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Abstammung und Charakter König Fulkos. (Kap. 1) Sein früherer Aufenthalt in Jerusalem und seine Berufung zur Nachfolge im Königreich. (Kap. 2) Ruhmreicher Tod des Grafen Joscelin von Edessa. (Kap. 3) Der König wird von den Antiochiern berufen. Bosheit der Fürstin Melisendis. (Kap. 4) Der Graf von Tripolis stellt sich dem König entgegen, wird aber von diesem besiegt. Die Angelegenheiten in Antiochien werden in Ordnung gebracht. (Kap. 5) Der König wird aufs neue nach Antiochien berufen, befreit zuerst den belagerten Grafen von Tripolis und schlägt dann die Feinde der Antiochener. (Kap. 6-7) Der Patriarch von Jerusalem erbaut mit den Fürsten des Königreichs einen festen Platz. (Kap. 8) Raimund, dem Sohn des Grafen von Poitou, wird angeboten, die Tochter Bohemunds von Antiochien zu heiraten. (Kap. 9) Tod des Patriarchen Bernhard von Antiochien. Unruhen, die die Wahl seines Nachfolgers erregt. (Kap. 10) Tod des Papsts Honorius. Die Wahl seines Nachfolgers veranlaßt eine Spaltung in der Kirche. Tod des Erzbischofs Wilhelm von Tyrus. (Kap. 12-14) Der Graf von Joppe wird des Hochverrats angeklagt. (Kap. 15) Graf Walther von Cäsarea fordert den Grafen zum Zweikampf. Dieser wendet sich, anstatt sich zu stellen, an die Feinde des Reichs. Herstellung des Friedens, nach dessen Bedingungen der Graf auf drei Jahre das Königreich verlassen muß. Ehe er noch Gelegenheit zur Überfahrt hat, wird er von einem bretagnischen Ritter schwer verwundet. Verdacht, der den König trifft. Abreise des Grafen. (Kap. 16-18) Waffenstillstand mit den Damaszenern. (Kap. 19) Ankunft Raimunds in Antiochien. Er heiratet Bohemunds Tochter und wird Fürst von Antiochien. (Kap. 20) Raimunds Abstammung, Charakter und Äußeres. (Kap. 21) Der König erbaut in der Nähe von Askalon einen festen Platz. (Kap. 22) Tod des Grafen von Tripolis durch Verrat. Sein Sohn Raimund nimmt Rache dafür. (Kap. 23) Der Kaiser Johannes von Konstantinopel zieht gegen Antiochien, erobert die Städte Kilikiens, belagert Antiochien. (Kap. 24) Unglück des Königs im Kampf gegen Zenghi. Er wird in Mont-Ferrand belagert. (Kap. 25-26) Bezeuge verheert indessen Neapolis. (Kap. 27) Rüstungen, um dem König zu Hilfe zu kommen. Er übergibt den Platz zuvor unter billigen Bedingungen. (Kap. 28-29) Der Kaiser fährt fort, Antiochien zu belagern. Bedingungen, unter denen der Friede zustande kommt.
I. Nachdem nun Balduin, der zweite lateinische König von Jerusalem mit dem Beinamen von Bourg, aus dieser Welt entrückt war, folgte ihm sein Schwiegersohn nach, Graf Fulko von Touraine, Maine und Anjou, dem der genannte König, wie wir früher erzählt haben, seine erstgeborene Tochter Melisende zur Frau gegeben hatte. Dieser Fulko war rothaarig, aber so wie David, den der Herr als einen Mann nach seinem Herzen erfand, denn er war treu, mild und trotz jener Farbe leutselig, gütig und mitleidig, in den Werken der Frömmigkeit und im Almosengeben äußerst freigebig, seinem Geschlecht nach ein mächtiger und bei den Seinen, ehe er zur Regierung des Königreichs herbeigerufen wurde, hochgeachteter Fürst, im Kriegswesen sehr erfahren, bei der Kriegsarbeit ausdauernd und sehr umsichtig, seinem Äußeren nach von mittlerer Statur, aber schon bejahrt und mehr als sechzig Jahre alt. Unter den Fehlern, denen er nach dem Gesetz der Sterblichkeit unterworfen war, war auch der, daß er ein äußerst schwaches und unpräzises Gedächtnis hatte, so daß er nicht einmal die Namen seiner Dienerschaft und nur von wenigen Menschen die Gesichtszüge im Gedächtnis behalten konnte, wo es denn oft kam, daß er jemand alle Ehre erzeigte und auf das vertraulichste mit ihm sprach, und wenn ihm derselbe nachher unversehens begegnete, so erkundigte er sich angelegentlich, wer denn dieser sei. Daher brachte er viele, die auf seine Freundschaft rechneten und in diesem Vertrauen sich anderen als Beschützer erweisen wollten, in große Verlegenheit, wenn sie sahen, daß sie selbst eines Fürsprechers bei ihm bedürfen. Sein Vater, der Graf von Touraine und Anjou, hieß ebenfalls Fulko und führte den Beinamen Rechin. Er hatte eine Schwester des Herrn Amalrich von Montfort namens Bertelea zur Frau und hatte aus dieser Ehe zwei Söhne, nämlich den Fulko, von dem die Rede ist, und Gottfried Martell und eine Tochter namens Hermingerde, die früher die Gemahlin des Grafen Wilhelm von Poitou war, der sie aber gegen alle Ehegesetze verstieß, worauf sie sich zu dem Grafen von Bretagne begab, dem sie mit ehelicher Liebe anhing und einen Sohn namens Konan gebar, der ebenfalls Graf von Bretagne wurde und den Beinamen „der Dicke“ hatte. Nachdem die Gemahlin Fulkos des Älteren ihm diese drei Kinder geboren hatte, verließ sie ihren Gemahl und begab sich zu König Philipp von Frankreich, der seine rechtmäßige Frau verstoßen hatte und nun diese wie seine Frau behandelte, sie in alle seine Sorgen einweihte, ihr mit ehelicher Liebe anhing und sie den Kirchengesetzen zuwider gegen den Willen der Bischöfe und Fürsten des Königreichs, die Vorstellungen dagegen machten, bei sich behielt. Sie gebar ihm drei Kinder, die Söhne Florus und Philipp und die Tochter Cäcilia, von der oben erzählt wurde, daß sie zuerst die Frau des Fürsten Tankred von Antiochien gewesen sei und nach dessen Tod sich zum zweiten Mal mit dem Grafen Pontius von Tripolis vermählt habe. Der genannte Fulko, der Sohn des älteren Fulko, heiratete, nachdem sein Vater schon gestorben war, die Tochter des Grafen Helyas von Maine namens Guiburge, die ihm zwei Söhne und zwei Töchter gebar. Diese Ehe hatte aber seine Mutter gestiftet. Während nämlich der Jüngling am Hofe seines Herrn, des Grafen von Poitou, die Stelle eines Mundschenks bekleidete, wurde er von ebendiesem Grafen auf die Nachricht vom Tode seines älteren Bruders hin gefangengenommen und in Fesseln gelegt, weil der Graf einige feste Plätze, die der Bruder und Vater Fulkos im Gebiet des Grafen zwar erblich, aber als Lehen von diesem besessen hatten, gewaltsam in Besitz nehmen wollte. Als seine Mutter, welche schon lange vorher seinen Vater verlassen und sich zum König von Frankreich begeben hatte, dies erfuhr, bat sie aus mütterlicher Liebe den König und wirkte es bei ihm aus, daß ihr Sohn befreit und in sein väterliches Erbe eingesetzt wurde. Überdies brachte sie es auch zustande, daß der König ihrem Sohn die einzige Tochter des obengenannten Grafen Helyas mit ihrem ganzen väterlichen Erbe zur Frau gab, aus welcher Ehe, wie schon gesagt, zwei Söhne und zwei Töchter hervorgingen. Der erstgeborene hieß Gottfried. Dieser wurde der Nachfolger seines Vaters in der Grafschaft, und der mächtige König von England, Heinrich der Ältere, gab ihm seine einzige Tochter Mahalde, die Witwe des römischen Kaisers Heinrich, zur Frau. Aus dieser Ehe wurden Gottfried drei Söhne geboren, nämlich Heinrich, der nachher mit Ernst und Klugheit das Königreich England regierte, Gottfried, der den Beinamen Plantagenet hatte, und Wilhelm, der den Beinamen Langschwert führte. Der zweite Sohn desselben Fulko hieß wie sein mütterlicher Großvater Helyas. Ihm gab der Graf Ratold von Perche seine einzige Tochter zur Frau und versprach ihm, künftig nicht wieder zu heiraten, sondern alle seine Besitzungen an ihn zu vererben. Er vergaß aber diesen Vertrag und heiratete seines Versprechens uneingedenk die Schwester des Grafen Patricius, eines edlen Mannes aus England, die ihm mehrere Kinder gebar, wodurch der genannte Helyas gegen seine Hoffnung aus dem Erbe verdrängt wurde. Von den Töchtern hieß die eine Sybilla. Diese heiratete den berühmten und edlen Grafen Dietrich von Flandern, aus welcher Ehe der Philipp stammt, der jetzt die Grafschaft Flandern in Besitz hat. Die andere hieß Mahaldis. Diese war mit dem Sohn des genannten Königs Heinrich von England verlobt gewesen, aber noch ehe sie sich vermählen konnten, kam ihr Verlobter bei der Überfahrt nach England durch einen Schiffbruch ums Leben, worauf die Braut die Ehelosigkeit gelobte und in einem sehr strengen Nonnenkloster bei Fontevrault bis zu ihrem Ende ein heiliges Leben führte.
II. Nach dem Tod seiner Frau war der genannte Fulko noch vor jener Zeit, wo er vom König herbeigerufen wurde, der Andacht halber nach Jerusalem gereist und hatte sich hier durch die Großmut, die er im Dienste Gottes zeigte, indem er nämlich ein ganzes Jahr lang hundert Reiter im Königreich auf seine Kosten unterhielt, mit Recht die Gunst des Königs und des ganzen Volkes und die vertraute Freundschaft aller Fürsten erworben. Nach seiner Rückkehr verheiratete er seine Söhne und Töchter und setzte seine Grafschaft in den besten Stand. Nachdem er nun einige Jahre nach seiner Rückkehr seinen Geschäften mit Ernst und Klugheit obgelegen war, siehe, da sandte der König von Jerusalem, der in Sorge war, wen er zu seinem Nachfolger und zum Gemahl seiner erstgeborenen Tochter bestimmen sollte, nach vielen Beratungen auf den gemeinsamen Rat aller Fürsten und mit freudiger Zustimmung des Volks einige seiner Fürsten, nämlich den Wilhelm von Buris und den Guido Brisebarre, an ihn ab und lud ihn ein, sein Tochtermann und Nachfolger zu werden. Auf diesen Ruf bestellte der Graf sein Hauswesen, brachte in seiner Grafschaft alles in Ordnung und brach dann, nachdem er seinen Kindern den Segen gegeben hatte, mit einem stattlichen Gefolge seiner Großen nach Jerusalem auf. Als er hier angekommen war, gab ihm der König sogleich nach wenigen Tagen, dem Vertrag gemäß, seine erstgeborene Tochter zur Frau und unter dem Namen einer Morgengabe die zwei Städte Tyrus und Ptolemais, die er ungefähr drei Jahre lang besaß, wobei er wie bisher den Namen eines Grafen führte. Nachdem nun der König am einundzwanzigsten August im Jahre der Menschwerdung des Herrn elfhundertundeinunddreißig gestorben war, wurde dieser Graf samt seiner Gemahlin am vierzehnten September, am Fest der Kreuzeserhöhung, in der Kirche zum Heiligen Grab vom Patriarchen von Jerusalem feierlich und nach dem Herkommen zum König gekrönt und geweiht.
III. Um dieselbe Zeit erwartete der Graf Joscelin von Edessa, schon lange krank darniederliegend, seinen letzten Tag. Es war nämlich im vergangenen Jahr in der Gegend von Haleb ein aus rauhen Steinen erbauter Turm über ihm zusammengestürzt. Er hatte diesen, um ihn den Feinden, die darin eingeschlossen waren, desto leichter abzugewinnen, untergraben lassen, und nun stürzte derselbe plötzlich, ehe sich der Graf dessen versah, zusammen und über ihn her, so daß man ihn nur mit Mühe aus dem Schutt, unter dem er mit zerbrochenen Gliedern begraben lag, hervorziehen konnte. In dem durch dieses Unglück herbeigeführten Zustand blieb er lange Zeit und hielt die Seele, die den Leib verlassen wollte, immer noch in demselben zurück, als, siehe da, ein Eilbote kam und die Nachricht brachte, der Sultan von Ikonium halte einen festen Platz von ihm besetzt, der Kressus hieß. Als der großherzige Mann dies hörte, ließ er, wiewohl er jetzt von gebrechlichem und ohnmächtigem Körper, aber immer noch von starkem Geist war, seinen Sohn zu sich rufen und gab ihm den Auftrag, mit der ganzen Ritterschaft des Landes dem genannten Feind unerschrocken entgegenzuziehen und an die Stelle seines ohnmächtigen Vaters zu treten. Als dieser aber die Einwendung machte, daß der genannte Sultan mit einer schweren Menge angekommen sei, und sich mit den geringen Kräften, die sie im Vergleich mit jenen hätten, entschuldigte, ließ der Vater, der sah, wie wenig Mut sein Sohn habe, und aus diesen Worten auf sein künftiges Betragen schloß, seine Ritterschaft und das ganze Volk des Landes zusammenrufen. Als dies geschehen war, ließ er sich eine Sänfte zurechtmachen, bestieg diese und zog seiner Schmerzen und seiner Ohnmacht vergessend den Feinden entgegen. Als er nun mit seinem Heer eine Zeitlang vorgeschritten war, meldete ihm einer der Großen des Landes, Gottfried mit dem Zunamen der Mönch, der Sultan habe auf die Nachricht von seiner Ankunft die Belagerung des genannten Platzes aufgehoben und sich schleunigst auf den Rückweg gemacht. Als der Graf diese Kunde vernahm, befahl er, die Sänfte, auf der er getragen wurde, auf den Boden niederzulassen, und dankte dem Herrn mit zum Himmel emporgehobenen Händen unter Seufzen und Weinen und im Geiste der Demut, daß er ihn bei seinem Ende noch so gütig und erbarmungsvoll mit einer solchen Gnade heimgesucht habe und ihn, den halb Toten, der schon am Eingang des Grabes stehe, noch den Feinden des christlichen Namens habe furchtbar sein lassen. Unter diesen Dankgebeten gab er seinen Geist auf. Er hinterließ als Erben seiner sämtlichen Besitzungen einen Sohn, der den gleichen Namen mit ihm führte, aber dem väterlichen Ruhm nur wenig Ehre machte. Dieser jüngere Joscelin hatte nämlich die Schwester eines Armeniers namens Leo, eines bei den Seinigen sehr mächtigen Mannes, zur Mutter, er war klein von Gestalt, aber von tüchtigen Gliedern, hatte dunkles Haar und dunkle Hautfarbe, ein breites, durch Blatternarben entstelltes Gesicht, aufgequollene Augen und eine vorstehende Nase. Er war freigebig und in ritterlichen Übungen ausgezeichnet, ergab sich aber Schmausereien und Trinkgelagen über alles Maß und fröhnte der Fleischeslust so, daß es ihm zur öffentlichen Schmach gereichte. Er heiratete die Witwe Wilhelms von Saone namens Beatrix, eine Frau, edel durch ihre Abstammung, noch edler aber durch ihre Sitten, und erhielt von ihr einen Sohn Joscelin den Dritten und eine Tochter, die zuerst Gemahlin Rainalds von Mares war, nachher aber den Grafen Amalrich von Joppe, der später König von Jerusalem wurde, heiratete, aus welcher Ehe König Balduin der Sechste von Jerusalem und seine Schwester Sybilla stammten. Dieser Joscelin verlor, wie weiter unten erzählt werden wird, durch seine Trägheit und seiner Sünden halber das ganze Land, das sein Vater so ausgezeichnet regiert hatte.
