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Sehr geehrter Leser,
gefreut
habe ich mich neulich, daß eine von den großen
Ölkonzernen beauftragte Studie zum Klimawandel
nunmehr zu dem Ergebnis kommt, daß der starke
Anstieg des Kohlendioxidgehalts der Luft
menschengemacht ist, und daß jetzt selbst ehemalige
Klimakritiker ins gegnerische Lager umgeschwenkt
sind.
»Was interessiert mich mein Geschwätz von
gestern«, könnte man als Entschuldigung anführen,
doch damit macht man es sich zu einfach, denn
nunmehr stellt sich die Frage, wer für den
entstandenen Schaden aufkommt und was getan werden
muß, um den weiteren Anstieg zu verhindern.
»Jede Art
stirbt irgendwann aus« ist kein Argument, solange
wir es selbst in der Hand haben, wie wir unser
Verhalten ändern können.
»Das erleben Sie nicht
mehr«, wie Leo Kirch mir einmal sagte, hat sich als
irrige Annahme erwiesen, denn wir sind ja schon
mitten drin.
»Man habe den Treibhauseffekt
unterschätzt« ist
eine für einen Wissenschaftler mehr als billige Ausrede, da man ja den jährlichen
Verbrauch an fossilen Brennstoffen kennt und weiß,
wieviel CO2 pro Liter Öl bei der Verbrennung
freigesetzt wird. Korrupte Industriebosse aus der
Automobilbranche und verantwortungslose
Spitzenpolitiker, Fluggesellschaften, Banken,
Kirchen und andere Wachstumsprediger sind es, denen
wir unser nahendes Ende zu verdanken haben. Die
anstehenden Probleme sind so gewaltig, daß sie von
Demokratien nicht mehr gelöst werden können, sondern nur
von totalitärer Hand. Denn freiwillig wird niemand
auf Energie verzichten, man muß ihn schon dazu
zwingen. Doch wer soll diesen Zwang ausüben und
beispielsweise die Einhaltung von Fahr- und
Flugverboten überwachen? Durch Wahrung der
Menschenrechte kann das nicht gelingen. Es wird also
Krieg geben müssen, um die Klimaziele durchzusetzen.
Denn wie will man die fünf weltweit größten
Verursacher des Klimawandels mit friedlichen Mitteln
dazu bringen, ihre Braunkohlekraftwerke
stillzulegen, gleichzeitig auf Atomkraft zu
verzichten und kein Erdöl mehr zu exportieren? Nur
militärische Macht kann sie dazu zwingen. Ob dies
nun durch Cyberangriffe geschieht oder mit anderen
Mitteln, ist dafür unerheblich: Jedes Mittel ist
recht, das geeignet ist, den weltweiten Klimawandel
zu stoppen. Einige mögen sich schon gefreut haben,
daß die Ära der Kriege jetzt endlich der
Vergangenheit angehört, doch scheinen diese Zeiten gerade erst
wieder zurückzukehren und ihre Fortsetzung
darin zu finden, was man im Zweiten Weltkrieg nicht
zu Ende gebracht hat. Die Aussicht, einen Krieg zu
überleben, ist immer noch größer als die Chance, den
Klimawandel zu überstehen, der uns allen das Leben
kosten wird und den wenigen, die ihn vielleicht
überleben, eine nicht mehr lebenswerte Zukunft
bescheren wird. Doch büßen und zur Verantwortung
gezogen werden müssen die für ihn Verantwortlichen,
zu denen im wesentlichen die Ignoranten, die
Spekulanten, die Kreditgeber und die
Wachstumsprediger gehören. Es würde doch nicht mit
rechten Dingen zugehen, wenn man für ein beispielloses
Verbrechen an der Menschheit
– nicht so sehr
der Menschlichkeit
– straffrei
ausgehen würde. Denn wenn
man für den Holocaust verurteilt wird, der Millionen
Menschen das Leben gekostet hat, um wieviel mehr
müssen dann erst die Verantwortlichen für die
Treibhauskatastrophe einer Strafverfolgung zugeführt
werden, die Milliarden Menschen das Leben kosten
wird. Doch auch wenn niemand zur Verantwortung
gezogen wird, indem weitergemacht wird wie bisher,
muß der zugefügte Schaden von irgendwem beglichen
werden. Wer zahlt denen, die durch Überflutungen,
Brände, ausbleibende Schneefälle, Trockenheit und
untergegangene Strände infolge der zunehmenden
Erderwärmung Schaden genommen haben, für deren
Ausfälle, und das in Zeiten, wo ohnehin wenig Geld
da ist, weil alle Länder hoch verschuldet sind? Die
Ölkonzerne, weil sie nicht darauf hingewiesen haben,
daß das, was sie da verkaufen, tödlich sein kann,
wie wir es von der Zigarettenindustrie her
