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IV

    [x] Nachdem die Türken, die Feinde Gottes und der gesamten Christenheit sind, gänzlich besiegt waren, flohen sie vier Tage und Nächte wild drauf los. Es traf sich, daß ihr Führer Suleiman, der Sohn des älteren Suleiman, auf der Flucht aus Nikäa zehntausend Arabern begegnete, die ihn folgendermaßen begrüßten: "O unglücklicher Mann, der Du elender bist als wir alle, warum flüchtest Du in Schrecken?" Suleiman antwortete ihnen weinend: "Weil ich zufällig zurückblickte, als ich die Franken gerade besiegt und als meine Gefangenen gefesselt hatte, wie ich dachte – in der Tat wollte ich sie paarweise fesseln lassen –, und dabei ein solch unzähliges Heer der Ihrigen vor Augen hatte, daß Ihr, wenn Ihr oder sonst einer zugegen gewesen wäret, gedacht hättet, daß alle Berge und Hügel und Täler und alle Ebenen voll von ihnen seien. Wie wir sie also sahen, hatten wir schreckliche Angst und ergriffen, knapp ihren Händen entkommen, unverzüglich die Flucht, und das ist auch der Grund, warum wir noch immer schreckerfüllt sind. Wenn Ihr mir glauben wollt und meinen Worten vertraut, macht daß Ihr wegkommt, denn wenn sie erst einmal wissen, daß Ihr hier seid, wird kaum einer von Euch mit dem Leben davonkommen." Die Araber, die diese Geschichte gehört hatten, machten kehrt und zogen in verstreuten Gruppen durch Rum. Inzwischen hatten wir die Verfolgung dieser abscheulichen Türken, welche täglich vor uns davonliefen, aufgenommen, die, wenn sie an Burgen oder Städte kamen, für gewöhnlich die Bewohner täuschten und fehlleiteten, indem sie ihnen erzählten: "Wir haben alle Christen besiegt und unterworfen, so daß keiner von ihnen es wagen wird, sich uns erneut zu widersetzen, also laßt uns rein." Waren sie aber einmal drinnen, plünderten sie wie üblich Kirchen und Häuser sowie andere Plätze und führten Pferde, Esel, Maultiere, Gold und Silber und was sie sonst noch finden konnten mit sich fort. Sie entführten auch christliche Kinder und verbrannten oder zerstörten alles, was hilfreich oder nützlich für uns war, genauso wie sie bei unserer Ankunft mit großem Schrecken flohen. Wir verfolgten sie daher durch ein Land, welches menschenleer, wasserlos und unbewohnbar war und aus dem wir gerade noch heraus- oder mit dem nackten Leben davonkamen, denn wir litten großen Hunger und Durst und fanden überhaupt nichts Eßbares außer stacheligen Pflanzen, die wir sammelten und zwischen unseren Händen zerrieben. Durch solche Kost überlebten wir, elendig genug, aber wir verloren die meisten unserer Pferde, so daß viele unserer Ritter als Fußvolk weitergehen mußten, und aus Mangel an Pferden mußten wir Ochsen als Reittiere verwenden, und unsere große Not zwang uns dazu, Ziegen, Schafe und Hunde als Lasttiere zu verwenden.
    Endlich erreichten wir nach und nach fruchtbareres Land, voll des Guten und Köstlichen zum Essen und mit jeglichen Vorräten versehen, und schließlich kamen wir nach Ikonium, wo uns die Bewohner jenes Landes gute Ratschläge erteilten, uns darauf aufmerksam machten, mit Wasser gefüllte Schläuche mitzunehmen, da dieses eine Tagesreise von der Stadt entfernt ziemlich rar sei. Wir taten dies also und kamen am Ende an einen Fluß, wo wir zwei Tage kampierten, und dann nahmen unsere Pfadfinder die Straße vor uns, bis sie nach Herakleia kamen, in dem eine große türkische Garnison im Hinterhalt lauerte, um die christlichen Ritter zu überfallen. Unsere Ritter, die auf Gott den Allmächtigen vertrauten, gewahrten diese Türken und griffen sie mutig an. Also wurden unsere Feinde an diesem Tag geschlagen und flohen so schnell wie ein Pfeil von der Sehne des Bogens schnellt, der von starker Hand verschossen wird. Die Unseren rückten sofort in die Stadt ein, und wir blieben hier vier Tage.
