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22. Dezember 2006

Herr Dr. Michael L. schrieb: Sehr geehrter Herr Hiebl,

 

beim Surfen habe ich Ihre Nehberg-Buchkritik gefunden und bin ganz froh, daß es noch andere gibt, die beim Lesen des Abenteuers Urwald mehr Fragen als Antworten gefunden haben. Insgesamt passen der weitgereiste Abenteuer und der kleinkarierte Ankläger für mich nicht recht zusammen, es sei denn, man will Seiten für ein Buch füllen.

 

Mich hat das Buch noch aus einem anderen Grund ziemlich enttäuscht. Von 357 Seiten sind gerade mal 41 Seiten dem Alleingang im Urwald gewidmet - wenn man das Intermezzo mit dem Telefongespräch und der Pressekonferenz in Hamburg einmal herausrechnet. 41 Seiten für immerhin 4 Wochen Alleinsein im Urwald? Da ich selbst zahlreiche Reisen - auch allein - in der Region hinter mir habe, zu Fuß, im Faltboot und mit Geländewagen, wundert es, das diese vier Wochen so unspektakulär abgelaufen sein sollen. Während man von Hauck alias Tatunca Nara detailversessen alles erfährt, liest man von dem Qualen im Urwald fast nichts, den Insekten, den Ameisen, den einsamen, mit Sicherheit unbequemen Nächten, den Ängsten, den Schmerzen. Das Nahrungsangebot ist nicht üppig im Urwald, die Indianer haben es treffend beschrieben. Was für Qualen muß allein der Hunger fast 4 Wochen verursacht haben? Wie sieht ein Mensch danach aus? Die wenigen Bilder verwirren nur. So ist die Machete im Buch beim Absetzen im Wald angeblich unauffindbar verloren gegangen, aber das abgebildete Kanu hat eindeutig mit einem scharfen Gegenstand behauene Stockenden.

 

Nehberg war über weite Strecken allein, so daß man nichts nachweisen kann. Aber gewisse Indizien bringen mich zu dem Schluß, daß diese Reise so nie stattgefunden haben kann. Da ich selber Pilot bin und auch brasilianische Kollegen kenne, kann ich mir schlecht vorstellen, daß der Helikopter versehentlich Herrn Nehberg im Indianerreservat ausgesetzt haben soll. Selbst Privatpiloten haben heute GPS, das auf wenige Meter genau die Position darstellt. Nehberg hat sich beim Abstieg verletzt. Wunden im Amazonas heilen extrem schlecht, das gilt für Mensch und Tier. Nehberg schreibt, er liefe im Wald 2 bis 3 Kilometer pro Stunde. Selbst gute einheimische Waldläufer mit Machete machen im Schnitt 4 Kilometer am Tag, mehr nicht. Aber das größte Rätsel ist für mich die Verpflegung. Ein Mensch, der über Wochen im Wasser zubringt, benötigt Energie. Die Kleidung trocknet niemals im Urwald, sie bleibt immer klamm. Um nicht völlig auszukühlen, kann man sich nur ausziehen und die vergleichsweise kühlen Nächte nackt auf dem Boden oder in improvisierter Hängematte verbringen. All das kostet zusätzlich Kraft. Nahrung ist kaum aufzutreiben, sofern man keine Flinte oder Angel hat. Auch Nüsse sind schwer zu finden. Schließlich gibt es noch andere Kreaturen, die diese Delikatesse suchen und besser finden. ...

 

Vielleicht ist das Indianerreservat aber nicht ungeschickt gewählt, denn es ist äußerst schwierig, diese Reservate zu bereisen, das macht die Überprüfung ungeheuer problematisch. Es bedarf erst einer Genehmigung von Brasilia, die nur sehr schwer zu bekommen ist; dann muß man die Indianervertreter in der nächstgelegenen Stadt überzeugen und dann muß auch noch der jeweilige Häuptling vor Ort seine Genehmigung erteilen. Und ob man dann ungeschoren aus dem Stammesgebiet wieder herauskommt, ist auch nicht sichergestellt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Michael L.

 

Antwort: Sehr geehrter Herr Dr. L.,

 

eine sehr tiefgreifende Analyse, die Sie da geliefert haben! Sie überzeugt mich weit mehr, als was Nehberg sich je zusammengereimt hat. Ich gebe Ihnen in allem recht, weil ich das Amazonasgebiet ebenfalls durchquert habe und die Anforderungen, die sich einem dort stellen, selbst kennengelernt habe, wenngleich nicht ganz so dramatisch. Dadurch daß ich eine Webseite zum Thema Tatunca Nara unterhalte, lerne ich immer wieder höchst interessante Menschen kennen, sogar solche, die an ihn herankommen. Mir wollte er nämlich kein Interview geben. Es ist wie im echten Urwald, will man einen Vorstoß unternehmen, so bedarf es dazu erst der Machete. In gewisser Weise beneide ich Menschen wie Sie, denn ich habe es nur zum Sportpiloten gebracht, und das auch nur für kurze Zeit. Seitdem lasse ich mich fliegen. Das Thema Amazonas kam mir da gerade recht. An Nehberg selbst war ich nie interessiert, er macht es irgendwie nicht so spannend, daß man ihn als absolute Autorität anerkennen möchte. Für mich ist er wie einer, der nur Schlagzeilen produziert, und das alles aus überwiegend kommerziellem Interesse. Mittlerweile wird er wohl ausgesorgt haben, so daß er so etwas wohl nicht noch einmal nötig haben dürfte. Ich denke, daß er gegen Hansi Hauck eine ganz infame Kampagne gestartet hat, die ihm zwar zu einem Riesen-Bucherfolg verholfen hat, die aber bezüglich ihrer Intention so durchsichtig ist, daß man sich wundern muß, wie ein Mensch angesichts solcher Anschuldigungen, von denen sich nicht eine als haltbar erwiesen hat, ein reines Gewissen behalten kann.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Manfred Hiebl


