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Die wichtigsten Altfunde in Europa seit dem Jungpaläolithikum in geographischer Reihenfolge

Parpallo (Spanien): vollständiger Schädel mit Unterkiefer in Grotte, jugendlich, cromagnid, zusammen mit Solutrium; Chancelade (Frankreich): Begleitkultur Magdalenium, Körperhöhe untermittelgroß, Schädel Langform, steile Stirn, Gesicht zugleich breit und hoch; Combe Capelle (Frankreich): relativ kräftiges Skelett, zusammen mit Aurignacium, ältester datierter Vollsapiens, Anfang Würm II, nicht ganz mittelgroß, Hirnschädel lang,  langovaler Umriß, Gesicht hoch, sehr schmal, Stirn etwas schräggestellt, Kinn kräftig, Leittyp der kleinwüchsigeren, langköpfigen und schmalgesichtigen fossilen Sapiensgruppe; Cromagnon (Frankreich): Reste von 5 Individuen, grob-großwüchsig, derber Körperskelettbau, Hirnschädel mäßig langförmig, dabei niedrig, Stirn ziemlich steil aufsteigend, Unterkieferwinkel laden breit aus, Leittyp für gut umschriebene großwüchsig-breitere Merkmalskombination, zusammen mit Aurignacium; Baoussi Roussi (Italien): Höhlen an der Riviera, große Zahl von Bestattungen zusammen mit Jungpaläolithikum, Vorkiefrigkeit, negrid nicht abwegig, wenngleich auch unter cromagniform einzureihen; Arene Candide (Italien): Höhle in der Provinz Savoia, Endpaläolithikum bis Mesolithikum, Reste von 5 Individuen, Typenspektrum von größerer Breit- bis zu zierlicherer Langform; Romanelli (Italien): Höhle, Zeitstellung wie Candide, mehrere Individuen, cromagniform; San Teodoro (Sizilien): Zeitstellung wie Candide und Romanelli, Skelettreste wahrscheinlich mehr ausgehendes Mesolithikum, 5 Individuen, Schädel abgeschwächt cromagniform; Honerthöhle (Deutschland): aus oberem Jungpaläolithikum zwei Kinderskelette; Oberkassel (Deutschland): Magdalenium, zwei Skelette, Mann großwüchsig, extreme Gesichtsbreite, aus tiefer Wurzel vorspringende Hakennase, ausgeprägter Cromagnontyp, Frau relativ kleinwüchsig, in abgeschwächter Form gleiches Merkmalskombinat, auffällig betonter Geschlechtsunterschied; Stetten ob Lontal (Deutschland): Stetten I zusammen mit Aurignacium, schmale Langform wie Combe Capelle, Stetten II stratigraphisch nicht sicher, mesolithisch oder später, dafür spricht  auch die Kurzkopfform des Schädels; Brünn (Tschechoslowakei): Reste von 3 Individuen, Freilandstation, Klingenkultur, Typenbild ähnlich Přzedemost; Lautsch (Tschechoslowakei): Freilandstation in Mähren, Datierung Anfang Würm II, Reste von 7 Individuen, teils etwas gröber, es überwiegen aber Züge der schmalen Langform von Combe-Capelle; Přzedemost (Tschechoslowakei): Freilandstation, erheblich später als Combe-Capelle und Lautsch, zahlreiche Individuen, Schädel sehr groß und lang, nicht zugleich breit, Kinn kräftig, Züge lassen neuen Zustrom aus dem Ostraum erkennen; Unterwisternitz (Tschechoslowakei): Freilandstation, zusammen mit Aurignacium, reiche Knochenschnitzereien, Reste von 10 Individuen, Typenspektrum wie Přzedemost. Weitere Funde liegen aus Europa nicht vor.

