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Die Vererbung der Augenfarbe
Der überwiegende
Teil der Menschheit, etwa 90 %, hat heute braune Augen. Dabei muß
natürlich berücksichtigt werden, daß bestimmte Völker sich deutlich
stärker vermehrt haben und ihre Fortpflanzungsrate eine erheblich
größere war als die der Europäer. Noch im Altertum waren die
Verhältnisse jedoch ganz anders, und noch ausgeprägter werden die
Unterschiede gewesen sein, als in Europa gerade die ersten
Höhlenmalereien entstanden, während sich anderswo auf Erden noch
keinerlei Anzeichen irgendeiner Kultur regten. Der Europäer ist der
älteste Mensch auf Erden, er hat alle früheren Haplogruppen
durchlaufen. Da die ältesten Haplogruppen den Menschen auch in
seinem frühesten Stadium zeigen und die ältesten Rassen zugleich die
jüngsten Gene besitzen, müssen braune Augen genetisch jünger sein
als blaue, d.h. ursprünglich war der Adam des Y-Chromosoms
wahrscheinlich blauäugig. Die jüngste Haplogruppe R1b des
Y-Adams, welche für die Mediterraniden merkmalsbestimmend
ist, zeichnet sich jedenfalls durch braune Augen aus. Die
zweitjüngste Haplogruppe R1a hat grüne Augen und
charakterisiert die ostbaltische Rasse. Die Verteilung der
Blauäugigen hingegen deckt sich vollkommen mit der Verteilung der
viel älteren fennoskandischen Haplogruppe I im System des
Adam des Y-Chromosoms und ihrem Pendant, der Haplogruppe H
im System der mitochondrischen Eva. Da letztere aber viel älter ist
als der Adam des Y-Chromosoms, müssen wir annehmen, daß die
Haplogruppe I noch vor der Haplogruppe H entstanden
ist und die Blauäugigkeit auf die Haplogruppen H und I
beschränkt blieb. Die Haplogruppen R1a und R1b der
Indogermanen sind demnach keine Merkmalsträger für Blauäugigkeit,
sonst gäbe es in Indien, das fast zur Hälfte aus Trägern der
Haplogruppe R1a besteht, genauso viele Blauäugige wie in
Nordeuropa. Die Samen z.B. besitzen die Blauäugigkeit wohl von der
Haplogruppe V, die mit H eng verwandt ist, und nicht
von der Haplogruppe N, die bis nach Sibirien reicht. Zur
Zeit, als die Haplogruppe HV entstand, waren die Augen
vermutlich bereits grün. Daher gibt es in Persien und unter den
Kurden, bei denen die Haplogruppe HV am häufigsten vorkommt,
relativ viele Grünäugige. Angehörige der Haplogruppe N, die
in Europa unter den Finnen ihr Maximum erreicht, weisen hingegen
braune Augen auf. So gesehen finden wir unter den Finnen nur deswegen
so viele Blauäugige, weil bei ihnen die Haplogruppen H und
V überdurchschnittlich häufig vorhanden sind. Die Haplogruppe
I, die ihr Maximum auf dem Baltikum erreicht, wo zugleich die
meisten Menschen (mehr als 90 %) blaue Augen haben, erstreckt sich
bis nach Persien. Weiter östlich kommen pigmentlose Augen nicht mehr
vor. Das Minimum für blaue Augen in Europa befindet sich bei den
Basken, wo zugleich die Haplogruppe I ihren kleinsten Wert
annimmt. Ein Allel für Blauäugigkeit muß also definitiv in oder noch
vor der Haplogruppe I entstanden sein, denn bereits die
benachbarte Haplogruppe J der Semiten steht ausnahmslos für
braune Augen. Zu einer Pigmentanreicherung kann es also erst nach
I gekommen sein. Ein weiteres Allel gehört rassisch den
Haplogruppen H und V des X-Chromosoms an, aber
wohl nur die Kombination aus beiden führt definitiv zu blauen Augen.
