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I
ls eingetreten war, wovor unser Herr Jesus seine
Getreuen tagtäglich warnt, besonders in dem Evangelium, wo er
sagt: »Wer mit mir kommen will, der muß sich selbst aufgeben
und mein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen,« lief eine
derartige Gemütsbewegung durch die fränkischen Lande, so daß
einer, wenn er Gott von ganzem Herzen und mit ganzer Kraft
wahrhaftig nachfolgen und ergeben sein Kreuz auf sich nehmen
wollte, nicht umhin konnte, so schnell wie möglich den Weg zum
Heiligen Grab zu nehmen. Denn selbst der Papst machte sich auf,
so schnell er nur konnte, mit seinen Erzbischöfen, Bischöfen,
Äbten und Priestern über die Alpen, und er begann mitreißende
Predigten zu halten und zu ermahnen, indem er sprach: »Haltet
den, der seine Seele retten möchte, nicht davon ab, den Weg des
Herrn zu wählen, und fehlt es ihm an Geld, so wird ihm die
göttliche Gnade ausreichend geben.« Der Oberhirte sagte
außerdem: »Brüder, ihr werdet im Namen Christi vieles
erdulden: Elend, Mangel, Wehrlosigkeit, Verfolgung, Not,
Krankheit, Hunger, Durst und ähnliche Leiden, denn der Herr
spricht zu seinen Jüngern: Ihr werdet in meinem Namen
vieles erleiden und: Habt keine Scheu, zu den
Menschen zu reden, denn ich werde euch eingeben, was ihr sagen
müßt, und darauf: Reich wird euer Lohn
sein.« Und als diese Worte anfingen, sich wie ein
Lauffeuer durch alle Herzogtümer und Grafschaften der
fränkischen Lande zu verbreiten, begannen die Franken, nachdem
sie diese vernommen, sich das Kreuz auf die rechte Schulter ihrer
Kleidung zu nähen, womit sie kundtaten, daß sie alle einmütig
den Fußstapfen Christi folgen wollten, durch den sie aus der
Macht der Hölle erlöst worden waren. Und so machten sie sich
augenblicklich aus ihrer Heimat im Land der Franken auf den Weg.
[ii] Die Franken teilten sich in drei Heere
auf. Eines, welches nach Ungarn zog, wurde von Peter dem Eremiten
und Herzog Gottfried geführt, seinem Bruder Balduin und Balduin
von Hainault. Diese äußerst tapferen Ritter und viele andere,
deren Namen ich nicht kenne, reisten entlang der Straße, welche
vormals Karl der Große, der heldenmütige König der Franken,
nach Konstantinopel bauen ließ.
Der obengenannte Peter war der erste, der am
ersten August Konstantinopel erreichte, und mit ihm kamen viele
Deutsche. Dort versammelt trafen sie Leute aus Nord- und
Süditalien sowie viele andere an. Der Kaiser traf entsprechende
Vorkehrungen, so gut sie in der Stadt, die ihnen überlassen war,
nur eben möglich waren, und er sprach: »Überquert den
Hellespont nicht, solange nicht das große Kreuzheer eingetroffen
ist, denn es sind eurer nicht genügend, um den Kampf gegen die
Türken aufzunehmen.« Doch jene Christen verhielten sich
abscheulich, sie plünderten und brannten die Paläste der Stadt
nieder, stahlen das Blei von den Dächern der Kirchen und
verkauften es an die Griechen, so daß der Kaiser zornig wurde
und ihnen befahl, den Hellespont zu überqueren. Auch als sie
übergesetzt hatten, ließen sie nicht ab von ihren Missetaten,
und sie verbrannten und verwüsteten sowohl Häuser als auch
Kirchen. Schließlich erreichten sie Nikomedien, wo sich die
Italiener und Deutschen von den Franken trennten, zumal die
Franken unerträglich hochmütig waren. Die Italiener wählten
einen gewissen Rainald zum Führer. Auch die Deutschen wählten
einen Führer, und sie gingen gemeinsam hinüber nach Rum und
zogen in einer Viertagesreise über die Stadt Nikomedien hinaus,
bis sie auf eine verlassene Burg namens Xerigordo stießen,
welche sie in Besitz nahmen und darin sie eine Menge an Korn und
