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Achtzehntes Buch

Mißhandlungen, die der Patriarch von Antiochien vom Fürsten erleiden muß. Große Hungersnot im ganzen Land. (Kap. 1) Wahl des Papstes Hadrian. Kaiser Friedrich wird in Rom gekrönt. Streitigkeiten zwischen dem Papst und dem König von Sizilien. (Kap. 2) Ungerechtigkeiten, die sich die Brüder des Hospitals erlauben. Geschichte des Hospitals. Der Patriarch von Jerusalem reist, sie zu verklagen, nach Rom. (Kap. 3-6) Der Kaiser von Konstantinopel fällt in Apulien ein. Ankunft des Patriarchen in Rom. Er kehrt unverrichteterdinge zurück. (Kap. 7. 8.) Unruhen in Ägypten. Noseradin wird von den Tempelrittern gefangen genommen und an die Ägypter ausgeliefert. (Kap. 9) Der Fürst von Antiochien verheert die Insel Zypern. (Kap. 10) Der König überfällt eine Horde Turkomanen. (Kap.11.) Humfried von Toron gibt die Hälfte von Paneas an die Tempelritter ab. Nureddin nimmt die Vorräte weg, die sie dorthin führen wollen. Belagerung der Stadt. (Kap.12.) Der König befreit die Stadt von der Belagerung, ist aber auf dem Rückzug sehr unglücklich. (Kap. 13. 14) Nureddin belagert Paneas aufs neue. Die Stadt wird aber wiederum vom König entsetzt. (Kap. 15) Ankunft Dietrichs von Flandern. Es werden Gesandte nach Konstantinopel geschickt, um für den König zu werben. (Kap. 16) Der König zieht mit allen Streitkräften des Königreichs nach Antiochien. Nachricht von Nureddins Krankheit. (Kap. 17) Belagerung und Eroberung von Cäsarea. (Kap. 18) Tod des Patriarchen von Jerusalem. Wiedereroberung einer Höhle über dem Jordan und eines festen Platzes bei Antiochien. (Kap. 19) Der Prior Amalrich wird Patriarch in Jerusalem. Streitigkeiten darüber. (Kap. 20) Glücklicher Kampf gegen Nureddin. (Kap. 21) Der König heiratet eine Fürstin von Konstantinopel. (Kap. 22) Ankunft des Kaisers in Kilikien. Demütigung des Fürsten von Antiochien. (Kap. 23) Ankunft des Königs im kaiserlichen Lager. Er söhnt den Fürsten Toros mit dem Kaiser aus. (Kap. 24) Der Kaiser reist nach Antiochien und kehrt dann nach Hause zurück. (Kap. 25) Entstehung eines großen Schismas in der Kirche. (Kap. 26) Nureddin fällt im Gebiet des Sultans von Ikonium, der König in Damaskus ein. (Kap. 27) Der Fürst von Antiochien gerät nach einem frevelhaften Unternehmen in Gefangenschaft. (Kap. 28) Ankunft eines römischen Legaten. Verhandlungen über seine Aufnahme. (Kap. 29) Der König wird nach Antiochien berufen. Er erhält vom griechischen Kaiser den Auftrag, ihm eine Gemahlin aus seiner Verwandtschaft auszuwählen. (Kap 30) Der Kaiser heiratet anstatt der Schwester des Grafen von Tripolis eine Tochter des Fürsten von Antiochien. (Kap. 31) Wiederaufbau eines festen Platzes bei Antiochien. Tod der Königin Melisende. (Kap. 32) Der Graf von Tripolis rächt sich am griechischen Kaiser. (Kap. 33) Tod und Begräbnis König Balduins. (Kap. 34)

    I. Unterdessen  hatte Rainald von Chatillon, der die Witwe des Fürsten von Antiochien geheiratet hatte, wovon wir oben gesprochen haben, einen starken Argwohn gegen den Patriarchen gefaßt, weil dieser von Anfang an nicht gut zu dieser Heirat gestanden hatte und noch jetzt derselben Gesinnung war. Der Patriarch sprach sich aber als ein reicher und mächtiger Mann, der eine große Gewalt hatte, über die Person und die Handlungen Rainalds in vertrauten Kreisen wie öffentlich öfters frei genug aus. Diese Worte wurden Rainald, wie dies oft zu geschehen pflegt, wieder hinterbracht, um ihn gegen den Patriarchen aufzureizen. Auf dies hin faßte der Fürst einen so unauslöschlichen Haß gegen den Patriarchen, daß er Hand an ihn legte, ihn mit teuflischer Keckheit aufs schmachvollste nach der Burg, die die Stadt Antiochien überragt, abführen und den bejahrten Priester, den Nachfolger des Fürsten der Apostel, einen schwächlichen und fast immer kränkelnden Mann, einen ganzen Sommertag lang, das Haupt mit Honig bestrichen, in der stechenden Sonnenhitze dasitzen ließ, ohne daß ihn jemand vor dem Brand der Sonnenstrahlen schützte oder ihm mitleidig die Fliegen abwehrte. Als dies der König von Jerusalem hörte, geriet er über diese tollkühne Verwegenheit ganz außer sich und schickte verehrungswürdige Männer, den Bischof Friedrich von Akkon und Rudolph, seinen Kanzler, mit einem Schreiben als Gesandte an ihn ab und ließ ihn kraft seines königlichen Ansehens über seine Tollheit zur Rede stellen und ihn auffordern, alsbald von diesem Wahnsinn abzulassen. Auf dieses Schreiben und diese Gesandtschaft hin ließ der Fürst den Patriarchen, nachdem er ihm viel Schmach angetan hatte, wieder frei und gab ihm auch die Güter, die er ihm und den Seinigen entrissen hatte, wieder vollständig zurück. Der Patriarch von Antiochien verließ daraufhin seine Diözese und begab sich ins Königreich Jerusalem, wo er vom König und seiner äußerst verständigen Mutter wie auch vom Patriarchen und allen Bischöfen des Königreichs aufs beste aufgenommen wurde und sich einige Jahre hier aufhielt. Im folgenden Jahr aber kam eine schwere Hungersnot über das ganze Land, und der Herr ließ in seinem Zorn einen solchen Mangel an Brot eintreten, daß ein Scheffel Weizen vier Goldstücke kostete. Hätte man nicht die Vorräte gehabt, die in dem eroberten Askalon gefunden wurden, so wäre beinahe das ganze Volk Hungers gestorben. In den folgenden Jahren jedoch, seitdem die Gegend von Askalon, die der feindlichen Überfälle wegen fünfzig Jahre wüst gelegen hatte, bebaut wurde und das Volk, das sich jetzt nicht mehr vor Feinden zu fürchten hatte, alle Sorgfalt auf das Land verwenden konnte, hatte das ganze Königreich einen solchen Überfluß, daß im Vergleich mit den gegenwärtigen Zeiten die früheren Hunger- und Fehljahre genannt werden könnten. Der Boden nämlich, der so lange nicht bebaut und gepflügt worden war und alle seine Kraft in sich verschlossen gehalten hatte, gab jetzt, wo er die Pflege der Ackerbauern erfuhr, den ihm anvertrauten Samen sechzigfältig mit dem reichsten Wucher zurück.

    II. Während dies im Morgenland vorfiel, war in Rom Hadrian der Dritte zum Nachfolger des verstorbenen Papstes Anastasius des Vierten erwählt worden. Dieser war ein Engländer von Geburt aus dem Schloß Sankt Alban, war zuerst in Avignon, einer Stadt der Provence in der Diözese von Arles, Abt der regulierten Chorherren der Kirche von Saint Roux gewesen und von da als Bischof von Albano unter dem Namen Nikolaus von Papst Eugen an die römische Kirche berufen worden. Nach dem Tod des Anastasius, der der Nachfolger des genannten Eugen gewesen war, war er aus Norwegen, der entlegensten Provinz des Abendlandes, wohin er als Legat gesandt worden war, zur Wahl zurückgekommen und einstimmig vom Volk und vom Klerus unter dem Namen Hadrian zum Papst gewählt worden. In demselben Jahr aber ereignete es sich, daß der deutsche König Friedrich, damals noch nicht Kaiser, mit einem unermeßlichen Heer nach Italien hinabzog und, nachdem er Tortona, eine der Städte von Lombardien, die er lange belagert, bezwungen hatte, nach Rom kam, um sich dort krönen zu lassen. In diesen Tagen waren aber zwischen dem Papst Hadrian, von dem eben die Rede war, und dem König Wilhelm von Sizilien, dem Sohn Rogers, aus gewissen Gründen schwere Feindseligkeiten entstanden, so daß es zu einer offenen und höchst schändlichen Fehde kam und der Papst gegen den Fürsten den Bannstrahl schleuderte. Um sein Vorhaben auszuführen, kam indessen Friedrich, von dem wir eben sprachen, innerhalb weniger Tage so schnell aus Lombardien nach Rom, daß der Papst und die ganze römische Kurie durch diese seine plötzliche Ankunft in Besorgnis versetzt wurden. Durch einige Vermittler kam es aber dahin, daß Friedrich unter den gewöhnlichen Bedingungen in der Kirche des heiligen Petrus mit der herkömmlichen Feierlichkeit am fünfundzwanzigsten Juni gekrönt und zum Augustus ausgerufen wurde, und drei Tage später, am Feiertag der heiligen Apostel Peter und Paul, trafen beide, der eine in seinem Kaiserschmuck, der andere mit den päpstlichen Insignien, unterhalb der Stadt Tivoli bei der lukanischen Brücke mit ihrem Gefolge einander und zeigten sich mit Lorbeer bekränzt dem jubelnden Volk. Nachdem sodann die Festtage vorüber waren, schieden sie im besten Einvernehmen voneinander, der Kaiser eilte nach Ankona, wohin ihn die Reichsangelegenheiten riefen, und der Papst hielt sich für einige Zeit in den Bergstädten bei Rom auf. Unterdessen hatte der König von Sizilien die Stadt Benevent, ein Eigentum der römischen Kirche, von seinen Fürsten belagern und die Bewohner aufs härteste bedrängen lassen. Der Papst, der sich hierdurch sehr gekränkt fühlte, suchte nun, um ihm Gleiches mit Gleichem zu vergelten, seine eigenen Fürsten sich gegen ihn zu wappnen, und sein Wunsch ging ihm auch in Erfüllung, denn er brachte den mächtigen Grafen Robert von Bassavilla, einen Sohn der Muhme des Königs, samt vielen anderen edlen Männern durch das Versprechen, daß ihnen der Rat und Beistand der römischen Kirche nie fehlen solle, gegen ihn zum Aufstand. Auch forderte er die edlen und mächtigen Männer Robert von Sorrent, Fürst von Capua, und den Grafen Andreas von Rapakanina und viele andere, die der König und sein Vater verbannt und ihrer väterlichen Besitzungen verlustig erklärt hatte, zur Rückkehr in das Königreich und zur Besitznahme ihrer erblichen Güter auf und versprach ihnen bei seinem päpstlichen Wort aufs festeste, daß die römische Kirche sie stets unterstützen werde. Auch forderte er beide Kaiser, den von Rom und den von Konstantinopel, den einen, der noch in Italien war, offen und mündlich, den anderen insgeheim und durch Briefe, zur Besitznahme des Königreichs von Sizilien auf.

    III. Während diese Dinge in Italien und bei der Kirche und im Königreich Sizilien Verwirrung stifteten, fehlte es auch in unserem Morgenland nicht an Unruhen. Um dieselbe Zeit, nachdem die Stadt Askalon mit Gottes Hilfe wieder an die Christenheit gekommen war und während alles im Königreich aufs beste stand, säte der Feind aus Neid auf die Ruhe, die uns Gott gewährte, Unkraut unter den schönen Weizen. Der Meister des Hospitals, Raimund nämlich, der sonst als ein frommer und gottesfürchtiger Mann galt, begann mit seinen Brüdern, die denselben Geist hatten wie er, sowohl den Patriarchen als die übrigen Prälaten der Kirche teils in ihrem Parochialrecht, teils in ihrem Zehentrecht zu beeinträchtigen. Sie nahmen ohne Auswahl die, welche von den Bischöfen exkommuniziert oder namentlich in den Bann getan und ihrer Frevel halber aus der Kirche ausgeschlossen worden waren, zu ihrem Gottesdienst auf und verweigerten ihnen weder wenn sie krank waren das heilige Abendmahl und die letzte Ölung noch wenn sie starben das Begräbnis. Wenn aber wegen außerordentlicher Vergehen einmal allen Kirchen oder denen einer Stadt oder einer Ortschaft Stillschweigen auferlegt wurde, so waren sie die ersten, welche die Glocken anschlugen und mit stärkerer Stimme als sonst die mit dem Interdikt belegten Völker zum Gottesdienst riefen, damit sie die Opfer und sie sonstigen Akzidentien statt der Mutterkirchen einnahmen und während der allgemeinen Trauer allein ihre Freude haben könnten, wobei sie des Wortes des trefflichen Predigers: "Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden", völlig vergaßen. Ihre Priester stellten sie weder, wenn sie sie einsetzten, nach den alten heiligen Anordnungen den Ortsbischöfen vor, um ihre Erlaubnis einzuholen, daß sie in ihren Diözesen den Gottesdienst halten dürfen, noch taten sie es den Bischöfen zu wissen, wenn sie, sei es zurecht oder zu unrecht, einen Priester absetzten. Von ihren Grundstücken aber und ihren sonstigen Einkünften, auf welche Art sie auch in deren Besitz gekommen waren, verweigerten sie ausnahmslos den Zehnten. Dies war die Klage aller Bischöfe gegen sie, und alle Kathedralkirchen beeinträchtigten sie auf diese Art, hauptsächlich aber taten sie dem Patriarchen und der Kirche von Jerusalem ein Unrecht an, wodurch sie sich bei allen Christen verhaßt machten. Sie begannen nämlich vor den Toren der heiligen Auferstehungskirche, diesem Orte zur Schmach, weit höhere und kostbarere Gebäude aufzuführen, als diese Kirche hat, die durch das kostbare Blut unseres Herrn und Heilands, der hier am Kreuz hing, geweiht ist und ihm nach seiner Abnahme vom Kreuz eine anmutige Ruhestätte gewährt. Überdies, sooft der Patriarch nach dem Herkommen den Ort bestieg, wo der Erlöser der Welt für unser Heil am Kreuze hing und alle Welt von der Sünde erlöste und von dieser Stätte aus zum Volk reden wollte, schlugen sie, um ihn in seinem Amt zu stören, absichtlich so lange und so heftig alle Glocken an, daß weder der Patriarch laut genug sprechen noch das Volk, so sehr es sich Mühe gab, ihn hören konnte. Der Patriarch beklagte sich über diese Frechheit mehrmals bei den Bürgern und bewies ihre Bosheit mit sicheren Tatsachen, aber sie blieben, obgleich mehrmals ermahnt, unverbesserlich und drohten mit der Zeit noch weiter zu gehen. Und das geschah auch, denn sie trieben in wahnsinnigem und teuflischen Vermessen ihre Frechheit so weit, daß sie mit den Waffen in die genannte gottgeliebte Kirche wie in das Haus eines gemeinen Mannes eindrangen und, als ob sie eine Räuberhöhle wäre, viele Pfeile hineinschossen, die nachher in einem Bündel gesammelt und vor der Kalvarienstätte, wo der Herr gekreuzigt worden war, an einem Seil aufgehängt wurden, wo wir und unzählige andere sie selbst gesehen haben. Dieses große Übel scheint ursächlich die römische Kirche veranlaßt zu haben, indem sie ungerechterweise, vielleicht ohne zu wissen oder recht zu bedenken, was diese Bitte heiße, den genannten Ort der Gerichtsbarkeit des Patriarchen von Jerusalem, unter dem er lange mit Recht gestanden hatte, entzog und so bewirkte, daß diese Brüder weder vor Gott noch vor Menschen Ehrfurcht haben, wenn sie sie nicht fürchten müssen. Wir wollen aber diesen gottverhaßten Stolz, die Mutter aller Laster, nicht allen ohne Unterschied aufrechnen, denn wir halten es kaum für möglich, daß in einer so großen Körperschaft alle ohne Unterschied denselben Weg einschlagen sollten. Von welch kleinem Anfang aus aber der genannte Orden so mächtig heranwuchs und wie unrecht es von ihm ist, daß er sich gegen die Kirchen des Herrn widerspenstig gezeigt hat und noch heute zeigt, das wollen wir, wozu uns Gott helfen möge, ganz der Wahrheit getreu näher auseinandersetzen und zu diesem Zweck etwas weiter zurückgehen.