Diese sind ein Merkmal der nordischen, eingeschränkt auch
dalonordischen und in noch geringerem Maße der ostbaltischen Rasse,
die alle von überwiegend heller Komplexion sind. Sämtliche
Blauäugigen stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab. Ethnisch
zählen die Blauäugigen zum Volk der Wikinger, die sich als Waräger
bis nach Rußland und zu den Wolga-Tataren ausgebreitet haben. Vor
der Einwanderung der Germanen, die völlig andere Gene mitbrachten,
u.a. die Blutgruppe A und den Rhesusfaktor, gab es in Europa
nahezu ausnahmslos Dunkeläugige. Durch Vermischung mit den
Einwanderern setzte unter den Neugeborenen ein Massensterben ein, da
sich die Gene der fennoskandischen Einwanderer nicht mit der
Blutgruppe 0 und dem fehlenden Rhesusfaktor der
kelto-tocharischen Ureinwohner (Haplogruppe R1b) vertrugen.
Auch die Dominanz brauner Augen und schwarzer Haare führte
schließlich dazu, daß die helle Komplexion schnell in der dunklen
aufging. Dies könnte sich in etwa wie folgt zugetragen haben:
Unter seinem
ursprünglichen Haarkleid war der Hominde zunächst weiß, die
Dunkelfärbung setzte erst ein, nachdem der Mensch seine Behaarung
mehr und mehr verlor und gleichzeitig die Melaninproduktion immer
stärker zunahm, zuletzt beim Negriden die totale Schwarzfärbung
erreichte. Babies von Weißen sind bei der Geburt blauäugig, ebenso
wie Babies von Schwarzen mit weißer Haut geboren werden. Die
Handinnenflächen von Negriden bleiben auch im Erwachsenenalter weiß.
Die Pigmentation setzte im Lauf der Evolution erst ein, als der
Mensch die Wälder verließ und in die Savannen vordrang. Der moderne
Homo sapiens ist ein Produkt der Eiszeit, was man sich immer
vor Augen halten muß. Zu jener Zeit war die Sahara noch grün, die
Tundra, durch die die großen Herden zogen, lag weit südlicher als
heute. Die Wälder waren feuchter, die Weiden sumpfiger, Nebel war
die Regel. Der Mensch war am Körper noch stärker behaart, aber ihn
dürstete nach Licht. Es war dies die Zeit der hochgewachsenen
Mammutjäger, die hinter den Tieren herzogen und noch nicht seßhaft
waren. Die helle Komplexion war damals für das Überleben tauglicher.
Der Mensch kleidete sich in den Winterpelz der Tiere, und deren Fell
war weiß. Dunkle Haut und dunkle Augen wären dem Wild in der eisigen
Tundra ein verräterisches Signal gewesen, was den Jagderfolg des
steinzeitlichen Jägers geschmälert hätte. Also war der Hellhäutige
von der Evolution begünstigt, blaue Augen erschienen sinnvoll,
ähnlich wie Mimikry Tiere vor Entdeckung schützt. In jener Zeit
besaß der eiszeitliche Mensch unpigmentierte bzw. blaue Augen. Als
er seßhaft wurde und in wärmere und damit angenehmere Gefilde
wechselte, dürften sich seine hellen Augen kaum noch vorteilhaft
ausgewirkt haben. Durch Mutation und allmähliche Pigmentanreicherung
wurden die Augen zusehends dunkler. Alle jungen sprich
nacheiszeitlichen Rassen haben dunkle Augen, die Mongoliden ebenso
wie die Negriden. Auch die Indogermanen sind von Natur aus
dunkeläugig, Turanide ebenso wie Mediterranide. Die blauäugigen
Germanen und Fennoskandier waren indes niemals Indogermanen, sondern
stellen das ältere europide Substrat, die nordeuropäische
Urbevölkerung dar. Ihre Haplogruppe I zählt zu den frühesten
überhaupt, nur die Haplogruppe F ist älter. Sie kommt in
Indien vor, aber auch dort gibt es, wenngleich nicht viele
Blauäugige. Auch in der Haplogruppe E3b der Berber und Tuareg,
von denen die negride Rasse abzweigt, finden wir Menschen mit blauen
Augen, und unter den ausgestorbenen Indianiden Feuerlands, den Ona,
ist ebenfalls eine helle Komplexion nachgewiesen. Den einzigen
Hinweis auf eine Augenfarbe, die älter sein könnte als die blaue,
liefern die Khoisaniden der Haplogruppe A. Bei ihnen handelt
es sich allerdings – leicht an ihrem Bartwuchs zu erkennen – um
frühe Europide, aber ob sich aus ihrer Augenfarbe die vermutete
Wildform ableiten läßt, aus der durch Mutation des OCA2-Gens
die blauen Augen hervorgegangen sind, muß eine offene Frage bleiben.
