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Sehr geehrter Leser,

Horst Köhler ist
zurückgetreten, als erster Bundespräsident, der über
sich selbst gestolpert ist. Damit hat die ausufernde
Rücktrittskultur mittlerweile auch die Etage des
Staatsoberhauptes erreicht. Was von ihm erwartet
wurde, konnte er nicht erfüllen, nämlich im Umgang
mit persönlichen Meinungsäußerungen vorsichtig zu
sein und sich aus der Politik herauszuhalten.
Unglücklich war schon sein Antritt zum
Bundespräsidenten, denn Männer aus der Wirtschaft
sind nicht von dem Kaliber, aus dem man
Staatsoberhäupter schnitzt. Die Wirtschaft basiert
bis heute auf totalitären Strukturen, welche die
Räuber-Beute-Gesellschaft hervorgebracht hat. Konnte
man dem Ansehen eines höchsten Staatsdieners stärker
schaden als durch seine Berufung? Hätte es nicht
eine verdiente Person aus dem humanitären oder
karitativen Bereich auch getan, eine Person, die das
Bundesverdienst-kreuz bekommen hat oder ein
Nobelpreisträger? Das hat Merkel nun davon. Was
hätte sich Horst Köhler als Ausrede für seine
verunglückte Äußerung auch ausdenken sollen? Ihm
blieb nur der kontrollierte Rückzug. Ein
Bundespräsident sollte sich das Grundgesetz genau
durchlesen, bevor er sich darauf vereidigen läßt,
aber dann hat er auch voll dahinterzustehen. Unser
Grundgesetz sieht keine bewaffneten Konflikte vor,
außer zur Selbstverteidigung. Da kann man nun als
Privatperson dazu stehen, wie man will, als
Bundespräsident hat man sich an seine Vorgaben zu
halten. Der persönlichen Meinungsfreiheit sind
diesbezüglich enge Grenzen gesetzt. Wenn man als
Privatperson anderer Meinung ist, so ist einem das
natürlich freigestellt, die Frage ist nur, wie es
möglich war, sich das höchste Staatsamt mit dieser
Gesinnung zu erschleichen. Die Tarnkappe ist
gefallen, wes Geisteskind Köhler war, ist nun allzu
deutlich hervorgetreten. Wie die geübte Kritik
allerdings auch aus den Reihen der Grünen kommen
konnte, die sich zu Afghanistaneinsätzen
ausdrücklich bekannt haben, muß verwundern, denn
niemand im Lande hat Zweifel daran, daß der
Afghanistaneinsatz ebenso wirtschaftliche Interessen
verfolgt. Die Freihaltung der Seewege, wenn es um
militärischen Beistand geht, hat nichts mit Krieg zu
tun, sondern ähnelt mehr einem Polizeieinsatz. Es
wäre jedoch schizophren, den Afghanistaneinsatz
deutscher Soldaten mit einem Polizeieinsatz zu
begründen, wenn verbündete Länder gleichzeitig Krieg
führen. Krieg um wirtschaftlicher Ziele willen sieht
unser Grundgesetz nicht vor, und wenn man sich
darauf vereidigen läßt, aber klammheimlich anders
denkt, dann ist der Rücktritt Horst Köhlers auch die
richtige Entscheidung gewesen. Blamabel ist dies nur
für die Bundesregierung, der die Leute abbröckeln
und die sich somit kaum noch regierungsfähig zeigt.
Kaum, daß der alte verschieden ist, wird auch schon
der neue gehandelt, so als ginge es bei der Vergabe
des höchsten Staatsamts nur um das damit verbundene
höchste Gehalt, eine Simonie der Regierungsjobs.