In Auswahl die wichtigsten Menschenreste des europäischen Mesolithikums

Mugem (Portugal): Siedlung, spätmesolithisch bis frühes Neolithikum, große Muschelhaufen mit umfangreicher Skelettserie, kennzeichnend relativ kleiner Wuchs, Schädel überwiegend langförmig, Gesicht schmal, auch einige Kurzköpfe geringen Grades, Merkmalskombination am besten zum Formenkreis des sich ausdifferenzierenden Mediterraniden; Urtiaga (Spanien): Reste zweier Skelette, cromagnid; Gramat (Frankreich): Skelett für Mesolithikum ausgeprägt cromagnid, fällt deutlich aus dem übrigen europäischen Mesolithikum heraus; Hoëdic (Frankreich): Insel vor der Bretagne, umfangreiche Skelettserie, Befund vergleiche Téviëc; Téviëc (Frankreich): Insel wie Hoëdic, große Skelettserie, Körperhöhe ziemlich niedrig, Hirnschädel mäßig lang bis mittellang; Grenelle (Frankreich): heute neolithisch datiert, Kurzkopftendenzen an Schädeln; Trou du Frontal/Furfooz (Belgien): Serie gleicher Zeit und Stellung wie Grenelle; Deventer (Niederlande): Reste von 6 Schädeln, indifferentes Typenbild ähnlich Hengelo; Avelines Holes (England): umfangreiche Skelettserie, endmesolithisch, einige Schädel beginnend brachymorph ähnlich Goughs Caverne, Kents Caverne, Oban; Galley Hill (England): sehr schmaler Langschädel, relativ jung; Arene Candide, Romanelli, San Teodoro (Italien): mesolithische Reste, zumeist cromagniform; Maiella (Italien): eher frühneolithisch, Schädel noch cromagniform; Egolzwil (Schweiz): nur noch neolithisch, sehr kleinwüchsige Frau; Laufen (Schweiz): bisher ältester Sapiensfund aus der Schweiz; Bottendorf (Deutschland): 3 Gräber, drei Kinder, ein Mann, Körperhöhe knapp mittelhoch, schmaler Langkopf, mittelhohes Gesicht, noch cromagniform, an der Grenze zu rassenkennzeichnenden Merkmalskombinationen; Falkensteinhöhle (Deutschland): Skelettreste, seit Kriegsende verschwunden; Hohlestein/Lohnetal (Deutschland): Kopfbestattung mit drei Schädeln, Gesamtbefund wie Ofnet; Kaufertsberg (Deutschland): Kopfbestattung, wohl mesolithisch, Schädel mittellang, vergleiche Ofnet; Neuessing II (Deutschland): ziemlich vollständiges Skelett in stratigraphisch älterer Schicht, morphologisch Mesolithikum möglich; Ofnet (Deutschland): Höhle, 2 Nester mit 27 und 6 Schädeln, Schädel meist langförmig, darunter einige Brachymorphe, erster deutlicher Beleg für Kurzkopftendenzen; Kjoelberg (Dänemark): Skelett nahezu mittelgroß, Langschädel mit hohem Gesicht; Magelemose Bog (Dänemark): endmesolithisch, stark zerbrochene Reste, morphologisch wenig aussagefähig; Ertebölle/Borreby (Dänemark): Serien, die durch Breit-Rundköpfigkeit auffallen, noch an älteres, cromagniformes Formgut anzuschließen; Nagy Sap (Ungarn): Freilandfund, 2 Individuen, Schädel brachymorph, eher neolithisch; Fat'ma Koba (Krim): Skelett vorherrschend cromagniform; Murzak Koba (Krim): Mann und Frau, cromagniform.