    IV. Nachdem das Königreich Jerusalem samt ganz Syrien, Ägypten und den umliegenden Ländern unserer Sünden halber, was nach der Überlieferung der alten Geschichten zur Zeit des Kaisers Heraklius geschah, in die Hände der Feinde des christlichen Namens und Glaubens gekommen war, wo die arabischen Völkerschaften ihn überwuchsen, kamen dessen ungeachtet doch noch viele Abendländer entweder der Andacht oder des Handels wegen, oder daß sie beides zugleich herführte, nach den heiligen Orten, obgleich diese in der Gewalt der Feinde waren. Unter den Abendländern aber, welche des Handels wegen in diesen Zeiten an die genannten Orte kamen, waren auch italienische Männer, die nach der Stadt, die sie bewohnen, Amalfitaner heißen. Amalfi ist nämlich eine Stadt, die zwischen dem Meer und hohen Bergen liegt und gegen Morgen die edle Stadt Salerno, die auf dem Seeweg kaum sieben Meilen davon liegt, gegen Abend Sorrent und das virgilische Neapel, gegen Mittag aber Sizilien, das durch das thyrennische Meer von ihr getrennt und zweihundert oder etwas mehr oder weniger Meilen von ihr entfernt ist, zu Grenznachbarn hat. Die Bewohner dieser Gegend versuchten es als erste, wie wir gesagt haben, ausländische Waren, die der Orient bis jetzt noch nicht gekannt hatte, des Gewinns wegen in jene Gegenden zu bringen, und sie verschafften sich durch diesen Handel die besten Bedingungen bei den Herren des Landes und hatten, da sie in großer Gunst beim Volk standen, völlig freien Zutritt hierher. In jenen Tagen hatte der Fürst von Ägypten alle Länder am Meer in seinem Besitz, von der Stadt Gabulum, die neben Latakia in Syrien am Meeresufer liegt, bis nach Alexandrien, der äußersten Stadt Ägyptens, und er machte sein Reich durch Statthalter, die er in jede Stadt setzte, weit und breit fruchtbar. Die genannten Amalfitaner aber, die sowohl beim König als bei seinen Fürsten sehr beliebt waren, durften als Kaufleute, die nützliche Geschäfte machten, mit ihren Waren überall umherreisen. So kam es, daß sie ihres christlichen Glaubens wegen, auch sooft es sich schickte, die heiligen Orte besuchten. Da sie nun aber in dieser Stadt nicht wie in den Seestädten eine Wohnung hatten, wo sie für die Zeit ihres Aufenthalts verweilen konnten, so brachten sie so viele Leute ihres Heimatlandes, als ihnen möglich war, zusammen, gingen zum Kalifen von Ägypten und überreichten ihm durch die Leute seiner Umgebung, die sie für sich gewonnen hatten, eine Bittschrift, deren Inhalt ihnen gewährt wurde.

    V. Es wurde also an den Statthalter von Jerusalem geschrieben, er solle den befreundeten Männern von Amalfi, die nützliche Waren einführten, ihrem Wunsche gemäß in dem Teil von Jerusalem, wo die Christen wohnen, einen großen Raum anweisen, wo sie ein Haus bauen könnten, wie sie wollten. Diese Stadt war nämlich damals wie auch heute noch in vier beinahe gleiche Teile geteilt, von denen die Christen den vierten, den, in welchem das Grab des Herrn ist, für sich allein zu bewohnen hatten, in den übrigen Teilen aber, wo auch der Tempel des Herrn stand, wohnten die Türken allein. Es wurde ihnen also auf Geheiß des Fürsten ein Ort angewiesen, der für das Gebäude, das sie errichten wollten, groß genug schien, und nachdem sie nun ein Geldgeschenk dafür abgegeben hatten, bauten sie vor dem Eingang der Auferstehungskirche, kaum Steinwurfsweite davon entfernt, zu Ehren der heiligen Muttergottes und ewigen Jungfrau Maria ein Kloster, das sie mit allem versahen, was für die Mönche und die Aufnahme von Gästen ihres Landes nötig war. Hierauf brachten sie aus ihrem Lande Mönche und einen Abt herbei, richteten den Ort nach den Ordensregeln ein und machten ihn dem Herrn durch ein heiliges Leben angenehm. Und weil die Männer, die den Ort gegründet hatten, wie die, welche ihn als Mönche bewohnten, Lateiner waren, so hieß er von diesem Tage an bis auf den heutigen das Kloster de Latina. In jenen Zeiten kamen auch, um die verehrungswürdigen Orte zu küssen, heilige Witwen und Jungfrauen herbei, welche die weibliche Zaghaftigkeit abgelegt hatten und sich vor den vielfachen Gefahren, die ihnen drohten, nicht fürchteten. Da nun in dem Kloster kein Platz war, wo sie sich nach ihrer Ankunft schicklich hätten aufhalten können, so sorgten die heiligen Männer, welche den Ort gegründet hatten, auch dafür, daß die frommen Frauen, die hierher kamen, eine besondere Kapelle und ein eigenes Haus zu ihrem Aufenthalt hatten. So kam es mit Gottes Hilfe endlich dahin, daß hier ein kleines Kloster zu Ehren der frommen Sünderin Maria Magdalena errichtet wurde, in welchem man eine gewisse Anzahl von Schwestern aufstellte, welche die ankommenden Frauen zu bedienen hatten. Auch in jenen gefährlichen Zeiten strömten Leute hohen und niedern Standes aus fremden Ländern nach der Heiligen Stadt. Weil aber der Weg hierher durch feindliche Länder führte, so hatten sie meist, wenn sie vor der Stadt ankamen, von ihrem Reisegeld nichts mehr übrig und mußten arm und hilflos in der äußersten Not hungrig, durstig und nackt vor den Toren der Stadt harren, bis sie das Goldstück bezahlen konnten, das ihnen den Zugang zur Stadt öffnete. Wenn sie nun aber in der Stadt waren und die heiligen Orte der Reihe nach besucht hatten, so hatten sie nicht einmal für einen Tag etwas weiteres, als was ihnen das genannte Kloster brüderlich darreichte, denn alle anderen Einwohner der Stadt waren Ungläubige und Sarazenen, ausgenommen den Patriarchen, den Klerus und das arme Völkchen der Syrer, das Tag für Tag mit Fronen und schmutzigen Dienstleistungen so gequält wurde, daß es in äußerster Armut und in beständiger Todesangst kaum für sich leben konnte. Da nun also niemand da war, der den Unseren in ihrer Armut Obdach geben konnte, so errichteten die trefflichen Männer, welche das lateinische Kloster bewohnten, mitleidig von ihrer Unterkunft und ihrem Unterhalt etwas abbrechend, innerhalb des ihnen angewiesenen Umfangs ein Hospital, wo sie solche Pilger, kranke und gesunde aufnahmen, daß sie nicht, wenn sie nachts auf den Straßen lägen, getötet würden, und ihnen von dem, was beide Klöster, das der Männer und das der Frauen, übrig hatten, so gut es ging ihren täglichen Unterhalt reichten. Sie errichteten auch an diesem Ort einen Altar zu Ehren des heiligen Johannes Eleymon, welcher Gott wohlgefällige und durchaus löbliche Mann von Volkszugehörigkeit ein Zypriot war und nachher seiner Verdienste halber zum Patriarchen von Alexandrien erwählt wurde. Dieser Mann zeichnete sich durch Werke der Frömmigkeit derart aus, daß die Kirche der Heiligen für alle Zeit von seinem frommen Eifer und seinen reichen Almosen erzählen wird, weswegen er auch von den Heiligen Vätern Eleymon genannt wurde, was soviel heißt als "Almosen gebend." Dieser verehrungswürdige Ort, der so liebreich jedermann offenstand, hatte aber weder Einkünfte noch Besitzungen, sondern die genannten Amalfitaner, die, welche zu Hause waren, wie die, welche ihre Handelsreisen machten, sammelten Jahr für Jahr freiwillige Beiträge untereinander, die sie dann durch solche, welche nach Jerusalem reisten, dem jeweiligen Abt überschickten, daß er damit für Obdach, Nahrung und Kleidung seiner Brüder und Schwestern sorgen und von dem übrigen den Pilgern in der Fremdenherberge eine Barmherzigkeit erzeigen sollte. In diesem Zustand blieb dieser Ort eine lange Reihe von Jahren, bis es dem obersten Lenker der Dinge gefiel, die Stadt, die er mit seinem eigenen Blute gereinigt hatte, von heidnischem Aberglauben zu säubern. Als das christliche Volk und die unter Gottes Schutz stehenden Fürsten, in deren Händen der Erlöser das Königreich wissen wollte, in Jerusalem ankamen, war eine fromme und heilige Frau, eine Römerin von Geburt und von edlem Geschlecht namens Agnes, Äbtissin des Frauenklosters, und sie lebte auch noch einige Jahre nach Befreiung der Stadt. In der Fremdenherberge fand man einen gewissen Gerald, einen Mann von erprobter Rechtschaffenheit, der im Auftrag des Abts und der Mönche zur Zeit der Feinde hier lange aufs demütigste den Armen gedient hatte und an dessen Stelle nachher jener Raimund kam, von dem jetzt die Rede ist.

    VI. Zuerst nun entzogen sich die Brüder des genannten Hauses, das einen so geringen Anfang gehabt hatte, der Gerichtsbarkeit des Abtes, und nachdem sich ihre Reichtümer ins Unermeßliche vervielfältigt hatten, befreite sie die römische Kirche auch vom Patriarchen. Nachdem sie diese verderbliche Freiheit erhalten, hatten sie vor den Prälaten der Kirche nicht mehr die geringste Ehrfurcht und verweigerten den Zehnten von allen ihren Besitzungen, auf welche Art sie auch zu denselben gekommen waren. Auf dieses Beispiel hin wurden viele der Orte, die man die verehrungswürdigen nennt, sowohl Klöster als Hospitäler, denen die Kirche aus bloßer Freigebigkeit und aus gewohnter Frömmigkeit den ersten Grund gelegt und zu erwünschtem Wachstum verholfen hatte, jetzt aus allzu großem Wohlbehagen widerspenstig und verließen die Brüste der frommen Mutter, die sie von Anfang an als unmündige Kinder mit ihrer Milch aufgezogen und später mit festerer Speise genährt hatte, so daß die Kirche mit Recht ihretwegen die Klage anstimmen konnte: "Ich habe Kinder großgezogen und hochgebracht, und sie sind von mir abgefallen!" Möge der Herr ihrer schonen und sie in sich selbst eingehen lassen, daß sie, an die das Wort erging: "Du hast gemordet, dazu auch fremdes Erbe geraubt!" ihrer Mutter, die sie verlassen haben, in Ehrfurcht dienen lernen, sonst möchte der Herr mit jenem Weibe, das, da es hundert Schafe hatte, den Armen wegen seines einzigen beneidete, noch mehr Mitleid haben als mit ihnen. Wehe dem, wer er auch sein mag, denn er ist nach dem Spruch des Propheten ein Blutmensch. Nachdem nun der Patriarch und die übrigen Prälaten der Kirche die genannten Brüder oft und viel und immer vergebens um Rückgabe ihrer Gerechtsamen angegangen hatten, brachten sie diese Sache endlich vor den Papst. Der Patriarch brach also, obgleich er sehr bejahrt und beinahe hundert Jahre alt war, mit dem Erzbischof Peter von Tyrus und dessen Suffraganbischöfen, dem Bischof Friedrich von Akkon und dem Bischof Amalrich von Sidon, ferner mit dem Erzbischof Balduin von Cäsarea, dem Bischof Konstantin von Lidda, dem Bischof Rener von Sebaste und dem Bischof Herbert von Tiberias, sobald der Frühling zurückkehrte und die Winterstürme auf dem Meer sich legten, zur Reise nach Rom auf und kam mit Gottes Hilfe glücklich nach der Seestadt Otranto in Apulien.

    VII. Während die Bischöfe des Morgenlandes mit dem Patriarchen in Apulien angekommen waren, hatte indessen der Kaiser von Konstantinopel, wie wir sagten, auf eine Bitte des Papstes hin einige seiner Fürsten mit unermeßlichem Geld dahin geschickt und mit Übereinstimmung der Großen dieses Landes dasselbe in Besitz genommen, so daß, als der Patriarch von Otranto nach Brundusium kam, diese Stadt bis auf die Burg, die einige wenige, welche dem König treu blieben, im Besitz hatten, bereits von den Bürgern den Leuten des Kaisers übergeben war. Auch hatte der Graf Robert, dessen wir oben gedachten, mit denen, welche teils aus Haß gegen den König, teils aus Liebe zu ihm auf seiner Seite waren, die vortrefflichen Hauptstädte Tarent und Bari und das ganze Land am Meer hin bis zu den Grenzen des Königreichs erobert. Die obgenannten großen und erlauchten Männer aber, der Fürst Robert von Capua und der Graf Andreas, hatten ganz Kampanien, das man gemeiniglich das Terra die Lavoro nennt, bis Salerno und bis Neapel und bis San Germano weggenommen, und das ganze Land war in solchem Aufruhr, daß man nirgends mit Sicherheit durchreisen konnte. Auch hatte der römische Kaiser Friedrich, der mit seinem Heer bei Ankona verweilte, eine solche Niederlage erlitten, daß von den Großen und den edlen Fürsten seines Reichs kaum der zehnte übrigblieb, weswegen er die, welche übriggeblieben waren, nicht an der Rückkehr hindern konnte und sich auch selbst, wiewohl ungern, zur Heimreise anschickte. Er hatte nämlich noch vieles zu verrichten, was seine Gegenwart in Italien nötig machte, hauptsächlich in Betreff des Königs von Sizilien. Der Patriarch nun mit seinen Reisegenossen war in großer Besorgnis, wie er bei diesem Tumult zum Papst gelangen könne, denn überall war Krieg, überall Aufruhr und alle Wege versperrt. Sie hatten auch an einen gewissen Ansquetin, der Kanzler des Königs von Sizilien war und die Stadt Benevent erobert hatte, Boten geschickt. Er verweigerte ihnen aber ihre Bitte um sicheres Geleit und erlaubte ihnen nicht durch jene Gegend zu reisen, die sie den nächsten Weg geführt hätte. Endlich schlug der Patriarch auf den Rat einiger kluger Männer den Seeweg ein und gelangte auf diese Art mit seinem ganzen Gefolge nach Ankona, von wo er einige seiner Bischöfe an den römischen Kaiser sandte, der, wie wir sagten, im Begriff war zurückzukehren, um ihn zu grüßen, und der genannten Angelegenheiten wegen um ein kaiserliches Schreiben an den Papst ersuchen ließ. Dies geschah denn auch, obgleich der Kaiser bereits den Rückweg angetreten hatte und über die Städte Sinigaglia und Pesaro hinaus war. Der Patriarch aber reiste mit seinem Gefolge nach Rom und verfolgte den Papst, der Narni verlassen hatte, wie auf der Flucht. Als er endlich nach Rom kam und hier nach einigen Tagen erfuhr, der Papst habe bei Ferentino Stillstand gemacht, eilte er ungesäumt dahin, um wegen des Geschäftes, das ihn hergeführt hatte, einen Versuch zu machen. Einige sagten, der Papst sei ihm mit Fleiß ausgewichen, damit er, des langen Harrens und seines großen Aufwands überdrüssig, wieder umkehren möchte, denn er soll von den Brüdern des Hospitals, die schon lange vorher zu ihm gekommen waren, mit unermeßlichen Summen gewonnen worden sein. Andre sagten, er sei der Stadt Benevent wegen, die, wie oben erzählt wurde, belagert war, so schnell gereist. Das war jedoch aufs deutlichste zu sehen, daß er und seine Umgebung den Hospitalbrüdern allzu günstig gesonnen waren und den Patriarchen mit den Seinigen wie unrechtmäßige Kinder mit Stolz und Unwillen von sich entfernt hielten.