IV. Im ersten Jahr der Regierung Fulkos nun, als sowohl die Stadt als das ganze Land Antiochien eines Fürsten entbehren mußten, da Bohemund der Jüngere schon vor dem König gestorben war und nur eine einzige Tochter als Erbin hinterlassen hatte, riefen die Großen des Landes den König zu sich, um die Sorge für das ganze Land zu übernehmen, weil sie befürchten mußten, die Provinz möchte wegen des Mangels an einem Oberhaupt den feindlichen Angriffen offenstehen. Die Gemahlin des verstorbenen Fürsten nämlich, die Tochter des Königs Balduin und Schwester der Königin Melisende, war ein äußerst verschlagenes und boshaftes Weib, das mit Hilfe einiger Vertrauter ihre Tochter vom Erbe ausschließen und das ganze Land für sich gewinnen wollte, um dann, wenn sie das Fürstentum zu eigen hätte, nach Willkür eine zweite Ehe schließen zu können. Ihr Vater aber war, solange er noch lebte, gleich nach dem Tode ihres Mannes diesen Ränken mit großem Eifer zuvorgekommen, hatte sie aus Antiochien vertrieben und sie sich mit den beiden Seestädten Gabulum und Laodikäa, die sie von ihrem Mann als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte, begnügen lehren. Als nun aber ihr Vater gestorben war, glaubte sie die Zeit herbeigekommen, wo sie ihren früheren Plan wieder aufnehmen könnte. Sie hatte sich aber für diesen Zweck durch große Geschenke und noch größere Versprechungen einige mächtige Männer gewonnen, nämlich Wilhelm von Sehunna, Guarentons Bruder, den Grafen Pontius von Tripolis und den Grafen von Edessa, Joscelin den Jüngeren. Diese Verbindung flößte den Großen des Landes Furcht ein, und sie suchten sich, so sehr sie konnten, ihren gottlosen Bemühungen in den Weg zu stellen. Sie hatten deswegen auch, wie wir schon gesagt haben, den König herbeigerufen, daß sie an ihm einen Beistand hätten und damit es dem Land nicht an einem Oberhaupt fehle.
V. Als der König die Botschaft der Antiochener erhalten hatte, wurde er über die Verschwörung im Lande, die ihm äußerst gefährlich erschien, sehr bestürzt, brach sogleich dahin auf und kam bis nach Berythus. Da ihm nun hier der Graf von Tripolis den Durchzug durch seine Länder verweigerte, so fuhr er in Begleitung Anselms von Brie, eines edlen Vasallen von ihm, zu Schiff bis nach dem Hafen des heiligen Simeon, wo ihm die edlen und mächtigen Großen aus Antiochien entgegenkamen, ihn in die Stadt führten und das ganze Land unter seine Herrschaft stellten. Der Graf von Tripolis aber, obgleich er, wie schon gesagt worden ist, die Schwester des Königs zur Frau hatte, eilte dem König sogleich nach und begab sich ebenfalls nach Antiochien, um sich der Fürstin zuliebe, von deren Geschenken er bestochen worden sein soll, den Maßregeln des Königs entgegenzustellen. Der Graf besaß nämlich in diesem Land im Namen seiner Frau zwei feste Plätze, nämlich Arcikanum und Rugia, die Tankred auf seinem Totenbett seiner Frau als Hochzeitsgeschenk vermacht hatte. Diese Plätze nun versah der Graf mit Waffen und Mannschaften und begann den König und die Seinigen von hier aus zu beunruhigen. Hierüber wurden die Antiochener sehr entrüstet und bestürmten den König, jenem entgegenzutreten und seiner Anmaßung einen Zügel anzulegen. Der König willfahrte ihnen und zog eingedenk der Kränkung, die er durch die Verweigerung des Durchgangs durch seine Länder auf seiner Herreise von ihm erlitten hatte, mit allen Mannschaften, die er aufbringen konnte, dorthin. Es geschah aber, daß sie bei dem vorgenannten Rugia aufeinandertrafen, wo sie sich dann von beiden Seiten in Schlachtordnung stellten und ein Treffen lieferten, dessen Erfolg lange zweifelhaft war. Endlich aber gewann der König die Oberhand, sprengte das Heer des Grafen auseinander, schlug ihn mit den Seinigen in die Flucht und nahm viele seiner Ritter, die er sodann gefesselt nach Antiochien führte, gefangen. Nachher kam durch die eifrige Vermittlung getreuer Männer eine Versöhnung zwischen dem König und dem Grafen zustande. Der Graf bekam seine gefangenen Ritter zurück, und das Land schien wieder in einen besseren Zustand gekommen zu sein. Da jedoch die Klügeren im Lande fürchteten, es möchten sich, wenn der König heimkehre, innere Unruhen erheben, die die Feinde zu ihrem Schaden benützen könnten, so baten sie den König flehentlich, noch längere Zeit bei ihnen zu verweilen. Der König aber, der in Betracht zog, daß durch Gottes erbarmende Fürsorge sein Königreich in Sicherheit sei und sich der tiefsten Ruhe erfreue, das Land, in dem er sich aufhielt, aber des Schutzes eines Regenten im höchsten Grade bedürfe, gewährte ihnen gütig ihre Bitte, ordnete sowohl in der Stadt als im umliegenden Land nach dem gemeinsamen Beschluß der Großen alles aufs beste an und verwendete, um alles in den besten Zustand zu bringen, ebensoviel Sorgfalt oder noch mehr darauf als auf seine eigenen Angelegenheiten. Daher erwarb er sich die volle Liebe der Bürger als auch der Fürsten, die ihre Lehenspflichten gebührend erfüllten. Nachdem er nun alles in Sicherheit gebracht und die Geschäfte gehörig geordnet hatte, kehrte er, da er sich schon längere Zeit, so lange als es ihm nötig schien, hier verweilt hatte, wieder in sein Königreich zurück, wo ihn seine eigenen Angelegenheiten in Anspruch nahmen. Die Obhut über das Fürstentum aber übertrug er dem edlen und eifrigen Reinald mit dem Zunamen Mansver.
VI. Im Verlauf der Zeit, während der König in dem ihm von Gott übertragenen Königreich mächtig seine Kräfte anstrengte und der Martha gleich im Dienste desselben viele Sorgen und Mühen hatte, erschien ein Bote aus Antiochien mit der Nachricht, daß eine unermeßliche Menge von Türken aus dem persischen Meerbusen und aus dem ganzen Orient über den großen Fluß Euphrat gesetzt und sich in schwerer Menge um Antiochien gelagert hätte. Diese Nachricht machte ihn über den Zustand des ihm anvertrauten Fürstentums und über das Wohl seiner Einwohner äußerst besorgt, hauptsächlich deswegen, weil sie alle ihre Hoffnung auf ihn gesetzt hatten. Aber auch darum war er ängstlich, weil es, wie das Sprichwort sagt, uns selbst gilt, wenn die Wand des Nachbarn brennt, denn er sah wohl ein, daß ein Unglück dieser seiner Nachbarn ihn selbst in Gefahr stürze. Er hielt es also für ehrenhaft, seinen hilfsbedürftigen Brüdern Beistand zu leisten, versammelte alle Reiter und alles Fußvolk seines Königreichs und rüstete sich zum Aufbruch. Als er sich nun in aller Schnelligkeit nach jenen Gegenden wandte und mit seinem Heer bis nach Sidon gekommen war, brachte ihm seine Schwester, die Gräfin Cäcilia, die Gemahlin des Grafen Pontius von Tripolis, unter Tränen die Nachricht, daß der mächtige persische Satrap, der Fürst Sanguin von Haleb, ihren Gemahl mit aller Macht in einem seiner festen Plätze, der Mont-Ferrand hieß, belagert halte. Sie bat ihn also und drang nach Frauenart aufs heftigste in ihn, alles übrige, da dieses nicht so nötig sei, auf eine andere Zeit zu verschieben und ihrem bedrängten Gemahl schleunigst zu Hilfe zu kommen. Durch ihr dringendes Bitten ließ sich der König auch bewegen, die Ausführung seines früheren Vorhabens etwas zu verschieben, und wandte sich, verstärkt durch einige Ritter aus dem Gefolge des Grafen, die hinter dessen Heer zurückgeblieben waren, mit seinen Scharen dorthin. Als Sanguin nun hörte, daß der König herbeieile, um die Feste zu entsetzen, beriet er sich mit den Seinen, was hier zu tun sei, hob die Belagerung von sich aus auf und kehrte mit seinen Heerscharen nach Hause zurück.
VII. Da nun der Graf wieder frei und der König also dieser Sorge entledigt war, kehrte er zu seinem begonnenen Werk zurück und zog, seinem früheren Vorsatz gemäß, in Eilmärschen nach Antiochien. Als die Antiochener von seiner Ankunft hörten, kamen sie ihm entgegen und empfingen ihn mit der größten Freude, denn sie hofften, durch seine Bemühungen werde es ihnen gelingen, den Ungestüm der Feinde, die sie erwarteten, ohne Gefahr ertragen zu können. Es ist ja bekannt, daß ein Volk, wenn es auch noch so groß ist, ohne einen Führer nichts zustande bringt, und die größten Heere ohne einen, der sie lenkt, sowenig zusammenhängen als Sand ohne Mörtel. Unterdessen meldeten häufige und übereinstimmende Gerüchte, daß die, welche mit starker Hand und großen Rüstungen über den Euphrat gesetzt seien, sich mit den Ortskundigen, die sie in der Gegend des Flusses gefunden hatten, vereinigt und in dem Gebiet von Haleb gelagert hätten, von wo sie das ganze Land durch unvorhergesehene Einfälle verheerten. Schon versammelten sie sich aus allen angrenzenden Gebieten an einem Ort, der Kanestrivum heißt, und wollten von hier mit der, wie es die Ortskundigen angaben, ungeheuren Menge, die sie zusammengebracht hatten, im ganzen Land unversehens Einfälle machen. Als dies der König erfuhr, berief er die ganze Ritterschaft des Fürstentums, zog mit seinem Gefolge aus Antiochien und schlug sein Lager bei dem festen Platz Harenk. Hier hielt er sich nach Art eines klugen Mannes, denn der Übereilung gelingt nichts, einige Tage ruhig und wartete, ob die Feinde, die ein größeres Heer haben sollten, die Seinigen zum Kampf herausforderten oder auf irgendeine andere Art verrieten, was sie im Sinn haben. Da er aber sah, daß sie nichts Derartiges unternehmen, sondern ruhig in ihrem Lager liegenbleiben, vielleicht um noch Verstärkung abzuwarten, überfiel er sie plötzlich. Er traf sie völlig unvorbereitet, und ehe sie noch zu den Waffen greifen konnten, hieben die Seinigen auf sie ein und durchbohrten sie mit ihren Lanzen. Nur wenigen gelang es durch die Flucht, dem Tod, den die übrigen fanden, mit Hilfe ihrer Pferde zu entkommen. Das Lager, das mit allen Bedürfnissen und mit Gerätschaften verschiedenster Art angefüllt war, hatten sie zurückgelassen und ungefähr einen Verlust von dreitausend Mann erlitten. So kehrten die Unseren mit Siegesbeute, daß sie mehr nicht wünschten, über und über bedeckt, mit Siegeszeichen, Pferde, Sklaven, großes und kleines Vieh, Zelte und alle Arten von Beute mit sich führend, in höchster Freude nach Antiochien zurück. Dadurch hatte sich der König die Herzen aller Antiochener ohne Unterschied, der Hohen ebenso wie der Niederen, vollständig gewonnen und stand bei allen in Gunst. Früher nämlich waren ihm auf Veranlassung der Fürstin, der die Anwesenheit des Königs unangenehm und verdächtig war, einige der Großen, die sich durch ihre verschwenderische Freigebigkeit hatten gewinnen lassen, feindlich gesinnt gewesen.