kennen? Die Ölkonzerne werden alle Schuld von sich
weisen und mit dem Finger auf die erdölfördernden
Länder zeigen, die ihnen das Rohöl als gefährliches
Handelsgut angedreht haben. Die erdölfördernden
Länder werden sagen, daß sie von den
Industrienationen dazu gezwungen wurden, ihr Öl
abzugeben, weil diese es sich sonst gewaltsam geholt
hätten, so daß ihnen keine andere Wahl blieb. Die
Industrienationen werden sich damit entschuldigen,
daß ihre Industrie vom Export abhängt, weil sonst
Arbeitsplätze gefährdet seien und ihre Industrie
Erdöl zur Herstellung ihrer Produkte braucht. Die
Industrieunternehmer schließlich werden sagen, daß
sie ihr Unternehmen in der Absicht führen, Gewinne
zu erzielen, und sie ihr Gewerbe nur dann
betreiben können, wenn ihnen der Staat die dafür
notwendige Energie bereitstellt. Der Staat jedoch
wird sagen, daß er vom Bürger den Auftrag hat,
Arbeitsplätze zu sichern und dem Bürger dafür die
Rahmenbedingungen schaffen muß. Der Bürger kann sich
damit entschuldigen, daß er seine Familie ernähren
und dazu jeden Tag in die Arbeit fahren muß, wobei
er um die Tankstelle nicht herumkommt. Nun liegt die
Schuld also wieder bei der Tankstelle? Nein, denn
der Tankstellenbetreiber wird sagen, daß er im
Auftrag der großen Ölkonzerne Diesel und Benzin
verkaufen muß. Somit haben wir uns im Kreis gedreht
und kommen zu dem Schluß, daß doch die großen
Ölkonzerne schuld an der Misere sind. Die Ölkonzerne
–
nunmehr auf ihr Tun aufmerksam gemacht
–
werden einwenden:
»Das
haben wir nicht gewußt.«
Doch jetzt, nach dieser Studie, wissen sie es doch
und müßten den Verkauf von Erdöl einstellen. Sie
werden aber argumentieren:
»Das
können wir nicht, denn dann sitzt uns die Politik im
Nacken und wird uns zwingen, unser Öl weiter zu
verkaufen.«
Also ist doch die Politik schuld und muß für den
entstehenden Schaden aufkommen? Nein, denn die
Politik wird sagen:
»Wir
haben den Auftrag des Wählers zu erfüllen.«
Also bleibt die Schuld am Ende beim Wähler haften,
d.h. an der Demokratie. Der Bürger wird also an
seiner Eigenverantwortung nicht vorbeikommen, denn
er hat den Politiker schließlich als seinen
Vertreter gewählt, und er kann sich nicht darauf
berufen, daß der Politiker nicht das tut, was er
will, denn er hätte ihn ja schließlich aus dem Amt
drängen können. Aber genau das hat er nicht getan.
Man kann es drehen und wenden, wie man will, man
kommt am Bürger nicht vorbei, der die Zeche für sein
Tun letztendlich zahlen muß.
Jeder, der die Diskussionen zum Klimawandel in den
letzten 30 Jahren aufmerksam verfolgt hat, weiß, daß
man sich nicht damit herausreden kann, man habe den
Treibhauseffekt unterschätzt. Wenn man schon nicht
die Fähigkeit besitzt, Probleme analytisch zu
durchdringen, dann sollte man wenigstens mit Schätzungen
vorsichtig sein, sie am besten auch gar nicht abgeben,
denn hier war nichts zu schätzen, sondern einfach
nur zu berechnen. Wie die Rechnung geht, das hat Arrhenius
im Jahre 1896 schon vorgeführt. Es gibt
keine Entschuldigung, sich daran nicht erinnern zu
können. Aber einfach nur den Mund weit aufzureißen
und die Öffentlichkeit mit angeblichem Wissen zu
blenden, das bei genauerem Hinsehen nur ein Zur-Schau-stellen der eigenen Ignoranz ist, das
reicht nicht, um straflos davonzukommen. Ich denke,
all diejenigen, die sich hier zu weit hinausgelehnt
und die Wahrheit vorsätzlich wie Ketzer
geleugnet haben, sollten wegen Verbrechens gegen die
Menschheit vor Gericht gestellt werden. Ich könnte
Ihnen aus dem Stegreif drei Dutzend Personen nennen,
die zu jenen Leugnern gehören. Nicht die Tatsache,
daß jemand CO2 ausgestoßen hat, begründet eine
Schuld
–
denn das haben wir mehr oder minder alle getan
–, sondern vielmehr, daß durch die
öffentliche Verbreitung falscher Behauptungen in den kommenden Jahren infolge des
Klimawandels Millionen von Menschen ums Leben kommen
werden. Die Dimension dieses Verbrechens wird so
groß sein, daß sie alle Opferzahlen durch bisherige
Kriege und Seuchen in den Schatten stellt.