    VIII. Nachdem er nun in der genannten Stadt angekommen war, erschien er dem Herkommen gemäß vor dem Papst, wurde aber so schlecht empfangen und von den meisten Kardinälen so unfreundlich behandelt, daß er an der Gesinnung des Papstes nicht mehr zweifeln konnte. Er ließ sich aber auf den Rat einiger kluger Freunde in seiner gewohnten Ernsthaftigkeit von allem diesem nichts anmerken, besuchte den Papst, erschien an allen Festtagen im Gefolge seiner Bischöfe im Consistorium und hatte, sooft er ihrer bedurfte, eine Schar von Advokaten um sich, die stets bereit waren, ihm ihre Dienste zu widmen. Endlich wurden beide Teile gehört, nachdem man sich aber von beiden Seiten viele Tage vergeblich gestritten hatte, sah der Patriarch wohl, daß er seinen Zweck nicht erreiche. Er nahm also Abschied und rüstete sich jetzt, in einer schlimmeren Lage als vorher, voll Furcht und Bestürzung zur Heimkehr. Von all den Kardinälen aber fanden sich kaum zwei oder drei, nämlich Oktavian und Johannes von Sankt Martin, der, solange der Patriarch Erzbischof von Tyrus gewesen war, als Archidiakon unter ihm gestanden hatte, die als Nachfolger Christi die Sache seines Dieners fördern mochten. Die anderen alle liefen nach Geschenken und gingen auf den Wegen Bileams, des Sohnes Beors. Der Papst aber reiste wegen dringender Geschäfte nach Benevent. Indessen sammelte der König Wilhelm von Sizilien, nachdem er durch viele Botschaften erfahren hatte, daß in Apulien der Graf Robert von Bassavilla zugleich mit den Griechen das Land erobert, in Kampanien aber der Fürst von Capua und der Graf Andreas weit und breit hin seine Herrschaft in Besitz genommen hatten, und daß der Papst sich nach Benevent begeben habe, um von hier aus die Vorgenannten zu unterstützen und zu ermutigen, aus ganz Sizilien und Kalabrien Mannschaften und kam mit großen Rüstungen nach Apulien. Hier schlug er nun sogleich beim ersten Zusammentreffen, nachdem Graf Robert geflohen war, bei Brundusium das griechische Heer, nahm die Führer desselben gefangen und gewann die vielfachen Schätze, die sie mitgebracht hatten, mit ebensoviel Kraft als Glück. Sofort eroberte er das ganze Land wieder, das von ihm abgefallen war, stellte das gute Einvernehmen mit dem Volk wieder her und zog vor Benevent, wo er sowohl den Papst mit seinen Kardinälen als die ganze Bürgerschaft so hart belagerte, daß alle Lebensmittel ausgingen und daß sie beinah an ihrer Rettung verzweifelten. Endlich jedoch gingen Boten hin und her, und es kam unter gewissen unbekannten Bedingungen ein Friede zwischen ihnen zustande, von dem jedoch alle die, welche auf Zureden des Papstes sich so vielen Beschwerden und Gefahren preisgegeben hatten, ausgeschlossen waren. Da nun die vorgenannten edlen Männer sahen, daß es ganz gegen ihre Hoffnung gegangen war, und daß der Papst einen Frieden für sich und die römische Kirche geschlossen hatte, ohne sie auch zu bedenken und sie mit dem König wieder auszusöhnen, so suchten sie sich in großer Besorgnis, wie immer sie könnten, aus dem Königreich zu retten. Die Grafen Robert und Andreas eilten mit einigen anderen edlen Männern nach Lombardien und begaben sich zum Kaiser, der Fürst von Capua aber war unglücklicher als die anderen, denn als er über den Garigliano setzen wollte und die Seinigen schon vorangeschickt hatte, wurde er, wie er eben mit einigen wenigen vom diesseitigen Ufer abfahren wollte, von den Schiffsleuten gefangen genommen und den Getreuen des Königs übergeben, die ihn nach Sizilien führten, wo man ihn blendete und zu ewiger Gefangenschaft verurteilt elendiglich sterben ließ.

    IX. Um dieselbe Zeit, als das Königreich Jerusalem durch Gottes erbarmende Fürsorge sich in den besten Umständen befand, geschah es, daß die angrenzenden Länder zu beiden Seiten auf eine jämmerliche Art erschüttert wurden. Ein ägyptischer Großer nämlich, der die Stelle des Sultans versah und dessen Angelegenheiten besorgte, kam vertraulich zum Herrn der Gegend, dem Kalifen, den die Ägypter wie einen Gott verehren, und ermordete ihn heimtückischerweise in einem geheimen Gemach seines Palastes. Das soll er aber darum getan haben, um seinen Sohn Noseredin zum Kalifen zu machen und unter der Herrschaft seines Sohnes ungehindert das Reich regieren zu können. Er glaubte aber die Sache einige Tage geheimhalten zu können, bis er den größeren Palast und den ganzen Schatz in seinen Besitz bekommen und so viele seiner Freunde und Untergebenen versammelt habe, daß er denen, die ihn wegen seiner Tat zur Rechenschaft ziehen wollten, Widerstand leisten könne. Aber es ging ganz anders, denn nach kurzer Zeit wurde die Freveltat bekannt, und das ganze Volk vom Höchsten bis zum Niedersten versammelte sich wie ein Mann vor dem Haus, in das er sich nach der Tat begeben hatte, umringte es von allen Seiten und forderte den Blutmenschen, der sich vermessen hatte, den König des Landes zu ermorden, einstimmig zur Strafe. Da sie ihn nun immer ungestümer bedrängten und er kein anderes Rettungsmittel sah, öffnete er die Schätze und warf das Gold, die Edelsteine und alle Kostbarkeiten, die er hatte, dem schreienden Volk zum Fenster hinaus, um, während es sie auflese, auf irgendeine Art zu entkommen. Um kurz zu sein, er verließ das Haus trotz des Widerstandes derer, die ihn belagert hatten, mit einem stattlichen Gefolge seiner Söhne und Enkel und schlug den Weg gegen die Wüste ein, um, wie man sagte, nach Damaskus zu reisen. Jene aber verfolgten ihn eiligst und suchten sein Entkommen zu verhindern. Sein erstgeborener Sohn und andere kluge und tapfere Männer seiner Umgebung wußten indessen diese Angriffe von sich abzuhalten, so daß die Verfolger nicht näher an sie herankommen konnten, und ließen auch hie und da mit Fleiß goldene oder silberne Gefäße, kostbare Kleider und wertvolle Seidenzeuge hinter sich zurück, um das Volk damit aufzuhalten und Streitigkeiten über die Verteilung zu erregen. So kehrten die Ägypter, da sie sahen, daß sie nichts ausrichten können, unverrichteter Dinge nach Hause zurück. Jener aber kam auf seiner Weiterreise, als er aller Gefahr entkommen zu sein meinte und weil er, da er nichts mehr zu befürchten zu haben schien, ganz sorglos einherzog, von der Skylla in die Charybdis. Die Unseren nämlich, die zufällig hörten, daß er hier vorbeikomme, legten sich ohne jedes Geräusch in einen Hinterhalt und fielen, als er ohne etwas zu argwöhnen des Weges kam, über ihn her, wo er denn gleich beim ersten Zusammentreffen tödlich verwundet wurde und alsbald sein Leben endigte. Dieser edle Ägypter hieß Habeis, sein Sohn aber Noseredin, und alle Dienerschaft wie auch alle Schätze, die sie mit sich aus Ägypten genommen hatten, fielen in die Hände der Feinde. So kamen sie also mit der reichsten Siegesbeute, die sie wie gewöhnlich untereinander verteilten, und mit Kostbarkeiten, wie man sie früher bei uns nie gesehen hatte, in die Heimat zurück. Es traf sich aber, daß unter denen, die bei diesem Unternehmen dabei gewesen sind, mehrere Tempelritter waren, und sie hatten ihrer größeren Anzahl wegen einen größeren Anteil erhalten. Außer dem übrigen war ihnen auch Nosereddin, der Sohn des edlen Mannes, durchs Los zugefallen, ein kühner Mann, der unter den Ägyptern beinah die größte Kriegserfahrung hatte, allein dessen Name den Völkern jener Gegenden schon furchtbar war und dessen Anblick ihnen einen Schrecken einjagte, als wären sie bereits verloren. Dieser nun zeigte, während ihn die genannten Brüder viele Tage gefangenhielten, das größte Verlangen, Christ zu werden, und hatte auch schon lateinisch lesen gelernt und den ersten Unterricht im christlichen Glauben erhalten, da verkauften ihn die Tempelritter um sechzigtausend Goldstücke an die Ägypter, die um seine Auslieferung baten, um ihn mit dem Tode zu bestrafen. Sie setzten ihn, an Händen und Füßen mit eisernen Ketten gebunden, in einem eisernen Käfig auf ein Kamel und führten ihn nach Ägypten, wo das Volk seine unmenschliche Lust an ihm büßte und ihn mit den Zähnen in kleine Stücke zerriß.

    X. Im folgenden Jahr beging Rainald von Chatillon, der Fürst von Antiochien, auf den Rat jener schlechten Menschen hin, von denen er sich leiten ließ, eine neue Freveltat. Er sandte nämlich ein Heer auf die benachbarte Insel Zypern, die, von gläubigem Volk bewohnt, immer in freundlichem Verhältnis zu unserem Reich gestanden und uns manchen Nutzen gebracht hatte, und eroberte sie wie ein feindliches Land. Der Grund dieses verabscheuungswürdigen Überfalls scheint aber der gewesen zu sein: In der Gegend von Tarsus in Kilikien war ein edler und mächtiger Armenier namens Toros, der seines wankelmütigen Betragens wegen beim Kaiser häufig in Ungnade fiel. Im Vertrauen auf die weite Entfernung vom Reich nämlich und darauf, daß er auf steilen Bergen wohnte, plünderte er die Ebenen von Kilikien und scheute sich nicht, das Reich seines Herrn, wie er es vermochte, zu schädigen und die Untertanen des Kaisers, wer sie auch sein mochten, aufs härteste zu bedrücken. Als dies der Kaiser vernahm, schrieb er dem genannten Rainald, er möchte mit seiner Mannschaft den genannten Toros von seinen Grenzen zurücktreiben und die Besitzungen der Kilikier, seiner Untertanen, vor diesen Überfällen sicherstellen, und wenn er zu diesem Zweck Geld nötig habe, so wolle er ihm, soviel er brauche, zu seiner Zeit überschicken. Es geschah also, daß er Kriegsmannschaft aufbot und dem kaiserlichen Auftrag gemäß den genannten Toros aus Kilikien vertrieb und sein Heer völlig vernichtete. Für diesen Dienst erwartete nun Rainald eine ehrenhafte Belohnung, und da sie ihm allzu lange ausblieb, verübte er in seiner Ungeduld die genannte Freveltat. Die Insulaner waren zwar durch einige der Unseren ernstlich zuvor gewarnt worden und sie hatten auch aus der ganzen Insel, so gut es ging, Streitkräfte zusammengezogen, aber der Fürst Rainald sprengte ihr Heer gleich bei seiner ersten Ankunft auseinander und schlug alle ihre Kriegsmannschaften, so daß es sofort auch nicht einer mehr wagte, die Hand gegen ihn zu erheben. Da er nun auf der ganzen Insel frei umherziehen konnte, so zerstörte er die Städte und festen Plätze, erbrach schamlos die Männer- und Frauenklöster und trieb mit den Nonnen und zarten Jungfrauen seinen Mutwillen, denn des Goldes und Silbers und der kostbaren Kleider war hier kein Ende, aber den Verlust von allem diesem achtete das Volk für Kot im Vergleich gegen den Frevel, daß er die Schamhaftigkeit verletzt hatte. So durchschwärmten sie einige Tage lang das Land, wo ihnen niemand Widerstand leistete, ohne auf Alter oder Geschlecht oder Stand Rücksicht zu nehmen. Endlich, nachdem sie von allen Seiten eine unermeßliche Menge von Raub und Beute aller Art zusammengeschleppt hatten, gingen sie ans Meer zurück und setzten nach Antiochien über, wo sie die schlecht erworbenen Reichtümer innerhalb kurzer Zeit durchbrachten und das Sprichwort sich bewahrheitete, daß schlechte Beute nie Gewinn bringt.

    XI. Um dieselbe Zeit kam eine außergewöhnlich große und unerhörte Menge von Arabern und Turkomanen, die in Zelten wohnen und auf arabische Weise von ihren Herden leben, in dem Wald zusammen, der bei der Stadt Paneas liegt und der heutzutage von ihr den Namen hat, während im Altertum der ganze Wald, der gegen Mitternacht wie der gegen Mittag und der, welcher den Berg Libanon bedeckt, den Namen Libanonwald gehabt hatte. Daher liest man auch von Salomo, daß er hier ein kostbares und bewundernswürdiges Gebäude errichtet habe, das das Haus im Libanonwald hieß. Jetzt aber führt der ganze Wald wie gesagt den Namen nach der benachbarten Stadt. In diesen Wald nun führten die genannten Völker, nachdem sie vom König die Erlaubnis dazu erhalten und ein förmliches Friedensbündnis mit ihm geschlossen hatten, ihre Tiere, hauptsächlich Pferde, in unermeßlicher Anzahl, um sie hier weiden zu lassen. Sofort traten gottlose Männer, Belialskinder, die keine Gottesfurcht kannten, an den König heran und brachten ihn durch ihre Eingebung dahin, daß er treulos das Bündnis, das er mit den genannten Männern, die ihr großes und kleines Vieh zur Weide in den Wald geführt hatten, geschlossen, zu brechen und sie zu überfallen unternahm und sie und ihre Herden den Seinigen zur Beute zu geben, was denn auch geschah. Der König nämlich war schwer verschuldet und wußte nicht, wie er seine Gläubiger befriedigen sollte, und daher kam es, daß er, nur um seine Verbindlichkeiten loszuwerden, den gottlosen Einflüsterungen offenes Gehör schenkte. Er handelte also nach dem Rat der gottlosen Menschen, rief seine Ritterschaft zusammen, stürzte plötzlich über die genannten Leute, die auf nichts derartiges gefaßt waren, her und gab sie den Seinen zur Plünderung preis. Einige wurden durch die Schnelligkeit ihrer Pferde gerettet, einige andere versteckten sich, von der Not belehrt, im Dickicht des Waldes, die übrigen alle wurden durch das Schwert getötet oder einer harten Knechtschaft überantwortet. Es wurde hier also eine unerhörte Menge von Beute gewonnen, daß nie eine solche in unserem Lande gesehen worden sein soll. Jeder aus dem Volk, selbst die Niedrigsten, erhielten eine große Zahl von Pferden, aber dieser Gewinn kann den Unseren nicht zum Lob oder Ruhm angerechnet werden, denn sie brachen den Frieden und das Bündnis, das sie geschlossen hatten, und fielen unversehens über Leute her, die auf die Gnade des Königs vertraut hatten und in einem wehrlosen Zustand waren. Aber der Herr, der gerechte Vergelter, der Gott der Rache, ließ uns nicht lange eines solchen schändlichen Gewinns froh sein, sondern zeigte, daß man auch den Ungläubigen Treu und Glauben halten muß, und vergalt den Unsern zu ihrer großen Bestürzung und zur gerechten Strafe für ihre Sünden alles, was sie Schändliches getan hatten, in reichem Maße, wie dies im folgenden erzählt werden wird.