VIII. Während der König in Antiochien auf diese Art beschäftigt war und seine Bemühungen, bis hier nach gemeinsamem Beschluß ein Fürst gewählt sei, den Angelegenheiten des Landes zuwandte, mit einer Sorge, als ob es sein eigenes wäre, vereinigten die, welche im Königreich zurückgeblieben waren, nämlich der Patriarch und die Bürger von Jerusalem, ihre Kräfte und gründeten im Vertrauen auf Gottes Beistand in der Nähe des uralten Ortes Nobe, der heutzutage gewöhnlich Bettenuble genannt wird, am Fuße des Gebirges, da, wo die Ebene beginnt und wo der Weg nach Lidda und ans Meer führt, zum Schutz der vorüberziehenden Pilger einen festen Platz, dem sie die größte Dauerhaftigkeit zu geben suchten. Hier in den Engpässen des Gebirges, die man nicht umgehen konnte, drohte nämlich den Reisenden immer große Gefahr, da die von Askalon hier plötzliche Überfälle zu machen gewohnt waren. Nachdem sie nun das Werk glücklich vollendet hatten, gaben sie dem Ort den Namen Kastell Arnald, und durch Gottes gnädigen Willen geschah es auch, daß durch dieses Kastell die, welche nach Jerusalem hin oder von da zurückkehren wollen, seitdem einen weniger gefährlichen Durchgang und einen viel sichereren Weg haben.
IX. Da er nun einen so großen Sieg erfochten hatte und das Fürstentum Antiochien ganz nach seinem Willen regierte und auf diese Art zwei Reiche, die ihm durch die göttliche Vorsehung zugefallen waren, mit dem größten Glück beherrschte, das eine wie das andere, und dem Volk von beiden durchaus Ruhe und Sicherheit verschaffte, gewann der König durch alles dieses den höchsten Ruhm. Schon kamen die Großen dieses Landes zum König, hauptsächlich aber die, welche ihrem verstorbenen Fürsten Bohemund und seiner verwaisten Tochter die gelobte Treue halten wollten, besprachen sich mit ihm vertraulich und baten ihn, da ihm die edlen Männer und erlauchten Jünglinge in den Ländern über den Alpen hinlänglich bekannt seien, dringend, ihnen zu raten, welchen von den vielen Fürsten sie herbeirufen sollten, um ihm die Tochter ihres Herrn, die Erbin der väterlichen Güter, zu vermählen. Der König nahm diese Rede gnädig auf, lobte sie wegen ihrer Treue und ihres Eifers und begann dann mit ihnen eine nähere Beratung. Nachdem man nun eine Reihe von Fürsten durchgegangen war, beschloß man endlich mit allgemeiner Übereinstimmung, zu diesem Zweck einen gewissen edlen Jüngling von ausgezeichneter Anlage namens Raimund, den Sohn des Grafen Wilhelm von Poitou, zu berufen. Er hielt sich, wie es hieß, bei König Heinrich dem Älteren von England auf, von welchem er die Ritterwaffen erhalten hatte, während sein erstgeborener Bruder Wilhelm das ererbte Aquitanien regierte. Nachdem sie sich nun hin und her beraten hatten, hielten sie es für das beste, einen gewissen Gerald, der den Beinamen Jeberrus führte und ein Bruder des Hospitals war, mit Briefen des Patriarchen und aller Großen versehen, in aller Stille abzuschicken, denn sie fürchteten, wenn sie eine feierliche Gesandtschaft von bedeutenderen Personen senden, so möchte ihnen die Fürstin, die ein äußerst boshaftes Weib war, Hindernisse in den Weg legen. Die Ankunft des Berufenen zu verhindern wäre nämlich ein Leichtes gewesen, denn Roger, der damals Herzog von Apulien war und später König wurde, nahm Antiochien mit allem Zugehörigen als ein Erbe in Anspruch, das von seinem Vetter Bohemund rechtmäßig auf ihn übergehe. Robert Guiskard, der Vater des älteren Bohemund, und der Graf Roger von Sizilien, der den Beinamen Borsa führte, der Vater von diesem König Roger, waren nämlich leibliche Brüder gewesen. Der jüngere Bohemund aber, der Sohn des älteren, war der Vater dieses Fräuleins, welches der genannte junge Raimund heiraten sollte. Er mußte also mit Vorsicht berufen werden, damit ihm seine Nebenbuhler, wenn sie von seiner Ankunft hörten, nicht gewaltsamer- oder hinterlistigerweise den Weg versperrten. Nachdem dies also angeordnet war, kehrte der König nach Jerusalem zurück, wohin ihm die allgemeine Liebe nachfolgte.
X. Um dieselbe Zeit ging der hochbejahrte Bernhard, ein einfacher und gottesfürchtiger Mann, der erste lateinische Patriarch in Antiochien, nachdem er seine Würde sechsunddreißig Jahre bekleidet hatte, den Weg allen Fleisches. Während nun nach seinem Tod alle Bischöfe und Erzbischöfe, die diesem Sitz untergeben waren, nach dem Herkommen versammelt waren und sich im Palast des Patriarchen über dieses wichtige Geschäft eifrig berieten, ihre Meinungen, wie es in solchen Fällen zu geschehen pflegt, gegeneinander austauschend, wurde ein gewisser Erzbischof Radulf von Mamistra, der aus dem Schloß Danfrunt stammte, das zwischen der Normandie und dem Sprengel von Maine liegt, ein ritterlicher, prachtliebender und äußerst freigebiger Mann, der beim Volk und der Ritterschaft äußerst beliebt war, ohne Vorwissen seiner Brüder und Mitbischöfe, wie man sagt, bloß durch die Stimme des Volkes, zum Patriarchen erwählt und auf den Stuhl des Fürsten der Apostel gesetzt. Als die, welche sich versammelt hatten, um mit Gottes Hilfe einen Patriarchen zu wählen, dies hörten, gingen sie aus Furcht vor dem Ungestüm des wütenden und schreienden Volkes auseinander, weigerten sich jedoch, dem, den sie nicht gewählt hatten, Gehorsam zu leisten. Dieser aber nahm nichtsdestoweniger von der Kirche und dem Palast Besitz und nahm auch sogleich, ohne alle Ehrerbietung vor der römischen Kirche, das Pallium vom Altar des heiligen Petrus. Im Verlauf der Zeit gelang es ihm auch, einige der untergebenen Bischöfe der Kirche in seine Gemeinschaft zu ziehen, und wie wir aus dem Bericht von vielen wissen, hätte er mit den Kanonikern der Kirche Frieden gehalten und sich nicht in seinem Hochmut angemaßt, ihre Besitzungen zu beunruhigen, so hätte er hier ein ganz ruhiges Leben führen können. Aber weil es wahr ist, was das Sprichwort sagt, daß nicht leicht gut endet, was schlimm begonnen worden ist, so wurde er seiner Sünden halber durch seine großen Reichtümer so übermütig, daß er keinen Menschen über sich glaubte und sich mehr wie ein Nachfolger des Antiochus als des Petrus oder Ignatius betrug. Von den Großen der Kirche setzte er die einen gewaltsam ab, die anderen ließ er in Ketten und Bande legen, als ob sie die größten Verbrechen begangen hätten. So verstieß er einen gewissen Arnulf, einen Kalabrier von Volkszugehörigkeit, einen durchaus edlen und gelehrten Mann, wie auch Lambert, der Archidiakon an derselben Kirche und ein Mann von merkwürdiger Herzenseinfalt und ehrbarem Lebenswandel und ebenfalls ein Gelehrter war wie jener Arnulf, wie Mörder ins Gefängnis, und zwar in ein Gemach, das ganz mit Kalk angefüllt war, und mißhandelte sie viele Tage unter dem Vorwand, sie hätten sich zu seinem Tode verschworen. Indem er auf diese und ähnliche Art seine Untergebenen roh und trotzig behandelte, zog er sich den allgemeinen Haß zu; und sein böses Gewissen beunruhigte ihn so, daß er sich kaum unter den Leuten seiner nächsten Umgebung sicher glaubte. Davon jetzt soviel, denn im folgenden werden wir an seinem Ort zur rechten Zeit von seinem Ende sprechen.
XI. Während dies im Morgenland vorfiel, zahlte der Papst Honorius dem Tod seine Schuld und endigte sein Leben. Als nun die Kardinäle sich über die Wahl eines Nachfolgers berieten, zeigten sich hier verschiedene Meinungen, und weil sie durchaus nicht einstimmig werden konnten, so wählten sie im Gegensatz zueinander zwei Päpste, nämlich Gregor, den Kardinaldiakon von Sankt Angelus, der nach seiner Weihe den Namen Innozenz bekam, und Peter, der den Beinamen Leo führte und Kardinalpresbyter zur heiligen Maria der Ölspendenden über der Tiber war und von denen, die ihn gewählt hatten, bei der Weihe den Namen Anaklet erhielt. Auf diese Art entstand eine höchst gefährliche Spaltung, so daß die Kirchen nicht nur innerhalb der Stadt in die größte Not kamen und das Volk einander totschlug, sondern auch beinahe der ganze Erdkreis erschüttert wurde und die Königreiche als Parteigänger zweier verschiedener Lager aneinandergerieten. Endlich behauptete Innozenz, nach vielen Drangsalen und unermeßlichen Gefahren, seinen Platz, nachdem der genannte Peter, sein Nebenbuhler, vor ihm starb. In denselben Tagen legte unser Vorgänger Wilhelm, der erste lateinische Erzbischof von Tyrus seit Befreiung der Stadt, seine sterbliche Hülle ab und wanderte zum Herrn. Solange die Stadt noch in der Gewalt der Feinde war, erhielt ein gewisser Odo, der, wie schon erzählt worden ist, noch vor Befreiung der Stadt gestorben war, den Titel dieser Kirche. An seine Stelle kam Fulcher, ein Aquitanier, aus Angoulême gebürtig, ein gottesfürchtiger und frommer Mann, nur wenig gelehrt, aber von festem Charakter und auf Zucht und Ordnung haltend. Er war bei den Seinigen im Kloster Cellée Abt der regulierten Chorherren gewesen. Als aber später die Spaltung zwischen dem Papst Innozenz und zwischen Peter, dem Sohn Peter Leos, ausbrach, drückte der Bischof Gerhard von Angoulême, der Legat des Apostolischen Stuhls war und dem genannten Peter anhing, die, welche mit der anderen Partei übereinstimmten, so sehr er konnte. Da der ehrwürdige Mann dies nicht ertragen konnte, so machte er eine Wallfahrt nach Jerusalem und tat endlich im Kloster zum Heiligen Grab Profeß. Von hier aus wurde er an die Kirche von Tyrus berufen, die er zwölf Jahre lang als der vierte vor uns wacker und glücklich regierte und der wir jetzt nicht durch unser Verdienst, sondern allein, weil uns die Gnade des Herrn dieses Amtes gewürdigt hat, vorstehen. Als dieser vom Patriarchen von Jerusalem seine Weihe empfangen hatte und nun nach dem Beispiel seines Vorgängers nach Rom eilen wollte, um das Pallium zu erhalten, wollten ihn derselbe Patriarch und seine Anhänger hinterlistig und mit Gewalt zurückhalten, so daß er kaum und mit größter Schwierigkeit ihren Händen entkam und der genannten Sache wegen nach Rom gelangte. Dies kann man deutlich aus dem Inhalt eines Schreibens des Papstes Innozenz entnehmen, wo er sagt: „Bischof Innozenz, der Knecht der Knechte Gottes, dem ehrwürdigen Bruder, dem Patriarchen von Jerusalem, seinen Gruß und apostolischen Segen. Wir wissen aus dem Evangelium, daß dem heiligen Petrus, dem Ersten der Apostel, die Aufsicht über die ganze Kirche und alle kirchlichen Anordnungen durch ein himmlisches Privilegium übertragen worden ist." Und dann heißt es weiter unten: „Wir müssen uns aber wundern, daß Du, da doch die römische Kirche so viel an der Befreiung der morgenländischen Kirche gearbeitet hat, wobei viele unserer Söhne ihr Blut vergossen haben, und die Herzen der Laien und Geistlichen dazu erweckt hat, dieser Kirche zu dienen, so gar nicht darauf bedacht warst, der Mutterkirche, wie es sich ziemte, Gleiches mit Gleichem zu erwidern. Du hast nicht nur unseren ehrwürdigen Bruder, den Erzbischof Fulcher von Tyrus, als er wie seine Vorgänger nach der Kirche von Rom reisen wollte, um das Pallium zu empfangen, daran zu hindern gesucht, sondern Du hast Dich auch, als er von uns zurückkam, unfreundlich und sehr finster und rauh gegen ihn betragen, so daß Du ihm weder die alte Würde von Tyrus wiederherstellen halfst noch ihm wegen der ihm zugefügten Schäden oder wegen Kaypha, das ist Porphyria, in der von uns anberaumten Zeit von drei Monaten nach Empfang unseres Schreibens Recht verschafft hast, da es doch ganz ungerecht wäre, wenn ihm die Ehre, die ihm die Kirche von Antiochien erweisen würde, so er unter ihr stünde, von Dir und Deinen Nachfolgern entzogen werden sollte. Außerdem sollst Du Dich gegen seine untergebene Geistlichkeit allzu herrisch betragen. Darum gebieten wir Dir kraft unserer apostolischen Gewalt, wie Du von unserer, Deiner Mutterkirche mit frommem Eifer unterstützt zu werden, wie Du in Deinen Nöten deren Schutz zu erhalten wünschst, so liebe und ehre Du den genannten Erzbischof und maße Dir nicht an, ihn in irgend etwas zu beunruhigen, vielmehr säume nicht, ihm in allen den Dingen, wegen deren er bei Dir geklagt hat, innerhalb vierzig Tagen, nachdem Du gegenwärtiges Schreiben empfangen hast, volles Recht zu verschaffen und Dir hinsichtlich seiner Untergebenen nichts zu erlauben, das den kanonischen Satzungen zuwiderläuft. Wo nicht, so hast Du zu fürchten, daß wir ihn und die ihm Untergebenen von dem Gehorsam gegen Dich lossprechen und sie unmittelbar unter uns stellen. Gegeben im Lateran den siebzehnten Dezember."
