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Sehr geehrter Leser,

die
Erkenntnisse des Weltbevölkerungsberichts, den der
UN-Bevölke-rungsfonds, die Deutsche Stiftung
Weltbevölkerung und das Bundes-ministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in
Berlin rund vier Wochen vor dem UN-Klimagipfel in
Kopenhagen
vorgestellt haben, kommen leider um Jahrzehnte zu
spät. Daß schnelles Bevölkerungswachstum und
Industrialisierung im Laufe des letzten halben
Jahrhunderts dem Bericht zufolge zu einem raschen
Anstieg klima-schädlicher Treibhausgase geführt
haben, weiß man seit langem und wußte man im voraus,
und auch die Schlußfolgerung, daß ein langsameres
Bevölkerungswachstum helfe, sich kurz- und
mittelfristig besser an Klimaänderungen anzupassen,
weil dies langfristig zur Verringerung des Ausstoßes
von Treibhausgasen beitrage, kann nicht erst seit
heute nachvollzogen werden. Dennoch wurde in der
Vergangenheit durch Familienförderung, medizinische
Versorgung, die Integration von
Wirtschaftsflüchtlingen und die Gewährung von
Entwicklungshilfen überhaupt alles getan, um das
Bevölkerungswachstum noch anzukurbeln. Man
gebärdete sich, als gingen uns schon morgen die
Menschen aus. Obwohl der Bericht ein alarmierendes
Signal darstellt, wollen sich auch fortan Länder wie
China und die Vereinigten Staaten nicht an einer
Wiederbelebung des Kyoto-Protokolls beteiligen, sei
es nun aus Unvermögen oder aus Ignoranz. Einen
Erfolg bei der Reduktion von Treibhausgasen kann es
wahrscheinlich in demokratisch geführten Ländern
generell nicht geben, denn dazu bedarf es
totalitärer Machtinstrumente, die Zwang ausüben
können. Auf freiwilliger Basis wird sich niemand mit
Einschränkungen abfinden wollen. Insofern verhallen
alle Appelle, die zu Einsparungen mahnen, ungehört,
es bleibt bei Willensbekundungen, sich um eine
Reduktion zu bemühen, aber verbindliche Zusagen will
dennoch niemand abgeben. Es scheint in dieser Sache
nur ein konsequentes militärisches Vorgehen
zielführend zu sein, welches sich zur Aufgabe macht,
den Ländern ihren maximal zulässigen
Energieverbrauch vorzuschreiben. Ein solches Projekt
kann aber nur von einer Weltordnungsmacht in die
Hand genommen werden, die militärisch stark genug
ist, um auch entsprechend autoritär aufzutreten. Nur
auf diese Art kann sichergestellt werden, daß einer
Aufforderung zur Selbstbeschränkung auch Folge
geleistet wird. Derzeit ist aber auf weiter Flur
kein Staat erkennbar, der alleine in der Lage wäre,
den Kampf mit all seinen Konsequenzen aufzunehmen.
Allerdings muß man sich um eine Führungsrolle in
einem solchen Vorhaben auch erst bemühen. Denn es
bringt nichts, selbst Vorreiter beim Klimaschutz zu
sein, wenn uns die anderen, wie wir immer deutlicher
erkennen, nicht folgen. Dabei dürfte klar sein, daß
es auf dem einmal eingeschlagenen Wege ohne
gewaltige Rüstungsanstrengungen nicht abgehen kann.
Daß ein solches Vorgehen auch moralisch
gerechtfertigt ist, ergibt sich daraus, daß es ja
ums nackte Überleben geht, und in einem solchen
Kampf sind naturgemäß alle Mittel erlaubt, die dem
Sieger den Fortbestand sichern. Deswegen ist sein
Handeln auch in keiner Weise zu verurteilen. Aus dem
gleichen Grunde können wir auch ein Raubtier nicht
tadeln, nur weil es sein Beute frißt. Es tut dies ja
ausschließlich, um zu überleben. Man muß sich von
dem Irrglauben lösen, daß es ein dauerhaftes
Überleben für alle geben kann; die prognostizierten
vier Milliarden Jahre, die uns theoretisch noch
verbleiben, sind reine Fiktion. Mehrere Milliarden
Menschen können auf diesem Planeten nicht auf lange
Sicht überdauern. Dabei ist das Problem nicht, daß
es nicht genügend Nahrungsmittel für uns alle gäbe,
sondern es ist der Ausstoß schädlicher
Energieformen, die das Leben auf Erden zeitlich
begrenzen. Denn der Mensch der Steinzeit lebte
schließlich auch, und das nicht einmal schlecht,
sonst wären wir heute nicht hier. Es gibt demnach
nur zwei Möglichkeiten: Entweder es gelingt uns, die
Hauptverursacher der Emissionen dazu zu bringen, auf
weiteren Ausstoß von Treibhausgasen zu verzichten,
oder wir kommen alle um. Und angesichts solcher
Perspektiven ist es doch bedeutend besser, in die
vorindustrielle Zeit zurückzukehren, als gar nicht
zu existieren. Wir nehmen unser gesamtes Wissen
schließlich mit. Es ist viel sinnvoller, daß nur ein
Teil der Menschheit überlebt, als daß das Projekt
Mensch als Ganzes gefährdet wird. Die Überlebenden
werden es uns in jedem Fall danken, aber sie werden
lernen müssen, ihre Anzahl auf ein Minimum zu
begrenzen, anstatt sich erneut über alle Maßen zu
vermehren. Wem der Glaube Kraft schenkt, der möge
sich jetzt seinem Glauben zuwenden, für die anderen
aber muß sofortige Ernüchterung einkehren und zur
Tat geschritten werden. Wir müssen lernen, uns nach
langen Phasen des Friedens wieder dem Krieg
zuzuwenden, denn der Krieg ist der Vater aller
Dinge. Der Feind ist klar umrissen, wir kennen ihn,
es ist der Mensch. Ein Krieg Mensch gegen Mensch ist
aber wenig sinnvoll, es muß schon Partei gegen
Partei, Volk gegen Volk aufstehen. Freund und Feind
lassen sich klar auseinanderhalten: Wer sich auch
nach wiederholten Aufforderungen von der Emission
klimaschädlicher Treibhausgase nicht abbringen läßt,
ist Feind, wer darauf verzichtet, zählt zu den
Freunden. Damit ist klar, wer gegen wen zu kämpfen
hat und wo man seine Mitstreiter findet. Daß eine
solche Auseinandersetzung nicht ohne eigene Verluste
abgehen kann, steht von Anfang an fest, aber es ist
den Versuch wert, für eine bessere Welt und eine
lebenswerte Zukunft zu sterben. Denn wer sich vom
Leben abwendet, der möge das jetzt tun, die aber,
die leben möchten, müssen etwas dafür geben, denn
das Leben ist ein Geschenk, welches man nicht
umsonst erhält.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hiebl
Stand: 22. November 2009 |