    XII. In diesen Tagen trat auch Humfried von Toron, der Konstabler des Königs, da er die oft genannte Stadt Paneas, sein erbliches Eigentum, durch die Kosten und die Mühe, die er ununterbrochen darauf verwenden mußte, ganz erschöpft, nicht gut länger allein regieren und erhalten konnte, mit Übereinstimmung des Königs die Hälfte seiner Besitzungen und der ganzen Stadt den Hospitalbrüdern ab, die nun die Sorge für ihren Anteil an der Stadt übernehmen und die Hälfte der erforderlichen Kosten bezahlen mußten. Die Stadt lag aber auf der feindlichen Grenze, und zwar so nahe, daß man nur in Begleitung von Bewaffneten oder wenn man ganz heimlich seinen Weg machte ohne Gefahr hinein- oder herauskommen konnte. Es geschah aber, nachdem die vorgenannten Brüder Anteil an der Stadt erhalten hatten, daß sie Vorräte an Lebensmitteln, Waffen und Mannschaft zusammenbrachten und an einem bestimmten Tag die Stadt aufs beste befestigen wollten. Sie nahmen also eine große Anzahl von Kamelen und sonstigen Lasttieren mit, soviel deren für das Gepäck nötig waren, und zogen mit diesen und mit einer Mannschaft, mit deren Hilfe sie sich den Weg zur Stadt zu bahnen suchten, gegen den Ort heran, um ihn auf lange Zeit mit allem Nötigen zu versehen. Während sie sich nun aber mit all ihrem Gepäck der Stadt näherten, siehe, da fielen die Feinde, die von ihrer Ankunft gehört hatten, plötzlich über sie her, sprengten sie auseinander, hieben eine Menge von ihnen nieder und bemächtigten sich, während ein Teil zu entkommen suchte, der mitgebrachten Habe. Die aber, welche nicht entfliehen konnten, weil ihnen die Feinde zuvorkamen, wurden entweder getötet oder gefangengenommen. So kamen also die Vorräte, die sie, die Stadt damit zu versorgen, zusammengebracht hatten, in die Hände des Feindes, der sie zum Schaden der Stadt verwandte. Auf dieses hoben die genannten Brüder, um nicht ähnliches erleben zu müssen, ihren Vertrag wieder auf und gaben die Stadt mit ihren Lasten und Einkünften dem Konstabler zurück. Es dauerte auch nicht lange, da benützte Nureddin, der durch den genannten Sieg noch übermütiger geworden war, die günstige Gelegenheit und beschloß diese Stadt, die von dem genannten Fall her noch ganz in Bestürzung war, zu belagern. Er rief also Mannschaft zusammen, ließ Maschinen herbeibringen, rückte plötzlich unversehens vor die Stadt und schloß sie rings mit seinen Scharen ein. Es war aber in der Stadt eine Burg, die bestens mit Waffen und Mannschaft versehen war und auch, so gut es die gegenwärtigen Umstände erlaubten, Vorräte an Lebensmitteln hatte und wohin sich die Bürger, wenn die Stadt eingenommen war, zurückziehen konnten. Da sie jedoch auf die Festigkeit der Stadt vertrauten und schon manchen Angriff ausgestanden hatten, so beschlossen sie, die Stadt wacker zu verteidigen, und es wäre ihnen auch gelungen, sie zu retten, wenn sie sich nicht aus allzu großem Vertrauen unvorsichtig verhalten hätten. Nureddin aber setzte ihnen mit Wurfmaschinen und mit ununterbrochenem Pfeilschießen aufs heftigste zu, ließ ihnen Tag und Nacht keine Ruhe und erschöpfte auf vielfache Weise ihre Kräfte. Bereits waren viele getötet, einige auch tödlich verwundet, und nur noch wenige konnten die Verteidigung führen, und hätten nicht der Konstabler und sein ihm trefflich nacheifernder Sohn, die beide, da es ihr Erbe galt, um die Wette all ihre Kraft aufzubieten bereit waren, die anderen durch ihr Beispiel zum Widerstand ermutigt, so wären diese vor der unermeßlichen Arbeit, die es kostete, dem Angriff eines ungleich stärkeren Feindes zu begegnen, ohne Zweifel erlegen, aber die Gegenwart ihres Herrn ermutigte sie wie gesagt wieder, und die unversiegte Kraft von diesen gab auch ihnen wieder Kraft und Mut zum Kampf. Als sie nun eines Tages die Feinde heftiger als sonst angriffen, traf es sich, daß die, welche in der Stadt waren, das Tor öffneten, um den Feinden draußen ein Treffen zu liefern, und während sie nun unvorsichtig die ganze Menge gegen sich aufreizten und sich, weil sie sich gegen diese nicht zu halten wußten, in die Stadt zurückziehen wollten, geschah es, daß vor lauter Gedränge das Tor nicht geschlossen werden konnte und mit den Bürgern so viele Feinde in die Stadt drangen, daß diese die Stadt gewannen und die Unseren sich mit großer Gefahr und einem bedeutenden Verlust in die Burg zurückziehen mußten. Indessen sammelte der König auf die Nachricht, daß die genannte Stadt von Nureddin hart bedrängt und beinahe aufs äußerste gebracht sei, so viel Kriegsmannschaft, Reiterei und Fußvolk, als er im Augenblick zusammenbringen konnte, und zog mit seinem Heer ungesäumt dahin, um entweder die Stadt von der Belagerung zu befreien oder mit Nureddin das Kriegsglück zu versuchen.

    XIII. Als nun der genannte Fürst hörte, daß der König in dieser Absicht herbeikomme, wollte er sich nicht den Wechselfällen des Kriegs aussetzen, hob die Belagerung auf und kehrte zurück. Zuvor aber steckte er die Stadt, die er erobert hatte, in Brand und zerstörte sie von Grund aus. Er ließ jedoch die Mannschaft, die er einmal versammelt hatte, nicht wieder auseinandergehen, rief vielmehr noch weitere herbei und versteckte sich, als ob er die Zukunft vorhergesehen hätte, in den benachbarten Hainen, um hier den Ausgang der Sache abzuwarten. Der König aber kam in die Stadt, brachte den Bürgern die erwünschte Hilfe und blieb so lange da, bis das Niedergestürzte wieder aufgerichtet, das Zerbrochene wieder befestigt, die Mauern wiederhergestellt und die Stadt wieder völlig instand gesetzt war. Es wurden zu diesem Zweck aus den benachbarten Städten und aus dem ganzen Königreich alle Maurer und wer etwas vom Bauwesen verstehen mochte herbeigerufen, und diese stellten nun mit anhaltendem Fleiß die Mauern und Außenwerke und die öffentlichen Gebäude wieder her, alles was Nureddin in der Zeit, wo er die Stadt in seiner Gewalt hatte, wie gesagt, mit Fleiß von Grund aus zerstört hatte, und bauten den Bürgern innerhalb der Mauern wieder Häuser. Nachdem dies vollendet war, glaubte der König, seine und seiner Fürsten Gegenwart sei jetzt nicht mehr erforderlich, da alles wiederhergestellt und die Stadt mit Waffen, Lebensmitteln und Mannschaft so gut als jetzt möglich versorgt war. Er entließ also das Fußvolk und beschloß, bloß mit den Reiterscharen nach Tiberias zurückzukehren. Er verließ also die Stadt, wandte sich gegen Mittag und lagerte bei dem See Meleha, wo das Heer diese Nacht ausruhte und sich dabei entgegen allen Regeln der Kriegskunst und gegen alle Lagerordnung aufs unvorsichtigste verhielt. Es ist dies ja immer bei den Menschen so, daß sie im Glück wenig Vorsicht walten lassen, während sie im Unglück immer auf der Hut sind. Daher kommt es vielleicht, daß es heißt: „Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten.“ Denn die meisten Menschen werden, wenn sie im Glück sind, aufgeblasen und stürzen sich ins Elend, während im Gegenteil die, welche durch Unglücksfälle und eigene Gefahr belehrt sind, sich in zweifelhaften Fällen umsichtiger betragen und vor dem Mißgeschick, das sie einmal erfahren haben, immer in Furcht sind. Wie der König also betrachtete, daß er einen so gewaltigen Fürsten von der Belagerung der Stadt entfernt hatte, und glaubte, dieser sei mit seinem Heer schon in weiter Ferne und es könne sich nicht so leicht wieder eine solche Heeresmasse gegen ihn sammeln, ließ er die Vorsicht etwas beiseite und ließ, wie wir sagten, jeden allzusehr nach seinem Gefallen tun. Sofort wurde den Feinden, die im Hinterhalt lagen, die Nachricht gebracht, daß der König das Fußvolk entlassen habe und mit seinem übrigen Volk sorglos beim See Meleha liege, daß auch einige seiner Fürsten, nämlich Philipp von Neapel und etliche andere mit ihrem Gefolge abgezogen seien. Als nun die Feinde sahen, daß alles gut für sie stehe, brachen sie plötzlich mit ihrem Lager auf, und ihr kluger Fürst beeilte sich, wie er es für nötig fand, dort hinzukommen. Sie setzten also über den Jordan, der in der Mitte lag, und legten sich an dem Ort, den man gemeinhin die Jakobsfurt heißt, diesseits des Jordans, wo der König morgen mit seinem Heer übersetzen sollte, in einen Hinterhalt. Als es wieder Tag geworden war, brach unser Heer wieder auf und wandte sich, da es von dem Hinterhalt, der ihnen in der Nacht gelegt worden war, und von alldem, was die Feinde zu ihrem Verderben ersonnen hatten, nichts wußte, der Gegend zu, die die Türken heimlich besetzt hatten. Und wie sie nun sorglos, ohne an eine Gefahr zu denken, einherzogen, stürzten die Feinde aus ihrem Hinterhalt hervor, fielen ganz unvermutet über die Unseren her und begannen sie niederzuhauen. Sowie die Unseren, die zu spät erwachten, sahen, daß es ernst werde, standen sie vom Plaudern ab und liefen nach ihren Pferden und Waffen, aber ehe sie sich zum Widerstand rüsten und sammeln konnten, wurden ihre Scharen durch den ungestümen Andrang der Feinde aufgelöst, so daß nur wenige von ihnen sich zu geordneten Reihen verbinden konnten.

    XIV. Der König aber begab sich, als er sah, daß das Heer aufgelöst und in Verwirrung sei und den Feinden keinen Widerstand leisten könne, und daß diese, während die Unseren nicht nur unterliegen, sondern gleich von Anfang an unterlegen seien, immer mehr an Stärke gewinnen, mit einigen wenigen, die sich an ihn angeschlossen hatten, klugerweise nach einem benachbarten Berg um sein Leben zu retten, und kam unter großer Gefahr, indem er mit seinem raschen Pferd den Feinden bald rechts, bald links auswich, in die Burg Sephet, die auf diesem Berg lag. Gefangen wurden an diesem Tag eine große Menge unserer Fürsten, getötet aber nur wenige, denn alle ohne Unterschied, die erfahrensten und besten Kriegsleute wie die gemeinen, ergaben sich, nur um ihr elendes Leben zu retten, wie schlechte Sklaven ohne Widerstand den Feinden, ohne sich vor der Schmach und Knechtschaft unauslöschlicher Schande zu scheuen. Hier wurde unter anderen der edle und erlauchte Hugo von Ibelin gefangen, ferner Otto von Sankt Amand, der Marschall des Königs, Johann Gotmann, Rohard von Joppe und sein Bruder Balian, Bertrand von Blanquefort, der Meister der Tempelritter, ein frommer und gottesfürchtiger Mann, und viele andre, deren Namen wir nicht wissen. Hier vergalt uns der Herr, wie wir es verdient hatten, und brachte uns für die Unmenschlichkeit, mit der wir unschuldige Leute, die auf unser Wort bauten, ungerecht überfielen, in gleiche Not. Hier machte er unsere Großen zum Beispiel unter den Heiden, und daß die Völker das Haupt über uns schüttelten. Das tat der Zorn des Herrn der Heerscharen, aber doch vergaß er nicht allen Erbarmens und verfuhr noch mild gegen uns, denn er fügte es so, daß uns der König, durch dessen Tod das Königreich damals ohne Zweifel in das äußerste Elend geraten wäre, was Gott abwenden möge, erhalten blieb. Ein Kriegsmann, und wenn er der ausgezeichnetste ist, gilt bloß für einen einzigen, vom König aber hängt das Geschick aller ab, was der treue David, der um seinen König so besorgt war, wohl wußte, wenn er sagte: "Gott erhalte den König." Unterdessen verbreiteten sich über das Schicksal des Königs verschiedene Gerüchte durch das ganze um ihn bekümmerte Land, indem die einen sagten, er sei gefallen, andere behaupteten, er sei, ohne daß die Feinde etwas davon wüßten, unter den Gefangenen mit weggeführt worden, und wieder andere versicherten, er sei unter Gottes Schutz unversehrt dem Kriegsgetümmel entkommen. Das ganze Volk war also in der äußersten Besorgnis um ihn wie eine Mutter um den einzigen Sohn, und da es nicht wußte, wie es mit ihm stehe, so fürchtete es in seiner Angst und in seinem Mitleiden das Schlimmste, was ihm begegnen konnte. Er selbst aber eilte, sobald die Gegend etwas von den Feinden gereinigt war, mit einigen wenigen, die mit ihm in den genannten Platz geflüchtet waren und denen sich noch etliche, die zufällig der gestrigen Gefahr entkommen waren, angeschlossen hatten, nach der Stadt Akkon, wo er vom Volk wie ein vom Tod Erstandener mit dem größten Jubel empfangen wurde. Es geschah dies im vierzehnten Jahr der Regierung König Balduins, im Monat Juni, am neunzehnten des Monats.

    XV. Nureddin aber, ein rüstiger Mann wie er war, der immer rastlos seine Siege verfolgte, rief, nachdem er das ganze Land durchzogen und sich von allen Seiten her mit Beute bereichert hatte, von neuem Kriegsmannschaft zusammen, die er durch ein Edikt aus Damaskus und seinem ganzen Gebiet aufbot, und beschloß Paneas wiederum zu belagern, denn er rechnete darauf, daß der König und die Fürsten, deren Kräfte er aufgerieben hatte, den Belagerten diesmal nicht zu Hilfe kommen könnten. Nachdem er nun seinem Vorsatz gemäß die oft genannte Stadt eingeschlossen hatte, erschütterte er aufs neue mit vielen Wurfmaschinen, die er in passender Ordnung aufgestellt hatte, Mauern und Türme und entsandte einen solchen Hagel von Pfeilen gegen die Belagerten, daß es ihnen nicht möglich war, die Stadt zu verteidigen. Die Bürger aber, eingedenk daß es ihnen bei der letzten Belagerung nicht gelungen war, die Stadt zu halten, begaben sich alsbald, ohne ein weiteres abzuwarten, alle in die Burg. Hier führte ein Verwandter des Konstablers, dem dieser bei seinem Abgang die Aufsicht über den Platz übergeben hatte, nämlich Guido von Skandalion, den Oberbefehl, ein Mann, der im Kriegswesen sehr erfahren, aber von wenig Beständigkeit und ohne alle Gottesfurcht war. Dieser ermutigte teils aus Rücksicht auf den, der ihm die Burg übergeben hatte, teils seiner eigenen Ehre wegen, um den Kriegsruhm, den er sich erworben hatte, nicht zu verdunkeln, mit Wort und Beispiel die anderen zum Widerstand und verhieß ihnen als gewiß, es werde ihnen nicht an baldigem Beistand und an ewigem Ruhm für ihre Verdienste fehlen. So kämpften alle, da es ihre eigene Sache galt, mit einer solchen Kühnheit, daß sich die Feinde über die Ausdauer, mit der sie die ununterbrochenen Nachtwachen und Anstrengungen ertrugen, nicht genug zu verwundern wußten. Die Feinde aber setzten ihrem Widerstand dieselbe Kraft entgegen und bedrängten sie ohne Unterlaß, und da es ihrer viele waren, die im Kampf einander ablösten, so erschöpften sie die Unseren, die ihrer geringen Zahl wegen dies nicht tun konnten, durch ihre täglichen Angriffe ganz und gar. Unterdessen erfuhr der König, und auch den Fürsten, die noch im Königreich waren, blieb es nicht verborgen, in welcher Not sich die Belagerten befänden. Er schickte also Boten an den Fürsten von Antiochien und den Grafen von Tripolis und forderte sie zu schleunigstem Beistand auf, er selbst aber berief durch Herolde alle Mannschaft, die noch im Königreich war, zusammen, und durch Gottes Erbarmen geschah es, daß innerhalb weniger Tage und noch früher, als sie erwartet wurden, die beiden genannten Großen mit einem stattlichen Gefolge unter dem neuen Kastell an dem Ort, der die Schwarze Warte heißt, zum Lager des Königs stießen, von wo sie die belagerte Stadt aus der Ferne erblicken konnten. Als Nureddin hörte, daß die genannten Fürsten sich mit dem König verbunden hätten und im Begriff seien, vor die Stadt zu rücken, hob er, ein kluger Mann der er war, der in allem, was er tat, die äußerste Vorsicht gebrauchte, um dem trügerischen Wechselgeschick des Kriegs auszuweichen, die Belagerung auf und begab sich obgleich er die Stadt schon meistenteils erbrochen hatte und den Belagerten alle Hoffnung auf ferneren Widerstand genommen war, in sein Reich zurück.

