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Herr Gustav G. schrieb: Schönen guten Tag!

Ich wollte mich mal erkundigen, wann Sie die Kreise der Hölle vervollständigen.

Das wär's dann auch schon wieder.

Liebe Grüße

Gustav G.

Antwort: Sehr geehrter Herr G.,
 

in letzter Zeit häufen sich solche Fragen. Da werde ich denn nicht umhin kommen, die Seite auch fertigzustellen. Vergessen Sie aber bitte nicht, daß es sich um eine Komödie handelt, die Hölle an sich gibt es nicht. Sie existiert nur in den Vorstellungen des Mittelalters und in den Herzen abergläubischer Menschen. Und die meisten bereiten sich ihre Hölle auf Erden selbst. Früher glaubte man allgemein, daß der schlechte Mensch nach dem Tode Höllenqualen erdulden müsse. Es grenzt an Sadismus, was Menschen sich an Foltern und Pein für andere ausdachten. Man empfand in der Bestrafung anderer einen Genuß. Erstaunlich ist auch, daß in beinahe jeder primitiven Kultur und jeder Religion die Vorstellungen von der Hölle noch lange lebendig blieben. Und auch heute noch gibt es sogenannte Satanisten, bei denen allerdings das Triebleben auf Abwege geraten ist. Ich hoffe sehr, daß Sie nicht zu jener Gruppe von Menschen zählen, sonst müßte ich meinen Entschluß revidieren. Ich will keinesfalls ein Portal für Abartige eröffnen, aber auch die Lauheit des reinen Amüsements möchte ich nicht fördern. Mir geht es nur um das Verständnis der menschlichen Psyche, und Schauspielern in schwierigen Rollen wünsche ich mehr Talent.


 

Mit freundlichen Grüßen


 

Manfred Hiebl


 

p.s.: Vielleicht zum Abschluß noch eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit. Ich konnte in der Schule anstellen, was ich wollte, ich bekam in Religion immer eine Eins. Ich bin in dem katholischen Bayern aufgewachsen, und bei uns war Religionsunterricht Pflicht. Der Religionslehrer führte uns immer wieder den Teufel vor Augen, der an allen Ecken und Enden lauert; und weil ich als Kind eine lebhafte Phantasie hatte, konnte ich mir den Teufel ausmalen, so wie er mir geschildert wurde. Er war am ganzen Körper rot wie Feuer, hatte eine gebogene Nase und sah ganz aus wie mein Religionslehrer mit seinen abstehenden Ohren und dem vorspringenden Kinn; dazu hatte er stets dieses hämische Grinsen im Gesicht. Sein Blick hypnotisierte, wenn man ihn anblickte, und man konnte ihm nicht in die Augen schauen. Er besaß riesige Fledermausflügel und hatte Hörner wie ein Ziegenbock, dazu war er bocksbeinig und trug einen langen Schwanz. Er war hager und seine Hände waren knochig. Dazu hatte er lange ungeschnittene Fingernägel. Wenn er lachte, schallte es im Raum und die Erde erbebte, wenn er hereinkam. Meine Vorstellungen vom Teufel waren derart tief in mir verankert, daß ich mich nicht mehr alleine in den Keller wagte, aus Angst, ihm zu begegnen. Und wenn ich nachts erwachte, sah ich den Leibhaftigen vor mir wie in echt und bekam Schweißausbrüche; der Rand meines Bettes schien förmlich zu glühen, und ich hatte furchtbare Angst, er würde mich holen und ich müßte ihm meine Seele verkaufen. Alpträume dieser Art häuften sich, und ich hatte regelmäßig Todesängste auszustehen, so daß meine Eltern nicht mehr wußten, was sie tun sollten. Als ich mit den Jahren verständiger wurde, verloren sich diese Ängste zwar, aber eins ist geblieben, nämlich die Überzeugung, daß es sich bei denen, die ein Keuschheitsgelübde abgelegt haben, um böse Menschen handeln müsse.