XII. Nach seiner Rückkehr von Rom nun tat man ihm zu wissen, bis entschieden sei, unter welchen Patriarchen er in Zukunft zu stehen komme, sollte er indessen, wie dies auch seinen Vorgängern gesagt worden war, dem von Jerusalem gehorchen, und er sollte in dieser Kirche denselben Rang einnehmen, den seine Vorgänger in Antiochien einnahmen, solange sie dieser angehörten. Es ist übrigens gewiß, daß unter den dreizehn Erzbischöfen, die seit den Tagen der Apostel dem Stuhl von Antiochien untergeben waren, der von Tyrus den ersten Rang hatte, so daß er der Protothronos im Orient genannt wurde, wie man dies im Verzeichnis der Priester, die zur antiochenischen Kirche gehören, verzeichnet findet. Hier heißt es so: Der erste Sitz Tyrus mit dreizehn Bistümern, der zweite Sitz Tarsus mit fünf Bistümern, der dritte Sitz Edessa mit zehn Bistümern, der vierte Sitz Apamea mit sieben Bistümern, der fünfte Sitz Hierapolis mit acht Bistümern, der sechste Sitz Bostrum mit neunzehn Bistümern, der siebente Sitz Anavarza mit neun Bistümern, der achte Sitz Seleukia mit vierundzwanzig Bistümern, der neunte Sitz Damaskus mit zehn Bistümern, der zehnte Sitz Amida mit sieben Bistümern, der elfte Sitz Sergiopolis mit vier Bistümern, der zwölfte Sitz Theodosiopolis mit sieben Bistümern, der dreizehnte Sitz Emissa mit vier Bistümern, selbständige Metropolitane acht, Erzbischöfe zwölf. Daß also der Erzbischof von Tyrus unter den Bischöfen der Kirche von Jerusalem den ersten Rang einnehme, und daß er bloß auf einen Erlaß des Papstes hin dieser Kirche gehorche, kann man deutlich aus einem Brief sehen, den Innozenz an denselben Wilhelm von Jerusalem sandte und der also lautet: „Bischof Innozenz, der Knecht der Knechte Gottes, dem Patriarchen Wilhelm von Jerusalem seinen Gruß und apostolischen Segen. Um je höher die freigebige Güte des Herrn in Deinen Tagen die Kirche von Jerusalem gestellt hat, um so freundlicher muß Deine Person sich gegen ihre Brüder betragen und die, welche Dir Gehorsam leisten, durch erwidernde Liebe ehren. Wir gebieten Deiner Bruderschaft unverzüglich, unseren ehrwürdigen Bruder, den Erzbischof Fulcher von Tyrus, der auf einen Befehl der heiligen römischen Kirche Dir gehorcht, mit brüderlicher Liebe wert und in Ehren zu halten und auf Deiner Hut zu sein, daß Du ihn nicht auf irgendeine Art bedrückst oder die edle und berühmte Kirche von Tyrus unter dem Vorwand dieser Untergebenheit, welche Du und die Kirche von Jerusalem bloß einer Wohltat des Apostolischen Stuhls zu verdanken haben, in ihrem Recht oder ihrer Würde beeinträchtigst, denn es wäre ganz ungerecht, wenn ihr die Ehre, welche ihr die Kirche von Antiochien erweisen würde, so sie unter dieser stünde, von Dir oder Deinen Nachfolgern entzogen werden sollte. Gegeben zu Albano den siebzehnten Juli."
XIII. Wie er nun also zurückgekehrt war, wurden ihm, jedoch nicht ohne Schwierigkeiten, die Bistümer, die bis auf diesen Tag in der Hand des Patriarchen von Jerusalem gewesen waren, nämlich Akkon, Sidon und Berythus, zurückgegeben, die übrigen aber, nämlich Biblius, Tripolis und Antaradus, welche wieder andere Bistümer derselben Kirche als Eigentum in ihrer Hand hatten, behielt der Patriarch von Antiochien gewaltsam zurück, nicht weil er leugnete, daß sie zur Gerichtsbarkeit von diesem gehören, sondern unter dem Vorwand, daß ihm der Bischof von Tyrus nicht Gehorsam leiste. Damit aber dieses nicht geschehe, daß vielmehr diese Bistümer zur Mutterkirche von Tyrus zurückkehren, hatte derselbe Papst Innozenz sowohl den genannten Bischöfen als dem Patriarchen von Antiochien folgendes geschrieben: „Bischof Innozenz, der Knecht der Knechte Gottes, seinen ehrwürdigen Brüdern, den Bischöfen Gerhard von Tripolis, R. von Tortosa und H. von Biblius seinen Gruß und apostolischen Segen. Eure Brüderschaft wisse, daß sich der Zustand der Kirche dann am meisten hebt, wenn die in ihr festgestellte Ordnung in ihr unverletzt bewahrt wird und wenn man jedem Prälaten ohne Streit und Widerspruch die Ehrerbietung erweist, die man ihm schuldig ist. Ein jeder soll darauf bedacht sein, daß er seine Prälaten, wenn er solche hat, ehre und wert halte, denn wenn diesen unverdient und unrechtmäßig ihre Ehre entzogen wird, so muß die Einheit des Ganzen, unter welche die Kirche nach weislicher Erwägung alles gebracht und geordnet hat, um ihr mehr Festigkeit zu geben, notwendig darunter leiden. Damit nun also die Ehre oder Würde Eurer Kirche durch ungerechte Streitigkeiten und Zänkereien nicht verringert oder zugrunde gerichtet werde, befehlen und gebieten wir Euch durch dieses apostolische Schreiben, daß Ihr unserem ehrwürdigen Bruder, dem Erzbischof Fulcher von Tyrus, als Eurem Metropolitanen den schuldigen Gehorsam und die gebührende Ehrerbietung erweist. Wir haben Euch und Eure Kirchen kraft unserer apostolischen Vollmacht an die Kirche von Tyrus, welche Eure Metropolitankirche ist, zurückgegeben und sprechen Euch von dem Eid der Treue, den Ihr dem Patriarchen von Antiochien geschworen habt, auf dieselbe Weise los. So Ihr aber diesem unserem Befehl nicht gehorchen und es versäumen solltet, innerhalb drei Monaten nach Empfang dieses Schreibens zum Gehorsam gegen den genannten Bruder zurückzukehren, so werden wir dies Urteil, das er selbst dem kanonischen Recht gemäß gegen Euch aussprechen wird, für gültig erklären. Gegeben im Lateran den siebzehnten Januar." Damit sie aber nicht vom Patriarchen von Antiochien, der sie lange zurückgehalten hatte und ein mächtiger Mann war, verhindert würden, dem Befehl des Papstes nachzukommen, schrieb dieser demselben Patriarchen folgendes: „Bischof Innozenz, der Knecht der Knechte Gottes, seinem ehrwürdigen Bruder, dem Patriarchen Radulf von Antiochien, seinen Gruß und apostolischen Segen. In den heiligen kanonischen Verordnungen steht geschrieben, daß jeder mit seinem Bezirk zufrieden sein und nicht in fremde Rechte eingreifen solle. Auch sollen wir das, was wir wollen, daß uns nicht geschehe, nach göttlichen und menschlichen Gesetzen unserem Nebenmenschen nicht tun. Da dieses sich also verhält, so befehlen wir Deiner Bruderschaft, die Bischöfe, die zur Kirche von Tyrus gehören, nicht daran zu hindern, unserem ehrwürdigen Bruder, dem Erzbischof Fulcher, ihrem Metropolitanen, den schuldigen Gehorsam und die gebührende Ehrerbietung zu erweisen, indem sonst den kanonischen Satzungen zuwidergehandelt wird, wenn die untergebenen Bischöfe ihrem Metropolitanen den Gehorsam verweigern. Wir wünschen nämlich, daß hinsichtlich der Prälaten und ihrer Untergebenen das hergebrachte Recht und die vorgeschriebene Ordnung ohne Widerspruch aufrechterhalten werden. Gegeben im Lateran den siebzehnten Januar." Aber nicht nur an diese schrieb der Papst also, sondern auch an die, welche vom Patriarchen von Jerusalem zurückgehalten worden waren und die aus Furcht vor diesem dem apostolischen Befehl nicht gehorcht hatten. Er befahl ihnen auf diese Weise, alsbald, ohne einen weiteren Vorwand zu suchen, dem Erzbischof von Tyrus Gehorsam zu leisten, und schrieb ihnen also: „Bischof Innozenz, der Knecht der Knechte Gottes, seinen ehrwürdigen Brüdern, den Bischöfen Balduin von Berythus, Bernhard von Sidon und Johannes von Ptolemais seinen Gruß und apostolischen Segen. Die Heiligen Väter haben darum gewollt, daß in den heiligen Kirchen Grade und Ordnungen seien, daß durch den Gehorsam und die Ehrerbietung der Niedrigergestellten gegen die Höheren aus verschiedenen Teilen ein Ganzes und jeder Dienst auf die gehörige Art verrichtet werde. Es schmerzt uns aber und wir wundern uns sehr darüber, daß Ihr es unter dem Vorwand unpassender Auslegungen versäumt habt, dem Befehl nachzukommen, den wir Euch schon längst durch einen apostolischen Brief gegeben haben, in welchem wir Euch geboten, unserem ehrwürdigen Bruder, dem Erzbischof Fulcher von Tyrus, als Eurem Metropolitanen Gehorsam und Ehrerbietung zu erweisen, da Ihr doch wißt, daß Ungehorsam eine Sünde ist wie Zauberei und Widerstreben wie Abgötterei und Götzendienst. Wir gebieten Euch also und befehlen Euch kraft unserer apostolischen Vollmacht wiederholt, daß Ihr keine weiteren Vorwände aufsucht, sondern unserem Bruder sofort gehorcht und Euch durch den Gehorsam, den Ihr einem anderen Kirchenhaupt leisten zu müssen vorgebt, nicht abhalten laßt, dem Gehorsam und der Ehrerbietung, die Ihr Eurem Metropolitanen schuldig seid, das Geringste zu entziehen. Solltet Ihr fernerhin diesem nachzukommen verschmähen, so werden wir mit Gottes Hilfe den Spruch, den dieser Erzbischof nach dem kanonischen Recht über Euch getan hat oder tun wird, für gültig erkennen. Sollte aber der Patriarch von Jerusalem für den Fall, daß Ihr unserem Bruder gehorchen wolltet, etwas zu Eurem Schaden beschlossen haben, so nehmen wir dieser Sentenz die Rechtskraft und erklären Sie für ungültig. Gegeben im Lateran den siebzehnten Januar."
XIV. Damit es aber keinen verwundere, daß der Papst nur von sechs Bistümern schreibt, da wir früher sagten, der Erzbischof von Tyrus habe nach dem Recht dreizehn Bistümer unter sich gehabt, so ist zu wissen, daß Paneas, das Cäsarea Philippi ist, noch keinen Bischof hatte, und daß jene sechs die übrigen Bistümer innehatten. Sidon hielt nämlich wie auch jetzt noch Sarepta in sich, Tripolis, Botrium, Archis und Artasia und Antaradus, das sonst auch Tortosa heißt, Aradus und Maraklea. Von diesen sechs aber hatte der Patriarch von Antiochien drei unter sich, nämlich Antaradus, Biblius und Tripolis. Nach Eroberung der genannten Städte nämlich weihte dieser Bischöfe in ihnen, in der Absicht, wenn die Metropolitanstadt Tyrus befreit sei und ihr Erzbischof den alten Bestimmungen gemäß ihm wieder Gehorsam leiste, diesem dieselben, wie er es rechtlich tun mußte, ohne Schwierigkeit zurückzugeben. Die genannten Städte waren aber in der Grafschaft Tripolis, weswegen der Patriarch von Antiochien dies um so leichter tun konnte, da ihm der König kein Hindernis in den Weg legte. In den übrigen drei aber, nämlich in Berythus, Sidon und Ptolemais, das Akkon ist, weihte der Patriarch von Jerusalem Bischöfe in der Absicht, um sie nach der Eroberung von Tyrus dem von ihm geweihten Erzbischof zurückzugeben, denn er nahm als gewiß an, daß, obgleich der alten Ordnung zuwider, die Kirche von Tyrus einst unter ihn zu stehen komme, indem er sich auf ein Schreiben des Papstes Paschalis stützte, in welchem dieser dem Balduin, dem ersten König von Jerusalem, und dem Gibelin, dem dritten Patriarchen von Jerusalem, zugestanden zu haben schien, daß die Bischöfe aller Städte, die der König und sein Heer erobert haben oder noch erobern würden, unter den Patriarchen von Jerusalem zu stehen kommen sollen, wie hiervon oben, bei der Geschichte der Regierung Balduins, des ersten Königs von Jerusalem, schon die Rede war. Da nun also die ganze Provinz Tyrus, noch ehe die Hauptstadt selbst befreit wurde, in die Gewalt der Unseren kam, so teilten die genannten Patriarchen die Diözese unter sich, und was außerhalb des Königreichs lag, unterhalb des Ortes, der der Heidenweg heißt, hatte und hat noch die Kirche von Antiochien, was aber diesseits und innerhalb der Grenzen des Königreichs ist, nahm der Patriarch von Jerusalem in Besitz. Nachdem nun endlich die Stadt Tyrus durch Gottes erbarmende Fürsorge in Freiheit gesetzt war, weihte der Patriarch von Jerusalem vier Jahre nach Befreiung der Stadt hier einen Erzbischof, wie wir schon gesagt haben, und gab ihm die Bistümer, die er noch von ihm hatte, wieder zurück. In der Zwischenzeit aber, solange der Patriarch von Jerusalem die Kirche von Tyrus in seiner Obhut gehabt hatte, wurde ihr Gebiet so verringert und so auf nichts zurückgebracht, daß sogar von den Kirchen, welche im Umkreis der Stadt selbst liegen, nur eine einzige dem Erzbischof übrigblieb. So geschah es, daß, wie es im Sprichwort heißt, den Bettlern, die es nicht verdienten, aus der fremden Haut breite Riemen geschnitten wurden, und noch jetzt streiten sich die genannten beiden Herren, die sich, tapfer, wo es unseren Schaden gilt, durch unsere Armut bereichert haben, um unsere Eingeweide, und jetzt liegt die Kirche, die in ihrer Einheit, welche von den ältesten Tagen, von den Zeiten der Apostel an mit Übereinstimmung der sieben heiligen und allgemeinen Synoden bestanden hatte, in blühendem Zustand gewesen war, mit zerrissenen Gliedern und verstümmelt da und erwartet Trost. Aber da ist niemand, der sie tröste, sie streckt ihre Hand aus, und es ist niemand, der ihr beistehe, wir sind denen ähnlich geworden, von denen es heißt:
„Faselt der König Witz, stets büßen darum die Achiver."