    XVI. Während dieser vielfachen Vorgänge im Königreich und während dasselbe durch die Gefangenschaft, in die die meisten unserer Fürsten geraten waren, ganz verödet stand, fügte es die göttliche Barmherzigkeit, daß der erlauchte und große Herr, Graf Dietrich von Flandern, der dem Königreich schon oft Nutzen gebracht hatte, samt seiner Gemahlin Sybilla, die eine leibliche Schwester des Königs von seinem Vater her war, im Hafen von Berythus landete und durch seine Ankunft das ganze Volk in einen solchen Jubel versetzte, daß es bereits vorauszusehen schien, daß die unerträgliche Not sich durch ihn und die Seinigen größtenteils heben werde. Und in dieser Hoffnung wurden die, welche so fromm für die Ruhe des Königreichs besorgt waren, nicht getäuscht, denn mit seinem Eintreffen erschien der Engel des mächtigen Trostes, der die Unseren voll Erbarmen zu Glück und Ruhm führte, wie im folgenden erzählt werden wird. Indessen berieten sich die Fürsten des Reichs, die geistlichen wie die weltlichen, wie sie dem König, der ungeachtet, daß er das männliche Alter erreicht hatte, noch immer unverheiratet war, eine edle Gemahlin verschaffen könnten, damit er einen Sohn bekomme, der ihm als rechtmäßiger Erbe in der Regierung folge. Endlich, nach vielen Beratungen, hielten sie es aus mehrfachen Gründen für das beste, hierüber mit dem Kaiser von Konstantinopel zu verhandeln, teils weil er in seinem Palast eine Menge edler und ihm nahe verwandter Jungfrauen hatte, teils weil er als der mächtigste und reichste Fürst der Welt der Not, die in unserem Königreich herrschte, mit seinen Schätzen abhelfen und unsere Armut in Reichtum und Überfluß verwandeln konnte. Es wurden also, diesen Plan mit Gottes Hilfe auszuführen, der Bischof Attard von Nazareth und der Konstabler des Königs, Humfried von Toron, nach gemeinschaftlichem Beschluß abgesandt, die denn, nachdem sie sich zur Reise gerüstet hatten, alsbald den Weg nach Konstantinopel zu Schiff antraten.

    XVII. Damit indessen die Ankunft eines so großen Fürsten und so vieler edler und tapferer Männer, die in seinem Gefolge waren, nicht ungenutzt bliebe, beschloß man zugleich in gemeinsamer Beratung auf Eingebung der göttlichen Gnade mit allem Kriegsvolk nach Antiochien zu ziehen. Man tat dies auch dem Fürsten und dem Grafen von Tripolis zu wissen und ließ ihnen im Vertrauen sagen, sie sollten an einem bestimmten Tag ihre Mannschaft bereithalten, um einen plötzlichen Überfall in das Land ihrer Feinde machen zu können. Es geschah aber, daß sie unter Gottes Schutz im Gebiet von Tripolis an dem Ort, der gemeinhin La Boquea genannt wird, von verschiedenen Seiten alle einmütig zusammentrafen. Von hier fielen sie in geordnetem Zug in das feindliche Gebiet ein. Anfangs jedoch hatten sie wenig Glück, denn die Eroberung des feindlichen Platzes, der gewöhnlich das Schloß Rugium genannt wird, den sie mit vielen Mühen belagerten, mißlang ihnen völlig. Diesem schwachen Anfang folgte aber ein besseres Glück, als sie auf Anraten des Fürsten Rainald von Antiochien, der sich alle erdenkliche Mühe gab, die Fürsten hierzu zu bewegen, insgesamt unter günstigeren Vorbedeutungen mit ihren Heeren in das Gebiet von Antiochien zogen. Als sie hier angekommen waren und in der genannten Stadt verweilten, um sich zu beraten, was jetzt am passendsten unternommen werden könne, siehe, da kam ein Bote mit einer kaum erwünschenswerteren Nachricht zum König und den Fürsten und versicherte ihnen, es sei gewisser als gewiß, daß unser mächtigster Feind Nureddin, der sich mit einer großen Mannschaft bei dem festen Platz Nepa gelagert hatte, an einer unheilbaren Krankheit darniederliege oder bereits gestorben sei. Als Beweis seiner  Versicherung aber führte er an, daß er den Tag zuvor sein Lager in einer solchen Verwirrung gesehen habe, daß seine Sklaven, selbst die vertrautesten, und all sein Eigentum der nächste Beste als Beute habe fortschleppen können und das Heer klagend und weinend und mit allen Zeichen des tiefsten Schmerzes in Verwirrung nach verschiedenen Seiten auseinandergelaufen sei. Es verhielt sich nämlich wirklich so, wie der genannte Bote gemeldet hatte, denn Nureddin lag hoffnungslos darnieder, und im Lager herrschte eine solche Unordnung, daß im Heer ungestraft geraubt wurde und jeder tat, was er wollte, wie dies bei jenen zu gehen pflegt, wenn ihr Herr gestorben ist. Er selbst aber wurde, da ihm seine Glieder den Dienst versagten, von seinen Getreuen in einer Sänfte nach Haleb gebracht. Als den Unseren dieser Stand der Dinge kund geworden war und da sie sahen, daß alles zusammentreffe, um ihr Unternehmen gelingen zu lassen, schickten sie nach einstimmigem Wunsch und Beschluß Boten an den mächtigen armenischen Fürsten Toros und baten ihn dringend und suchten ihn auf alle Art zu überreden, daß er alles andere liegenlasse und mit Mannschaften zu ihnen nach Antiochien komme, um an ihrem vielversprechenden Unternehmen, zu dem sie bedeutende Kräfte bereit hätten, teilzunehmen. Dieser aber, ein rastlos tätiger Mann wie er war, rief, sobald er die Botschaft erhalten hatte, äußerst froh darüber eine große Mannschaft zusammen und eilte damit nach Antiochien, wo er von den Unseren mit großer Freude empfangen wurde. Nachdem sie nun diese Verstärkung erhalten hatten, führten sie die Heere aus der Stadt und wandten sich gen Cäsara.

    XVIII. Die Stadt Cäsara ist nämlich am Orontesfluß gelegen, der an Antiochien vorbeifließt, und gewöhnlich nennen sie die Leute Cäsarea und meinen, es sei die treffliche Hauptstadt von Kappadokien, welche den heiligen Basilius zu ihrem herrlichen Lehrer hatte. Die aber, welche dieser Meinung sind, liegen falsch, denn die genannte Hauptstadt ist von Antiochien fünfzehn Tagereisen oder so ungefähr entfernt, diese aber liegt in Koile Syrien, das eine andere Provinz ist und von Kappadokien durch mehrere Provinzen getrennt, und heißt nicht Cäsarea, sondern Cäsara und ist eine von den Städten, die zum Patriarchat Antiochien gehören. Die Stadt ist nämlich äußerst günstig gelegen, so daß der untere Teil sich in der Ebene hinzieht, der obere aber auf seiner Höhe eine sehr feste Burg hat, die bedeutend lang, aber äußerst schmal ist und außer ihrer natürlichen Festigkeit auf der einen Seite von der Stadt, auf der anderen vom Fluß geschützt und unzugänglich gemacht wird. Sobald die Unseren in geordnetem Zug hier ankamen, wiesen sie jedem Fürsten eine passende Stellung an und schlossen die Stadt ringsherum ein. Als sie nun belagert war und die Bürger aus Furcht vor den Feinden sich hinter die Mauern zurückgezogen hatten, stellten der König und die Fürsten Wurfmaschinen auf und bedrängten die Stadt ununterbrochen, so sehr sie konnten. Die Fürsten waren jeder an seinem Abschnitt, der ihm zu Beginn zugewiesen worden war, um die Wette bemüht, die Ihrigen durch Versprechungen zur äußersten Anstrengung zu ermutigen, und wie nun jeder zuerst die Stadt erstürmen und sich den Ruhm, zuerst eingedrungen zu sein, erwerben wollte, brachten sie die Bürger in solche Not, daß diese von allen Seiten den Tod sich entgegentreten sahen. Die Bürger dieses Orts waren nämlich ganz unkriegerisch und verlegten sich bloß auf den Handel, und außerdem waren sie auch auf den gegenwärtigen Fall gar nicht gefaßt und dachten im Vertrauen auf die Macht ihres Herrn, den sie ganz gesund glaubten, und auf die Festigkeit ihrer Stadt an nichts weniger als an eine Belagerung. Sie waren also solcher Last aus den genannten Gründen nicht gewachsen und konnten die ununterbrochenen Bestürmungen und Gefechte nicht aushalten. Es geschah daher, daß die Bürger nach einigen Tagen ganz erschöpft waren und die Unseren, deren fortgesetztem Andringen es gelungen war, die Mauern zu erstürmen, mitten in die Stadt brachen. Nachdem nun die Stadt genommen worden war, zogen sich die Bürger in die Burg zurück und überließen alles ohne Unterschied, was sich im unteren Teil der Stadt fand, den Unseren zur Beute, die sich denn einige Tage lang der Häuser und alles dessen, was sie fanden, nach Gefallen bedienten. Es war nun ganz leicht, wenn man sich die gehörige Mühe gab, auch die Burg zu erobern, wohin die Bürger sich zurückgezogen hatten. Allein hier entstand unter unseren Fürsten ein Streit, der, so geringfügig er war, doch großen Schaden verursachte. Der König nämlich hatte aus Sorge für das Wohl des Vaterlandes die Stadt gleich von Anfang an dem Grafen von Flandern bestimmt, weil dieser Mannschaft und Geld genug hatte, um den Platz gegen die Feinde zu halten, und er wollte in dieser Absicht auch die Burg aufs heftigste bestürmen, um sie sodann samt der Stadt dem Grafen zur Bewachung und zum immerwährenden erblichen Eigentum zu übergeben. Während dies nun den übrigen Fürsten sehr passend erschien und alle freudig ihre Einstimmung dazu gaben, machte der Fürst Rainald Schwierigkeiten, indem er sagte, diese Stadt sei mit ihrem zugehörigen Gebiet ein Stück von dem Erbe des Fürsten von Antiochien und darum müsse jeder, der diese Stadt besitze, dem Fürsten von Antiochien lehenspflichtig werden. Der genannte Graf aber war nun zwar bereit, für diese Besitzungen dem König zu huldigen, aber dem Fürsten von Antiochien, sei es dem Herrn Rainald, der gegenwärtig das Fürstentum regierte, oder dem jungen Bohemund, der zum künftigen Fürsten bestimmt war, wollte er sich durchaus nicht unterwerfen, denn, sagte er, er habe noch niemandem außer Königen den Lehenseid geschworen. Da sich nun also unserer Sünden halber die Fürsten hierüber entzweiten und das Unternehmen, das ebenso nützlich als leicht auszuführen gewesen wäre, stocken ließen, so kehrten sie mit ihrer Beute, die sie im Überfluß gewonnen hatten, nach Antiochien zurück.

    XIX. Um dieselbe Zeit kam Noradins Bruder Mirmiram, der von seines Bruders Krankheit gehört hatte und ihn schon gestorben glaubte, nach Haleb und gewann die Stadt ohne Mühe, da sie ihm die Bürger übergaben. Während er sich nun aber anstrengte, auch die Burg zu gewinnen, erfuhr er, daß sein Bruder noch lebe, worauf er sein Heer auflöste und die Stadt verließ. Um dieselbe Zeit, am zwanzigsten November, ging der Patriarch Fulcher von Jerusalem, der achte in der Reihe der Lateiner, ein frommer und gottesfürchtiger Mann, im zwölften Jahre seines Patriarchats den Weg alles Fleisches. Um dieselbe Zeit wurde auch durch die Bemühungen der Königin Milisendis von denen, welche im Königreich zurückgeblieben waren, und hauptsächlich durch die Anstrengung und Wachsamkeit Balduins von Lille, dem der König bei seiner Abreise die Sorge für das Königreich übergeben hatte, die befestigte Höhle über dem Jordan im Gebiet von Galand, die sich die Unseren durch ihre Unvorsichtigkeit vor wenigen Jahren von den Feinden hatten nehmen lassen, wiedergewonnen. Man schickte mit dieser Nachricht einen Boten an den König, und die Kunde von diesem Sieg erheiterte das ganze Heer. Indessen waren unsere Fürsten, die noch in Antiochien verweilten, obgleich sie sich, wie früher erzählt worden war, bei Cäsara etwas entzweit hatten, mit Gottes Hilfe wieder eines Sinnes geworden und beschlossen aufs neue, sich zu einem großen Unternehmen zu verbinden, das ewigen Andenkens würdig sei. Sie beschlossen also alle einstimmig, einen festen Platz, kaum zwölf Meilen von Antiochien, zu belagern, dessen Herrschaft und Gerichtsbarkeit weithin die Ortschaften, die man gewöhnlich Kasalien nennt, unterworfen waren. Und es geschah, daß am Tage der Geburt des Herrn das ganze Heer vor den genannten Platz zog. Nureddin aber lag immer noch an der Krankheit darnieder, die ihn befallen hatte, und die klügsten Ärzte, die man aus dem ganzen Orient hatte kommen lassen, verzweifelten an seiner Rettung, da sich seine Schwäche durch keines der Mittel, die man anwandte, heben wollte. Dies begünstigte aber durch eine gnädige Anordnung des Himmels die Unseren sehr bei ihrem Unternehmen, denn hätte der genannte Fürst sich seiner Gesundheit erfreut, so wäre es unserem Herrn kaum möglich gewesen, in einem Lande seiner Herrschaft so frei und ungestört zu walten. Der König aber und die, welche mit ihm waren, betrieben, um die günstige Gelegenheit zu benützen, ihren Vorsatz um so hitziger, je gewisser sie wußten, daß der genannte große Mann seine Geschäfte nicht besorgen könne. Nachdem sie also den genannten Platz von allen Seiten eingeschlossen hatten, richteten sie Maschinen auf, mit denen man die belagerten Städte bedrängt. Der genannte Platz lag aber auf einem wenig erhöhten Hügel, so daß man ihn für einen künstlichen Wall halten konnte, auf den man eine Burg gebaut hatte. Die Erfahreneren im Heer gaben sich deswegen alle Mühe, Skrophen zu verfertigen, mit denen man den Wall zuverlässig untergraben könnte. Sie waren nämlich der Ansicht, und es war auch nicht unwahrscheinlich, daß, wenn der Wall durch geheime Gänge untergraben sei, ein Teil der darüber gebauten Werke einstürzen müsse. Sie machten nun auch mit größtem Eifer und in größter Eile Körbe aus Weiden, Leitern von mittlerer Größe und was man sonst zu solchen Zwecken braucht. Nachdem dies mit großer Sorgfalt verfertigt war, wurden die Anführer des Fußvolks wie die Hauptleute der Reiterei durch den Herold und auch im geheimen aufgefordert, sich alle Mühe zu geben, die Belagerten zu bedrängen. So nahm also jeder Fürst mit seinem Gefolge die ihm angewiesene Stellung ein und strengte alle seine Kräfte an, als lastete die ganze Arbeit auf ihm, und während ein jeder bemüht war zu zeigen, daß seine Leute die besten seien, betrieben sie das Werk mit solchem Eifer und bestürmten die Bürger so unausgesetzt, daß sie, was ein Werk von langer Zeit schien, durch ihre stets wachen Bemühungen in zwei Monaten zustande brachten. Es ereignete sich auch eines Tages, daß eine Wurfmaschine, die man beinahe Tag und Nacht gegen die Burg arbeiten ließ, zufällig den Anführer traf, der den Oberbefehl über alles führte, und ihn in Stücke zermalmte. Als dieser dahin war, zerstreuten sich die Belagerten wie Schafe, die ihren Hirten verloren haben. Sie waren jetzt wie Sand, der durch keinen Mörtel zusammengehalten wird, und ließen von diesem Tage an in dem Eifer, mit dem sie bisher Widerstand geleistet hatten, bedeutend nach. Als die Unseren dies erkannten, wurden sie um so hitziger, je lässiger sie die Belagerten werden sahen, und nach wenigen Tagen kam eine Gesandtschaft an den König, und sie übergaben die Stadt unter der Bedingung, daß man sie mit ihrer Habe frei abziehen und zu den Ihrigen zurückkehren lasse, worauf man ihnen Führer mitgab, welche sie sicher und unbeschadet, wohin sie wünschten, bringen sollten. Nachdem auf diese Art der Platz erobert und dem Fürsten, zu dessen Herrschaft er gehörte, übergeben war, kehrten sie froh über die glückliche Beendigung des Unternehmens nach Antiochien zurück, wo sie sich voneinander verabschiedeten. Der König kehrte nun mit dem herrlichen Grafen von Flandern ins Königreich zurück, und der Graf von Tripolis begleitete sie aufs verbindlichste bis Tripolis.

    XX. Um dieselbe Zeit versammelten sich die Prälaten der Kirche in Jerusalem, um den kanonischen Statuten gemäß die Stelle, die durch den Tod Herrn Fulchers ledig geworden war, wieder zu besetzen. Es geschah nämlich, wie es heißt dem Recht zuwider, daß durch die Fürsprache der Schwester der Königin Melisende und der Gräfin Sibylla von Flandern, die eine Schwester des Königs war, Herr Amalrich, Prior der Kirche zum Heiligen Grab, ein Franke von Geburt aus dem Bistum Noyon aus der Stadt Neelle, ein ziemlich gelehrter, aber allzu einfacher und fast unbrauchbarer Mann, zum Patriarchen erhoben wurde. Dieser Wahl widersetzten sich aber der Erzbischof Hernes von Cäsarea und der Bischof Radulph von Bethlehem und griffen deswegen zur Appellation. Jener aber nahm dennoch vom Patriarchenstuhl Besitz und erteilte dem Bischof Friedrich von Akkon den Auftrag, nach Rom zu reisen, wo damals Hadrian Papst war, der es denn auch in Anwesenheit der Gegner des Patriarchen durch viele Geschenke, wie man sagt, dahin brachte, daß er diesem die Gunst des römischen Stuhls gewann und ihm das Pallium mit zurückbrachte, das ihn in die volle Gewalt seines bischöflichen Amtes einsetzte.