Dagegen spricht, daß die Angehörigen dieser Ethnie weder vom Typus
Cromagnon, in dem sich die dalonordische Rasse widerspiegelt, noch auch vom deutlich abgesetzten, älteren Typus
Combe Capelle sind:
schmaler Schädel, zierlicher Körperbau, der direkt an die
Australiden der Haplogruppe N im System der mitochondrischen
Eva anknüpft. Außerdem spricht dagegen, daß die Sprache der frühen
Europiden, ehe die Indogermanen (eigentlich Kelto-Tocharer) in
Europa Einzug hielten, wohl keine Klicksprache mehr, sondern bereits
uralisch oder dené-kaukasisch war.
Die Pigmentation der
Augen, ein Hauptmerkmal der Rassensystematik, ist weitgehend
umweltstabil, weist jedoch einige Altersveränderungen auf, etwa das
Nachdunkeln in farbgemischten Bevölkerungen. Die Untersuchungen von
Davenport, Fleischhacker, Ruggles-Gates und Tillner zeigen eine
deutliche Tendenz zur Dominanz der jeweils stärkeren
Pigmentationsgrade. Insoweit widerspricht dieses Ergebnis der
Feststellung Tillners, das ganz klar ein Überwiegen der
Unpigmentierten gegenüber Schwach- und Mittelpigmentierten ausweist.
Erst die Starkpigmentierten dominieren unangefochten alle übrigen.
Die Literatur spricht zwar von mehreren Genen, die an der Vererbung
der Augenfarbe beteiligt sind, was uns aber nicht davon abhalten
soll, es zunächst mit nur einem Gen bestehend aus mehreren Allelen
zu probieren. Dem sei vorausgeschickt, daß weder das gey-Gen noch
das bey2-Gen die Ergebnisse von Tillner erklären können. Auch die
Annahme von nur 3 Allelen kann die Verteilung der Augenfarben nicht
richtig wiedergeben.
|
Allelkombination |
Pigmentationsgrad |
Kurznotation |
Augenfarbe |
Gewicht |
|
rr |
Stark pigmentiert |
h |
dunkelbraun |
8 |
|
rg |
Stark pigmentiert |
h |
grünbraun |
7 |
|
rb |
Stark pigmentiert |
h |
hellbraun |
6 |
|
gg |
Stark pigmentiert |
h |
dunkelgrün |
6 |
|
gb |
Mittel pigmentiert |
m |
grün |
5 |
|
rp |
Mittel pigmentiert |
m |
blaugrau |
5 |
|
bb |
Schwach pigmentiert |
l |
blau |
4 |
|
gp |
Schwach pigmentiert |
l |
hellgrün |
4 |
|
bp |
Pigmentlos |
p |
hellblau |
3 |
|
pp |
Pigmentlos |
p |
blaßblau |
2 |
Tabelle 1: Augenfarbenverteilung und Gewichtung bei 4 Allelen
(4222b)
Gemessen an der Zahl der
bekannten Farbabstufungen reichen vier Allele gerade hin, um mit
einem einzelnen Gen 10 verschiedene Pigmentationsstufen zu erklären,
wobei wir, um auch wirklich alle Nuancen zu erfassen, eigentlich
fünf Allele bräuchten. Diese vier Allele bezeichnen wir mit r
für braune, g für grüne, b für blaue und p für
pigmentlose Augen. Um die insgesamt zehn Phänotypen in
Helligkeitsklassen einzuteilen, wählen wir h für starke
Pigmentierung, m für mittlere und l für schwache
Pigmentierung, während z für die pigmentfreie Tönung steht.
Das Allel p sei insofern dominant über b, als der
Phänotyp bp in die pigmentlose Klasse falle. Das Allel r
sei dominant über g und b, g dominant über b
und p, r und p seien kodominant. Der Phänotyp
gg falle jedoch noch in die Klasse der Starkpigmentierten. In
Tabelle 1
sind die zugeordneten Augenfarben angegeben, die den 10 Phänotypen
entsprechen. Die Anwendung der Mendelschen Regeln liefert uns die
Ergebnisse in Tabelle 2.