Das europäische Neolithikum

Des Menschen Ursprung liegt in Afrika, doch in welcher Haplogruppe, darüber scheiden sich noch immer die Geister. Vielfach wurde von den Anthropologen angezweifelt, daß es sich bei den Pygmäen um eine Urrasse der Menschheit handeln könnte, aber nach den neuesten Ergebnissen der mitochondrialen Eva und des Adam des Y-Chromosoms scheint sich diese These doch zu bestätigen. Der Pygmäe bzw. Bambutide als ausgewiesener Rassenzwerg steht mit der Haplogruppe  L3 der mitochondrialen Eva exakt zwischen der Haplogruppe N der Australiden und der Haplogruppe M der kleinwüchsigen Austronesier. Die Bambutiden zählen wie die Khoisaniden zur europiden Altschicht, sind also keine Negriden, wenngleich letztere sich von ihnen abgezweigt haben könnten. Eng mit ihnen verwandt sind die Andamanesiden, die Semangiden und Senoiden Hinterindiens, die Aëtiden auf den Philippinen sowie die Bergpapua auf Neu-Guinea. Dabei fällt auf, daß die Haplogruppe L3 der Bambutiden in bezug auf die Körperhöhe enger mit der Haupthaplogruppe M und den daraus abzweigenden Haplogruppen C, D, E und G verwandt ist als mit den Haplogruppen der Haupthaplogruppe N. Ganz generell stellen wir bis zum Erreichen der Haplogruppe H bzw. R1a in aufsteigender Richtung eine Zunahme des Längenwachstums auf dem menschlichen Stammbaum fest, und zwar nicht nur bei der mitochondrialen Eva, sondern auch beim Adam des Y-Chromosoms, wo auf die Haplogruppe B der Bambutiden die Haplogruppe C der Australiden folgt. Auch hier beginnt das eigentliche Längenwachstum erst mit den relativ spät entstandenen Haplogruppen R1a und R1b der Indogermanen bzw. E3b der Negriden. Das unterstreicht noch einmal in besonderer Weise, daß die Körperhöhe allein schon rassenkennzeichnend sein kann. Sie kann zwar ganz allgemein gleichsinnig über größere Räume wie Zeitspannen gruppenkennzeichnend schwanken, aber dennoch kann daraus auf echte, genetisch fixierte Veränderungen der jeweils kennzeichnenden Merkmalskombinationen geschlossen werden, zumal, wenn die langfristigen Körperhöhenmittelwerte stärker als die Schwankungsbreiten auseinander liegen.

Die heutigen Haplogruppenverteilungen spiegeln sämtlich den Zustand vor der europäischen Expansion um 1500 n. Chr. wider. Sie sind das Ergebnis einer langwährenden Vermischung, aus der sich das ursprüngliche Rassenbild nur noch mittels stochastischer Methoden rekonstruieren läßt. Der früher von Anthropologen häufig geäußerten Ansicht, daß es niemals reine Rassen gegeben habe, muß entgegengehalten werden, daß die in Frage gestellte Reinheit Teil eines irreversiblen, natürlichen Entropieprozesses ist, an dessen Ende die Reinheit vollständig abgebaut und die Vermischung, sofern von gleichen statistischen Gewichten der beteiligten Haplogruppen ausgegangen wird, vollkommen ist. Die Rekonstruktion reiner Rassen ist bisweilen schwierig, wenn nicht gar unmöglich, weil das Ergebnis einer Rassengenese niemals auf Zuchtauswahl beruht, sondern auf natürlichen Selektionsprozessen, denen schon aufgrund des Mutationsangebots kein natürliches Reinerhaltungsprinzip zugrunde liegen kann. Die Extrapolation auf eine indogermanische Rasse wird daher stets mit Vorbehalten zu genießen sein. Dennoch zählen das westliche und mittlere Europa immer noch zu den Teilen der Welt, in denen die Vermischung zwar nicht gering ist, aber dennoch in einem Verhältnis steht, bei dem ein wesentlicher Hauptbeitrag sämtliche anderen bei weitem übertrifft, man also nicht annähernd von zwei gleich starken Gruppen ausgehen kann, wie das auf anderen Erdteilen der Fall ist. So dominiert in West-, Mittel- und Südwesteuropa hinsichtlich der mitochondrialen Eva eindeutig die Haplogruppe H (40-60 %), während diese in Ost- und Südosteuropa, in Nordafrika und Westasien nur eine von vielen ist. In Europa ist die Haplogruppe H deutlich häufiger zu finden als etwa die älteste Haplogruppe L1 in den meisten Teilen Afrikas. Lediglich die Haplogruppe A bei den Eskimos, die Haplogruppe C bei den Ewenken, Y bei den Niwchen, G bei den Kamtschadalen und die Haplogruppe B bei den Polynesiern sind in noch höheren Frequenzen vorhanden.

