KAPITEL 157

 

Das große Elend derer von Latakia

 

Tankred erreichte eine Nachricht über die verzweifelte Lage der Seinen vor Latakia. Obwohl er ihnen Vorräte hinbringen ließ, sahen sie sich nun auf sie zukommenden Versorgungsengpässen ausgesetzt. In naher Zukunft würden sie entweder mit Getreide versorgt werden müssen oder die Streitkräfte würden sich zurückziehen müssen. Die große Zahl von Feinden unterband jegliches Anrücken, weil diese unermüdlich die Straßen überwachten. Der Fürst wurde durch diese Nachricht beunruhigt, weil er wußte, daß nur der Hunger die Städte ausliefern konnte. Ein hungerndes Volk kennt keine Schrecken mehr.

    Er erwog eine Reihe von Möglichkeiten. Er überlegte, ob ihm das, was er in Zukunft haben könnte, lieber wäre im Vergleich mit dem, was er jetzt besaß, oder das, was er jetzt besaß, verglichen mit dem, was er in Zukunft haben würde. Es war schwer, nach so vieler Anstrengung die Belagerung Latakias aufzuheben. Es war schwer, Apamea aufzugeben, wo es so leicht zu nehmen war. Es schien unmöglich, daß er die eine Aufgabe durchführen konnte, ohne die andere fallenzulassen. Aber Mut, welcher das einzige ist, was Unmögliches möglich macht, half diesem Mann. Er benachrichtigte jene, die die Bitte an ihn herantrugen, daß er ihnen schnell hülfe. Er ermutigte die Mannschaften, die bleiben mußten, um das Lager zu beschützen, indem er sagte: "Hört mich an, o Märtyrer Christi. Macht Euch gefaßt, daß Euer Blut vergossen wird, und vergießt Blut für Ihn. Bleibt standhaft. Ihr habt gut angefangen, nun endigt es auch gut. Laßt Euch durch Eure geringe Zahl nicht erschüttern. Sieg ist keine Frage der Kopfzahl, sondern kommt aus Gottes Kraft."