Darunter sind in Klammern die experimentell bestimmten Werte nach
Tillner (1953) angegeben. Der Fehler in Prozent (in Klammern
darunter) gibt die Abweichung der theoretisch errechneten von den
experimentell bestimmten Werten an.
|
Elternverbindung |
Zahl der Eltern |
Augenfarbe der Kinder (%) |
Zahl der Kinder |
|
Pigmentlos |
Schwach pigmentiert |
Mittel pigmentiert |
Stark pigmentiert |
|
Pigmentlos
pigmentlos |
189 |
88,9
(85,2)
3,7 % |
11,1
(14,8)
3,7 % |
|
|
440 |
|
Pigmentlos
schwach
pigmentiert |
283 |
55,6
(51,6)
4,0 % |
33,3
(32,6)
0,7 % |
11,1
(12,3)
1,2 % |
0
(3,6)
3,6 % |
585 |
|
Pigmentlos
mittel
pigmentiert |
153 |
41,7
(37,2)
4,5 % |
25,0
(21,5)
3,5 % |
25,0
(26,3)
1,3 % |
8,3
(15,0)
6,7 % |
274 |
|
Pigmentlos
stark
pigmentiert |
108 |
11,1
(20,5)
9,4 % |
27,8
(16,3)
11,5 % |
44,4
(27,4)
17,0 % |
16,7
(35,8)
19,1 % |
215 |
|
Schwach pigmentiert
schwach
pigmentiert |
91 |
33,3
(25,9)
7,4 % |
33,3
(42,0)
8,7 % |
22,2
(23,0)
0,8 % |
11,1
(9,2)
1,9 % |
174 |
|
Schwach pigmentiert
mittel
pigmentiert |
43 |
25,0
(17,3)
7,7 % |
25,0
(29,3)
4,3 % |
25,0
(36,0)
11,0 % |
25,0
(17,3)
7,7 % |
75 |
|
Schwach pigmentiert
stark
pigmentiert |
21 |
5,6
(12,1)
6,5 % |
16,7
(30,3)
13,6 % |
37,5
(3,0)
34,5 % |
40,3
(54,6)
14,3 % |
33 |
|
Mittel pigmentiert
mittel
pigmentiert |
129 |
18,8
(17,0)
1,8 % |
18,8
(20,2)
1,4 % |
25,0
(30,4)
5,4 % |
37,5
(32,0)
5,5 % |
253 |
|
Mittel pigmentiert
stark
pigmentiert |
84 |
4,2
(7,0)
2,8 % |
12,5
(13,2)
0,7 % |
25,0
(21,7)
3,3 % |
58,3
(58,1)
0,2 % |
129
|
|
Stark pigmentiert
stark
pigmentiert |
14 |
0
(7,1)
7,1 % |
2,8
(17,9)
15,1 % |
11,1
(14,3)
3,2 % |
86,1
(60,7)
25,4 % |
28 |
Tabelle 2: Augenfarbenverteilung bei 4 Allelen (4222b)
Der Vererbung der
Augenfarbe liegt nach dieser Klassifikation die Augenfarbentafel von
Martin-Schultz zugrunde, die von mehr als 18 Farbabstufungen
ausgeht. Dem entsprächen, wenn von mehreren Allelen ein und
desselben Gens ausgegangen wird, 5 Allele, was 15 Phänotypen ergibt,
zu denen sich noch drei wohl äußerst seltene Phänotypen gesellen.
Tillner klassifiziert pigmentlos in mindestens 4 Augenfarben,
schwach pigmentiert in wenigstens 5, mittel pigmentiert in 4 und
stark pigmentiert wieder in 5 Augenfarben, womit die Gewichtung
nicht exakt gleichverteilt ist. Außerdem bleibt unklar, in welchem
Verhältnis extrem seltene Augenfarben in der Untersuchung Eingang
gefunden haben. Es gibt aber noch weitere Zweifel an der Relevanz
der Ergebnisse, und zwar in bezug auf deren Genauigkeit.