Hinsichtlich der Unterscheidung nach Rassen ist die mitochondriale Eva weitaus weniger aufschlußreich als etwa der Adam des Y-Chromosoms. So läßt erstere im allgemeinen noch keine Unterscheidung hinsichtlich Kelten und Germanen zu, sondern nur in indogermanische und vorindogermanische Völker. Für die vorindogermanischen symptomatisch ist in der mitochondrialen Eva die uralische Haplogruppe U, die sich auf den Norden und Osten Europas konzentriert, aber nicht über den Ural hinausreicht. Man kann auch erkennen, daß die finnische Haplogruppe V viel weiter verbreitet ist als das Siedlungsgebiet der Finnen vermuten läßt. In bezug auf den Adam des Y-Chromosoms ist Europa zwar wesentlich stärker durchmischt als andere Erdteile, aber immer noch deutlich erkennbar stellen Kelto-Romanen mit der kentumsprachigen Haplogruppe R1b, die sich bis zu den Uiguren (Tocharern) zurückverfolgen läßt, den Hauptanteil im Süden und Westen. Die vor allem in Ost- und Mitteleuropa stärkste satemsprachige (germanisch-slawische) Haplogruppe R1a scheint ihren Schwerpunkt in Europa unter Polen und Russen zu besitzen, im romanischen Sprachraum taucht sie dagegen kaum auf. In bezug auf die Komplexion ist die Haplogruppe R1a sowohl dem Germanen als teils auch dem Slawen eigen: hell- bis mittel- oder rötlich-blond, blauäugig, die Haut teils sommersprossig, schmaler Langkopf vom Typ Combe-Capelle, langes Körperskelett. Die Haplogruppe R1b entspricht ganz dem Kelto-Romanen: mediterranid-schmalgesichtig, Schädel zierliche Langform vom Typ Combe-Capelle, dunkel- bis schwarzhaarig. Des weiteren tritt in Europa eine gänzlich auf Gebiete westlich des Urals beschränkte Haplogruppe I signifikant in Erscheinung, die ihr Maximum in Schweden, Norwegen, Dänemark und Island, aber auch nördlich und westlich des Schwarzen Meeres annimmt, und die damit eindeutig mit der Cromagnonrasse in Verbindung gebracht werden kann. Sie vereint die dalo-fälischen, vorindogermanischen Formelemente: brünette Haarfarbe, Augenfarbe braun, etwas breiteres Gesicht mit Tendenz zur Rundköpfigkeit, relativ kürzere Nase, mittelgroß, derber Körperbau. Unter den Mediterraniden ist diese Haplogruppe naturgemäß nur schwach vertreten. Von Bedeutung ist des weiteren die Haplogruppe N der Finnen und Samen, die im Baltikum, in Karelien, Finnland, Rußland und Weißrußland von Bedeutung ist, im restlichen Europa aber aufgrund ihrer uralischen Natur keine Rolle spielt. Die Samen mit der Haplogruppe N sind ihrer uralischen Herkunft nach untermittelgroß, dunkelhaarig und dunkeläugig. Daneben treten vor allem im Süden Europas, aber auch in Ungarn und auf dem Balkan Anteile der afrikanisch-berberischen Haplogruppe E3b in Erscheinung, und in Griechenland, Rumänien, Italien und Kleinasien finden wir deutliche Anteile der afroasiatischen Haplogruppe J. Letztere kann gut mit der arabischen Invasion des Mittelmeerraums, vielleicht schon mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch Kaiser Titus im Jahre 70. n. Chr. in Verbindung gebracht werden, als viele Juden nach Griechenland flohen.