    Während wir uns hier aufhielten, zogen Tankred, des Markgrafen Sohn, und Balduin, Herzog Gottfrieds Bruder, gemeinsam von dannen und rückten in das Tal von Botrenthrot ein. Tankred und seine Ritter überlegten sich etwas Eigenständiges und kamen nach Tarsus, wo die Türken der Stadt einen Ausfall machten und ihnen als geschlossene Schar entgegentraten, bereit, mit den Christen zu kämpfen. Daher griffen die Unseren sie an und kämpften mit ihnen und schlugen sie in die Flucht, und sie stürzten so schnell sie konnten in die Stadt zurück. Tankred, der Ritter Christi, sprengte los und legte sich vor das Stadttor. Der edle Graf Balduin rückte mit seinem Heer von der anderen Seite heran und bat Tankred, ein freundschaftliches Übereinkommen über die Aufteilung der Stadt zu treffen. Aber Tankred sagte: "Ich lehne es entschieden ab, diesen Pakt mit Euch zu schließen." Als die Nacht kam, entschwanden die Türken geschlossen, da sie große Angst hatten, woraufhin die Einwohner der Stadt herauskamen, während sie aus vollem Halse schrien: "Los, unbesiegte Franken, los! Die Türken sind allesamt weg, dieweil sie so große Angst vor Euch haben!" In der Dämmerung kamen die Stadtältesten und übergaben die Stadt, indem sie zu Tankred und Balduin, die sich um sie stritten, sprachen: "Meine Herren, laßt es gut sein. Wir wünschen und suchen uns als unseren Herrscher und Herrn den, der gestern so ritterlich mit den Türken gefochten hat." Graf Balduin, ein verdienstvoller Mann - was zu seiner Ehre gesagt werden muß - , brachte weitere Einwände vor und haderte mit Tankred, zu dem er sprach: "Laßt uns die Stadt gemeinsam betreten und ausplündern, und wer von uns am meisten fassen kann, der soll es behalten, und egal wer das meiste zu erbeuten imstande ist, der möge es erbeuten." Der höchst edle Tankred antwortete: "Nichts steht mir ferner. Ich habe nicht die Absicht, Christen auszurauben. Die Menschen dieser Stadt haben mich auserwählt, und sie wollen, daß ich ihr Herr sei." Am Ende jedoch konnte er, so tapfer er auch war, Graf Balduin aufgrund der Stärke von dessen Streitkräften nicht gegenübertreten. Und daher verließ er die Stadt, wohl oder übel, und führte seine Männer trotzig hinweg. Zwei schöne Städte, Adana und Mamistra, ergaben sich unmittelbar ihm mitsamt vieler Burgen.
    [xi] Nach dem Blute der Türken dürstend und inbrünstig darnach verlangend, betrat das Hauptheer, welches von Graf Raimund von Saint-Gilles und dem ausgezeichneten Bohemund, Herzog Gottfried und vielen anderen geführt wurde, das Land der Armenier. Sie kamen schließlich zu einer Burg, die so stark war, daß sie über diese nicht die Oberhand gewinnen konnten. Es war ein Mann namens Simon unter ihnen, der aus jenem Land gebürtig war, und dieser bat um den Ort, damit er ihn vor der Willkür der türkischen Feinde schützen könne. Unsere Anführer gewährten ihm dies, und er blieb mit seinen Leuten dort. Wir hingegen zogen weiter und hatten eine angenehme Reise bis nach Cäsarea in Kappadokien. Als wir Kappadokien verließen, erreichten wir eine Stadt von großer Pracht und großem Reichtum, die die Türken vor unserer Ankunft drei Wochen lang belagert hatten, die sie jedoch nicht einnehmen konnten. Als wir ankamen, ergab sich uns die Stadt sofort unter großen Jubelrufen. Ein Ritter namens Peter d’Aups bat unsere Führer, sie ihm aus Treue zu Gott und zum Heiligen Grab und aus Treue zu unseren Führern und zum Kaiser anzuvertrauen. Dies bewilligten sie ihm großzügig und mit bestem Willen. In der nächsten Nacht erfuhr Bohemund, daß große Scharen der Türken, die die Stadt belagert hatten, genau vor uns waren. Bald darauf machten er und seine Ritter sich fertig sie anzugreifen wo immer sie waren, aber er konnte sie nicht finden.
