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III

    [ix] Als sich die Stadt ergeben hatte und die Türken nach Konstantinopel gebracht worden waren, war der Kaiser hocherfreut, weil die Stadt seiner Autorität unterstellt worden war, und freigebig ließ er Almosen an unsere armen Pilger austeilen. Am ersten Tag, nachdem wir die Stadt verließen, kamen wir an eine Brücke, und dort blieben wir für zwei Tage. Am dritten Tag, vor der Dämmerung, erhoben sich die Unseren, und weil es dunkel war, konnten sie nicht darauf achten zusammenzubleiben, sondern teilten sich in zwei Gruppen auf, und dergestalt reisten sie zwei Tage lang. In einer der Gruppen waren der tapfere Bohemund, Robert der Normanne und der stattliche Tankred mit vielen anderen; in der anderen befanden sich der Graf von Saint-Gilles und Herzog Gottfried, der Bischof von Le Puy, Hugo der Große und der Graf von Flandern mit vielen anderen.
    Am dritten Tag unternahmen die Türken auf Bohemund und seine Genossen einen heftigen und überraschenden Angriff. Diese Türken fingen alle gleichzeitig an zu schreien und zu plappern und zu brüllen, in ihrer Muttersprache mit lauter Stimme einige teuflische Worte zu rufen, die mir nichts sagen. Der heldenhafte Bohemund sah, daß in einiger Entfernung zahllose Türken waren, die wie Dämonen gröhlten und brüllten, so daß er seiner gesamten Ritterschaft befahl, sofort abzusitzen und schnell das Lager aufzuschlagen. Noch ehe das Lager aufgebaut war, redete er zu der versammelten Ritterschaft: "Ihr Herren, die Ihr die mutigsten Soldaten Christi seid! Wie ihr seht, sind wir umzingelt, und es wird ein harter Kampf werden. Also lassen wir die Ritter antreten und tapfer kämpfen, während die Fußsoldaten sorgfältig und schnell das Lager errichten."
    Nachdem wir uns formiert hatten, kamen die Türken unter Geplänkel von allen Seiten auf uns zu, schleuderten Speere und Spieße und schossen aus einer erstaunlichen Entfernung Pfeile ab. Obwohl wir keine Chance hatten, ihnen standzuhalten oder der Bürde so vieler Feinde die Wucht zu nehmen, gingen wir geschlossen vor. An jenem Tage waren uns die Frauen im Lager eine große Hilfe, da sie für die kämpfenden Männer Wasser zum Trinken heranbrachten und denjenigen, die für sie kämpften und sie verteidigten, aufs tapferste Mut zusprachen. Der heldenmütige Bohemund beeilte sich damit, den anderen – dem Grafen von Saint-Gilles und Herzog Gottfried, Hugo dem Großen und dem Bischof von Le Puy mit den übrigen christlichen Rittern – eine Nachricht zu schicken, in welcher er ihnen mitteilte, daß sie sich sputen und in aller Eile auf das Schlachtfeld kommen möchten, indem er schrieb: "Wer heute von Euch kämpfen will, der möge kommen und seinen Mann stehen." Und es kamen als erste und vereint Herzog Gottfried, der reckenhaft und tapfer war, und Hugo der Große mit ihren Streitkräften herbei, und der Bischof von Le Puy folgte ihnen mit den seinen; und danach kam mit großer Macht der Graf von Saint-Gilles.
    Die Unseren konnten sich nicht erklären, woher eine solch große Menge von Türken, Arabern, Sarazenen und anderen Völkern, deren Namen ich nicht kenne, gekommen sein konnte, denn nahezu alle Berge, Hügel und Täler und das gesamte Flachland diesseits und jenseits des Gebirges waren übersät mit diesem abscheulichen Volk. Was uns angeht, so reichten wir eine geheime Botschaft durch unsere Reihen, die Gott pries und in welcher stand: "Bleibt alle hart, vertraut auf Christus und auf den Sieg des Heiligen Kreuzes. Möge Gott uns an diesem Tag reiche Beute bescheren."