Wenn also eine Korrelation besteht zwischen der Häufigkeit des Auftretens bestimmter Haplogruppen und den Allelfrequenzen der Blutgruppen, dann müßte eine Zuordnung und damit eine Klassifizierung der Protorassen zweifelsfrei möglich sein. Wir beginnen die Klassifizierung mit dem Adam des Y-Chromosoms, weil dieses System am ehesten geeignet erscheint, eine Klassifizierung vorzunehmen. In Europa lassen sich insgesamt 4 vorherrschende Haplogruppen feststellen: die germanisch-slawische Haplogruppe R1a, die kelto-romanische Haplogruppe R1b, die cromagnide Haplogruppe I und die finno-ugrische Haplogruppe N. Betrachten wir als erstes Beispiel das AB0-Blutgruppensystem. Außer im Osten herrscht in ganz Europa, insbesondere in West- und Südwesteuropa, die Blutgruppe 0 vor; demnach ist diese ganz eindeutig der cromagniden vorindogermanischen Bevölkerung zuzuordnen. Bei den Basken müßte ebenfalls die cromagnide Blutgruppe im europäischen Vergleich häufiger sein, was auch tatsächlich der Fall ist. Daraus, daß die Blutgruppe 0 in Europa relativ am seltensten ist, schließen wir, daß sie nicht indogermanischer Herkunft ist. In Osteuropa wiederum ist die Blutgruppe B häufiger als sonst, in Süd- und Westeuropa ist sie seltener. Wir dürfen diese daher auf die finno-ugrische Bevölkerung übertragen. Die Blutgruppe B ist untrennbar mit der Haplogruppe M der mitochondrialen Eva verbunden, die in Europa praktisch nicht vorkommt, im System des Adam des Y-Chromosoms hingegen nur in der altaischen Haplogruppe N auftritt. Sie muß aber wegen ihres Vorkommens in Afrika auch in der Haplogruppe L3 der Pygmäen vorhanden gewesen sein. Die Blutgruppe A gehört im System der mitochondrialen Eva zur Haplogruppe N und ihren Untergruppen. Mit Ausnahme der Sarden stoßen wir überall sonst vermehrt auf die Blutgruppe A und können daher annehmen, daß sie für die Indogermanen charakteristisch ist. Schließlich überwiegt bei den Samen in Nordeuropa die Blutgruppe AB; daher ist letzterer die Haplogruppe V beizumessen. Diese Blutgruppe konnte nur dort entstehen, wo A und B aufeinandertreffen, nämlich im Verzweigungspunkt von H und V. Daher wird ihr Maximum in den baltischen Ländern angenommen. Die Blutgruppe B entspricht hinsichtlich ihrer Entstehung wie auch ihrer Verteilung ganz dem Kernraum der Satemsprecher und stammt ursprünglich aus dem westlichen Afrika, wo auch die Vorfahren der Indogermanen herkommen. Bei den älteren Kentumsprechern der Haplogruppe R1b ist die Blutgruppe B vermutlich durch die Mutter-Kind-Unverträglichkeit bereits ausgestorben.

Das Rhesussystem ist mit Rhesus-negativ in der Haplogruppe R1b zwar noch etwas häufiger vertreten als in R1a, wir klassifizieren es aber besser nach der mitochondrialen Eva und stellen fest, daß die Haplogruppe H mit Rhesus-negativ identisch sein muß, während für die übrigen Haplogruppen nur der austronesische Rhesusfaktor RH*CDe übrigbleibt; andere Rhesusfaktoren spielen in Europa keine Rolle. Daraus, daß Rhesus-negativ unter den Kentumsprechern am häufigsten vorkommt, schließen wir, daß die Haplogruppe R1b die jüngste sein muß.