An unserem Fleische sättigen sie sich, was ihnen denn einmal zum Ekel gedeihen möge. Den Grund dieses großen Übels rechnen wir nicht unbillig der römischen Kirche auf, die uns befiehlt, dem Patriarchen von Jerusalem untertan zu sein, und es zugleich zugibt, daß uns der von Antiochien unverdienterweise in unseren Rechten verkürzt. Denn wir wollen, wenn uns das Unsrige wieder ganz zurückgegeben wird, bereitwillig, wie wir Kinder des Gehorsams sind, einem von beiden ohne allen Widerspruch untertan sein. Möge es aber niemand befremden, daß wir der Geschichte, die wir und zu schreiben vorgenommen, diese Nachrichten über den Zustand unserer Kirche eingereiht haben, denn es ziemt uns nicht, Fremdes zu erzählen und darüber unsere eigenen Angelegenheiten zu vergessen, denn wie es im Sprichwort heißt: „Wer sich selbst vergißt, der betet schlecht." Aber jetzt wollen wir zu unserer Geschichtserzählung zurückkehren.
XV. Als nun der König, wie wir schon erzählt haben, Antiochien verlassen hatte, erhob sich ein sehr gefährlicher Streit. Aus gewissen Gründen sollen sich einige der größeren Fürsten des Königreichs, nämlich der Graf Hugo von Joppe und Romanus von Pui, der das Land über dem Jordan besaß, gegen den König verschworen haben. Um in diese Sache ein besseres Einsehen zu haben, müssen wir mit unserer Geschichtserzählung etwas weiter zurückgehen. Zur Zeit des Balduin von Bourg, der der Vorgänger des Fulko gewesen war, kam ein edler und unter den Seinen mächtiger Mann, Hugo von Puiset aus dem Bistum Orleans, mit seiner Gemahlin Mamilia, die eine Tochter des Hugo Cholet Grafen von Rouci war, nach Jerusalem, um hier seine Andacht zu verrichten. Nun gebar seine Frau, die, als sie auf die Reise ging, schwanger war, ein Knäblein, das sie, weil es noch allzu zart war und nicht wohl mitgenommen werden konnte, bei ihrem Verwandten Bohemund zurückließ, worauf die beiden überschifften und zu König Balduin kamen, der ebenfalls ein Verwandter von ihnen war. Hier gab ihm der König bald nach seiner Ankunft für sich und seine Erben die Stadt Joppe zum erblichen Eigentum, und der edle Mann endigte hier nicht lange nachher sein Leben. Seine Frau gab sodann der König samt der genannten Stadt aufs neue einem edlen Mann, nämlich dem Grafen Albert, dem Bruder des Grafen von Namur, einem äußerst mächtigen Mann des Reichs aus dem Bistum Lüttich. Nachdem aber beide, sowohl der Graf als seine Gemahlin, in kurzer Zeit gestorben waren, so bat der genannte Hugo, der als Kind in Apulien zurückgelassen und unterdessen herangewachsen war, den König um sein väterliches Erbe, das ihm nach dem Recht der Geburt zukam, und erhielt es auch. Als er dieses bekommen hatte, heiratete er die Frau Emelota, die Nichte des Patriarchen Arnulf und Witwe des herrlichen Eustachius Grenier, welche dem genannten Eustachius Zwillinge geboren hatte, nämlich Eustachius den Jüngeren, den Herrn der Stadt Sidon, und Walter, der in Cäsarea regierte. Nach dem Tod Balduins aber entstanden zwischen dem vorgenannten Grafen und Fulko, der jetzt den Königsthron bestiegen hatte, aus unbekannten Gründen heftige Streitigkeiten. Einige behaupteten, der König sei auf den Grafen eifersüchtig gewesen und habe geglaubt, er habe mit der Königin allzu vertrauliche Unterredungen, und es schien auch, es seien manche Beweise hierfür vorhanden. Darum soll er also aus ehelicher Eifersucht einen unauslöschlichen Haß gefaßt haben. Dieser Graf war nämlich ein junger Mann von hoher und schöner Gestalt, in ritterlichen Tugenden ausgezeichnet, bei jedermann beliebt, ein Mensch, an den die Natur ihre Gaben mit der größten Freigebigkeit ausgespendet zu haben schien, so daß im ganzen Königreich unbezweifelt keiner war, der ihm an Schönheit des Körpers oder an Adel der Geburt oder an Übung in den Waffen gleichkam. Auch war er der Königin von seinem Vater her nahe verwandt, denn die Väter von beiden waren Geschwisterkinder gewesen, das heißt Söhne zweier Schwestern. Dieses Verhältnis wollten aber einige bemänteln und sagten, der Haß des Königs habe sich bloß darauf gegründet, daß sich der Graf, stolz und sich mehr als billig auf sich selbst einbildend, dem König nicht wie die anderen Fürsten des Reichs habe unterwerfen wollen und ihm allzu hartnäckig den Gehorsam verweigert habe.
XVI. Indessen erhob sich Walter von Cäsarea, der Stiefsohn dieses Grafen, ein jugendlicher Mann von ausgezeichneter Schönheit und ausnehmender Kraft, vom König selbst dazu aufgereizt, wie man sagt, und klagte, als der Hof sehr zahlreich versammelt war, in der Versammlung der Großen und in Gegenwart des Königs den Grafen öffentlich des Hochverrats an, indem er behauptete, der Graf habe sich, aller Ehre und aller jetzt geltenden Zucht zuwider, mit einigen Verbündeten gegen das Leben des Königs verschworen. Der Graf aber erbot sich auf diese Beschuldigung, sich dem Urteil des Hofs wegen des Verbrechens, dessen er angeschuldigt worden, zu unterwerfen, da er ganz unschuldig sei. Auf diese Erklärung hin wurde nach Sitte der Franken auf Zweikampf erkannt und ein Tag dafür anberaumt. Der Graf aber kehrte, als sich die Versammlung aufgelöst hatte, nach Joppe zurück und fand sich, man weiß nicht, ob aus Furcht vor seinem Gewissen und weil er sich des vorgeworfenen Verbrechens für schuldig erkannte oder aus Mißtrauen gegen den Hof, am festgesetzten Tag nicht ein, was ihn sogar bei seinen Gönnern mit Recht des angeschuldigten Verbrechens noch mehr verdächtig machte. Der Hof und die Versammlung der Großen aber verurteilten ihn dieses seines Ungehorsams wegen und erklärten ihn in seiner Abwesenheit für schuldig. Als dies der Graf hörte, unternahm er etwas bis auf diesen Tag Unerhörtes, das ihm mit Recht den Haß des Volkes und den allgemeinen Unwillen zuzog. Er eilte nämlich zu Schiff nach Askalon, einer unseren Feinden verbündeten Stadt, die sich immer der Christenheit feindlich erwies, und begehrte hier Hilfe gegen den König. Diese aber, da sie wohl einsahen, daß die inneren Kämpfe der Unseren und ihre Streitigkeiten untereinander uns Verderben und ihnen Vorteil bringen, zeigten sich seiner Bitte ganz geneigt. Nachdem er ihnen nun Geiseln gestellt hatte und der Vertrag von beiden Seiten festgezogen war, kehrte er nach Joppe zurück. Sofort wagten es die von Askalon, von ihrem hartnäckigen Haß gegen uns angetrieben und durch das Freundschaftsbündnis mit dem Grafen sicherer gemacht, frecher und ungescheuter als bisher, in unser Gebiet einzufallen und bis nach Arsur, das sonst auch Antipatrida heißt, frei und beutemachend umherzustreifen. Als dies der König hörte, rief er die ganze Ritterschaft des Königreichs und eine unermeßliche Menge Volks zusammen und belagerte Joppe. Als einige der Treuen des Grafen, die mit ihm in derselben Stadt waren, Balian der Ältere nämlich und einige andere gottesfürchtige Männer, sahen, daß der Graf so jählings ins Verderben stürze und sich durch die heilsamen Ermahnungen seiner Freunde und Getreuen von seinem verderblichen Unternehmen nicht zurückrufen lasse, sondern hartnäckig immer gefährlichere Sachen unternehme, gaben sie ihm die Lehen, die sie von ihm trugen, zurück und begaben sich, um ein besseres Los zu wählen, zum König.
XVII. Indessen boten sich der Patriarch Wilhelm, ein äußerst milder und friedliebender Mann, und einige Fürsten des Königreichs, da sie diese inneren Kämpfe für höchst gefährlich hielten und nach dem Spruch des Evangeliums: „Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, das wird verwüstet; und eine jede Stadt oder jedes Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen", fürchteten, was sie auch mit Recht fürchten konnten, daß die Feinde des christlichen Namens diese Gelegenheiten zu unserem Schaden nutzen möchten, zu Vermittlern an und bemühten sich, um den Frieden herzustellen, zwischen dem König und dem Grafen einen Vergleich zustande zu bringen. Nachdem man nun hierüber, wie es in solchen Fällen zu geschehen pflegt, viel hin und her gestritten hatte, bestimmten die Vermittler, der Graf sollte, um des Friedens willen und um dem König etwas mehr Ehre zu erzeigen, drei Jahre lang das Königreich meiden. Wenn diese vorüber seien, könnte er sodann wieder mit der vollen Gunst des Königs samt den Seinigen, die mit ihm das Reich verlassen, zurückkehren, ohne dieser Sache wegen weiter angefochten zu werden. Unterdessen aber sollten von den Einkünften seiner Besitzungen alle seine Schulden und das Geld, das er von überall her entlehnt hatte, bezahlt werden. Um dieselbe Zeit wurde die Stadt Paneas, während der König auf diese Art bei Joppe beschäftigt war und auch Herr Rainer mit dem Beinamen Brus samt den anderen Fürsten des Königreichs hier verweilte, von König Tekolmeluch von Damaskus belagert und, noch ehe der König ihnen die Hilfe, die er ihnen mit dem größten Eifer zu schaffen suchte, leisten konnte, von den Feinden erobert. Die Bürger und die Söldner, die in der Stadt waren, sowohl Reiter als Fußkämpfer, wurden gefangengenommen, und mit den anderen wurde auch die Gemahlin des genannten edlen und tapferen Mannes gefangen und fortgeschleppt.
XVIII. Indessen hielt sich der Graf von Joppe in Erwartung einer Gelegenheit zur Überfahrt immer noch wie bisher in Jerusalem auf. Als er nun hier einmal in der Gerberstraße vor dem Laden eines Handelsmanns namens Alfan stand und auf seinem Tisch Würfel spielte, zog ein gewisser Ritter aus der Bretagne plötzlich gegen den Grafen, der sich keines solchen Überfalls versah, sondern ganz auf das Spiel gerichtet war, sein Schwert und durchbohrte ihn vor den Augen aller Umstehenden mit vielen und sehr starken Stößen. Es entstand nun binnen kurzem ein Auflauf des Volks, und die ganze Stadt geriet über die Kunde von dieser schauerlichen Tat in Schrecken und in größte Bewegung. Es war nur eine Stimme darüber, daß dies nicht ohne Vorwissen des Königs habe geschehen können, und daß der Übeltäter, hätte er sich nicht auf die Gunst des Königs gestützt, nicht die Frechheit gehabt hätte, eine solche Tat zu verüben. Auch ging unter dem ganzen Volk die Rede, der Graf sei unschuldig und zu Unrecht angeklagt und der König habe von dem Haß, den er ohne Verschulden des Grafen gegen diesen nähre, einen nur allzu sichtbaren Beweis gegeben. Die Gunst und Liebe des Volkes wandte sich also zum Grafen, und alles, was ihm vorgeworfen worden war, erschien als eine bloße Beschuldigung der Bosheit. Als dies dem König bekannt wurde, befahl er, um sich von dieser Anschuldigung zu reinigen und seine Unschuld auf die offenbarste Art zu erweisen, den Verbrecher vor Gericht zu stellen und ihm für seine Freveltat, die allgemein bekannt war und weder Ankläger noch Zeugen noch sonstiger Förmlichkeiten bedurfte, das Urteil zu sprechen, das seine Schuld verdiente. Er berief also die Kurie zusammen, und dem genannten Meuchelmörder wurde mit allgemeiner Übereinstimmung die Strafe der Verstümmelung zuerkannt. Als dies dem König gemeldet wurde, befahl er, das gefällte Urteil zu vollstrecken, nur sollte die Zunge von der Verstümmelung ausgenommen werden, daß man nicht sagen könnte, man habe ihm mit Absicht die Zunge abgeschnitten, daß er nicht die Wahrheit der Sache aussagen könne, und daß er vom König gedungen gewesen sei. Hierdurch sorgte der König sehr weislich für seine Ehre und beschwichtigte den Unwillen, der sich gegen ihn erhoben hatte, beträchtlich, denn man konnte jenen Ritter weder öffentlich noch im geheimen, weder vor noch nach dem Verlust seiner Glieder, zu dem Geständnis bringen, daß er diese Untat auf Befehl oder mit Wissen des Königs begangen habe. Der Graf aber verweilte noch einige Zeit, um seines Körpers zu pflegen und seine Gesundheit wieder herzustellen, und verließ dann, als er wieder völlig genesen war, nach der festgesetzten Übereinkunft, sehr traurig sowohl über das, was ihm erst kürzlich widerfahren war, als darüber, daß er aus seinem Erbe vertrieben sich durch unbekannte Länder durchbetteln sollte, das Königreich und begab sich nach Apulien, wo ihn der König Roger, der sich dieses ganze Land unterworfen hatte, sehr freundlich aufnahm und ihm, weil er glaubte, daß den tapferen und edlen Mann seine Nebenbuhler aus Neid vertrieben hätten, mitleidig die Grafschaft Gargana schenkte, von wo dieser Mann, den die Nachwelt bedauern wird, nicht wieder in das Königreich zurückkehrte, indem er eines frühen Todes starb. Von diesem Tage an mußten die, welche den Grafen beim König verklagt hatten, im höchsten Grad den Unwillen der Königin Melisende fühlen und aufs sorgsamste auf den Schutz ihres Lebens bedacht sein, da die Königin durch das dem Grafen vorgeworfene Verbrechen auch ihre Ehre in etwas befleckt glaubte und vom wildesten Schmerz über seine Verbannung ergriffen wurde. Vor allem aber verfolgte sie Roard den Älteren, der nachher Roard von Neapolis genannt wurde, auf jede erdenkliche Art, weil er es hauptsächlich gewesen ist, der dem König diesen Haß beigebracht hatte. Er und die anderen durften sich ohne Gefahr für ihre Sicherheit nicht in ihrer Gegenwart zeigen, ja es war für sie geratener, öffentliche Versammlungen zu vermeiden, und der König selbst sogar war unter den Gönnern und Verwandten der Königin nicht ganz sicher. Endlich wurde ihr Zorn durch die Vermittlung einiger Vertrauter von ihnen gemildert, und der König söhnte auch die anderen, auf die sie grollte, durch sein unausgesetztes Zureden wieder soweit mit ihr aus, daß diese mit den anderen wieder vor ihr erscheinen durften. Der König aber wurde, um seine Gemahlin, die er früher erbittert hatte, zu besänftigen, von diesem Tage an zu einem solchen Weibermann, daß er künftighin auch in Kleinigkeiten nichts ohne ihr Mitwissen vornahm.