Wein und Fleisch und viele gute Dinge in Hülle und Fülle
fanden. Als jedoch die Türken hörten, daß die Christen in der
Burg seien, kamen sie herbei und belagerten sie. Vor ihrem Tor
lag ein Brunnen, und unter ihren Mauern war eine Quelle, zu der
Rainald hinausging, um den Türken einen Hinterhalt zu legen. Als
letztere aber am Michaelitag ankamen, fingen sie Rainald und
seine Mannschaft ein und töteten viele von ihnen. Die
Überlebenden flohen in die Burg, die die Türken daraufhin
unverzüglich belagerten und ihnen die Wasserversorgung
abschnitten. Unsere Männer wurden daher so entsetzlich von Durst
gequält, daß sie ihre Pferde und Esel zur Ader ließen und das
Blut tranken; andere ließen Gürtel und Kleider in einen
Abwasserkanal hinab und preßten sich die Flüssigkeit in ihren
Mund; andere ließen einander Wasser in die hohle Hand und
tranken es; wieder andere gruben den feuchten Boden um, legten
sich auf den Rücken und häuften Erde auf ihre Brust, weil sie
vor Durst ausgetrocknet waren. Die Bischöfe und Priester
ermutigten unsere Leute, indem sie ihnen sagten, daß sie nicht
verzweifeln sollten. Diese elende Lage der Dinge hielt acht Tage
an. Dann faßte der Führer der Deutschen den Entschluß, seine
Kameraden an die Türken zu verraten, und indem er vorgab, er
würde kämpfen, floh er zu ihnen, und viele gingen mit ihm. Vom
Rest wurden diejenigen, welche nicht dazu bereit waren, Gott zu
leugnen, getötet; andere, welche die Türken lebend fingen,
wurden unter denen, die sie gefangennahmen, aufgeteilt wie
Schafe; einige wurden als Ziele aufgestellt und mit Pfeilen
erschossen, wieder andere verkauft und weggegeben, als seien es
rohe Bestien. Manche Türken nahmen ihre Gefangenen mit nach
Khorasan, Antiochien oder Haleb oder wo immer sie zu wohnen
pflegten. Diese Männer waren die ersten, welche im Namen unseres
Herrn ein seligmachendes Martyrium erleiden mußten.
Später, als die Türken hörten, daß Peter
der Eremit und Walter Habenichts in Kivotos seien, welches hinter
der Stadt Nikäa liegt, zogen sie frohen Sinnes dorthin mit dem
Vorsatz, sie und ihre Kameraden zu töten, und als sie angekommen
waren, trafen sie Walter und seine Leute an und töteten sie
unverzüglich. Peter der Eremit war kurz bevor dies geschah nach
Konstantinopel abgereist, da er eine so bunte Ansammlung von
Menschen, die ihm nicht gehorchen wollten oder nicht auf das
hörten, was er sagte, nicht im Zaum halten konnte. Die Türken
fielen über seine Leute her und töteten die meisten von ihnen
einige trafen sie schlafend an, andere nackt, und sie alle
schlachteten sie ab. Unter dem Rest fanden sie einen Priester,
der gerade die Messe las, und sie töteten ihn sogleich am Altar.
Diejenigen, die es schafften zu entkommen, flohen nach Kivotos.
Einige sprangen ins Meer, und andere versteckten sich in den
Wäldern und Bergen. Die Türken jagten einige der Unseren in die
Burg und häuften Holz auf, um sie mitsamt der Burg verbrennen zu
können, aber die Christen im Innern legten Feuer an die
Holzstöße, und die Flammen wurden gegen die Türken
zurückgetragen und verbrannten einige der Ihrigen. Gott aber
errettete die Unseren aus diesem Feuer. Schließlich fingen die
Türken sie lebend und verteilten sie, wie sie es mit den anderen
gemacht hatten, und schickten sie in alle benachbarten Länder,
einige nach Khorasan und einige nach Persien. All dies trug sich
zu im Oktober. Als der Kaiser vernahm, daß die Türken den
Unseren eine derartige Niederlage beigebracht hatten, war er
hocherfreut und gab für die Überlebenden Anweisungen, daß sie
über den Hellespont zurückgebracht würden. Als sie diesen
überquert hatten, ließ er sie vollständig entwaffnen.