 

19. Dezember 2005

Herr Abracos W. P. aus São Paulo schrieb: Hallo Manfred,

 

folgender Auszug von Dir ...: "Das läßt sich unschwer daran erkennen, zu welch unlauteren Mitteln der Auseinandersetzung er greift, um an seinem Gegner für irgendeine erlittene Unbill 'Rache' zu nehmen. Selbst zu den Aussagen einer Wahrsagerin zu greifen scheut er sich nicht, um Tatunca Nara zu belasten. Vielleicht ist es nur die Beschuldigung, daß er, Nehberg, selbst der Mörder des ARD-Korrespondenten Karl Brugger sei, die ihn dazu treibt. Erstaunlich, wie wenig Nehberg in seinem Buch zu dieser Anschuldigung Stellung nimmt. In der Tat versucht er, den Exildeutschen Hauck in das nur denkbar schlechteste Licht zu rücken, angefangen damit, wie akribisch genau er alle seine Rechtschreib- und Grammatikfehler in den Vordergrund stellt, um ihn als den größten Idioten schlechthin darzustellen. Es geht aus dem Buch auch nicht klar hervor, was Nehberg so sehr gekränkt haben mag, daß er weder Mühen noch Kosten scheut, sein Opfer als sein eigener Privatdetektiv zu verfolgen, so als wolle er mit dem Polizeipreis für die beste Kriminalistik ausgezeichnet werden."

 

Als der duslige Nehberg von Tatunca zu den Indianern geführt werden wollte, ist folgendes Zitat gefallen: "Wegen Dir Glatzkopf setze ich mir doch keine Flöhe in den Pelz." Da war der Nehberg sauer und hat den Schmarrn geschrieben. Ein guter Freund von mir, der Heinz B., kennt ihn gut und war auch mit ihm unterwegs. Es geht wohl hart zur Sache bei den Touren, aber sonst weiter nichts.

 

Abracos W. P.

 

Antwort: Sehr geehrter Herr P.,

 

vielen Dank für Ihren Hinweis. Allerdings glaube ich nicht, daß diese meines Erachtens nicht so schlimme Beleidigung den Grund dafür geliefert haben kann, warum Nehberg sich an dem „selbstgemachten Häuptling“ rächen wollte und dazu unbedingt ein Buch schreiben mußte. Vielleicht glaubte Nehberg einige Zeit lang wirklich daran, einen vermeintlichen Mörder überführen zu müssen. Meine heutige Sicht ist eher simpel: Nehberg lebt von Publicity, als Buchautor muß er etwas schreiben, was wirklich eine Chance hat, auch gelesen zu werden, und was würde sich dafür besser eignen als die fantastische Geschichte, die Tatunca Nara der Welt aufgetischt hat.

    Ich habe übrigens unlängst ein persönliches Gespräch mit einem Deutschen geführt, der mir eine sehr interessante Geschichte erzählt hat. Er sei den Thesen, wie auch Herr Hauck sie verbreitet, nachgegangen, und habe dabei Erstaunliches herausgefunden. Eine Indiofrau z.B., die keiner der skandinavischen Sprachen je mächtig war, gibt ihren Kindern nordische Namen, wobei in ihrer Familie zusätzlich auch immer wieder blaue Augen auftauchen. Der Mann glaubt nun fest daran, daß dies nur so zu erklären sei, daß bereits vor Christoph Kolumbus Wikinger bis auf den südamerikanischen Kontinent vorgedrungen seien und dort ihre Spuren hinterlassen haben. Auch habe es, meinte dieser, im Dritten Reich Einheiten gegeben, die tatsächlich nach Brasilien gelangt seien, was immer sie dort auch gesucht haben mögen. Alles in allem hat sich aus einer Summe von Einzelheiten bruchstückhaft ein Mosaik ergeben, das aus vielen kleinen Wahrheitsfetzen zusammengesetzt ist.

    Ungewöhnlich finde ich auch, daß, seit ich Nehbergs Buch analysiert und der Öffentlichkeit meine (persönliche) Meinung dazu kundgetan habe, niemand mehr mich anschrieb, der in Tatunca Nara alias Günther Hauck einen Mörder erkannt haben will, wie es vordem öfters der Fall war. Ich denke, es könnte sich lohnen, Herrn B. einmal anzuschreiben und ihn um seine Meinung zu Tatunca Nara zu bitten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Manfred Hiebl