Austronesien, rassengeschichtlich
Unter dem Oberbegriff Austronesien
verstehen wir den gesamten Archipel großer und kleiner Inseln, die
sich von Hinterindien über Sumatra, Java, Borneo, Celebes und die
Philippinen bis Neu-Guinea und zum fünften Kontinent erstrecken,
dazu die weitverstreute Inselwelt im Großen Ozean zwischen Hawaii im
Norden, Neu-Seeland im Süden und der Osterinsel im Osten. Man muß
sich darüber im klaren sein, daß jene Gebiete Melanesiens,
Mikronesiens und Polynesiens erst nach der Entwicklung
hochseegängiger Schiffe, also erst relativ spät in der
Menschheitsgeschichte besiedelt werden konnten, während die Großen
Sunda-Inseln während des letzten Pluvials durch die eustatische
Absenkung des Meeresspiegels mehrfach mit dem Festland verbunden
waren. Da eine echte Landbrücke aber niemals über längere Zeit
vorhanden war, führte dies in Australien dazu, daß sich dort eine
gänzlich andere Flora und Fauna als auf dem asiatischen Kontinent
erhalten hat.
Der einzige als spät jungpaläolithisch
einzustufende Fund eines Homo sapiens ist Wadjak
(Java): Die zwei Schädel absolut großer Maße, bei der Suche nach dem
Pithecanthropus gefunden, haben nichts mit den viel älteren
Resten zu tun, die von dieser Insel geborgen wurden.
Massiv-niedriger, relativ breiter Langkopf mit kräftig entwickelter
Überaugenregion, schräg ansteigende Stirn, niedrig-breite
Augenhöhlen und breit ansetzende Nasenwurzel, vorkiefrig. Altschicht
des Homo sapiens, als relativ undifferenzierte
Merkmalskombination an Südafrika (Florisbad, Boskop)
erinnernd. Die jüngeren mesolithischen bzw. neolithischen Funde von
Neu-Guinea und Australien dürfen ohne Bedenken mit diesen Schädeln
von Wadjak in engeren Zusammenhang gebracht werden. Wir
können aus dem Befund schließen, daß der fossile Homo sapiens
diesen geographischen Raum vermutlich schon früh besiedelt hat,
wenngleich die kulturelle Entwicklung, aus dem gleichen Grund wie in
Afrika oder Amerika, erst relativ spät einsetzt, was diese Region
wiederum als rassisch äußerst jung erscheinen läßt.
Für das Mesolithikum liegen ebenfalls
nur einige sehr unsicher datierte Reste aus Neu-Guinea und
Australien vor. Aitape (Neuguinea): Zerbrochene Reste eines
Schädels der vorauszusetzenden Altschicht dieses Raums; Talgai
(Australien): Schädel, Altschicht, sehr zerdrückt, schmale Langform,
fliehende Stirn, breite, niedrige Nasenwuzel, vorkiefrig, leitet mit
seinen Formzügen gut zu den heute lebenden Australiden über;
Cohuna (Australien) und Keilor (Australien) entsprechend.
Im Neolithikum war die Inselnatur der
großen indonesischen Landbrücke vollends hergestellt, die
technischen Möglichkeiten zur Überschreitung der Wasserflächen waren
gegeben. Während dieser Periode dürfte sich jetzt auch der
Bevölkerungsdruck der Mongoliden verstärkt ausgewirkt haben, indem Schub um Schub Wellen Alteuropider vermutlich weddider Prägung nach Südosten abgedrängt wurden. Ob diese bereits
das Ausmaß an Dunkelfärbung besessen haben, welches die heutige
Bevölkerung Melanesiens, Neuguineas und Australiens aufweist, kann
nicht mit Sicherheit erschlossen werden. Das Typenbild dürfte sonst
den Weddiden Hinterindiens entsprochen haben: zierlicher Körperbau,
Langkopf mit breiterem Gesicht, breiter Nase und kräftigem,
schlichtem bis welligem Haar. Über diese weddide Randschicht haben
sich in der Folge Palämongolide geschoben, die deutlich in zwei
Wellen unterschieden werden können, und die man als Proto- und
Deuteromalayide (Malaien) bezeichnet. Bei ihnen ist der untersetzte
Körperbau der Mongoliden nicht sehr deutlich, auffällig ist aber der
Rasseninfantilismus, der auf einzelnen Inseln überaus kennzeichnend
wirkt. Allgemein weich-runder Körperbau mit kindlichen Proportionen,
dazu eine vorgewölbte Stirn führen beim Erwachsenen zum Eindruck des
Überwiegens weiblicher Züge und zu einem Abbau des
Geschlechtsdimorphismus, der erst mit der Hagerkeit des Alters
wieder ausgeprägter erscheint. Die kennzeichnend mongoliden Merkmale
wie die Deckfalte des Augenlids sind im Durchschnitt schwächer
ausgeprägt, wenn auch die Schmalheit der Augenöffnung erhalten ist.