XIX. Um dieselbe Zeit baten die von Damaskus den König um einen Waffenstillstand und gaben unter anderem, was sie anboten, um das Bündnis zustande zu bringen, alle Gefangenen, die sie in der Stadt Paneas gemacht hatten, und damit auch die Gemahlin des genannten tapferen Mannes, nämlich Rainer Brus’, dem die Stadt gehörte, vertragsgemäß zurück. Und so erhielt der treffliche und ausgezeichnete Mann nach zwei Jahren seine Frau zurück und setzte sie mit ergebener Liebe wieder in ihre ehelichen Rechte ein. Als er aber später fand, daß sie sich bei den Feinden nicht vorsichtig genug betragen und ihre Frauenehre nicht so behutsam, als es edlen Frauen ziemt, bewahrt habe, verstieß er sie. Die Frau leugnete ihren Fehler nicht, trat in das Kloster der heiligen Jungfrau zu Jerusalem, gelobte immerwährende Enthaltsamkeit und wurde eine Nonne. Nachdem sie gestorben war, heiratete der genannte berühmte Mann eine Nichte des Wilhelm von Buris namens Agnes, die nach seinem Tod die Gemahlin Gerhards von Sidon wurde, aus welcher Ehe Rainald stammt, der jetzt Herr in der Stadt Sidon ist. Die vorgenannte Stadt Paneas aber, die, wie wir oben gesagt haben, in Abwesenheit ihres Herrn erobert wurde, hatte nicht lange vorher, nachdem sie lange im Besitz seines Volkes gewesen war, ein gewisses Oberhaupt der Assassinen namens Emir Ali gegen eine Entschädigung, über die man übereingekommen war, den Unseren überlassen, worauf sie der König dem genannten Mann sogleich zum erblichen Besitz überlassen hatte. Was aber die Assassinen für ein Volk seien und welchen nichtswürdigen und gottverhaßten Lehren sie anhängen, das auseinanderzusetzen werden wir im folgenden einen passenden Ort finden. Indessen genüge das zu wissen, daß sie ein Volk sind, vor dem sich die Christen wie die Völkerschaften anderen Glaubens und besonders die Fürsten mit Recht fürchten.
XX. Inzwischen hatten die, welche, wie wir schon oben erzählt haben, von den Antiochiern nach Raimund, dem Sohn des Grafen von Poitou, ausgeschickt worden waren, sich ihrem Auftrag gemäß fleißig erkundigt, wo sie ihn am schnellsten finden könnten, und hatten endlich mit Gewißheit erfahren, daß er sich bei König Heinrich dem Älteren von England aufhalte, der ihm auch die Ritterwaffen verliehen hatte. Sie gingen also geradewegs nach England und fanden hier den genannten Jüngling, der den Antrag, als sie ihm den Grund ihrer Reise im geheimen mitgeteilt hatten, auf den Rat seines Wohltäters, des Königs, mit freundlicher Ergebenheit aufnahm und sich, ohne daß jemand davon wußte, sobald er das Nötige zur Reise vorbereitet hatte, auf den Weg machte. Sogleich hatte der Herzog Roger von Apulien einen Wink von dem erhalten, was in Antiochien beschlossen worden war, und deswegen in allen Seestädten Apuliens Vorkehrungen getroffen, um ihn aufzugreifen, denn er hoffte, wenn er die Überfahrt des Jünglings verhindern könnte, so würde er es durch Bestechung der Großen jenes Landes leicht dahin bringen, die genannte Erbschaft in seinen Besitz zu bekommen. Raimund aber vereitelte durch seine Klugheit den Plan des Herzogs, denn er legte allen Pomp ab und machte seine Reise wie einer aus dem niederen Volk, bald zu Fuß, bald auf schlechten Saumtieren, trieb sich immer unter gemeinen Leuten um und zeigte auch niemals die geringste Spur von seiner edlen Geburt oder seinem Reichtum. Seine Genossen aber und seine Diener gingen in einzelnen Mannschaften, die einen drei oder vier Tagereisen voraus, die andern hinter ihm drein, und taten, als ob sie gar keine Beziehung zu ihm hätten. So täuschte er jedermann durch das geringe Gewand eines armen Wanderers und dadurch, daß er meistens Knechtsdienste versah, und entging den Nachstellungen seines klugen und mächtigen Feindes. Als er nun nach Antiochien kam, erfreute er seine Freunde sehr durch seine Ankunft, einigen aber, den Gönnern der Fürstin nämlich, die seine Erhebung zu verhindern suchten, flößte er nicht geringe Furcht ein. Gerade war kurze Zeit vorher, nachdem die genannte Gesandtschaft jedoch, um Raimund herbeizurufen, schon abgegangen war, die Fürstin Alise, die Witwe Bohemunds und Schwester der Königin Melisende, die ihr Vater aus der Stadt Antiochien vertrieben und bloß im Besitz von Laodikäa und Gabulum gelassen hatte, im Vertrauen auf den Schutz einiger Großer wieder nach Antiochien gekommen, betrug sich hier, nachdem ihre Schwester beim König ausgewirkt hatte, daß er ihr nicht in den Weg treten wollte, als Herrscherin und zog alle Regierungsgeschäfte an sich. Nun hatte der Patriarch Radulf von Antiochien, ein listiger Mann, der sich immer mehrere Wege zugleich offenhielt, die Fürstin, um sie für sich zu gewinnen, zu überreden gewußt, daß der berufene Raimund, der angeblich angekommen war, ihr zum Gemahl bestimmt sei, und die Fürstin, deren Gunst ihm gegen seine Kleriker, die ihn verfolgten, nötig war, war leichtgläubig genug, sich auf diese Art von ihm betrügen zu lassen. Raimund aber, der wohl merkte, daß er ohne den Rat und die Gewogenheit des Patriarchen seinen Wunsch nicht erreichen könne, suchte durch Leute, die beiden befreundet waren, einen Weg, auf dem er sich die Gunst des Patriarchen gewinnen und sich seine volle Gewogenheit verschaffen könnte. Es wurde also von Raimund gefordert, er solle dem Patriarchen mit einem körperlichen Eid Lehenstreue schwören, worauf er ohne alle Schwierigkeit das Mädchen zur Frau und ohne allen Streit das Fürstentum zum Besitz bekommen würde. Auch setzte man noch das in den Vertrag: Sollte der Bruder Raimunds, der Heinrich hieß, in das Land Antiochien kommen, so müßte sich der Patriarch treulich bemühen, diesem die Mutter des Mädchens, Bohemunds Witwe, samt den zwei Seestädten und deren Gebiet zu verschaffen. Nachdem er diesen Vertrag beschworen hatte, wurde er in die Stadt eingelassen. Während nun die Mutter noch in der Hoffnung war, daß alle die Hochzeitsrüstungen ihr gelten, ließ er sich sogleich nach der Basilika des Fürsten der Apostel führen und heiratete Constantia, die ihm der Patriarch, obgleich sie die mannbaren Jahre noch nicht völlig erreicht hatte, mit dem Willen aller Magnaten des Landes übergab. Als die Fürstin hörte, daß sie betrogen war, verließ sie Antiochien sogleich und begab sich in ihr Land, von wo sie nachher den Fürsten mit unversöhnlichem Haß verfolgte. Von diesem Tage an wurde der übermütige Patriarch noch übermütiger und betrug sich noch anmaßender als sonst, denn er glaubte, auf den Fürsten fest und sicher bauen zu können, worin er sich sehr betrog, denn der Fürst hielt es für eine große Schmach, daß ihn der Patriarch zum Lehenseid gebracht hatte, fing ihn uneingedenk der Gefälligkeiten, die er ihm erwiesen hatte, feindlich zu verfolgen an, vergaß seinen Eid und gesellte sich seinen Gegnern zu.
XXI. Dieser Raimund stammte nämlich aus einem sehr alten und edlen Geschlecht, er war von hoher und äußerst schöner Gestalt, so jung, daß auf seinen Wangen kaum die ersten Barthaare hervorsprossen, schöner als alle Könige und Fürsten der Welt, durch seine leutselige Beredsamkeit liebenswürdig und in seiner ganzen Haltung schönen Anstand eines ausgezeichneten Fürsten zeigend. Im Gebrauch der Waffen und in ritterlichen Künsten übertraf er alle, die vor und nach ihm kamen, er ehrte die Wissenschaften, obgleich er selbst nicht in ihnen bewandert war, erfüllte seine geistlichen Pflichten, ohne je müde zu werden, und besonders an Festtagen war er in der Kirche ein begieriger Zuhörer. Seine Ehe suchte er, nachdem er geheiratet hatte, auf alle Art rein zu erhalten, im Essen und Trinken war er mäßig, in der Freigebigkeit ging er bis zur Verschwendung, dabei war er aber unvorsichtig und dem verderblichen Würfelspiel mehr als billig ergeben. Unter den übrigen Fehlern, die er hatte, war auch der, daß er, heftigen Gemüts, bei seinen Unternehmungen allzu hitzig verfuhr, im Zorn keine Grenze zu halten wußte und keine Überlegung kannte, weswegen er auch kein Glück hatte. Auch verletzte er die Treue, die er dem Patriarchen geschworen hatte, indem er seines Eides und seiner Versprechungen völlig vergaß.
XXII. Sogleich durchzogen in jenen Tagen die von Askalon, durch das Glück, das sie gehabt hatten, ermutigt, übermütiger als sonst das ganze Land. Diese Stadt war nämlich dem Fürsten von Ägypten untertan, der sich aus Furcht, das christliche Heer möchte, wenn sie vollends erobert sei, in Ägypten einfallen und dort die Ruhe stören, alle Mühe gab und unermeßliche Kosten dazu aufwendete, sie als eine Vormauer zwischen sich und uns instand zu halten. Und weil er die Besorgnis hatte, die Kraft der Seinen möchte den ununterbrochenen Kriegsarbeiten und Gefahren unterliegen, so sandte er den Bürgern nach je drei Monaten neue Völker und frische Heerscharen mit den nötigen Lebensmitteln und Waffen zum Beistand. Die nun, welche neu ankamen, machten immer, um eine Probe ihrer Kraft und ihres Muts zu geben, meist gegen den Willen der alten Kampfgenossen, Streifzüge und Ausfälle in das Gebiet der Unsern. Da aber die Unsern sahen, daß sich ihr Übermut nicht dämpfe, daß sie vielmehr ihre Kräfte immer erneuern und die Bürger, der Hydra ähnlich, durch den Tod der Ihrigen immer neue Verstärkungen erhalten, so hielten sie es nach vielen Beratungen für das Beste, gegen diese wilde Hyder, die durch den Verlust ihrer Köpfe immer noch größer wurde und, sooft sie auch schon zertreten worden war, immer wieder aufs neue zum Schaden der Unseren aufstand, rings im Kreise herum feste Plätze zu erbauen, um die Ritterschaft leichter versammeln, von solcher Nähe aus die Streifzüge der Feinde leichter zurückhalten und die Stadt häufiger bestürmen zu können. Man wählte also hierzu einen passenden Platz aus, der am Fuß der Berge und am Beginn der Ebene, die sich zwischen dem Berg und der vorgenannten Stadt ununterbrochen hinzieht, in dem Teil Judäas liegt, der bei der Verteilung des Landes einst dem Stamm Simeon zugefallen war, und beschloß, die alte und zerstörte Stadt Berseba wieder aufzubauen. Es wurde also das Volk des ganzen Königreichs zusammengerufen, auch erschienen die Großen des Landes und der Patriarch Wilhelm, und nun begannen sie das unternommene Werk auszuführen, das glücklich angefangen auch glücklich vollendet wurde, und bauten eine Veste, die durch eine unüberwindliche Mauer, durch Außenwerke und Graben wie auch durch Türme aufs beste geschützt und nur zwölf Meilen von dem genannten Askalon entfernt war. Dieser Ort war zur Zeit der Kinder Israels die mittägliche Grenze des Landes der Verheißung, wie Dan, das heutzutage Paneas oder Cäsarea Philippi heißt, die mitternächtliche, weswegen es im Alten Testament oft heißt: von Dan bis Berseba. Hier soll Abraham wie auch an vielen anderen Orten einen Brunnen gegraben haben, dem er wegen der Wassermenge, die sich hier fand, den Namen „der Überfluß" gab. Dessen gedenkt auch Josephus im Buch seiner Altertümer, wo er sagt: „Abimelech gab ihm daher Land und Geld, sie versprachen sich, gegeneinander aufrichtig zu sein, und machten bei einem Brunnen, den man den von Berseba nennt, einen Bund, den man den Brunnenbund nennen kann, und so wird er auch wirklich bis jetzt von den Bewohnern der Gegend genannt." Er heißt aber auch der siebente Brunnen, und die Araber nennen ihn Bethgebrin, was mit „Haus Gabriels" zu übersetzen ist. Nachdem nun der feste Platz angelegt und nach allen Teilen vollendet war, beschloß man übereinstimmend, ihn den Brüdern des Hospitals zu Jerusalem zu übergeben, die das anvertraute Gut bis auf den heutigen Tag bestens bewahrt haben, und die Angriffe der Feinde wurden von jetzt an auf diesem Teil schwächer.
