen wegen einer Geschwindigkeitsübertretung, die man selbst
jeden Tag begeht, eine Strafe aufbrummen zu wollen. Was ich Ihnen geschildert
habe, ist ein sogenanntes Endzeitszenario, wie es aussehen kann, nicht aber
notwendigerweise aussehen muß. Es handelt von einem Zustand, in dem die normalen
Gesetze des Zusammenlebens nicht mehr gelten. Hier wird nicht erörtert, wer wem
die größere Schuld an der Misere beimessen kann, sondern welches jeweils der
bestmögliche persönliche Ausweg aus einer prekären, alles vernichtenden
Situation ist. Es herrscht Weltuntergangsstimmung, die Spielregeln des fairen
Umgangs miteinander sind außer Kraft gesetzt, sie gelten nicht mehr. Es
gelten vielmehr andere Gesetze des Überlebens, die nicht nach Recht und
Billigkeit fragen, in denen sich aber immer noch eine gewisse Vernunft
widerspiegelt, solange die Hoffnung, daß es noch eine persönliche Rettung gibt,
nicht abgestorben ist. Es ist ein Zustand ohne Richter, am ehesten dem
herrschenden Kriegsrecht vergleichbar, und es gilt das Recht des Stärkeren. Mitleid
und Hilfsbereitschaft haben aufgehört zu existieren. Hier ist mit
Schuldzuweisungen und Vorhaltungen kein Boden mehr zu gewinnen, da die ordnenden
Kräfte außer Rand und Band geraten sind. Diesen Zustand möchte ich mit zwei
Parabeln, die mehr sagen als langatmige Erklärungen, anschaulich untermalen.
Erste Parabel: Zwei Gladiatoren stehen sich in der Arena gegenüber, Sie und ich.
Jeder von uns weiß, daß nur der als Sieger gelten kann, der den anderen tötet.
Sie haben ein Netz und einen Dreizack, ich nur ein Schwert. Da ich vermuten
würde, daß Sie sich das Überleben und Ihre Freilassung sichern möchten, würde
ich mit dem Wissen, daß meine Weigerung, Sie zu töten, sofort dadurch geahndet
wird, daß ich den Löwen zum Fraß vorgeworfen werde, sofort nach Beginn des
Kampfes versuchen, Ihnen eine tödliche Wunde am Hals beizubringen. Gelänge mir
das nicht, und ich könnte Sie nur verletzen, und käme dann das Zeichen des
Imperators mit dem Daumen nach unten, würde ich Ihnen den Gnadentod geben und
Ihnen das Schwert ins Herz bohren. Danach wäre ich frei und könnte mich
weiterhin des Lebens erfreuen. Dabei müßte ich gar kein schlechtes Gewissen
haben, daß ich einen Menschen getötet habe, weil ich ja wußte, daß Sie genauso
gehandelt hätten oder wir beide gestorben wären, einer von uns noch dazu ganz
sinnlos. Zweite Parabel: Wir befinden uns auf einem Schiff, das einen Eisberg
gerammt hat und in Kürze vom Sinken bedroht ist. Es gibt nicht genügend
Rettungsboote, um alle sicher abbergen zu können. Hoffnung auf Rettung von außen
besteht nicht. Der Kapitän entscheidet, daß zuerst die Frauen und Kinder in die
Boote gebracht werden, die Männer jedoch müssen an Bord bleiben und dem sicheren
Ertrinkungstod ins Auge sehen. Ich würde also an Bord bleiben und mit dem Schiff
untergehen, weil ich mit der Schmach, daß wegen mir Frauen und Kinder nicht
gerettet werden konnten, nicht weiterleben könnte. Da stellt sich heraus, daß
noch ein weiteres Boot verblieben ist, mit dem auch noch einige Männer gerettet
werden können. Das Boot hat aber nicht für alle Platz, das Los soll entscheiden,
wem Rettung verheißen ist und wem nicht. Ich gehöre zufällig zu den
Glücklichen, die das große Los gezogen haben und ins Rettungsboot einsteigen
können. Als sich das Boot vom sinkenden Schiff entfernt, kommen einige der
Ertrinkenden zum Boot geschwommen und wollen sich daran hochziehen, um sich in
ihrer Verzweiflung zu retten. Würden aber alle an Bord genommen, so würde das
Rettungsboot unweigerlich kentern, und die Insassen würden ebenfalls mit in den
Tod gerissen. Es sind nur einige Paddel an Bord verblieben und ein geringer
Proviant. Was glauben Sie, was ich in dieser Situation tun würde? Nun, ich würde
eines der Paddel nehmen und den nach Hilfe Schreienden so lange auf die Finger
klopfen, bis sie vom Boot ablassen, wohl wissend, daß sie dadurch dem sichern
Tod ausgeliefert sind. Umgekehrt kann ich aber das Leben der Bootsinsassen
retten. Es bleibt Ihnen nun unbenommen, dieses Verhalten zu werten, Sie können
mir vorwerfen, daß ich mein Leben mehr liebe als das Leben anderer, aber würde
das denn auch nur irgend etwas an meiner Handlungsweise ändern? Denken Sie zum
Schluß noch einmal an den Gladiator: Der gezielte Stoß zu Ihrem Hals ist so
sicher wie das Amen in der Kirche. Denken Sie noch einmal an den
Schiffbrüchigen: Der Schlag mit dem Paddel auf die Hand liefert ihn den Urgewalten
des Meeres aus, denn er war einer von denen, denen das Los nicht das
Leben verheißen hat. Wenn Sie hierbei nicht erschaudern, müssen Ihnen andere
die Zukunft weissagen.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hiebl
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