Unabhängig von Parteienhader und Gezänk, welches der
Bürger endgültig leid ist, sollten sich unsere
Regierenden besser ernsthaft Gedanken darüber
machen, ob unsere Gesetze auch gut sind. So leben
wir bis heute mit einem uns von den Alliierten
diktierten Grundgesetz, obwohl wir als freies Land
rund siebzig Jahre nach Kriegsende längst Anspruch
auf einen Friedensvertrag als auch auf eine eigene
Verfassung hätten. Der militärische Einsatz müßte
längst neu geregelt werden. Vielleicht könnte man
dann die Aufgaben der Landesverteidigung auch auf
Auslandseinsätze ausdehnen oder Militäreinsätze
generell neu definieren. Wenn in den
Regierungsparteien ein Bedarf erkannt wurde,
wirtschaftliche Interessen notfalls mit Waffengewalt
zu verteidigen, was läge dann daran, die
gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen. Es mag
wie immer finanzielle Gründe geben, die einer
Änderung entgegenstehen, aber die gesetzliche
Notwendigkeit wiegt schwerer als irgendwelche
Sparzwänge, denn pleite ist dieser Staat ohnehin.
Was aber nicht angeht ist, daß die freie
Meinungsäußerung sich auch auf das Amt des
Bundespräsidenten erstreckt, denn dieser hat mit
seinen umstrittenen Äußerungen kundgetan, daß er daß
Grundgesetz nicht respektiert. Mutig waren die
Deutschen früher einmal, heute sind sie nur noch
verunsichert, und das schließt die höchsten
Würdenträger nicht aus. Sie erkennen nicht einmal
die Widersprüche, in die sie sich verwickeln.
Religionsfreiheit z.B. halten sie hoch, aber wenn
eine Religion nachweislich gegen das Grundgesetz
verstößt wie etwa der Islam mit seinen
menschenverachtenden Praktiken wie Polygamie,
Nichtgleichbehandlung der Frau und
Gewaltverherrlichung gegen Andersdenkende, wissen
sie nicht, was zu tun ist. Ein Gesetz muß
durchgängig schlüssig und widerspruchsfrei sein, und
es wäre die Sache hochbezahlter Staatsangestellter,
Ordnung und Transparenz zu schaffen, wo keine
herrscht. Der Sozialstaat muß überdacht, das
Bankengesetz neu geregelt und der vorsätzliche
Staatsbankrott bestraft werden. Es müssen die
Hausaufgaben erledigt werden, denn Politiker sind
geistig Schulkinder, die zu keiner eigenen
Entscheidung fähig sind, wenn sie nicht dazu
angehalten werden. Das Versagen zieht sich durch
alle Instanzen: die Verteidigungsfähigkeit der
Bundeswehr ist nicht mehr sichergestellt, Bildung
und Forschung verbluten, das Gesundheitswesen bleibt
auf der Strecke, die Renten können schon bald nicht
mehr ausbezahlt werden, aber immer noch sehen die
Verantwortlichen keine Veranlassung zum Handeln,
Hauptsache, ihr Gehalt am Monatsende kommt. Das
schmerzliche daran ist, daß sie sich alle an der
Allgemeinheit bedienen, ihr aber nichts geben, wie
lästige Blutsauger, die man am liebsten totdrischt. Alles
geschieht nur kurzsichtig im Hinblick auf ihre
vermeintliche Wiederwahl, aber auch das könnte
leicht geändert werden. Deutschland hat keine guten
Gesetze, und so kann auch ein neuer Bundespräsident
nur über dieselben Stolpersteine fallen. Die
Kanzlerin müßte jetzt anstandshalber zurücktreten,
denn der Bundespräsident wurde beleidigt. Eine
Beleidigung des Bundespräsidenten ist nach dem
Strafgesetzbuch ein Verbrechen. Was hingegen hat
Angela Merkel getan, die Verantwortlichen zur
Rechenschaft zu ziehen? Nichts, sie hat versagt. Sie
beweist einmal mehr ihre Führungsschwäche, denn das
Kanzleramt erfordert mehr als nur einen
Klapperstorch. Mit Leuten ihres Formats wünsche ich
Ihnen weiterhin viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hiebl
Stand: 4. Juni 2010 |