    Unsere Schlachtreihe formierte sich sofort. Auf dem linken Flügel standen der heldenhafte Bohemund, Robert der Normanne, der edle Tankred, Robert von Anse und Richard vom Prinzipat. Der Bischof von Le Puy umging das nächste Gebirge, so daß er diesen ungläubigen Türken in den Rücken fallen konnte, und Raimund, der Graf von Saint-Gilles und ein sehr edler Ritter, ritt ebenfalls auf dem linken Flügel. Auf dem rechten Flügel befanden sich Herzog Gottfried und der Graf von Flandern, der darauf brannte zu kämpfen, sowie Hugo der Große mit vielen anderen, deren Namen ich nicht kenne.
    Sowie unsere Ritter angriffen, gaben die Türken, Araber, Sarazenen, Agulanen und der ganze Rest der Barbaren Fersengeld und flohen durch die Gebirgspässe und über die weiten Flächen. Es waren ihrer 360000 Türken, Perser, Paulikaner, Sarazenen und Agulanen und andere Heiden, die Araber – denn nur Gott weiß, wie viele ihrer waren – nicht mitgerechnet. Sie flohen äußerst geschwind zu ihrem Lager, durften sich hier jedoch nicht lange aufhalten. So flohen sie erneut, und wir verfolgten sie und brachten sie um, den ganzen Tag lang, und wir machten reiche Beute: Gold, Silber, Pferde, Esel, Kamele, Ochsen, Schafe und viele andere Dinge, über die wir nichts wissen. Wäre Gott in dieser Schlacht nicht mit uns gewesen und hätte uns das andere Heer nicht schnell geschickt, wäre keiner von uns entkommen, weil das Gefecht sich von der dritten bis um die neunte Stunde hinzog. Gott indes, der gütig und barmherzig ist, bewahrte seine Ritter vor dem Tod und davor, in die Hände des Feindes zu fallen, und sandte uns rasch Hilfe. Dennoch wurden zwei vornehme Ritter getötet, Gottfried von Monte Scabioso und Wilhelm, der Sohn des Markgrafen und Bruder Tankreds, zusammen mit anderen Rittern und Fußkämpfern, deren Namen ich nicht kenne.
    Welcher Mensch, wenn auch noch so erfahren und gelehrt, würde es wagen, über die Geschicklichkeit und Verwegenheit und den Mut der Türken zu schreiben, die glaubten, Schrecken unter den Franken zu verbreiten, wie sie ihn durch die drohende Gefahr ihrer Bögen unter den Arabern und Sarazenen, Armeniern, Syrern und Griechen verbreitet hatten. Doch werden ihre Männer, Gott bewahre, niemals so gut sein wie die unseren. Sie haben ein Sprichwort, wonach sie von der gleichen Herkunft wie die Franken seien, und daß keine Menschen, außer den Franken und ihnen selbst, von Natur aus dazu geboren werden, Ritter zu sein. Das stimmt, und niemand kann leugnen, daß, wenn sie nur hart im Glauben an Christus und die heilige Christenheit geblieben und willens gewesen wären, einen einzigen Gott in Gestalt dreier Personen zu akzeptieren, und recht und treu geglaubt hätten, daß der Sohn Gottes von einer jungfräulichen Mutter geboren wurde, daß er litt und von den Toten auferstand und im Angesicht seiner Jünger in den Himmel auffuhr und ihnen im vollen Umfang die Labsal des Heiligen Geistes sandte, und daß er im Himmel und auf Erden regiert, ihr keine stärkeren und tapferen oder geschickteren Soldaten finden würdet; und dennoch wurden sie durch Gottes Gnade von den Unseren geschlagen. Diese Schlacht wurde am 1. Juli ausgetragen.

Hier endet das dritte und es beginnt das vierte Buch.

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