Ein Vergleich zwischen einzelnen Haplogruppen und der Kulturausbreitung zeigt außerdem, daß die grazilen dolichomorphen Bandkeramiker der Haplogruppe R1b den Kelto-Romanen am meisten ähneln. Die Kulturgruppe der sogenannten Großsteingräberleute setzt sich aus grazilen Dolichomorphen und einem Anteil abgeschwächt Cromagniformer zusammen. Wir können also hierunter auch Vertreter der Haplogruppe I annehmen. Die Gruppe der sogenannten Schnurkeramiker, nach ihrer kennzeichnenden Waffe auch Streitaxtleute genannt, ist durchschnittlich etwas größer und kräftiger gebaut als die grazilen Dolichomorphen der Bandkeramik, sie lassen sich daher am besten mit der Rasse der heutigen Nordiden vergleichen und damit der Haplogruppe R1b des Adam des Y-Chromosoms zuordnen. Für die Klassifizierung der Glockenbecherleute, die charakterisiert sind durch den Leittyp des hohen Kurzkopfs mit steilem, flach abfallendem Hinterhaupt, zugleich auch mit etwas größerer Körperhöhe, kommt im System der mitochondrialen Eva nur die Haplogruppe J der Dinariden in Betracht, welchen eine Verbindung zu der Armeniden der Haplogruppe T des Nahostraums nachgewiesen werden kann, was dazu berechtigt, diese Haplogruppen unter dem Namen Tauride zusammenzufassen. Daneben tritt der gerundete Kurzkopf mit breit-niedrigem Gesicht und insgesamt weicheren Konturen, der an den cromagniformen Rassenkreis der Alpiniden anschließt.