    XXI. Indessen genas Nureddin durch die Sorgfalt seiner Ärzte wieder von seiner Krankheit und zog, nachdem der König nach Hause zurückgekehrt war, in völliger Gesundheit zurück nach Damaskus, wo er, um nicht müßig zu gehen und von seiner gewohnten Tätigkeit abzulassen, im folgenden Sommer plötzlich mit einer ungeheuren Mannschaft vor einen unserer festen Plätze zog, der in der Provinz liegt, die man Sueta heißt. Dieser feste Platz war aber eine Höhle, die am Abhang eines Berges lag und der man sich weder von oben noch von unten, sondern bloß von der Seite auf einem äußerst schmalen und wegen des daneben gähnenden Abgrundes äußerst gefährlichen Weg nahen konnte. Innerhalb aber hatte der Platz Herbergen und Aufenthaltsorte, die den Bewohnern die nötigen Bequemlichkeiten darboten, und auch an lebendigem und unversiegbarem Wasser fehlte es nicht, so daß der Ort, soweit es in diesem engen Raum sein konnte, sehr bequem und der Gegend sehr nützlich war. Als der König durch einen glaubwürdigen Bericht hiervon in Kenntnis gesetzt wurde, zog er mit den Streitkräften des Königreichs und in Begleitung des Grafen von Flandern in aller Eile nach dahin ab, denn weil sie die Last der Belagerung nicht länger zu tragen vermochten, waren die, welche darin waren, bereits Bedingungen eingegangen, wie die Not sie ihnen abpreßte. Sie waren nämlich bereit, den Platz, wenn sie nicht innerhalb von zehn Tagen Hilfe bekämen, ohne weiteres zu übergeben. Auch dieses hatte der König erfahren, weswegen er seine Hilfe, so sehr er konnte, beschleunigte und in der Nähe von Tiberias neben der Brücke, da, wo die Wasser des Jordans aus dem See Genezareth sich scheiden, mit seinem Heer sein Lager schlug. Als nun Nureddin von der Ankunft der Unseren hörte, hob er auf den Rat Syrakuns, seines Kriegsobersten, eines tapferen Mannes, der sich viel vermaß, die Belagerung auf und zog mit seinem Heer den Unseren entgegen. Wie der König hörte, daß Nureddin mit ihm zusammentreffen wollte, rief er in der ersten Dämmerung die Fürsten zusammen, und nachdem sie in demütigem Gebet vor dem lebenspendenden Kreuzesholz, das von dem Erzbischof Peter von Tyrus, unserem Vorgänger, getragen wurde, niedergefallen waren, rüstete man sich mit allgemeiner Übereinstimmung und Freudigkeit zum Kampf. Sie brachen also auf und zogen jubelnd und des Sieges schon gewiß dem Orte zu, wo das feindliche Heer stehen sollte. Als sie nun nach ihrem Wunsch vor dem Feind standen, drangen sie einmütig, bis an die Zähne bewaffnet und nach der Kriegskunst in Schlachtreihen gestellt, auf den Feind ein und schwangen in mutigem Kampf für ihr Leben die Schwerter. Die Feinde stellten sich dem Angriff der Unseren standhaft und unerschrocken entgegen und suchten sie in mannhaftem Widerstand zurückzutreiben. Endlich aber, nach manchem Wechsel des Glücks, verlieh der Himmel den Unseren den Sieg. Die Feinde wurden, nicht ohne großen Verlust zu erleiden, in die Flucht geschlagen, und der König behauptete mit den Seinigen siegreich den Kampfplatz. Dies geschah am vierzehnten Juni, im fünfzehnten Jahr der Regierung des Königs, an dem Ort, der Puthaha heißt. Unverzüglich, sowie es nötig war, brach er von hier auf und zog mit seinem Heer nach dem belagert gewesenen Platz, setzte hier das Zerstörte wieder instand, versah ihn mit Waffen, Lebensmitteln und einer tüchtigen Besatzung und entließ sodann, nachdem er sein Vorhaben glücklich ausgeführt hatte, das Heer wieder nach Hause.

    XXII. Im Anschluß daran starb von den Gesandten, von denen wir oben sagten, daß sie der Verheiratung des Königs wegen nach Konstantinopel gegangen seien, der Erzbischof Attard von Nazareth, und sein Leichnam wurde durch die Sorge seiner Getreuen nach seiner heimischen Kirche geschafft. Sein Nachfolger wurde Letard, Prior derselben Kirche, ein äußerst sanftmütiger, leutseliger und gütiger Mann, der noch heute, im dreiundzwanzigsten Jahr seines Erzbistums, seiner Kirche vorsteht. Die übrigen der vorgenannten Gesandten aber, nämlich der Konstabler Humfried, Herr Joscelin Pisell und Wilhelm von Barris, erlauchte und edle Männer, die in weltlichen Geschäften sehr erfahren waren, arbeiteten getreu ihrem Auftrag und erreichten endlich ihren Wunsch nach unzähligen Verzögerungen und zweideutigen Antworten, wie die Griechen alles in spitzfindigen Redensarten und Umschweifen sagen, und nachdem alle Bestimmungen sowohl über die Mitgift als die Morgengabe ins Reine gebracht waren, wurde dem König eine sehr edle Jungfrau, welche in dem heiligen Palast erzogen wurde, zur Gemahlin bestimmt. Sie war nämlich die Nichte des griechischen Kaisers, die Tochter seines jüngeren Bruders Jakob. Sie hieß Theodora, war dreizehn Jahre alt, von äußerst schöner Gestalt und zierlichen Gesichtszügen und überhaupt von einem sehr einnehmenden Äußeren. Ihre Mitgift betrug hunderttausend vollwichtige Hyperperer, und außerdem verwandte der Kaiser noch zehntausend solcher Goldstücke zur Bestreitung der Hochzeit, und ihr Geschmeide, das in Gold, Edelsteinen, Kleidern, Perlen, Tapeten, Seidenzeugen und kostbaren Gefäßen bestand, durfte zu vierzigtausend solcher Goldstücke angeschlagen werden. Der König aber machte sich in einem eigenen Schreiben an den Kaiser verbindlich, allem, was seine Gesandten feststellten, seine Bestätigung zu erteilen und versprach ihm, daß die Königin nach seinem Tode ohne Widerspruch die Stadt Akkon mit dem ganzen zugehörigen Gebiet zum Eigentum bekomme und ihr Leben lang unter dem Namen einer Morgengabe besitzen solle. Nachdem man nun über die Verträge auf beiden Seiten ins Reine gekommen war und der erlauchten Jungfrau aus den ersten Fürsten des Reichs Brautführer bestimmt worden waren, die sie bis zum König begleiten sollten, brach sie mit den königlichen Gesandten nach Syrien auf, um zu ihrem Gemahl zu reisen. Sie landete im September mit ihrem Gefolge wohlbehalten in Tyrus und wurde wenige Tage nachher nach dem Herkommen im Königreich zu Jerusalem gekrönt und nach Beendigung der Hochzeitsfeierlichkeiten ihrem Mann übergeben. Und weil damals der Patriarch von Jerusalem die Weihe noch nicht erhalten hatte und die, welche er in dieser Angelegenheit an den Apostolischen Stuhl gesandt hatte, noch nicht zurückgekehrt waren, kam auf Geheiß des Königs der Patriarch Aimerich von Antiochien, um die Fürstin zur Königin zu salben und die herkömmlichen Vermählungsfeierlichkeiten vorzunehmen. Nachdem nun der König vermählt war, legte er all den Leichtsinn, dem er sich bis dahin allzusehr ergeben haben soll, völlig ab, so daß er mit dem Apostel sagen konnte: "Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war." Er soll nämlich seine Frau mit lobenswürdiger Zärtlichkeit geliebt, ihr bis ans Ende treu geblieben sein und seitdem alle leichtsinnigen Handlungen gelassen und seinen Sinn nur auf Ernstes und Heilsames gerichtet haben.

    XXIII. In demselben Jahr berief der Kaiser von Konstantinopel seine Mannschaft und ließ aus seinem ganzen Reich, aus allen Stämmen, Völkern, Zungen und Nationen ein ungeheures Heer versammeln, um damit, wie es seiner kaiserlichen Würde angemessen war, über den Hellespont zu setzen und nach Syrien hinabzuziehen. Er durchreiste nun alle in der Mitte gelegenen Provinzen mit großer Schnelligkeit und kam unversehens und so plötzlich, daß es kaum glaublich war, um Anfang Dezember mit seinem Heer nach Kilikien. Der hauptsächliche Grund dieser eiligen Reise war, daß der mächtige armenische Fürst Toros, von dem oben die Rede war, das ganze Kilikien, das unter den Bergen lag, auf welchen er seine festen Plätze hatte, von den ummauerten Städten bis auf die kleinsten Dorfschaften gewaltsam an sich gerissen, aus Tarsus und Anavarza aber, von denen dieses die Hauptstadt des Zweiten, jenes die des Ersten Kilikiens war, und aus anderen Städten wie Mamistra, Adana und Sisium die kaiserlichen Statthalter vertrieben und sich selbst in Besitz dieser Stadt gesetzt hatte. Um ihn aber unversehens zu überfallen, hatte er seine Reise beschleunigt und seinen Plan geheimgehalten. Ebenso hatte ihn zu dieser Reise die traurige und bemitleidenswürdige Lage der Zyprier veranlaßt, die, wie wir erzählt haben, der Fürst von Antiochien so unmenschlich und tyrannisch wie Feinde des christlichen Glaubens und verabscheuungswürdige Frevler behandelt hatte. Das kaiserliche Heer kam aber wie gesagt so plötzlich an, daß der genannte Toros, der eben in Tarsus verweilte, kaum noch Zeit hatte, sich nach den benachbarten Bergen zu retten, als, siehe da! die ersten Scharen des Heeres bereits die Ebene überströmten. Als der Fürst Rainald von Antiochien von der Ankunft des Kaisers hörte, beriet er sich mit sich selbst und mit denen, die seine Vertrauten waren, was er tun und auf welche Art er dem Kaiser für die große Kränkung, die er ihm zugefügt hatte, Genugtuung geben sollte, denn es schlug ihn sein Gewissen wegen des Wahnsinns, mit dem er nicht lange vorher gegen die unschuldigen Zyprier, gegen sie selbst wie gegen ihre Weiber und Kinder, auf eine vor Gott und Menschen abscheuliche Art gewütet hatte, und er fürchtete, der Kaiser möchte das genannte Unrecht zu rächen nach Syrien gekommen sein. Und es soll ihn, wie man sagt, bei der Ankunft des Kaisers eine solche Furcht ergriffen haben, daß er nicht einmal auf den König warten wollte, von dem er wußte, daß er in nächstem ankommen werde, und daß er ihm durch seine Vermittlung, hauptsächlich der neuen Verwandtschaft wegen, die Verzeihung des Kaisers unter leidlicheren Bedingungen verschaffen könne. Auf den Rat der Leute seiner nächsten Umgebung reiste er nun mit einigen von diesen und mit dem ehrwürdigen Bischof Gerard von Latakia nach Kilikien, wo der Kaiser mit seinem Heere stund, und kam, nachdem er sich zuvor die Gunst von einigen Vertrauten des Kaisers verschafft hatte, die die Sache vermitteln sollten, nach Mamistra, wo sich der Kaiser nach vielen weitläufigen Verhandlungen wieder mit ihm aussöhnte, auf eine Art jedoch, die unserem Volk zu großer Schmach gereichte. Man sagt nämlich, er habe barfuß mit wollenen Ärmeln, die bloß bis an den Ellenbogen reichten, einen Strick um den Hals und ein bloßes Schwert in der Hand, das er an der Spitze hielt, um den Griff dem Kaiser darreichen zu können, in Gegenwart des ganzen Heeres vor dem Kaiser erscheinen müssen; und so sei er, nachdem er dem Kaiser das Schwert überreicht hatte, so lange zu dessen Füßen auf dem Boden gelegen, bis es allen zum Ekel gereichte und der Ruhm der Lateiner von diesem Manne, der im Freveln so wie im Genugtun keine Grenze kannte, in Schmach verwandelt wurde.

    XXIV. Auch der König von Jerusalem wandte sich auf die Nachricht von der Ankunft des Kaisers in Begleitung seines Bruders und mit einem auserwählten Gefolge aus den Fürsten des Königreichs schleunigst nach Antiochien, den Grafen von Flandern aber ließ er in Jerusalem zurück, weil dieser beschlossen hatte, mit der nächsten Überfahrt nach Hause zurückzukehren. Als er in Antiochien ankam, schickte er den Gottfried, Abt zum Tempel des Herrn, der das Griechische wohl verstand, und den edlen Herrn Joscelin Pesell an den Kaiser, um diesem dienstwilligst seinen Gruß zu überbringen und bei ihm anzufragen, ob er es wünsche, daß der König vor ihm erscheine. Diese erhielten zur Antwort, sie möchten den König gütlichst bitten, ohne Säumen zu ihm zu kommen. Überdies schickte der Kaiser auch seinen erlauchten Apokrisarius, der den König mündlich und schriftlich bat, vor dem Kaiser als der geliebte Sohn desselben zu erscheinen. Am bestimmten Tage nun kam er mit einem auserwählten Gefolge trefflicher Ritter dorthin und wurde höchst ehrenvoll empfangen, denn es wurden ihm sogleich zwei Neffen des Kaisers, leibliche Brüder, nämlich der Protosebast Johannes und der Protostrator Alexius, die unter den Großen des heiligen Palastes den ersten Rang einnahmen, mit einem großen Gefolge von Edlen entgegengeschickt. Diese führten ihn sofort zur Tür des Zeltes, in welchem der Kaiser mit seinen Großen residierte, wo er unter vielen Ehrenbezeugungen eingeführt, vom Kaiser aufs freundlichste gegrüßt, zum Friedenskusse zugelassen und neben ihn auf einen stattlichen Stuhl gesetzt wurde, der jedoch etwas niedriger war als der kaiserliche. Nachdem der Kaiser nun auch seine Genossen mit einer freundlichen Anrede und mit dem Friedenskuß beehrt hatte, erkundigte er sich sorgfältig nach dem Wohlsein sowohl des Königs als derer, die mit ihm gekommen waren, und sowohl seine außergewöhnlich heitere Miene als seine Rede und ganze Haltung ließen deutlich sehen, daß er ihr Erscheinen äußert gern sehe, und daß er über die Ankunft eines so großen Fürsten und der Seinigen sehr erfreut sei. In den zehn Tagen nun, die sich der König fortwährend beim Kaiser aufhielt, machte er sich, ein angenehmer Mann wie er war, in den häufigen Unterredungen, die er mit ihm teils allein, teils im Kreis der Großen führte, beim Kaiser und seinen Fürsten so beliebt und gewann sich ihre Freundschaft in so hohem Grade, daß sie ihn, so lange er lebte, wie einen Sohn liebten, und daß er auch nach seinem Tod bis heute in gesegnetem Andenken bei ihnen blieb. Da er sah, daß der Kaiser sein Lager außerhalb der Stadt aufgeschlagen hatte, um mit seinem Heer gegen den vorgenannten Toros zu ziehen, den er mit unersättlichem Haß verfolgte, so suchte er, ein schlauer Mann wie er war, der in weltlichen Geschäften ein äußerst scharfes Auge hatte, damit sein Aufenthalt beim Kaiser nicht fruchtlos sei, sich von ihm noch früher zu verabschieden und dachte darauf, wie er den genannten Fürsten mit dem Kaiser versöhnen könnte. Er rief also den Fürsten herbei und söhnte ihn, nachdem er erschienen war und die festen Plätze, die der Kaiser verlangte, wieder zurückgegeben hatte, so vollständig mit diesem wieder aus, daß er ihm, ehe er nach Hause zurückkehrte, durch die Vermittlung des Königs die Lehenstreue in seine Hand schwor. Nachdem sodann der König samt seinen Fürsten vom Kaiser mit kaiserlicher Freigebigkeit aufs reichste beschenkt worden war, kehrte er von der Liebe aller begleitet nach Antiochien zurück. Wir haben aber von einigen äußerst glaubwürdigen Personen gehört, daß der Kaiser dem König außer dem, was er seinen Genossen mit verschwenderischer Freigebigkeit darreichen ließ, und die Kleider, Seidenzeuge und kostbaren Gefäße nicht gerechnet, zweiundzwanzigtausend Hiperperer und dreitausend feine Mark Silbers geschenkt habe. Als er aber nach Antiochien kam, traf er hier seinen Bruder, den Grafen Amalrich von Joppe und Askalon, samt Hugo von Ibelin, der erst kürzlich aus der feindlichen Gefangenschaft zurückgekehrt war. Diese wünschten den Kaiser auch zu besuchen und wurden denn ebenfalls sehr gütig von ihm aufgenommen, aufs ehrenvollste behandelt und nach kaiserlicher Art aufs reichste beschenkt wieder entlassen, worauf sie vergnügt zum König zurückkamen.