Die Körperbehaarung ist gering, das Kopfhaar weniger straff, die
Tönung der Haut bevorzugt hellere bis mittlere Farbstufen und setzt
sich damit deutlich gegen die starke Pigmentanreicherung bei
Europiden und Negriden vergleichbarer Klimazonen ab.
Gewisse dieser Dayak-Völker übten noch im letzten
Jahrhundert die Kopfjagd aus, auch Fälle von Kannibalismus sind
nachgewiesen. Die ethnologisch älteste Gruppe im Hinterland Borneos sind die Penan,
die weder Zeitbegriff noch Privateigentum kennen.
Die dunkelfarbigen Europiden
Austronesiens teilt man ein in die Palämelanesiden auf dem
Inselgürtel nördlich und nordöstlich Neuguineas, die Neomelanesiden
auf Neuguinea selbst, die auch als Papua bezeichnet werden, und die
Australiden des fünften Kontinents. Die Ureinwohner Tasmaniens
werden eine engere Beziehung zu den Melanesiden gehabt haben als zu
den Australiden, sie sind aber so frühzeitig ausgerottet worden, daß
eine sichere Einordnung anhand der heute noch lebenden Mischlinge
nicht mehr möglich ist. Kennzeichnend für alle ist eine dunkle
Haut-, Haar- und Augenfarbe sowie gewisse Konvergenzen in der
Haarform zum Negriden. Es muß noch einmal darauf hingewiesen werden,
daß dies auch aufgrund von anderen, speziell von Blutmerkmalen kein
Zufall sein kann, sondern ein echter genetischer Zusammenhang
gegeben sein muß, wonach sowohl die afrikanischen Haplogruppen A
und B des Y-Adams als auch die Haplogruppen L1
und L2 der mitochondrischen Eva einmal eine viel weitere
Verbreitung gefunden haben müssen, als dies heute der Fall ist.
Im Körperbau überwiegen die auf
europäische Verhältnisse bezogenen Mittelgroßen, der Schädel ist
besonders bei den Australiden lang und teilweise extrem schmal. Die
Überaugenregion ist vielfach kräftig entwickelt, neben auffällig
fliehender Stirnstellung treten auch ausreichend steilere Bildungen
auf. Die Nase ist oft breit, Vorkiefrigkeit kommt ebenso häufig vor.
Die Behaarung ist reichlich, wobei bemerkenswerterweise bei dunkler
Haut- und Augenfarbe rötliche bis blonde Farbtöne besonders bei der
Körperbehaarung auftreten können. Nach den bisherigen
morphologischen Befunden kann man die Australiden wie auch die Palä-
und Neomelanesiden, zumal sie insgesamt noch viele Züge der
Merkmalskombination des fossilen Homo sapiens besitzen, gut
an die europiforme Altschicht anschließen.
Auf den Philippinen wie auf Neuguinea
leben außerdem noch Pygmoide, die in auffallender Übereinstimmung zu
den Pygmäen Afrikas stehen, auch die Entwicklung zum Steppenläufer
nicht mitgemacht haben und daher am Anfang des menschlichen
Stammbaums anzusiedeln sind. In Ermangelung moderner
wissenschaftlicher Erkenntnisse über die mitochondrische Eva
verliehen die ersten Spanier, die auf die Inseln kamen, ohne die
spätere Bedeutung ihrer Entdeckung zu erahnen, den Aëta den
zutreffenden Namen Negritos.