XXIII. Nicht lange nachher fiel Bezeuge, der Anführer der damaszenischen Ritterschaft, in das Gebiet von Tripolis ein. Unter dem festen Platz, der der Pilgerberg heißt, traf Graf Pontius von Tripolis mit ihm zusammen und leistete ihm mit all den Seinigen männlichen Widerstand, aber sein Heer wurde aufgelöst und in die Flucht geschlagen, er selbst gefangen und, da ihn die Syrer, welche über dieser Stadt auf dem Libanon wohnten, verrieten, getötet. Als Erben hinterließ er seinen Sohn Raimund, der ihm in der Grafschaft nachfolgte. Hier geriet auch Gerhard, der Bischof dieser Stadt, in Gefangenschaft. Nachdem er aber einige Zeit unerkannt bei den Feinden gewesen war, wurde er gegen einen anderen Gefangenen, der bei uns in Banden lag, wieder in Freiheit gesetzt. Es fiel in dieser Schlacht eine sehr große Menge Edler und Volks dieser Stadt. Raimund aber sammelte nach dem Tod seines Vaters alles, was ihm noch an Rittern übriggeblieben war, brachte ein starkes Heer Fußvolk zusammen, bestieg dann mit großer Kraft den Libanon und führte alle jene Blutmenschen, die den mächtigen Grafen durch ihre Überredung in die Ebene von Tripolis gelockt hatten und denen er die Schuld am Tod seines Vaters und an der großen Niederlage gab, samt ihren Weibern und Kindern, soviel er deren auffangen konnte, in Banden nach Tripolis, wo er sie, um das Blut der Gefallenen zu rächen, in Gegenwart des Volks auf verschiedene Arten martern und die härtesten Todesarten sterben ließ, die sie jedoch durch ihre Untat wohl verdient hatten. Dies war die erste Probe, die der genannte junge Graf von seiner Tapferkeit ablegte, und er gewann sich damit die Gunst und Liebe von allen.
XXIV. Indessen kam die Nachricht und verbreitete sich hernach von vielen Seiten überall, daß der Kaiser Johannes von Konstantinopel, der Sohn des Alexius, aus den Grenzen seines ganzen Reiches Völker, Stämme und Zungen versammelt habe und mit einer Menge von Wagen und Gespannen und mit einer unerhörten Menge von Reitern nach Syrien hinabeile, und dieses Gerücht war nicht ganz unbegründet. Sogleich nämlich, nachdem er unter Gewähr erfahren hatte, daß die Bürger Raimund herbeigerufen und ihm Antiochien und die Tochter Bohemunds zur Frau gegeben hätten, hatte er sich zu einer Reise nach Antiochien angeschickt, denn er war sehr entrüstet darüber, daß sie, ohne seinen Befehl abzuwarten und ihn davon in Kenntnis zu setzen, sich herausgenommen hatten, die Tochter ihres Herrn zu verheiraten und die Stadt der Herrschaft eines anderen zu übergeben. Er wollte nämlich Antiochien mit allen seinen Provinzen wieder unter seine Gerichtsbarkeit bringen und führte als Grund dafür an, daß jene großen, unsterblichen Andenkens würdigen Fürsten, die, von Gott gesandt, den ersten Kreuzzug unternommen hatten und die hier alle einzeln aufzuführen zu weitläufig wäre, mit seinem Vater und Vorgänger auf dem Thron, Alexius, wegen der vielen Geschenke und Dienste, mit denen er ihnen gefällig war, dahin übereingekommen seien, daß sie ohne Weigerung alle Städte und festen Plätze, die sie auf irgendeine Art auf jenem ganzen Zug in Besitz bekämen, seinem Reiche zustellen und nach ihrem besten Vermögen so lange treu bewahren wollten, bis er selbst mit seinen Truppen herankomme. Dies, behauptete er, sei im Vertrag zu lesen, und die vorgenannten Fürsten hätten es durch einen körperlichen Eid bekräftigt. Die Wahrheit aber ist dies, daß die vorgenannten Fürsten mit dem Kaiser einen Vertrag schlossen, in welchem auch er sich anheischig machte, gewisse Bedingungen gegen die Fürsten zu erfüllen. Diesen aber kam er nicht nach, und nun bestanden die, welche den Bund in eigener Person geschlossen hatten, fest darauf, sie seien dem Kaiser, weil er den Vertrag nicht gehalten habe, zu nichts weiterem verpflichtet, und ebenso seien die von ihnen, welche schon gestorben sind, dadurch daß der Kaiser früher immer als ein schwankender und unzuverlässiger Mensch betrügerisch an ihnen gehandelt und den Vertrag verletzt habe, hinlänglich entschuldigt. Damit hielten sie sich mit Recht der Erfüllung der Vertragsbedingungen für überhoben, denn wer selbst einem Vertrag entgegenzuhandeln bemüht ist, dem wird billig auch kein Wort gehalten. Nachdem nun ein ganzes Jahr lang kaiserliche Beamte das ganze Reich durchzogen hatten und alle Rüstungen zur Reise, wie sie die Hoheit des Kaisers nötig machte, vollendet waren, zog er mit Wagen und Rossen, mit Schätzen, die alles Maß und Gewicht überstiegen, und mit unermeßlichem Heerbann zu Schiff über den Hellespont, der im gemeinen Leben der Sankt-Georgs-Arm heißt, und wandte sich in schwerer Menge gegen Antiochien. Nachdem er nun die dazwischen liegenden Provinzen durchreist hatte, kam er in Kilikien an, wo er Tarsus, die vortreffliche Hauptstadt des Ersten Kilikiens, belagerte und eroberte, die Getreuen des Fürsten von Antiochien, denen dieser die Stadt anvertraut hatte, hinauswarf und dafür Leute von den Seinigen hineinlegte. Ebenso machte er es sodann mit Adana, Mamistra und Anavarza, der berühmten Hauptstadt des Zweiten Kilikiens, und mit allen anderen Städten und befestigten Plätzen dieser Provinz, und so zog er ganz Kilikien, das die Fürsten von Antiochien seit vierzig Jahren, seit der Zeit, wo das genannte Tarsus durch die Hand Balduins, des Bruders des Herzogs, Mamistra aber mit dem ganzen umliegenden Land durch die Hand des berühmten Tankred noch vor der Eroberung von Antiochien wieder für die Christenheit gewonnen worden war, ohne Widerspruch besessen hatten, gegen Recht und Billigkeit zu seinem Reich. Von da aus zog er mit allen seinen Heeren und mit aller seiner Kraft weiter nach Antiochien und belagerte es, sowie er davor ankam, als feindliche Stadt. Er stellte also ringsherum an passenden Plätzen ungeheure Maschinen auf und begann die Stadt aufs heftigste zu bedrängen.
XXV. Da er sah, daß der Graf von Tripolis kürzlich mit einer großen Anzahl der Seinigen gefallen und das ganze Land von Bewaffneten entblößt sei, belagerte der verruchte Sanguin, dieser wilde Verfolger der Christenheit, während dies bei Antiochien vorfiel, den festen Platz Mont-Ferrand, der im Gebiet von Tripolis auf einem Berg über der Stadt Raphania liegt und von dem oben die Rede war. Da der junge Graf Raimund von Tripolis, der Sohn des verstorbenen Pontius und Schwestersohn des Königs, davon vernahm, wie heftig er die Belagerten bestürme und unausgesetzt bedränge, schickte er in aller Eile Boten an den König, ihm in dieser großen Not, da seine Sache verzweifelt stehe, seine Hilfe nicht zu entziehen, sondern ihm schleunigst Beistand zu leisten. Der König, der immer wie ein Vater allen Nöten des christlichen Volkes seine Hilfe zuwandte, rief also unverzüglich alle Fürsten des Königreichs zusammen, versammelte alle Reiter und alles Fußvolk, zog damit rastlos weiter und erschien plötzlich unversehens im Gebiet von Tripolis. Hier trafen ihn nun auch die Boten des Fürsten von Antiochien, die schriftlich und mündlich die schlimme Nachricht mitbrachten, daß der Kaiser, wie es sich auch wirklich verhielt, Antiochien belagere, und ihn aufs dringendste baten, sich mit allen seinen Mannschaften dorthin zu begeben und seinem hart bedrängten Bruder schleunigst zu Hilfe zu kommen. Nachdem man sich nun darüber beraten hatte, was in diesem schwierigen Fall zu tun sei, hielten es alle für das Beste, zuvor den Christen, die in dem nahegelegenen Platz belagert waren, beizustehen, was ein Leichtes schien, und sich dann insgesamt und einmütig nach Antiochien zu wenden. Die Streitkräfte des Königs und des Grafen vereinigten sich also, und nun zog man dem Feind, jedoch ohne die Gnade des Himmels, entgegen. Als sie sich dem bestimmten Ort zu nähern anfingen, hob Sanguin, sobald er von der Ankunft der Unseren hörte, die Belagerung auf und zog ihnen in Schlachtordnung entgegen. Auch die Unseren rückten in geordneten Scharen und ganz nach der Kriegskunst aufgestellt rüstig und einmütig dem festen Platz zu, um den Belagerten Hilfe zu leisten und sie wieder mit Lebensmitteln zu versehen. Die Wegweiser aber, die das Heer führten, lenkten es, sei es aus Irrtum oder aus Bosheit, von dem bequemen und ebenen Weg, der links hinführte, ab und nach den Bergen zu, in deren unwegsamen Engpässen man weder bequem angreifen noch Widerstand leisten konnte. Als Sanguin, der ein äußerst scharfsinniger und im Kriegswesen erfahrener Mann war, diesen Vorteil, den er über die Unsrigen hatte, ersah, rief er vor Kampfeslust brennend die Seinigen zusammen und stürzte sich als der erste unter den Tausenden seines Heeres, dieses durch Wort und Beispiel aufmunternd, mitten in die Scharen der Unsrigen. Durch diese seine Tapferkeit ermutigt drangen die Seinigen aufs hitzigste ein, und unser Heer wurde in die Flucht geschlagen. Als aber die Großen unseres Heeres sahen, daß unsre ersten Scharen wankend geworden seien und keinen Widerstand mehr zu leisten wagten, und daß sie selbst, hart bedrängt, ihnen keinen Beistand leisten könnten, rieten sie dem König, an seine Rettung zu denken und sich in den benachbarten festen Platz zu flüchten. Da der König sah, daß dies für den Augenblick das Beste sei, zog er sich mit wenigen in die Burg zurück, das Fußvolk aber wurde beinahe insgesamt entweder getötet oder gefangengenommen. Hier wurde auch der vortreffliche junge Graf von Tripolis mit mehreren anderen Rittern gefangengenommen. Die aber, die dem König gefolgt waren, gingen in die Stadt und suchten ihr Leben, so gut sie konnten, zu retten. Sie verloren an diesem Tag alles, was zu ihrem Troß gehörte, auch die Pferde und Lasttiere, welche die Vorräte trugen, mit denen sie die genannte Stadt hatten unterstützen wollen, und so brachten die, welche sich nach der Schlacht in die Burg flüchteten, außer den Waffen, die sie auf dem Leibe hatten, nichts hinein. An diesem Tag fiel unter anderen der herrliche, durch seine edle Geburt und seine Tapferkeit ausgezeichnete Gottfried Charpalu, der Bruder des älteren Grafen Joscelin von Edessa, und der Verlust dieses tapferen Mannes vermehrte bei vielen den Schmerz und erschütterte das ganze Heer.
XXVI. Da nun Sanguin sah, daß die Unseren keine Lebensmittel mit in die Burg gebracht hatten, daß alle ihre Vorräte in seiner Macht seien, und daß er alle Kräfte des Königreichs vernichtet habe, indem der Graf sein Gefangener und der König mit den Großen des Reichs in einer halbzerstörten, von Lebensmitteln ganz entblößten Burg eingeschlossen war, beschloß er von neuem, die Stadt zu belagern, denn er hoffte, da die Belagerten keine Hilfe mehr erhalten könnten, den Platz innerhalb weniger Tage zu erobern. Er rief also die Seinigen wieder zusammen, kehrte mit einer solchen Menge von Beute beladen, daß sie weiter nicht mehr wünschten, vor die Stadt zurück und umschloß sie mit einem ringförmigen Lager. Es hatten sich nun mit dem König von den Großen des Reichs der Connetable Wilhelm von Buris, der treffliche Ritter Rainer Brus, Guido Brisebarre, Balduin von Rames, Humfried von Toron, ein noch allzu junger Neuling, und einige andere in die Burg begeben, mit denen er jetzt Rat hielt, was in dieser großen Not zu tun sei. Sie beschlossen also miteinander, den Fürsten von Antiochien und den Grafen Joscelin den Jüngeren von Edessa um Beistand zu bitten und den Patriarchen von Jerusalem aufzufordern, ihnen mit allem Volk des Königreichs zu Hilfe zu kommen. Unterdessen wollten sie sich hier, so gut sie konnten, halten. Um dieselbe Zeit, als dies bei Mont-Ferrand vorfiel, geriet Rainald mit dem Beinamen der Bischof, ein Neffe des Bischofs Roger von Lidda, ein tapferer und in allen ritterlichen Künsten ausgezeichneter Mann, der das Haupt der Sankt-Georgs-Ritter war, als er, wie er schon oft getan, die von Askalon verfolgte, diesmal aber allzu unvorsichtig, in einen Hinterhalt, den ihm die Feinde gelegt hatten, und wurde gefangengenommen. Von den ausgesandten Boten lag nun einer dem Herrn Fürsten an, schilderte ihm die Not des Königs und der Seinigen und bat ihn um schleunigsten Beistand, ein anderer drang unablässig in den Grafen von Edessa, ein dritter eilte nach Jerusalem und setzte das ganze Volk in Bewegung. Der Fürst von Antiochien war eine Zeitlang unentschlossen, was er tun sollte, denn vor seinen Toren lag der Kaiser, und er fürchtete für die Stadt, wenn er sie in diesem Augenblick verließe. Auf der anderen Seite schien es ihm allzu hart und unmenschlich, den König in dieser großen Not zu verlassen. Endlich siegte das Mitleiden mit der Bedrängnis des Königs und des christlichen Volks, und er überließ seine Stadt dem Schutz des Herrn, denn er wollte lieber mit seinen Brüdern die größte Not leiden, als, während er sie im Unglück wissen mußte, des größten Überflusses und der tiefsten Ruhe genießen. Er rief also die Großen zusammen, eröffnete ihnen seine Gedanken und forderte sie zum Beistand des Königs auf, was ihm auch leicht gelang, denn alle hatten von sich aus den gleichen gottwohlgefälligen Wunsch. Sie rüsteten sich also sogleich, verließen die Stadt, vor der der Kaiser mit seinem Heere lag, und zogen dem König zu Hilfe. Auch der Graf von Edessa machte sich mit allen seinen Streitkräften zu demselben Zweck auf und kam mit wunderbarer Schnelligkeit angezogen. Der Patriarch Wilhelm von Jerusalem eilte ebenfalls rastlos mit allen Mannschaften, die er im Königreich hatte finden können, und mit dem verehrungswürdigen Kreuzesholz ebendahin und kam, von überallher noch weitere Hilfsmannschaften zusammenbringend, in kurzer Zeit vor der Stadt an.