Insbesondere bei der Kombination Stark pigmentiert x stark
pigmentiert fällt auf, daß die Daten von nur 14 Elternpaaren
anhand von 28 Kindern genommen wurden. Mit einer solch geringen Zahl
von Stichproben sind natürlich keinerlei statistische Aussagen
möglich, die Fehler bei dieser Kombination sind sehr groß. Das
gleiche gilt, da ebenso fragwürdig, auch für die Kombination Schwach pigmentiert x stark pigmentiert, wo auf 21 Elternpaare
nur 33 Kinder kommen. Schließlich ist noch die Kombination Schwach pigmentiert x mittel pigmentiert zweifelhaft, weil auch
hier auf nur 43 Eltern lediglich 75 Kinder entfallen. Die Abweichung
zwischen gemessenen und errechneten Werten ist angesichts der
erwähnten Einschränkungen und Unsicherheiten nicht sehr groß. Die
größte Diskrepanz besteht mit 34,5 % in der Tat bei den
Mittelpigmentierten des Elternpaares Schwach pigmentiert x stark
pigmentiert. Ob die Zuordnung nun unzufriedenstellend getroffen
wurde oder ob dieses Modell die Wirklichkeit tatsächlich korrekt
beschreibt, mag angezweifelt werden, Tatsache bleibt jedoch, daß
vier Allele eines einzelnen Gens die Beobachtungen wesentlich besser
beschreiben als das stark vereinfachende Davenport-Modell oder
selbst noch drei Allele.

Tabelle 3: Die elf untersuchten Augenfarbenkombinationen
und ihre Fehlerquadratsumme
Die Vererbung der Augenfarbe erfolgt
allem Anschein nach intermediär, und zwar in mindestens 4 Allelen,
deren Kombinationen in Tabelle 3
dargestellt sind. Danach gibt es 10 verschiedene Phänotypen, die für
Europa typisch sind. In Afrika kommt dazu noch ein weiteres Allel,
das für die Augenfarbe „schwarz“ verantwortlich ist. Damit ergäben
sich insgesamt 15 Phänotypen, was der Klassifizierung nach
Martin-Schultz am nächsten kommt. Gewisse seltene Allele können
diese in Einzelfällen noch ergänzen. Die hier angenommenen insgesamt
10 Phänotypen werden wie in der Tabelle in die vier
Hauptpigmentationsgrade h (heavy), m (medium), l
(low) und z (zero) untergliedert, die gemäß Tabelle 4
mit einem Gewicht von 1 bis 4 versehen werden. Den
Allelkombinationen wird die gewichtete Summe beider Allele
zugeordnet, so daß sich eine Abfolge wie in Tabelle 1
ergibt. Dabei ordnen wir die Gewichte 6-8 dem starken
Pigmentationsgrad zu, das Gewicht 5 dem mittleren, 4 dem schwachen
und die Gewichte 2 und 3 dem pigmentlosen.
Nur in einem der
insgesamt 38 Fälle ist der Fehler größer als 30 % und nur in zwei
Fällen größer als 20 %. In 5 Fällen, also in nur 13 % aller Fälle,
ist der Fehler größer als 15 %. Der mittlere Fehler liegt bei 7,4 %,
die Fehlerquadratsumme beträgt 4048. Lediglich zwei Kombinationen
können nicht erklärt werden. Der Prozentsatz von Kindern mit stark
pigmentierten Augen liegt bei ebensolcher Elternverbindung um 25,4 %
niedriger als der theoretisch zu erwartende Wert. Eltern mit stark
pigmentierten Augen können also nach dieser Kombination keine Kinder
mit pigmentlosen Augen bekommen.
Bei der Konfiguration 3232 aus Tabelle 3
ist der Fehler in drei Fällen größer als 20 %, übersteigt jedoch
nicht 25-%-Marke. In 5 Fällen ist der Fehler größer als 15 %, der
Mittelwert liegt bei 7,8 %. Diese Konfiguration kann allerdings vier
Kombinationen nicht erklären.