Der Mensch hat scheinbar eine ausgezeichnete
Begabung, nicht nur alle anderen Arten um sich herum
mit Stumpf und Stiel auszurotten, sondern am Ende
auch sich selbst. Anstatt sich einzuschränken,
ist er auf Wachstum versessen, denn dieses Wachstum
bis hin zum Geschwür ist es, was dem Menschen
augenscheinlich alsbald das Genick brechen wird. Er
hat nichts von der Natur gelernt, wo alles im
Gleichgewicht ist und alle Arten sich gegenseitig
auf ein vernünftiges Maß, das Koexistenz ermöglicht,
begrenzen. Den Anspruch zu stellen, als alleinige
Art überleben zu wollen, ist nur dem Menschen eigen,
der das verbohrteste Wesen überhaupt ist. Daß es
Grenzen des Wachstums gibt, und daß dieses nicht
alleine dadurch beschränkt ist, wie viele Menschen
die Erde ernähren kann, scheint sich immer mehr
herauszukristallisieren. Das Begrenzende ist
vielmehr der Anteil an schädlicher Energie, die bei
der Energieerzeugung abfällt und welchen die
Menschheit gerade noch verkraften kann, damit der
Planet nicht als Ganzes aus dem Gleichgewicht zu
geraten droht. Daran haben früher viele nicht
geglaubt, doch nun, nachdem es für
eine Umkehr bereits zu spät ist, scheinen selbst die ehemaligen
Skeptiker Gegner ihrer eigenen falschen Theorie von
damals zu
sein. Doch welche Konsequenzen sollen daraus nun
folgen? Daß das kontinuierliche Wirtschaftswachstum
der letzten beiden Jahrhunderte die Ursache des
Klimawandels ist, hilft ohne daraus Lehren zu ziehen
nicht wirklich weiter. Rückgängig machen lassen sich
die schon jetzt entstandenen Folgen ohnehin nicht:
der Meeresspiegel wird steigen, Sturm- und
Dürrekatastrophen werden jährlich ihre Opfer
fordern, in Deutschland brennen im Herbst die Wälder
und die Auswirkungen auf die Natur sind
unkalkulierbar. Und trotzdem beharren die Menschen
auf ihrem Wachstumsgedanken: Der Papst wettert gegen
die Pille, die Politiker schreien nach mehr
Nachwuchs, die Grünen sprechen sich für Zuwanderung
aus, die Automobilindustrie will ihren Export
steigern, die Fluggesellschaften noch mehr
Passagiere befördern. Der Reigen der Wahnsinnigen
dreht sich immer weiter. Bis man begriffen haben
wird, daß jede weitere Industrialisierung eingedämmt
werden muß, werden noch viele Jahre vergehen, wobei
es dann für eine Kehrtwende in der Energiepolitik zu
spät ist. Die Frage ist nicht, wie man von den
fossilen Brennstoffen wegkommt, sondern, daß man
diese Schadstoffe erst gar nicht weiter fördert. Sie
müssen dauerhaft im Boden verbleiben und dürfen auf
keine Art und Weise mehr genutzt werden. Die
Ölquellen müssen verschüttet, die Kohlebergwerke
geschlossen werden, und nach Erdgas darf ebenfalls
nicht mehr gebohrt werden. Was aus den Menschen
wird, die davon abhängen, ist völlig sekundär, denn
niemand hat ihnen befohlen, sich unbegrenzt zu
vermehren, sie haben es von sich aus getan und
müssen nunmehr dafür bezahlen. Ebenso muß verhindert
werden, daß andere nun in Ermangelung der genannten
Rohstoffe die wenigen noch verbliebenen Wälder
abholzen, um daraus Brennmaterial oder Anbauflächen
für die Landwirtschaft zu gewinnen. Das alles ist
mit friedlichen Mitteln nicht zu erreichen, denn die
Menschen werden sich dagegen wehren, wenn ihnen die
Energieversorgung plötzlich gekappt wird, wozu es
jedoch keine Alternative gibt. Daher deutet alles
auf einen großen Krieg hin, den die Industriestaaten
führen müssen, um sich gegen die aufkeimenden
Schwellenländer, die für den Hauptanteil der
CO2-Produktion verantwortlich sind, zu behaupten.
»Der
Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen
Mitteln«,
wie Clausewitz sagt, und er hat recht. Charles
Darwin dagegen schließt, daß nur die Tüchtigsten
überleben werden, und auch er hat recht, denn dies
sind uralte Weisheiten. Wer den Klimawandel, dessen
Auswirkungen selbst die beiden Weltkriege in den
Schatten stellen werden, immer noch nicht als die
größte Herausforderung versteht, vor der die
Menschheit je gestanden hat, größer noch als das
nukleare Wettrüsten, der hat entweder gar keine
Bildung oder er ist religiös umnachtet. Man muß
nicht unbedingt an den Maya-Kalender glauben und
auch keinen Blick ins Johannesevangelium geworfen
haben, um darin nachlesen zu können, was dort über
die Apokalypse geschrieben steht, es reicht die
einfache Erkenntnis, daß die Grenzen des Wachstums
bereits überschritten sind.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hiebl
Stand: 14. Dezember 2011 |