Abschließend müssen wir noch auf die
bemerkenswerte Kontaktrasse der Polynesiden eingehen, von denen die
weitverstreuten Inseln des Großen Ozeans erschlossen wurden. Bei
ihnen hat sich Europides mit Palämongolidem zu einer
Merkmalskombination verbunden, in der das Europide eindeutig
überwiegt. Die Körperhöhe ist übermittelgroß, der Körper im
Rumpf-Gliedmaßenverhältnis gleichmäßig proportioniert, das Gesicht
mäßig breit, die Nase vielfach scharfrückig bis hakig. Haar und
Augen sind dunkel, die Haut mittel getönt. Die Herkunft der
Polynesier aus Formosa bzw. den angrenzenden chinesischen Provinzen
Guandong und Fujian ist anhand mitochondrischer DNA-Analysen
mittlerweile gesichert. Vermutlich mußten sie in ihrem
ursprünglichen Lebensraum dem immer größer werdenden mongoliden
Druck ausweichen. Dies bestätigt wiederum die These, daß Südostasien
ursprünglich, lange bevor der Mongolide dort eindrang, von Europiden
besiedelt war und die eigentliche Urheimat des Homo sapiens
ist. Gewisse kulturelle Züge wie die Schrift der Osterinsel und
gewisse Bauformen in Stein verweisen auf mögliche Beziehungen zu
Mohenjodaro. Daß die Polynesier bei ihrer Entdeckung noch voll in
der Steinzeit lebten, mag sich allein aus dem begrenzten
Materialangebot auf ihrer Inselwelt ergeben haben, zumal China,
welches sie in ihren metallosen hochseegängigen Auslegerbooten
verließen, nicht gerade arm an Bodenschätzen ist. Auch an ihren
einmaligen nautischen Fähigkeiten muß einigermaßen gezweifelt
werden, denn der zweimalige gesicherte Vorstoß in eisführende
Bereiche der Antarktis spricht eher dafür, daß sie hilflos auf dem
Meer umherirrten. Die zugegeben nicht gerade großen Inseln
Polynesiens bieten in der Tat nur wenigen Menschen ein gesichertes
Auskommen, so daß ihr jeweiliger Lebensraum, der sich auf die
schmalen Küstenstreifen beschränkte, schon bald zu klein geworden
sein dürfte. Um eine stetig wachsende Bevölkerung am Leben zu
erhalten und nicht bis zum Exzeß Inzucht treiben zu müssen, wurden
turnusmäßig Schiffe ausgesandt, um irgendwo anders nach neuem Land
zu suchen. Die meisten dieser Expeditionen werden wohl in den Weiten
des Pazifiks verschollen sein, wobei die Suche gemessen an der
extremen Ausdehnung dieses Ozeans eher der nach einer Nadel im
Heuhaufen glich. Die Erschließung neuen Landes war insbesondere
keine systematische, sondern mehr eine rein zufällige, denn
Navigation, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht, und es
wurde wahrscheinlich ganz nach dem Prinzip „Auf gut Glück!“
verfahren. Eine Rückkehr zum Ausgangspunkt der Reise wird im übrigen
kaum sinnvoll gewesen sein, da sie das Übervölkerungsproblem nicht
gelöst hätte. Wahrscheinlich war den Entsandten die Rückkehr sogar
bei Todesstrafe verboten. Auf jeden Fall ist nicht einzusehen, warum
die Polynesier ausgerechnet auf der Osterinsel haltgemacht, und
nicht noch weitere Erkundungsfahrten unternommen haben sollen.
Findet sich doch ihre Haplogruppe B in ganz Amerika. Daß die
Austronesier in mehreren Wellen Madagaskar erreicht haben, ist
ebenfalls gesichert, aber auch hier sind weitere Vorstöße wegen der
aus stets gleicher Richtung wehenden Passatwinde nicht unwahrscheinlich. In Afrika wird ihnen das Betreten von der dortigen
Ureinwohnerschaft verwehrt worden sein, was in Südamerika offenbar
nicht der Fall war. Man darf dabei nicht übersehen, daß die später
in Europa einsetzende Völkerwanderung oder die Besiedlung Afrikas
durch die Bantu sowie der Griff der Europäer nach der Neuen Welt
gleicher Natur sind wie die Expansion der Polynesier, die ihr
Wachstumslimit einfach schon viel früher erreicht hatten. Dieser
Migration mag schließlich zugute gehalten werden, daß die Polynesier
heute vergleichsweise reinere Gene haben als die mit ihnen
verwandten Europäer.