    XXV. Nachdem der Kaiser nun in Kilikien das Osterfest gefeiert hatte und die Festtage vorüber waren, rückte er mit seinem Heer vor Antiochien und lagerte sich vor den Toren in unermeßlicher und furchtbarer Menge. Als er hier angekommen war, ging ihm der Patriarch samt dem Volk und dem Klerus mit den Evangelienbüchern und allem sonstigen Kirchenornat entgegen. Auch der König erschien mit dem Fürsten der Stadt und dem Grafen von Askalon und mit allen Großen des Königreichs und des Fürstentums, und so führten sie den Kaiser, der mit seinem kaiserlichen Diadem und seinen Insignien geschmückt war, unter dem Schmettern der Fanfaren und dem Schall der Trommeln, mit Hymnen und geistlichen Gesängen aufs prunkvollste in die Stadt und nach der Kathedralkirche, der Basilika des Fürsten der Apostel, und dann mit derselben Begleitung der Hohen und des Volks nach dem Palast. Nachdem er nun einige Tage sich mit Baden und anderen Lustbarkeiten vergnügt und das Volk der Stadt mit seiner gewöhnlichen Freigebigkeit beschenkt hatte, beschloß er, um sich die Zeit zu vertreiben, auf die Jagd zu gehen, und nahm hierzu auch den König mit. Es traf sich aber, daß der König, als sie am Fest der Auferstehung des Herrn die Wälder durchzogen, zufällig mit seinem Pferd, das über einen Platz dahinrannte, der mit niedrigem Gesträuch und mit Dornen überwachsen war, zu Boden stürzte und den Arm brach. Als dies der Kaiser erfuhr, leistete er ihm aufs mitleidigste den Dienst eines Chirurgen, wozu er wie einer aus dem Volk vor ihm niederkniete, so daß seine Fürsten und Verwandten Staunen und Unwillen ergriff, daß er dem König einen solchen Dienst erweise, den sie nicht nur unter der kaiserlichen, sondern auch unter ihrer eigenen Würde hielten. Sie kehrten nun wegen dieses Unfalls nach Antiochien zurück, wo der Kaiser den König jeden Tag besuchte, um ihm neue Kataplasmen und neue Salben und Umschläge aufzulegen und ihm eine solche Sorgfalt widmete, daß er sie einem kranken Sohne nicht in einem höheren Grade hätte erweisen können. Nachdem nun der König wieder ganz genesen war, ließ der Kaiser durch Heroldsstimme den Hauptleuten des Heeres bekannt machen, daß sie an einem bestimmten Tag nach Haleb aufbrechen und die Belagerungsmaschinen dahin bringen lassen sollten, und er selbst verließ mit dem König und mit den beiden Fürsten unter dem Schall der Hörner, Trommeln und der zum Kampf ermutigenden Fanfaren die Stadt und machte sodann samt dem ganzen Heer an dem Ort halt, der gewöhnlich die Walfischfurt genannt wird. Von hier aus schickte er Gesandte an Nureddin, der gerade damals in Haleb war, und wirkte es bei ihm aus, daß ihm Bertrand, ein natürlicher Sohn des Grafen von Saint-Gilles und einige andere Mitgefangene desselben ausgeliefert wurden. Er selbst aber kehrte kurz darauf nach Hause zurück, wo ihn seine eigenen Angelegenheiten in Anspruch nahmen. Nachdem der Kaiser abgezogen war, begab sich auch der König mit denen, welche er mitgebracht hatte, wieder ins Königreich.

    XXVI. Um dieselbe Zeit war Papst Hadrian bei Anagnia in Kampanien an der Bräune gestorben, und sein Leichnam war nach Rom gebracht und in der Basilika des heiligen Petrus ehrenvoll beigesetzt worden. Als sich nun die Kardinäle über seinen Nachfolger berieten, waren sie, wie es in solchen Fällen oft zu geschehen pflegt, verschiedener Meinung, so daß ein Teil den Herrn Roland wählte, der Kardinalpresbyter zu Sankt Markus und Kanzler des Apostolischen Stuhls war, und ihn unter dem Namen Alexander durch Handauflegen zum Papst ordinierte, die anderen aber den Oktavian, Kardinalpresbyter zur heiligen Cäcilia über der Tiber, einen Mann von sehr edlem Geschlecht, und ihn ebenfalls unter dem Namen Viktor durch Handauflegen zum Papst machten. Dieses Schisma brachte, da die größten Fürsten der Welt daran teilnahmen und sich auf die eine oder die andre Seite schlugen, die lateinische Kirche in die Gefahr, für immer unwiderruflich geteilt zu werden, und erst nach neunzehn Jahren wurde durch Kaiser Friedrich, der seinen Rat und Beistand der entgegengesetzten Partei geliehen hatte, endlich aber mit dem Papst Alexander sich wieder aussöhnte, die Einheit und der Friede der Kirche wieder hergestellt, und die Ruhe erhob sich aus der Finsternis des Irrtums wie der Morgenstern, wenn er durch die Nebel bricht.

    XXVII. Sehr froh über den Abzug des Kaisers, dessen Ankunft und mehr noch dessen Gegenwart ihm großen Schrecken eingejagt hatten, benützte Nureddin indessen die Gelegenheit, die ihm seit langer Zeit nicht mehr so günstig gewesen war, da er jetzt vor der Macht eines so großen Fürsten sicher war und zugleich sah, daß auch der König wieder heimgekehrt sei, rief aus seinem ganzen Land Mannschaft zusammen und zog in das benachbarte Gebiet des Sultans von Ikonium, wo er die Stadt Mares und die festen Plätze Kressum und Behetselin in seine Gewalt zu bringen suchte. Der Sultan aber konnte den Seinigen nicht gut Hilfe leisten, weil er von diesem Teil seines Reichs weit entfernt war, und Nureddin hatte es im Vertrauen darauf gewagt, das Gebiet eines Mächtigeren als er war anzugreifen. Als der König erfuhr, daß Nureddin mit allen seinen Streitkräften dort beschäftigt war, sammelte er ein Heer und fiel, da er wußte, daß das Reich von Damaskus von Wehrmacht entblößt dem Feind offenstehe, in das Gebiet von Damaskus ein, um von diesen Belagerungen soviel als möglich Nutzen zu ziehen, und durchzog es sengend und beutemachend, ohne Widerstand zu finden, von Offrum, der berühmten Hauptstadt des Ersten Arabiens, bis Damaskus. Es war aber in Damaskus ein gewisser Edler namens Reschmeddin, dem Nureddin seiner großen Erfahrung in weltlichen Geschäften wegen die Besorgung seiner Angelegenheiten und die Verwaltung der Stadt samt ihrem Gebiet übergeben hatte. Da er sah, daß sein Herr in einem entfernten Land stark beschäftigt sei, und daß er selbst nicht genug Bewaffnete habe, um dem König Widerstand zu leisten, bot dieser als ein vorsichtiger Mann dem König, um die drohende Gefahr von sich abzuwenden, für einen Waffenstillstand von drei Monaten viertausend Goldstücke an und erreichte seinen gewünschten Zweck auch, hauptsächlich dadurch, daß er sich mit seinem Geld Fürsprecher erkaufte und sechs gemeine Ritter, die seine Gefangenen waren, freigab. So entfernte er also den König und sein Heer mit Klugheit von seinem Vaterland. Indessen war die Königin Melisende, eine sehr umsichtige Frau, die mit mehr als weiblichem Verstand und männlicher Kraft das Königreich sowohl unter ihrem Gemahl als unter ihrem Sohn dreißig Jahre lang regiert hatte, von einer unheilbaren Krankheit befallen worden, von der sie bis zu ihrem Tod nicht mehr genas, obgleich ihre beiden Schwestern, die Gräfin von Tripolis und die Äbtissin zu Sankt Lazarus von Bethanien ihr alle Sorgfalt widmeten, auch von überallher die geschicktesten Ärzte kommen ließen und nicht aufhörten, ihr die Mittel zu reichen, welche die passendsten schienen. Sie lag nämlich mit etwas geschwächtem Gedächtnis lange Zeit ganz kraftlos und erschöpft zu Bett, und nur wenige Personen hatten Zutritt zu ihr. Da unterdessen die Frist, die der König  dem Statthalter Reschmeddin bewilligt hatte, verflossen war und Nureddin immer noch in den genannten Gegenden weilte, weil er seinen Zweck dort noch nicht erreicht hatte, so fiel der König in das feindliche Gebiet ein, zog plündernd, sengend und beutetreibend, ohne daß sich ihm jemand entgegenstellte, durch das ganze Land und kehrte dann, nachdem er die Gegend verheert, die Dorfschaften zerstört und die Bewohner zu Gefangenen gemacht hatte, wieder wohlbehalten in die Heimat zurück.

    XXVIII. Nicht lange Zeit nachher traf es sich, daß der Fürst Rainald von Antiochien durch Kundschafter erfuhr, in der Gegend zwischen Maresia und Tulupa, die einst dem Grafen von Edessa gehört hatte, stehe ein Strich Landes, der mit Herden von großem und kleinem Vieh angefüllt sei, der Plünderung völlig offen, da keine Mannschaft hier liege und die Bewohner der Gegend die Waffen nicht zu führen wüßten. Diesen Reden schenkte der Fürst leichtgläubig Gehör, sammelte eine große Mannschaft und zog unter ungünstigen Vorbedeutungen dahin ab. Als er nun an die genannten Orte kam, fand er zwar, daß alles sich so verhalte, wie man ihm berichtet hatte, denn er traf hier eine bewundernswürdige Menge von Herden, aber das Volk, dem sie gehörten, war ein gläubiges. Dieses ganze Land nämlich hat nur in seinen festen Plätzen Türken und nur sehr wenige, die die Besatzung bilden und die Leistungen der Bauern für die größeren Herren, die sie hierhergeschickt haben, sammeln müssen. Auf den Dörfern aber wohnen nur Christen, nämlich Syrer und Armenier, die hier das Land bebauen. Sie machten hier also überall ungehindert Beute und kehrten ganz bedeckt damit und mit Gerät aller Art bereichert ruhig und wohlbehalten in die Heimat zurück, als, siehe da! der Statthalter Megeddin von Haleb, der ein treuer Diener von Nureddin war und vom Rückzug des Fürsten gehört hatte, ihm mit der leichten Mannschaft des ganzen Landes entgegenzog, um seine Einheiten, wenn sie mit ihrer Beute beschwert durch gewisse Engpässe zögen, entweder niederzumachen oder ihnen ihre Beute wenigstens abzunehmen. Und es geschah, dem Plan des klugen Mannes gemäß, daß sie von denen, welche vom Heer des Fürsten herkamen, geführt an den bestimmten Ort gelangten, der der Stelle, wo sich der Fürst mit seiner Beute gelagert hatte, ganz nahe lag. Als der Fürst von der Ankunft der Feinde vernahm, beriet er sich mit den Seinigen, was in dieser Not zu tun sei, aber anstatt klug zu sein und unbeschwert von der Beute in ihre Heimat zurückzukehren, beschlossen sie von ihrem Raube nicht zu lassen, sondern sich mit den Feinden wacker zu schlagen. Als es nun Morgen geworden und der Tag schon etwas vorgerückt war, kamen die Scharen zum Treffen. Die Feinde drangen mit Schwert und Bogen aufs heftigste ein, die Unseren aber, obgleich sie anfangs Mut zum Widerstand zeigten, kehrten doch zuletzt bestürzt den Rücken und ließen ihre Beute zurück. Der Fürst selbst geriet, um alle Frevel, die er begangen hatte, an seinem Leibe abzubüßen, seiner Sünden halber in Gefangenschaft und wurde, den ungläubigen Völkern zum Schauspiel, aufs schmählichste mit den anderen Gefangenen in Ketten nach Haleb geführt. Dies geschah im achtzehnten Jahr der Regierung Balduins, im Monat November, am dreiundzwanzigsten des Monats, an dem Ort, der zwischen Kressum und Mares liegt und Commi genannt wird.

    XXIX. In denselben Tagen landete ein gewisser Johannes, ein sehr gelehrter Mann, Kardinalpresbyter der römischen Kirche zu Sankt Johannes und Paulus, als Gesandter des Papstes Alexander mit einigen Genuesen bei Biblius. Da er nun Erlaubnis erhalten wollte, als Legat ins Königreich einzuziehen, so erforschte er zuvor die Gesinnung des Königs und der übrigen Fürsten des Königreichs, sowohl der weltlichen als der geistlichen, was sie über seinen Einzug dächten. Es war nämlich, wie wir gesagt haben, durch das entstandene Schisma beinahe die ganze Welt entzweit worden, indem die einen auf seiten Papst Alexanders, die anderen auf der seines Gegners waren. Nach vielen Beratungen tat man ihm also zu wissen, er solle nicht weiterschreiten und es nicht wagen, ins Königreich zu kommen, bis sich die Prälaten der Kirche und die Fürsten des Königreichs gründlich beraten und ihm mitgeteilt hätten, was er zu tun habe. Unterdessen versammelten sich der Patriarch und die übrigen Prälaten der Kirche wie auch der König mit einigen Fürsten bei Nazareth und berieten sich, was in diesem schwierigen Fall zu tun sei. Offen nämlich neigte keiner der Bischöfe des Orients, weder aus dem Patriarchat von Antiochien noch von dem aus Jerusalem, zu einer der entgegengesetzten Parteien, im stillen jedoch begünstigten die einen diesen, die anderen jenen. Es geschah aber, wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt, daß die Versammlung verschiedener Meinung war, indem die einen sagten, man müsse den Legaten des Herrn Alexander, da er im Namen der besseren Partei käme, ins Königreich aufnehmen, und an der Spitze von diesen stand unser Vorgänger Erzbischof Peter von Tyrus. Die anderen aber begünstigten umgekehrt die Sache des Herrn Viktor, der sich, wie sie sagten, immer als ein Freund und Beschützer des Königreichs gezeigt habe, und wollten den Legaten auf keine Art aufgenommen wissen. Der König ging einen mittleren Weg und war mit seinen Fürsten und einigen Prälaten der Kirche, um keinen Zwiespalt in der Kirche entstehen zu lassen, der Meinung, man solle keinen von beiden Teilen anerkennen, dem Legaten aber erlauben, als Pilger ohne seine Insignien der Andacht halber die geweihten Orte zu besuchen und sich bis zur nächsten Gelegenheit zur Überfahrt, wo er dann zurückkehren müsse, im Königreich aufzuhalten. Als Grund seines Vorschlags aber gab er folgendes an: Das Schisma ist neu, sagte er, und die Welt weiß noch nicht, wessen Sache die bessere ist; es sei aber gefährlich, in einer zweifelhaften Sache willkürlich Partei zu ergreifen und sich für etwas Ungewisses zu entscheiden. Überdies brauche man auch keinen Legaten im Königreich, da er doch nur die Kirchen und Klöster in Kosten setze und sie durch seine Erpressungen arm mache. Dies war die Ansicht des Königs. Obgleich sie aber die heilsamere war, so gewann doch die, welche den Legaten aufgenommen wissen wollte, die Oberhand. Er wurde also berufen und kam ins Königreich, wo er manchem, der für seine Aufnahme gestimmt hatte, nachher beschwerlich fiel. Um diese Zeit wurde dem Grafen Amalrich von Joppe von Frau Agnes, der Tochter des Grafen von Edessa, ein Sohn geboren, den der König auf die Bitte des Vaters aus der Taufe hob und ihm seinen Namen gab, und als der Graf den König im Scherz fragte, was er denn seinem Neffen für ein Patengeschenk gebe, antwortete er, wie er anmutig zu scherzen wußte: das Königreich Jerusalem. Dieses Wort nahmen einige kluge Leute, die es vernommen hatten, tiefer zu Herzen und sagten, es habe dies, obgleich der König und die Königin noch sehr jung gewesen seien, darauf hingewiesen, daß er ohne Kinder zu hinterlassen aus der Welt gehen werde, was denn auch geschah.