[iii] Unser zweites Heer kam über die
dalmatinischen Lande, und es wurde von Raimund, dem Grafen von
Saint-Gilles, geführt sowie vom Bischof von Le Puy. Das dritte
zog längs der alten Römerstraße seines Weges. In dieser Schar
befanden sich Bohemund und Richard vom Prinzipat, Robert, der
Graf von Flandern, Robert der Normanne, Hugo der Große, Eberhard
von Puiset, Achard von Montmerle, Isard von Mouzon und viele
andere. Einige von ihnen kamen nach dem Hafen von Brindisi,
andere nach Bari oder Otranto. Hugo der Große und Wilhelm, der
Sohn des Markgrafen, schifften sich in Bari ein und segelten nach
Dyrrhachium, aber der Statthalter dieses Ortes ersann sogleich
einen verräterischen Plan, als er hörte, daß Krieger mit einer
solchen Erfahrung ankämen, nahm sie in Gewahrsam und sandte sie
unter Bewachung an den Kaiser in Konstantinopel, damit sie ihm
Lehnstreue schwüren.
Nach diesen war Herzog Gottfried der erste von
allen unseren Führern, der mit einem großen Heer Konstantinopel
erreichte, und er kam zwei Tage vor Weihnachten an und schlug
außerhalb der Stadt ein Lager auf, bis jener Schuft von einem
Kaiser Weisungen erteilte, daß ihm Quartiere in den Vorstädten
zugewiesen werden sollten. Sowie sich der Herzog eingerichtet
hatte, sandte er völlig arglos jeden Tag seine Knappen aus, um
Stroh und anderes zu besorgen, was für die Pferde gebraucht
wurde. Als jene jedoch dachten, daß sie frei hinausgehen
könnten wohin sie wollten, befahl Alexius, dieser Schurke von
einem Kaiser, seinen Turkopolen und Petschenegen, sie anzugreifen
und umzubringen. Balduin, des Herzogs Bruder, der davon erfuhr,
legte sich daher in einen Hinterhalt, und als er den Feind dabei
überraschte, wie dieser seine Leute tötete, griff er ihn tapfer
an, und mit Gottes Hilfe besiegte er ihn. Er machte sechzig
Gefangene, von denen er etliche töten ließ und die übrigen
seinem Bruder, dem Herzog, vorführte. Als der Kaiser dies
erfuhr, wurde er sehr zornig, und der Herzog, der davon Wind
bekam, führte seine Männer aus der Stadt heraus und lagerte
sich außerhalb der Mauern. Spät an jenem Abend befahl der
elende Kaiser seinen Männern, den Herzog und das Heer der
Christen anzugreifen, aber unser unbesiegbarer Führer trieb mit
seinen christlichen Rittern die kaiserlichen Truppen zurück,
tötete sieben Männer und trieb den Rest bis vor die Tore der
Stadt. Hiernach kehrte er in sein Lager zurück und blieb dort
fünf Tage lang, bis er mit dem Kaiser, der ihm sagte, er solle
den Hellespont überqueren, zu einer Vereinbarung gelangte und
der ihm versprach, daß er dort die gleich gute Versorgung
erhalten würde wie er sie in Konstantinopel hatte. Ferner
versprach der Kaiser, den Armen Almosen zu geben, so daß sie
leben könnten.