Im System der mitochondrischen Eva sieht
es im austronesischen Raum wie folgt aus: In Australien gibt es nur
die beiden Haplogruppen N und P, wobei N für
die eigentlichen Australiden steht, während P die Papua
Neuguineas charakterisiert, die einer späteren Einwanderungswelle
angehören. Anteilig ist auf Neu-Guinea noch die melaneside
Haplogruppe Q signifikant vorhanden, die auf die
deuteromalaiische Einwanderung zurückgeht. Ebenso wie auf der
Nachbarinsel Borneo hat sich auch hier die protomalayide Haplogruppe
M erhalten. Anders als in Neu-Guinea fällt aber in Borneo die
sonst nur auf Taiwan vorkommende Haplogruppe E auf, die
ebenfalls die deuteromalaiischen Einwanderer charakterisiert. Für
die Siniden Austronesiens ist wiederum die Haplogruppe D
kennzeichnend, die bereits stark mongolid überlagert ist. Diese Haplogruppe kommt nur auf Borneo in höheren Frequenzen vor, in
geringen Anteilen ist sie vermutlich auch auf den anderen Großen
Sunda-Inseln vorhanden.
Im System des Adam des Y-Chromosoms
dominiert in ganz Polynesien die uralte Haplogruppe C, die
als Alleinstellungsmerkmal nur innerhalb der palämongoliden Rasse
auftritt, zu der auch die Turkvölker gehören, und die bei den
Usbeken im Westen endet. Menschen dieser Haplogruppe sind extrem
schmalschädlig und daher rassisch jung, genetisch hingegen alt.
Kraushaarigkeit tritt vermutlich nur bei denen auf, die zugleich
eine alte Haplogruppe im System der mitochondrischen Eva bekleiden.
C ist bedeutend älter als die in Afrika zahlreichen
Haplogruppen ExE3b und E3b, was uns nicht zuletzt auch
einen Beweis dafür liefert, daß die europide Altschicht älter ist
als die Negriden. Dies wurde bereits von den frühen Anthropologen
zutreffend erkannt.
Am nächsthäufigsten treffen wir in der
Inselwelt Melanesiens und auf dem fünften Kontinent die Haplogruppe
K an, auf die sich auch die Turaniden zurückführen.
Allerdings ist der Entstehungsort der Turaniden weder das westliche
China noch die südliche Sahara, wenngleich es – erkennbar an den
Felszeichnungen, die sie dort hinterließen − auch dahin welche
verschlagen haben mag, sondern das südliche Indien. Die nur mehr
rudimentär vorhandene Haplogruppe F stammt ursprünglich
ebenfalls aus Südindien und ist nur noch in Malaysia in geringeren
Frequenzen vertreten. Alle von F abzweigenden Haplogruppen
sind durch eine ausgeprägte Schmal-Langschädligkeit gekennzeichnet,
so auch die für die nordische Rasse charakteristische Haplogruppe
I oder die für die semitische Rasse typische Haplogruppe J.
Auch die ihr Maximum in Papua-Neu-Guinea besitzende Haplogruppe K
gehört dazu. Die in Austronesien so gut wie ausgestorbene
Haplogruppe G kommt ebenfalls nur noch in Malaysia in
geringen Spuren vor, erstaunlicherweise aber auch bei den Maori auf
Neuseeland. Bei den von K abzweigenden Haplogruppen des
Ostens setzen allmählich Brachykephalisation und
Steilhinterhäuptigkeit ein, was sich besonders ausgeprägt bei den
ost- und südostasiatischen Haplogruppen M, N und O
zeigt, aber auch bei den von P abzweigenden Haplogruppen Q
und R. Dabei fällt auf, daß in Austronesien, jedenfalls auf
den Großen Sunda-Inseln und in Polynesien, die sinide Haplogruppe
O dominiert, welche zugleich die mongoliden Elemente unter den
Polynesiern repräsentiert. Die melaneside Haplogruppe M kommt
hauptsächlich in Melanesien und auf Neu-Guinea vor, in Malaysia und
auf West-Samoa hingegen ist sie nur sporadisch vertreten. Dazu kommt
in Australien noch ein geringer Prozentsatz der turaniden
Haplogruppe RxR1, die wie gesagt in Südindien entstanden ist.
Zwischen diese Reste hat sich von Norden her die sinide Haplogruppe
O geschoben. Interessanterweise findet man Überbleibsel der
Haplogruppe D, von denen später die Negriden abzweigen, nur
noch rudimentär auf Sumatra und Borneo. Die späte Haplogruppe Q,
welche die Indianiden charakterisiert, gibt es weder in Polynesien
noch sonst irgendwo im austronesischen Raum, was wiederum dafür
spricht, daß Amerika nicht von Polynesien, sondern von Sibirien aus
besiedelt worden ist.