    XXX. Da nun der Fürst gefangen und die Provinz Antiochien ihren Regenten verloren hatte, so wurde das Volk aufs neue von Angst und Besorgnis ergriffen, und sie sahen jeden Tag in banger Erwartung der Verheerung des Landes entgegen, wenn der Herr sie nicht in seinen besonderen Schutz nehme. Endlich beschlossen sie, sich um Hilfe und Beistand wieder dahin zu wenden, wo ihnen ihre Bitte nie abgeschlagen worden war. Sie sandten also eine Gesandtschaft an den König von Jerusalem und ersuchten ihn mit kläglichen Bitten, er möchte dem Volk, das seinem Untergang nahe sei, ohne Säumen zu Ruhm und Ehre bei den Menschen und zu ewigem Lohn bei Gott Beistand leisten. Der König aber hatte, als er den schlimmen Zustand des Landes erfuhr, wie seine Vorgänger mit ihrer Not Mitleid, übernahm die Arbeit willig und eilte mit einem stattlichen Gefolge nach Antiochien, wo er von Hohen und Niederen mit Freude und Jubel empfangen wurde. Er verweilte also hier, solange es nötig war, wandte den Angelegenheiten des Fürstentums die größte Sorgfalt zu, als ob es sein eigenes Land gewesen wäre, und kehrte dann, nachdem er die Verwaltung bis zu seiner Rückkunft dem Patriarchen übertragen und der Fürstin ein ehrenhaftes Einkommen angewiesen hatte, nach Hause zurück, wohin ihn seine eigenen Geschäfte riefen. Gleich nachdem der König wieder zu Hause angekommen war, siehe, da erschienen ansehnliche und im heiligen Palast sehr angesehene Männer als Gesandte des Kaisers von Konstantinopel und überbrachten dem König ein Schreiben mit einer goldenen Bulle samt einigen geheimeren Aufträgen. Der erste von diesen war der erlauchte Contostephanus, ein Verwandter des Kaisers, der zweite war Triffilus, der erste Dolmetscher des Palastes, ein listiger und für das Wohl des Reichs sehr besorgter Mann. Diese brachten, wie wir sagten, ein kaiserliches Schreiben, dessen Inhalt kurz folgender war: "Du weißt, allerliebster und unserem Kaisertum äußerst teurer Sohn, daß Irene, unsere kaiserliche Genossin, herrlichen Andenkens in Gott ihr Leben, um den auserwählten Geistern zugesellt zu werden, beschlossen und uns eine einzige Tochter als Erbin unseres gemeinschaftlichen Reichs hinterlassen hat. Wir haben uns aber, da uns kein Nachkomme besseren Geschlechts geworden ist, über die künftige Erbfolge bekümmert, mehrmals mit den Großen unseres heiligen Palastes beraten, auf wen wir unsere Wahl lenken sollen, und endlich gefiel es uns mit der freudigen Übereinstimmung aller unserer Fürsten, uns eine aus Deinem Blute, der Du von unserem Kaisertum vor allen geliebt bist, zur Genossin auszuwählen, im Vertrauen, daß Du uns treulich beraten wirst, und entweder die Tochter des erlauchten Grafen von Tripolis oder die jüngere Schwester des großen Fürsten von Antiochien, welche von diesen Deinen beiden Basen Du auch immer für uns wählen magst, mit Gottes Hilfe zu unserer Reichsgenossin zu machen." Nachdem nun der König die Absicht des Kaisers teils aus seinem Schreiben, teils aus seinem mündlichen Auftrag gesehen hatte, gelobte er ihm, in dieser Sache gehorsam seine Dienste zu leisten, und ließ dem Kaiser vielen Dank sagen, teils weil er eine aus seinem Blute zu solcher Würde erheben, teils weil er im Vertrauen auf seine Treue die zu seiner Genossin erwählen wollte, die er ihm auswählen würde.

    XXXI. Der König beriet sich also mit seinen Vertrauten, was in gegenwärtiger Sache ihm selbst und der Hoheit des Kaisers angemessen sei, und hieß dann die kaiserlichen Gesandten, die gutgeartete junge Milisendis, die Schwester des Grafen von Tripolis, zur Frau ihres Herrn bestimmen. Diese nahmen den Rat des Königs mit größter Ehrerbietung auf und gaben ihre Beistimmung, sagten jedoch, daß sie den Kaiser zuvor durch Bitten und Briefe davon in Kenntnis setzen müssen. Unterdessen wurden der Jungfrau, die zu so hohen Ehren bestimmt war, von ihrer Mutter und ihrer Muhme wie von ihrem Bruder und allen ihren Freunden kostbare Geschmeide von unermeßlichem Wert bestellt, die selbst königlichen Aufwand überstiegen, darunter goldene Ketten, Ohrengehänge, Spangen, Gürtel, Ringe, Halsbänder und Diademe vom reinsten Gold, ferner silberne Gefäße von unermeßlichem Umfang und Gewicht, die für die Küche, zum Essen und Trinken und zum Waschen bestimmt waren, und außerdem Sessel, Zäume und, um es kurz zu sagen, alle Arten von Hausrat, und dieses alles wurde mit unermeßlichen Kosten so sorgfältig verfertigt, daß die Arbeit allein schon königliche Pracht überstieg. Während nun die Griechen alles bis ins kleinste auskundschafteten und über die Sitten des Mädchens und die Beschaffenheit ihrer verborgeneren Körperteile das genauste zu erfahren suchten, hierüber auch viele Boten an den Kaiser schickten und die Rückkehr von diesen wieder erwarteten, verfloß ein ganzes Jahr. Hierüber waren sowohl der König und der Graf als auch die übrigen Verwandten und Freunde der Jungfrau sehr ärgerlich und verlangten von den kaiserlichen Gesandten in einer öffentlichen Versammlung, sie sollten entweder die Verhandlungen über die Heirat definitiv abbrechen und die Kosten ersetzen oder ohne alle Umschweife den eingegangenen Bedingungen gemäß das Geschäft beenden. Der Graf nämlich hatte vielfachen Aufwand gehabt, er hatte für die Überfahrt seiner Schwester zwölf Galeeren verfertigen lassen, die aufs reichlichste mit allem versehen worden waren, und dann hatte er die Großen des Königreichs, die in Erwartung des baldigen Abzugs ihrer Herrin sich insgesamt in Tripolis versammelt hatten, entweder ganz oder teilweise ausgehalten. Die Griechen nun antworteten nach ihrer Art zweideutig und suchten die Sache noch hinauszuziehen, der König aber begegnete ihren sophistischen Unterhandlungen damit, daß er in der Person des Herrn Otto von Risberg einen besonderen Gesandten an den Kaiser sandte, mit dem dringenden Ersuchen, ihm durch diesen seinen Willen endgültig kundzutun. Dieser kam früher, als man gehofft hatte, zum König zurück und tat ihm mündlich und durch ein mitgebrachtes Schreiben zu wissen, daß dem Kaiser alles, was über die Heirat verhandelt worden war, gänzlich mißfalle. Als der König dies erfuhr, stand er von weiteren Verhandlungen ab, sich sehr gekränkt fühlend, daß diese Sache, die er vermittelt hatte und die schon völlig ins Reine gebracht schien, ihm zum Verdruß gereicht hatte. Sogleich schifften sich die Boten des Kaisers aus Furcht vor dem Unwillen des Grafen von Tripolis auf einem kleinen Schiff, das sie zufällig trafen, nach Zypern ein. Nachdem sich nun die Versammlung der Großen, die bei Tripolis zusammengekommen waren, aufgelöst hatte, ging der König ins Land von Antiochien, das er, wie wir gesagt haben, auf die dringenden Bitten des Volkes unter seinen Schutz genommen hatte. Als er hier ankam, traf er dieselben Boten des Kaisers, die er von Tripolis abgereist glaubte, wieder. Diese führten hier täglich vertraute Verhandlungen mit der Fürstin wegen ihrer jüngsten Tochter, die Maria hieß. Überdies hatten sie auch einen mit Gold besiegelten Brief des Kaisers dabei, in welchem er versprach, was sie wegen gegenwärtiger Heirat mit der Fürstin oder ihrer Schwester feststellten, zu genehmigen. Als nun der König ankam und von der Sache in Kenntnis gesetzt wurde, entzog er sich, weil die Jungfrau eine Verwandte von ihm und eine Waise war, die des väterlichen Rats entbehren mußte, der Sache dennoch nicht, ungeachtet daß er bei der früheren Verhandlung gekränkt worden war, so daß er im gegenwärtigen Fall den Kaiser mit Recht ohne seine Mitwirkung lassen konnte, und nach vielen Weitläufigkeiten brachte er endlich die Heirat zustande. Nachdem nun alles im Reinen war, wurden in der Mündung des Orontesflusses, an dem Ort, der der Hafen des heiligen Simeon heißt, Galeeren bereitgehalten, und die Jungfrau trat in Begleitung von Großen des Landes, die zu diesem Auftrag passend schienen und die mit ihr bis zu ihrem Gemahl reisen sollten, ihren Weg an.

    XXXII. Indessen baute der König, während er hier verweilte, um dem Lande durch seine Gegenwart nützlich zu sein, die Burg wieder auf, die früher sechs oder sieben Meilen von Antiochien über der Orontesbrücke, die gewöhnlich die Eisenbrücke genannt wird, gestanden hatte und äußerst bequem gelegen war, um feindliche und räuberische Überfälle zu verhindern. Während er damit beschäftigt war, ging seine fromme Mutter nach langen Leiden und ununterbrochenen Beschwerden am elften September den Weg allen Fleisches. Als ihm die Kunde davon gebracht wurde, gab er deutliche Beweise, wie sehr er sie geliebt hatte, klagte und jammerte und hörte viele Tage lang auf keinen Trost. Begraben aber wurde Frau Milisendis, die würdig war, in die Chöre der Engel aufgenommen zu werden, im Tal Joschaphat, rechts, wenn man zum Grabmahl der heiligen und unbefleckten Jungfrau und Muttergottes Maria hinabsteigt, in einem steinernen Gewölbe, das mit eisernen Türen verwahrt ist und einen Altar in der Nähe hat, wo für ihr und aller gläubig Verstorbenen Seelenheil täglich Messen gelesen werden.

    XXXIII. Indessen suchte der Graf von Tripolis, im Innersten gekränkt, daß ihn der Kaiser so zum Besten gehalten hatte, und höchst ärgerlich, daß dieser trotz des ungeheuren Aufwands, den er ihm zuliebe gemacht, seine Schwester wie die Tochter eines Gemeinen ohne Grund verschmäht hatte, seufzend und ängstlich nach einem Weg, wie er dem Kaiser das ihm angetane Unrecht erwidern könne. Nun fiel ihm zwar ein, daß der Kaiser der mächtigste Fürst unter den Sterblichen war, und daß seine Kraft nicht ausreiche, ihn auch nur im Geringsten zu verletzen. Um aber dennoch zu zeigen, daß er die Beleidigungen wohl fühle, ließ er in seinem Schmerz Galeeren, die er zu anderem Gebrauch bestimmt hatte, bewaffnen und übergab sie Seeräubern und in allen Freveln geübtem Volk, daß sie damit die kaiserlichen Länder befahren und ohne Rücksicht auf Stand, Alter oder Geschlecht alles niedermachen, auch Kirchen und Klöster, wo immer sie seien, in Brand stecken und überall zu gerechter Rache rauben und morden sollten. Diese gehorchten seinen Befehlen, steuerten aufs Meer hinaus und durchzogen alle Provinzen des Kaisers, sowohl die Inseln als die Seegegenden des Festlandes, raubten, sengten, mordeten, den Auftrag des Grafen im vollsten Sinne ausführend, und erbrachen und plünderten ohne Scheu vor den ehrwürdigen Orten Kirchen und Klöster, wohin sie kamen. Auch Pilgern, die nach dem Heiligen Land reisten oder von da zurückkehrten, nahmen sie ihre Reisepfennige ab, daß sie nackt und hilflos entweder sterben oder sich durchbetteln mußten, und die Handelsleute, die mit ihrem Gewerbe sich und ihre Frauen und Kinder unterhielten, beraubten sie dessen, was sie zusammengebracht hatten, so daß sie ohne ihr Vermögen und den Gewinn davon nach Hause zurückkehren mußten.

    XXXIV. Während der Graf von Tripolis auf diese Art Rache ausübte, wollte der König, der noch bei Antiochien war, seiner Gewohnheit nach vor Einbruch des Winters sich noch auf eine Kur begeben und ließ sich von Barak, dem Arzt des Grafen von Tripolis, Pillen geben, die er teils sogleich, teils einige Zeit nachher nehmen sollte. Unsere orientalischen Fürsten verachten nämlich die Heilkunst unserer Lateiner und setzen ihr ganzes Vertrauen, woran hauptsächlich die Weiber schuld sind, auf die Juden, Samaritaner, Syrer und Sarazenen, denen sie sich unklugerweise anvertrauen, ungeachtet dessen, daß diese Leute von der Heilkunde gar nichts verstehen. Diese Pillen aber sollen vergiftet gewesen sein, und dies schien nicht unwahrscheinlich, denn an dem, was davon übrig war und was der König zum zweiten Mal hätte nehmen sollen, starb nachher eine Hündin, der man es bei Tripolis des Versuchs wegen ins Futter mischte, innerhalb weniger Tage. Von dem Tag an nun, wo der König diese Medizin nahm, bekam er Durchfall und ein leichtes Fieber, das nachher hektisch wurde und sich bis zu seinem Tod nicht mehr heben ließ. Als er fühlte, daß der Schmerz nicht weichen wollte und die Krankheit immer mehr zunehme, verließ er Antiochien und reiste nach Tripolis, wo er mehrere Monate darniederlag, von Tag zu Tag auf Besserung hoffend. Als er aber sah, daß es mit ihm soweit gekommen sei, daß er sich keine Hoffnung mehr machen dürfe, ließ er sich nach Berythus bringen und in aller Eile die Prälaten der Kirche und die Fürsten des Reichs zu sich entbieten. Als diese sich bei ihm versammelt hatten, legte er fromm und andächtig Stück für Stück sein Glaubensbekenntnis ab, beichtete zerknirscht und demütig in Gegenwart der Bischöfe seine Sünden, und dann wanderte seine Seele vom Kerker dieses Leibes erlöst nach dem Himmel, um vom Herrn mit den anderen auserwählten Fürsten die unvergängliche Krone zu erhalten. Er starb also  im Jahr der Menschwerdung des Herrn elfhundertundzweiundsechzig, im zwanzigsten Jahr seiner Regierung, am zehnten Februar, in seinem dreiunddreißigsten Lebensjahr. Als Erben des Reichs hinterließ er, da er keine Kinder hatte, seinen Bruder. Er wurde von hier mit königlichem Gepränge unter allgemeinem Weinen und Klagen nach Jerusalem gebracht, wo der Klerus und das ganze Volk der Stadt dem Leichenzug entgegenkamen, und in der Kirche zum Heiligen Grab vor der Kalvarienstätte, wo der Herr für unser Heil gekreuzigt wurde, ehrenvoll zwischen seinen Vorgängern beigesetzt. Man liest aber in keiner Geschichte und kein Lebender weiß sich zu erinnern, daß je in unserem oder in einem anderen Reich um einen Fürsten solche Trauer herrschte und solche Klage geführt wurde, denn außer den Bürgern, durch deren Städte die königliche Leiche geführt wurde und deren Trauer und Schmerz ohne Beispiel waren, stieg eine Menge von Gläubigen von den Bergen herab und zog jammernd und heulend vor der Leiche her. So hörte von Berythus bis Jerusalem, eine Strecke von acht Tagereisen, das Klagen nicht auf, und beinahe jede Stunde wurde der Schmerz erneuert. Sogar die Feinde sollen um seinen Tod getrauert haben, so daß Nureddin, wie man sagt, denen, die ihm rieten, während der Leichenfeier einen Einfall in unser Land zu machen, zur Antwort gab: "Wir müssen Mitleid haben mit ihrem gerechten Schmerz und sie schonen, denn sie haben einen Fürsten verloren, wie die Welt jetzt keinen anderen hat." Wir aber, die wir hier mit seinen Werken dieses Buch beschließen, bitten den Herrn, daß seine Seele mit allen Frommen und Auserwählten der heiligen Ruhe genießen möge. Amen.

 

 

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