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22. November 2009
Klimapolitik wird langsam zur Farcedie Erkenntnisse des Weltbevölkerungsberichts, den der UN-Bevölkerungsfonds, die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin rund vier Wochen vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen vorgestellt haben, kommen leider um Jahrzehnte zu spät. Daß schnelles Bevölkerungswachstum und Industrialisierung im Laufe des letzten halben Jahrhunderts dem Bericht zufolge zu einem raschen Anstieg klimaschädlicher Treibhausgase geführt haben, weiß man seit langem und wußte man im voraus, und auch die Schlußfolgerung, daß ein langsameres Bevölkerungswachstum helfe, sich kurz- und mittelfristig besser an Klimaänderungen anzupassen, weil dies langfristig zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen beitrage, kann nicht erst seit heute nachvollzogen werden. Dennoch wurde in der Vergangenheit durch Familienförderung, medizinische Versorgung, die Integration von Wirtschaftsflüchtlingen und die Gewährung von Entwicklungshilfen überhaupt alles getan, um das Bevölkerungswachstum noch anzukurbeln. Man gebärdete sich, als gingen uns schon morgen die Menschen aus. Obwohl der Bericht ein alarmierendes Signal darstellt, wollen sich auch fortan Länder wie China und die Vereinigten Staaten nicht an einer Wiederbelebung des Kyoto-Protokolls beteiligen, sei es nun aus Unvermögen oder aus Ignoranz. Einen Erfolg bei der Reduktion von Treibhausgasen kann es wahrscheinlich in demokratisch geführten Ländern generell nicht geben, denn dazu bedarf es totalitärer Machtinstrumente, die Zwang ausüben können. Auf freiwilliger Basis wird sich niemand mit Einschränkungen abfinden wollen. Insofern verhallen alle Appelle, die zu Einsparungen mahnen, ungehört, es bleibt bei Willensbekundungen, sich um eine Reduktion zu bemühen, aber verbindliche Zusagen will dennoch niemand abgeben. Es scheint in dieser Sache nur ein konsequentes militärisches Vorgehen zielführend zu sein, welches sich zur Aufgabe macht, den Ländern ihren maximal zulässigen Energieverbrauch vorzuschreiben. Ein solches Projekt kann aber nur von einer Weltordnungsmacht in die Hand genommen werden, die militärisch stark genug ist, um auch entsprechend autoritär aufzutreten. Nur auf diese Art kann sichergestellt werden, daß einer Aufforderung zur Selbstbeschränkung auch Folge geleistet wird. Derzeit ist aber auf weiter Flur kein Staat erkennbar, der alleine in der Lage wäre, den Kampf mit all seinen Konsequenzen aufzunehmen. Allerdings muß man sich um eine Führungsrolle in einem solchen Vorhaben auch erst bemühen. Denn es bringt nichts, selbst Vorreiter beim Klimaschutz zu sein, wenn uns die anderen, wie wir immer deutlicher erkennen, nicht folgen. Dabei dürfte klar sein, daß es auf dem einmal eingeschlagenen Wege ohne gewaltige Rüstungsanstrengungen nicht abgehen kann. Daß ein solches Vorgehen auch moralisch gerechtfertigt ist, ergibt sich daraus, daß es ja ums nackte Überleben geht, und in einem solchen Kampf sind naturgemäß alle Mittel erlaubt, die dem Sieger den Fortbestand sichern. Deswegen ist sein Handeln auch in keiner Weise zu verurteilen. Aus dem gleichen Grunde können wir auch ein Raubtier nicht tadeln, nur weil es seine Beute frißt. Es tut dies ja ausschließlich, um zu überleben. Man muß sich von dem Irrglauben lösen, daß es ein dauerhaftes Überleben für alle geben kann; die prognostizierten vier Milliarden Jahre, die uns theoretisch noch verbleiben, sind reine Fiktion. Mehrere Milliarden Menschen können auf diesem Planeten nicht auf lange Sicht überdauern. Dabei ist das Problem nicht, daß es nicht genügend Nahrungsmittel für uns alle gäbe, sondern es ist der Ausstoß schädlicher Energieformen, die das Leben auf Erden zeitlich begrenzen. Denn der Mensch der Steinzeit lebte schließlich auch, und das nicht einmal schlecht, sonst wären wir heute nicht hier. Es gibt demnach nur zwei Möglichkeiten: Entweder es gelingt uns, die Hauptverursacher der Emissionen dazu zu bringen, auf weiteren Ausstoß von Treibhausgasen zu verzichten, oder wir kommen alle um. Und angesichts solcher Perspektiven ist es doch bedeutend besser, in die vorindustrielle Zeit zurückzukehren, als gar nicht zu existieren. Wir nehmen unser gesamtes Wissen schließlich mit. Es ist viel sinnvoller, daß nur ein Teil der Menschheit überlebt, als daß das Projekt Mensch als Ganzes gefährdet wird. Die Überlebenden werden es uns in jedem Fall danken, aber sie werden lernen müssen, ihre Anzahl auf ein Minimum zu begrenzen, anstatt sich erneut über alle Maßen zu vermehren. Wem der Glaube Kraft schenkt, der möge sich jetzt seinem Glauben zuwenden, für die anderen aber muß sofortige Ernüchterung einkehren und zur Tat geschritten werden. Wir müssen lernen, uns nach langen Phasen des Friedens wieder dem Krieg zuzuwenden, denn der Krieg ist der Vater aller Dinge. Der Feind ist klar umrissen, wir kennen ihn, es ist der Mensch. Ein Krieg Mensch gegen Mensch ist aber wenig sinnvoll, es muß schon Partei gegen Partei, Volk gegen Volk aufstehen. Freund und Feind lassen sich klar auseinanderhalten: Wer sich auch nach wiederholten Aufforderungen von der Emission klimaschädlicher Treibhausgase nicht abbringen läßt, ist Feind, wer darauf verzichtet, zählt zu den Freunden. Damit ist klar, wer gegen wen zu kämpfen hat und wo man seine Mitstreiter findet. Daß eine solche Auseinandersetzung nicht ohne eigene Verluste abgehen kann, steht von Anfang an fest, aber es ist den Versuch wert, für eine bessere Welt und eine lebenswerte Zukunft zu sterben. Denn wer sich vom Leben abwendet, der möge das jetzt tun, die aber, die leben möchten, müssen etwas dafür geben, denn das Leben ist ein Geschenk, welches man nicht umsonst erhält.