    Hierauf gelangten wir zu einer Stadt namens Coxon, in der Nachschub an Vorräten, deren wir bitter bedurften, im Überfluß vorhanden war. Die Christen, die in jener Stadt lebten, übergaben sie sogleich, und wir hatten dort drei Tage einen recht angenehmen Aufenthalt, und die Unseren waren bestens wiederhergestellt. Graf Raimund, der hörte, daß sich die türkische Garnison von Antiochien auf und davon gemacht hatte, berief einen Rat ein und entschied, einige seiner Ritter dorthin zu schicken, so daß sie dort die Aufsicht übernehmen könnten. Jene, die er für diese Mission bestimmte, waren Peter der Seneschall von Castillon, Wilhelm von Montpelier, Peter von Roaix, Peter Raimund von Hautpoul und fünfhundert Ritter. Diese Männer drangen in ein Tal in der Nähe von Antiochien vor und erreichten eine von den Paulikanern gehaltene Burg, wo sie erfuhren, daß die Türken in der Stadt seien und Anstalten machten, diese mit Macht zu verteidigen. Peter von Roaix verließ die anderen und näherte sich Antiochien in der folgenden Nacht, indem er in das Tal von Rugio einrückte, wo er Türken und Sarazenen vorfand, die er angriff, viele von ihnen tötete und die anderen Hals über Kopf in die Flucht schlug. Als die Armenier, die in diesem Lande lebten, sahen, daß er im Kampf mit den Heiden so tapfer war, ergaben sie sich ihm sofort, und er besetzte umgehend die Stadt Rusa und viele Burgen.
    Wir, die wir in Coxon geblieben waren, brachen auf und machten uns daran, ein verfluchtes Gebirge zu überqueren, welches so hoch und steil war, daß keiner der Unseren sich getraute, den anderen auf dem Bergpfad zu überholen. Pferde stürzten in den Abgrund, und ein Lasttier zog das andere hinab. Was die Ritter anbelangt, so gerieten sie in einen Zustand tiefer Traurigkeit, rangen die Hände, weil sie derart erschrocken und unglücklich waren, und boten, weil sie nicht wußten, was sie mit sich und ihrer Rüstung machen sollten, ihre Schilde zum Verkauf an, wertvolle Panzer und Helme für drei oder fünf Denare oder zu dem Preis, den sie erzielen konnten. Diejenigen, die keinen Käufer für ihre Waffen finden konnten, warfen ihre Waffen weg und zogen weiter. Als wir dieses verwünschte Gebirge überquert hatten, kamen wir zu einer Stadt namens Marasch. Die Bauern kamen aus der Stadt heraus, um uns kennenzulernen, freuten sich und brachten eine Menge an Waren, und dort hatten wir jegliche Art von Vorräten und warteten auf die Ankunft meines Herrn Bohemund. Schließlich kamen dann unsere Ritter in das Tal, in welchem die Königsstadt Antiochien liegt, die Hauptstadt von Syrien, die dem seligen Petrus, dem Fürsten der Apostel, zugesprochen wurde, um sie dem heiligen Glauben zurückzugewinnen, durch unsern Herrn Jesus, der mit Gottvater in Eintracht mit dem Heiligen Geist, dem dreifaltigen Gott, lebet und regieret bis ans Ende der Welt. Amen.

Hier endet das vierte und es beginnt das fünfte Buch

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