[iiii] Was Bohemund betrifft, jenen großen
Krieger, dieser belagerte gerade Amalfi, als er erfuhr, daß ein
riesiges Heer fränkischer Kreuzfahrer angekommen war, das
unterwegs zum Heiligen Grab und einsatzbereit war, um die Heiden
zu bekämpfen. So begann er sorgfältige Erkundigungen
einzuziehen bezüglich der Waffen, welche sie führten, der
Abzeichen, welche sie auf Christi Pilgerfahrt trugen, und des
Schlachtrufs, den sie im Kampf ausstießen. Man berichtete ihm:
»Sie sind gut bewaffnet, sie tragen das Zeichen des Kreuzes
Christi auf dem rechten Arm oder zwischen den Schultern, und als
Schlachtruf schreien alle zugleich: Gott will es! Gott will
es! Gott will es!« Sodann schickte Bohemund, vom Heiligen
Geist erfüllt, nach dem kostbarsten Mantel, den er besaß, um
ihn unverzüglich in Stücke zu schneiden und Kreuze daraus zu
machen, und die meisten Ritter, die während der Belagerung
zugegen waren, begannen sofort sich ihm anzuschließen, zumal sie
voller Begeisterung waren, so daß Graf Roger fast alleine
zurückgelassen wurde; und als dieser nach Sizilien
zurückgegangen war, war er betrübt und jammerte, weil er sein
Heer eingebüßt hatte. Mein Herr Bohemund kehrte in seine
eigenen Ländereien zurück und traf sorgfältige Vorbereitungen,
um sich auf den Weg zum Heiligen Grab zu machen. Hiernach
überquerte er mit seinem Heer das Meer, und mit ihm gingen
Tankred, der Sohn des Markgrafen, Richard vom Prinzipat und
dessen Bruder Ranulf, Robert von Anse, Hermann von Cannes, Robert
von Sourdeval, Robert Fitz-Toustan, Humfried Fitz-Ralph, Richard,
der Sohn des Grafen Ranulf und Graf von Russignolo, sowie dessen
Brüder Boel von Chartres, Aubré von Cagnano und Humfried von
Monte Scaglioso. Sie alle setzten auf Bohemunds Kosten über und
erreichten das westliche Makedonien, wo sie eine Fülle Korns und
Weins und sonstiges Eßbares vorfanden. Von hier aus stiegen sie
hinab ins Tal von Andronopolis, wo sie auf ihre Leute warteten,
bis alle übergesetzt hatten. Alsdann berief Bohemund einen Rat
ein, um seine Männer zu ermutigen und sie alle aufzufordern,
liebenswürdig zu sein und vom Ausplündern des Landes, welches
Christen gehöre, Abstand zu nehmen, und er sagte, daß keiner
sich mehr nehmen möge, als für seine Ernährung ausreiche.
Sodann brachen wir auf und zogen durch ein
äußerst reiches Land von Ort zu Ort, von einer Stadt zur
anderen und von einer Burg zur nächsten, bis wir nach Kastoria
kamen, wo wir das Weihnachtsfest feierten und einige Tage blieben
und Vorräte zu kaufen suchten. Die Einwohner wollten uns jedoch
nichts verkaufen, weil sie große Angst vor uns hatten. Sie
hielten uns nicht für Pilger, sondern für Plünderer, die
gekommen waren, um das Land zu verwüsten und sie zu töten.
Daher bemächtigten wir uns der Ochsen, Pferde und Esel und
nahmen alles, was wir finden konnten, und indem wir Kastoria
verließen, gelangten wir hinein nach Palagonien, wo eine Burg
von Häretikern lag. Wir griffen diesen Platz von allen Seiten
an, und bald darauf fiel er in unsere Hände, woraufhin wir Feuer
an ihn legten und die Burg mitsamt ihren Einwohnern verbrannten.
Danach erreichten wir den Fluß Vardar, und mein Herr Bohemund
setzte mit einigen seiner Männer über, allerdings nicht mit
allen, denn der Graf von Russignolo und seine Brüder blieben
zurück. Das Heer des Kaisers eilte herbei und griff den Grafen
und seine Brüder einschließlich ihrer Männer an. Sowie Tankred
davon erfuhr, ging er zurück, tauchte in den Fluß ein und
schwamm mit zweitausend Leuten, die ihm folgten, zu den anderen
hinüber. Sie fanden die Turkopolen und Petschenegen in den Kampf
mit unseren Männern verwickelt, ritten folglich eine
überraschende und tapfere Attacke, und nachdem sie Männer mit
reicher Erfahrung waren, besiegten sie den Feind und machten
viele Gefangene, die sie fesselten und vor meinen Herrn Bohemund
führten. Dieser sagte zu ihnen: "Ihr Halunken, warum tötet
ihr Christi Volk und meines? Ich liege mit eurem Kaiser nicht im
Streit!" Sie antworteten: »Wir können nicht anders. Wir
unterstehen dem Befehl des Kaisers, und was immer er anordnet,
das müssen wir tun.« Bohemund ließ sie ungeschoren
davonkommen. Diese Schlacht wurde am vierten Tag der Woche, einem
Aschermittwoch, ausgefochten. Gelobt sei Gott in all seinen
Taten! Amen.
Hier endet das erste und es beginnt das
zweite Buch
Copyright © 2001, Manfred
Hiebl. Alle Rechte vorbehalten.
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