In Tabelle 3
sind die 11 untersuchten Kombinationen mit ihrer jeweiligen
Fehlerquadratsumme angegeben. Dabei ist zwar die Kombination 3232
die mit der geringsten Fehlerquadratsumme, aber auch die Kombination
4222b weist keinen wesentlich größeren Wert auf. Der gewählten
Vorgehensweise liegt die Vorstellung zugrunde, daß Braun gegenüber
Blau stets dominant sei. Diese Annahme erweist sich jedoch bei
genauerem Hinsehen als falsch. In Wirklichkeit ist es nämlich genau
so, wie in Tabelle 4
angegeben. Das Allel r ist zwar in gewisser Weise dominant
über g und b, jedoch kodominant zu p. Die
Allele g und b sind zueinander kodominant, und
zusätzlich ist g noch kodominant zu p. Schlußendlich
ist p wieder dominant über b. Dieses unerwartete
Ergebnis bedarf einiger Erläuterungen.
|
Allel |
Dominant über |
Kodominant zu |
Rezessiv gegenüber |
Gewicht |
Pigmentation |
|
r |
g, b |
p |
|
4 |
h |
|
g |
|
b, p |
r |
3 |
m |
|
b |
|
g |
p, r |
2 |
l |
|
p |
b |
g, r |
|
1 |
z |
Tabelle 4: Dominanzverhältnisse der 4 Allele
untereinander
Zu
Beginn seiner Entstehung besaß der Homo sapiens vermutlich
nur das eine Allel r. Die zueinander kodominanten Allele r
und p, wobei p durch eine Mutation (Albinismus) aus
r hervorgegangen ist, traten frühestens mit der Haplogruppe I
beim Y-Adam bzw. H in der Mutter-Eva auf. Während der
Eiszeit bekam das Allel p in den nördlichen Breiten die
Oberhand über das Allel r. Die Menschheit teilte sich auf in
solche, die in den Kälteregionen dem Mammut folgten, und andere, die
weiterhin auf einer Wirtschaftsweise im Urwald beharrten und dadurch
ihre Vorkiefrigkeit aufgrund des unveränderten Nahrungsangebots
beibehielten. Den „fleischfressenden“ Rassen nützte ihre Vorkiefrigkeit
indes nichts, da sie sich nicht von saftigen Früchten ernährten, und
sie bildete sich deshalb bei ihnen zurück oder gar nicht erst aus.
Bei den Mammutjägern wiederum begünstigte die Kälte den Bartwuchs
beim Mann, während er sich in äquatorialen Breiten eher als
nachteilig erwies. Dennoch kommt Bartwuchs auch in der afrikanischen
Altschicht vor. Das heißt aber nicht, daß die dunkle Komplexion
unbedingt älter sein muß als die helle. Für die Augen gilt sinngemäß
das gleiche. Zunächst kann es nur die beiden Allele r und
p gegeben haben, denn diese sind kodominant. Wäre nämlich eines
von beiden Allelen dominant, so wäre das rezessive, wenn die
dominante Augenfarbe sich zugleich stärker ausgebreitet hätte,
längst ausgestorben. So aber gewann ein jedes dort, wo seine
selektiven Chancen in bezug auf die Gesamtkomplexion besser standen,
die Mehrheit. Aus dem unpigmentierten mutierten Allel des OCA2-Gens
entstand durch schwache Pigmentanreicherung zunächst das blaue Allel
b, welches sowohl gegenüber p als auch gegenüber r
rezessiv ist. Aus b ging durch weitere Pigmentanreicherung
das grüne Allel g hervor, welches zu b zwar kodominant,
im Unterschied zu diesem jedoch gegenüber p nicht rezessiv,
sondern kodominant ist. Theoretisch kann r auch aus g
hervorgegangen sein, wobei dann r über g auch dominant
gewesen sein muß, ebenso wie über b. Nur die Dominanz
gegenüber p konnte r niemals erringen. Die Existenz
eines fünften, nur in Schwarzafrika vorkommenden Allels s
müßte indes nach vorgegebenem Muster erst auf den Prüfstand gestellt
werden, um die Dominanz von s über p zu erweisen.
Nicht bei jedem Merkmal ist Schwarz offenbar gegenüber Weiß
dominant. Asiaten haben zwar die Aufhellung der Haut durch Mutation
des OCA4-Gens mitgemacht, nicht jedoch diejenige des OCA2-Gens
bezüglich der Augenfarbe. Ob die Mutation der Augen nun am Schwarzen
oder am Weißen erfolgt ist, beantwortet sich ganz einfach dadurch,
daß der Negride aus dem Europiden hervorgegangen ist.
Copyright © Manfred Hiebl, 2009. Alle
Rechte vorbehalten.
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