XXVII. Während es sich mit dem König also verhielt, glaubte der Statthalter des Reichs von Damaskus und Anführer der Ritterschaft des Landes Bezeuge, als er hörte, daß das Königreich von Mannschaft entblößt, der König in entfernten Gegenden belagert sei und die Fürsten und das ganze Volk einmütig zu seiner Befreiung dort hineilen, es sei jetzt die rechte Zeit gekommen, den Unseren einen Schaden zufügen zu können. Er fiel also mit vieler Ritterschaft in das Königreich ein und griff unversehens die Stadt Neapolis an, die ganz unbefestigt war und weder Mauer noch Außenwerke noch Graben hatte. Da er so schnell wie ein Dieb in der Nacht herbeikam, so traf er die Bürger ganz unvorbereitet und ließ nun alle seine Wut an ihnen aus, wobei er weder auf Alter noch auf Geschlecht Rücksicht nahm. Endlich kamen die, welche noch übriggeblieben waren, zu dem Entschluß, jedoch allzu spät, sich mit ihren Weibern und Kindern nach der Burg, die in der Mitte der Stadt liegt, zurückzuziehen und so dem Mord und Brand zu entkommen, was ihnen, wenngleich nur mit vieler Mühe, auch wirklich gelang. Jener aber zog frei, ohne daß ihm jemand Widerstand leisten konnte, in der ganzen Stadt umher, steckte alles in Brand, nahm, was nur brauchbar war, als Beute mit sich fort und zog dann ungestraft wieder ab.
XXVIII. Unterdessen bedrängte Sanguin die Belagerten unablässig, er erschütterte mit seinen Maschinen die Mauern und schleuderte so ungeheure Steine mitten in die Stadt, daß davon zum großen Schrecken der Belagerten die Häuser zusammenstürzten, und diese Steinmassen und die vielen Arten von Geschossen, die hereingeworfen wurden, brachten sie in solche Not, daß sie innerhalb der Mauern keinen sicheren Ort mehr hatten, um die Verwundeten und Erkrankten niederlegen zu können. Überall trat ihnen Gefahr und das Bild des furchtbarsten Todes entgegen, und die Gemüter wurden von der Erwartung eines plötzlichen Untergangs und von der gegenwärtigen Not zugleich bedrängt. Dazu verdoppelte der grausame Mann seine Angriffe auf die Stadt und ließ seine Scharen sich so ablösen, daß, wenn die einen ermüdet waren, wieder andere vortraten, wo denn der Kampf nicht nur sowohl erneuert als auch fortgesetzt wurde. Die Unseren aber waren nicht so stark, daß sie sich auf diese Art ablösen konnten, und es waren dieselben, die mit fortgesetzter Anstrengung die ersten und die letzten Angriffe auszuhalten hatten. Überdies verringerte sich ihre Zahl von Tag zu Tag, indem die einen an ihren Wunden starben, andre anderen Arten von Krankheiten erlagen, aber alle zusammen waren in derselben Not, und alle waren gleich unfähig, diese immerwährenden Drangsale länger zu erdulden. Die Nächte nämlich mußten sie, um Wache zu halten, schlaflos zubringen, bei Tag aber wurden sie von den fortwährenden Kämpfen ermüdet, so daß ihnen die Feinde keinen Augenblick Ruhe gönnten, um ihre erschöpften Kräfte wieder herzustellen. Zu allem diesem kam noch hinzu, daß von der früheren Belagerung her alle Lebensmittel aufgezehrt waren, und daß die neu Hereingekommenen nichts mitgebracht hatten, da alles, was sie mit sich geführt, vollständig in die Hände des Feindes gekommen war. Sie hatten deswegen sogleich bei ihrer Ankunft, weil sie nichts anderes hatten, ihre Pferde aufgezehrt, und als sie mit diesen zu Ende waren, war ihnen durchaus alle Nahrung ausgegangen. Es schwanden deswegen auch die kräftigsten Körper vor Hunger dahin, und der Mangel verzehrte auch den Tapfersten ihre Kräfte. Überdies war die Menge der Belagerten so groß, daß der Vorrat an Speisen nicht einmal soweit zureichte, daß ein jeder auch nur weniges empfing, und alle Räume des Ortes waren so mit Bewohnern angefüllt, daß die Straßen und Plätze damit wie die Zimmer mit Binsen überdeckt schienen, und jeder Pfeil, den die Feinde ohne zu zielen hereinsandten, tödliche Wunden versetzte. Dieses alles wußte Sanguin sehr wohl und trieb darum die Seinigen um so hitziger an, weil er nicht zweifeln konnte, daß die Unseren solche Not nicht zu ertragen vermöchten. Dazu standen die feindlichen Scharen in solcher Menge um die Stadt und bewachten mit solcher Sorgfalt alle Zugänge, daß niemand auch nur daran denken konnte, aus- oder einzugehen. Jeden Tag vermehrte sich das Unglück bei den Belagerten, und da jetzt durchaus alle Lebensmittel aufgezehrt waren, so blieb ihnen keine Hoffnung mehr, und sie lernten jetzt aus Erfahrung kennen, welch eine strenge Herrschaft die des Hungers sei und wie wahr das Wort: „Der Hunger allein zwingt die Städte." Was das Volk, das am Untergang war, allein noch etwas aufrecht hielt, war die Hoffnung, der Fürst und der Graf von Edessa und wohl auch die von Jerusalem würden ihnen zu Hilfe kommen. Weil aber einem Sehnsüchtigen jede Eile zu langsam ist, so brachte ihnen die geringste Zögerung Furcht, und durch den Aufschub der Hilfe wurde ihr Wunsch nach derselben so stark, daß ihnen eine Stunde zum Jahr wurde.
XXIX. Während dies bei der Belagerung vorfiel, war der Fürst Raimund mit seinen Scharen bereits angekommen, der Graf von Edessa war mit einer starken Heeresmacht nicht mehr weit, und auch das Heer derer von Jerusalem, das dem Zeichen des heilbringenden Kreuzesholzes folgte, rückte eiligst heran. Als dies Sanguin durch sichere Botschaften erfuhr, geriet er in Furcht über die Ankunft so großer Fürsten und hatte insbesondere die Besorgnis, wenn der Kaiser, von dessen Ankunft vor Antiochien er wußte, von der Bedrängnis der Belagerten höre, so möchte er in Zorn über ihn geraten und ihn aus Mitleid mit den Unseren mit seinen unermeßlichen Heerscharen überfallen. Er wollte also, ehe das Gerücht von der Ankunft der Hilfsmannschaften zu den Belagerten gelange, mit ihnen über den Frieden unterhandeln und sandte Unterhändler an den König und seine Fürsten, durch die er ihnen sagen ließ, der halbzerstörte Platz könne sich nicht lange vor ihm halten, das ausgehungerte Volk habe Kraft und Mut zum Widerstand verloren, während sein Heer an allem Nötigen Überfluß habe; aus Rücksicht auf den König aber, weil dieser ein großer und ausgezeichneter Fürst im christlichen Volk sei, wolle er, wenn sie ihm nur den leeren Platz ausliefern wollten, alle Gefangenen, die er kurz vorher gemacht habe, sowohl den Grafen als die übrigen, losgeben und dem König mit allen den Seinigen freien und unbehelligten Abzug gestatten. Da nun die Unseren nicht wußten, wie nahe die Hilfe sei, überdies von Hunger, Nachtwachen, Anstrengungen und Angst aufgerieben und durch die tödlichen Wunden, mit denen sie bedeckt waren, alle Kraft zum Widerstand verloren hatten, so nahmen sie den Antrag mit großer Freude an und wunderten sich nur, woher diesem wilden Menschen solche Menschlichkeit komme. Wie es sich übrigens damit verhalten mochte, die angebotenen Bedingungen waren ihnen äußerst erwünscht. Nachdem nun der Vertrag von beiden Seiten ins Reine gebracht war, wurden der Graf von Tripolis und mit ihm die meisten Gefangenen freigegeben, und sogleich verließ der König mit den Seinigen die Stadt und überließ sie den Türken, die sich sehr menschlich gegen ihn erwiesen. Zwar bestürzt in seinem Sinne, aber doch froh, daß er dieser äußersten Gefahr entkommen war, stieg er vom Gebirge herab und gelangte in die Ebene in der Nähe von Archis. Als er hier von der Ankunft des Fürsten und des Grafen hörte, ging er ihnen, ihrer brüderlichen Liebe und Besorgnis volles Lob spendend und nur bedauernd, daß ihre Hilfe zu spät komme, freundlich entgegen und sagte ihnen den innigsten Dank dafür, daß sie seinetwegen so besorgt gewesen waren und ihm, soviel ihnen möglich war, Hilfe geleistet hatten. Sodann erheiterten sie sich durch freundliche Gespräche und kehrten dann ein jeder in seine Heimat zurück.
XXX. Der Fürst aber, dessen Angelegenheiten schlimm zu stehen schienen, weil er den mächtigsten Fürsten der Welt vor seiner Stadt als Feind zurückgelassen hatte, kehrte in aller Eile nach Antiochien zurück, wo er den Kaiser noch immer bei demselben Unternehmen fand, und ging durch das obere Tor, das an die Burg und an das Schloß grenzt, in die Stadt. Sie hatten hier mehrere Gefechte mit dem Heer des Kaisers, in dem einige Antiochiener es oftmals heimlich, oftmals offen überfielen und ihm mehrmals unermeßlichen Schaden beibrachten, indem sie die Belagerer nicht als Glaubensgenossen, sondern als Feinde behandelten. Dagegen ließ der Kaiser aus ungeheuren Wurfmaschinen unermeßliche Steinmassen schleudern und suchte vom Brückentor her die Mauern und Türme niederzustürzen und so die Befestigungen der Stadt zu erbrechen. Auch suchte das kaiserliche Heer, ringförmig um die Stadt gestellt, die Bürger aus der Ferne her mit Pfeilen und allen Arten von Wurfgeschossen wie auch mit Steinen, welche die Schleuderer warfen, an der Verteidigung der Mauern zu hindern, um sich diesen nähern zu können. Als dies sich also verhielt, befürchteten die Klügeren in beiden Heeren, wenn man nicht in Bälde einen guten Rat aussinne, so werde es dahin kommen, daß man der sich erhebenden Not nicht mehr leicht abhelfen könne. Es suchten also einige gottesfürchtige Männer den Frieden zu vermitteln, gingen, das Friedenszeichen in den Händen, in das Lager des Kaisers und suchten seinen Unwillen durch ihre Friedensworte und ihr demütiges Betragen zu mildern. Sodann gingen sie auch zum Fürsten und suchten mit der größten Klugheit und Umsicht, die hier nötig war, einen Weg zu finden, auf dem man zum Frieden kommen könne. Endlich machten die Vermittler des Bündnisses, das zustande kommen sollte, folgende Bestimmungen: Der Fürst sollte mit allen seinen Großen vor der Hoheit des Kaisers in Gegenwart der erlauchten Männer seines kaiserlichen Palastes erscheinen, ihm mit der gehörigen Feierlichkeit den Lehenseid schwören und ihm mit einem körperlichen Eid geloben, er würde, wenn er in die Stadt oder Burg von Antiochien gehen wolle, sei es im Zorn oder in friedlicher Gesinnung, einen völlig freien Eingang finden. Und wenn der Kaiser Haleb, Cäsarea, Hama und Emesa dem Fürsten in dem Vertrag zugestehe, so wolle der Fürst sich mit diesen und den übrigen umherliegenden Städten begnügen und dem Kaiser Antiochien ohne Schwierigkeit überlassen. Der Kaiser aber sollte für die Treue, die ihm der Fürst geschworen, sich gegen diesen verbindlich machen, ihm Haleb, Cäsarea und das ganze umliegende Land, falls es ihm mit Gottes Hilfe gelinge, es zu erobern, vollständig für alle Zeit, ohne Verringerung und weitere Schwierigkeiten, als erbliches Lehen überlassen. Der Fürst ging also, wie es verabredet worden war, mit dem Gefolge aller seiner Edlen ins kaiserliche Lager, wo er von diesem mit der gebührenden Ehrerbietung empfangen wurde. Nachdem nun der Vertrag von beiden Seiten ins Reine gebracht worden war, schwur der Fürst den Lehenseid in die Hand des Kaisers, und der Kaiser belehnte ihn sogleich mit den genannten Städten samt allem, was dazugehört, und versprach ihm hoch und heilig, diese Städte im nächsten Sommer mit Gottes Hilfe zu erobern und dann dem Fürsten in eigener Person zu übergeben. Nachdem auf diese Art das Bündnis geschlossen, der Friede wiederhergestellt und das kaiserliche Banner auf den Hauptturm gepflanzt war, kehrten der Fürst und die Seinigen mit großen Geschenken überhäuft in die Stadt zurück. Der Kaiser aber wandte sich wegen des bevorstehenden Winters mit allen seinen Heeren wieder nach Kilikien, um in der Meeresgegend bei Tarsus zu überwintern.
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