Die sprachliche Gliederung Europas folgt mit Ausnahme des Baskischen, das sich keiner bekannten Sprachfamilie zuordnen läßt, bis auf wenige Ausnahmen der Unterteilung des Indogermanischen in Kentum- und Satemsprachen. Daß das Lateinische wirklich zu den Kentumsprachen zählt, wird von der neuesten Forschung nicht mehr bezweifelt, wenngleich das russische Wort für Kaiser, nämlich  Zar, der Satemsprechweise gleichkommt. Die Grundaussage, daß alle westlichen Völker Kentumsprecher, die östlichen hingegen Satemsprecher seien, wird durch eine Ausnahme widerlegt, denn auch das Tocharische, welches heute zwar ausgestorben ist und in Ostturkestan gesprochen wurde, war eine Kentumsprache. Eine weitere, heute ausgestorbene Kentumsprache war das in Kleinasien verbreitete Hethitische. Die auf dem Balkan gesprochenen Satemsprachen Slawisch und Albanisch haben sich erst in späterer Zeit durch nachrückende, ursprünglich weiter im Osten angesiedelte Völker, die im Verlaufe der Völkerwanderung in Europa eingefallen sind, dazwischengeschoben. So könnten die Skythen durchaus eine Kentumsprache besessen haben und somit die Lücke schließen. In jedem Fall erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Kentumsprachen nahezu ununterbrochen von China nördlich des Himalaya bis zu den Britischen Inseln. Das legt die Vermutung nahe, daß die Kentumsprachen auch die älteren sind, aus denen sich später, ähnlich wie die romanischen Sprachen aus dem Vulgärlatein, die Satemsprachen entwickelt haben. Von Anfang an wurden Satemsprecher in die ungünstigeren Lebensräume abgedrängt, die Slawen in die russischen Sumpfgebiete, die Inder und Iraner in das damals noch karge und wüstenhafte Zweistromland, während die Kentumsprecher das fruchtbare Ackerland unter sich teilten. Letztere kamen vermutlich über den damals noch geschlossenen Bosporus aus Kleinasien durch das Donautal bis nach Frankreich und England. Altindogermanische Rest- und Trümmersprachen sind das Norische und Pannonische, die in den am Weg liegenden Durchzugsgebieten Österreich und Ungarn gesprochen wurden. Die ersten Indogermanen, die kamen, sprich deren nördlicher Zweig, waren die Kelten, die von Statur etwas kleiner als die nachfolgenden Germanen waren. Sprachlich gingen die Kelten schon frühzeitig unter, lediglich in Rückzugsgebieten wie der Schweiz, der Bretagne und auf den Britischen Inseln konnten sie sich noch etwas länger behaupten. Den südlichen Zweig der Kentumsprecher bildeten die mediterraniden Italiker des Mittelmeerraums und die Griechen der Ägäis und Kleinasiens. Inwieweit deren Kultur ein Überbleibsel der hethitischen Kultur ist, muß dahingestellt bleiben, liegt aber auf der Hand. Mit den Armeniern erreichen wir im Osten erstmals ein Volk, das nicht mehr zu den Kentumsprechern zählt. Noch weiter östlich hört der indogermanische Einfluß mit Iranern und Indern ganz auf. Wenn man von dem russischen Vordringen nach Asien und in die Ukraine absieht, was erst ein Ergebnis des ausgehenden Mittelalters ist, dann haben sich die Germanen und Slawen nach der Überquerung der Donau offenbar auf deren nördliches Ufer begeben, die Kelten und Romanen hingegen blieben südlich davon. Es wäre theoretisch auch denkbar, daß die Trennung zwischen Slawen und Germanen schon früher erfolgt ist, nämlich im Bereich des Schwarzen oder Kaspischen Meeres; festzustehen scheint, daß diese Abspaltung ganz zuletzt erfolgt ist, und zwar, nachdem sich zuvor bereits die indo-iranischen Völker abgespaltet hatten. Auffallend ist, daß die Komplexion über die Sprachgrenzen hinausgeht. Vor allem bei den slawischen Satemsprechern ist die Aufhellung zum Teil noch ausgeprägter als bei den Germanen, so daß der Vermutung Raum gegeben werden muß, daß ursprünglich alle Indogermanen einschließlich Indern und Iranern eine helle Komplexion aufwiesen, und daß die heutige  Pigmentierung ein Ergebnis späterer Vermischung ist. Auch die Griechen sollen ursprünglich blauäugig gewesen sein. Schon Homer spricht von Zeus’ blauäugichter Tochter Athene. Durch Vermischung mit der vorindogermanischen Bevölkerung Griechenlands, den Pelasgern, dürfte sich deren Merkmalskombination als die dominante erwiesen und sich im Phänotyp durchgesetzt haben. Vor Ankunft der Kelten war Europa jedenfalls bereits von den sogenannten Illyrern besiedelt, und bevor der Homo sapiens überhaupt nach Europa vordrang, lebte hier ausschließlich der Neandertaler. Noch ist nicht endgültig geklärt, ob es zwischen den beiden Menschenarten überhaupt zu einem Genaustausch kam. Feststeht jedenfalls, daß der Neandertaler ausgestorben ist. Wodurch dies geschehen sein mag, ist bis heute nicht ausreichend geklärt. Funde deuten jedoch darauf hin, daß beide Arten sowohl getrennt als auch in Mischpopulationen miteinander gelebt haben, und daß es dabei auch zu sexuellen Kontakten gekommen sein muß. Dabei wird nicht unentdeckt geblieben sein, daß aus den wechselseitigen Verbindungen keine Nachkommen hervorgingen, und daß solche Beziehungen in mancherlei Hinsicht unproblematischer waren. Inwieweit dabei Krankheitsüberträger, denen der Neandertaler erlegen sein konnte, eine Rolle gespielt haben, muß eine offene Frage bleiben, denn die klimatischen Bedingungen während der letzten Kaltzeit waren für beide Spezies gleich.

 

 

 

 

 

 

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