Auch bei den Blutgruppen weist der
austronesische Raum einige Besonderheiten auf. Bei den Australiden
der Haplogruppe N kommt die Blutgruppe AB überhaupt
nicht vor, woraus wir die Schlußfolgerung ableiten können, daß diese
erst im Laufe der Hominidenevolution entstanden ist. Diese
Blutgruppe ist außer bei den Maori in ganz Austronesien nicht
vorhanden, insbesondere nicht in Ostasien, woher die Polynesier
stammen. Im MNSs-System fehlen bei den australischen Aborigines die
beiden Haplotypen MNS*Ms und MNS*Ns gänzlich. Man muß
daher annehmen, daß bei den Australiden ursprünglich das s-Allel
nicht vorhanden war und das S-Allel das ältere ist. In
Austronesien ist zudem Rhesus-negativ nicht bekannt, woraus wir
ebenfalls schließen können, daß dieser Haplotyp erst während der
Hominidenevolution entstanden ist. Für das Kell-Gen gilt im Prinzip
dasselbe, ebenso für den Duffy-Phänotyp FY (A-B-), die
Diego-Allelfrequenz DI*B, das Lutheran-Allel LU*A, die
Transferinfrequenz TF*B sowie die Allele PI*Z,
ORM1*3, BF*S1, ACP1*C, PGM2*2, AK1*2,
PGP*2 und PGP*3. Das Allel G6PD*def kommt,
ebensowenig wie die meisten G-6-PD-Varianten, bei den australischen
Ureinwohnern nicht vor, was uns zu dem Schluß veranlaßt, daß der
G6P-Mangel erst spät in der Evolution entstanden ist. Von den
Hämoglobin-Varianten ist nur das HB*A-Allel präsent. Die
Thalassämie kommt in Polynesien überhaupt nicht vor, was wiederum
bedeutet, daß diese ebenfalls erst sehr spät entstanden ist. Beim
HLA-A-Polymorphismus dominiert überall das Allel HLAA*9, beim
HLA-B-Polymorphismus in Australien und Neu-Guinea das Allel HLAB*35,
in Polynesien und Mikronesien das Allel HLAB*40.
Nur bescheidene Hinweise erhalten wir
aus den Sprachgruppen. Die austronesischen Sprachen gliedern sich in
neun primäre Zweige, die sogenannten Formosa-Sprachen, die nur auf
Taiwan gesprochen werden, und einen zehnten primären Zweig, das
Malayo-Polynesische. Aufgrund dieser Verwandtschaft kann man
vermuten, daß die Ausbreitung des Polynesischen auf der Insel Taiwan
und dem benachbarten chinesischen Festland, den Provinzen Fujian und
Guangdong, begonnen hat. Eine 6000 Jahre alte neolithische Kultur,
einmal auf Taiwan selbst sowie dem angrenzenden Festland, mit einer
spezifischen Keramik, die sogenannte Lapita-Kultur, wird mit den
frühen Austronesiern in Verbindung gebracht. Von Taiwan ausgehend
hat sich diese Kultur seit 4000 v. Chr. bis um 2000 v. Chr. über die
Philippinen nach Borneo, Celebes und Timor ausgebreitet. Spätestens
1000 v. Chr. waren auch Melanesien, Mikronesien und die Küsten
Neu-Guineas sowie Java, Sumatra und die Malakka-Halbinsel von
Polynesiern bevölkert, bis 400 n. Chr. der gesamte pazifische Raum
bis zu den Osterinseln, ausgenommen Madagaskar und Neu-Seeland. Auf
dem asiatischen Festland spricht heute niemand mehr eine
austronesische Sprache, wenngleich sich die polynesische Haplogruppe
B der mitochondrischen Eva noch weit ins Innere Asiens hinein
fortsetzt. Des weiteren werden als Papua-Sprachen all diejenigen
Sprachen Neuguineas und einiger umliegenden Inseln bezeichnet
(Salomonen, Halmahera, Timor), die nicht zu den austronesischen
gehören. Von der Urbevölkerung Australiens werden bis heute die noch
lebendigen australischen Sprachen gesprochen. Daher liegt die
Vermutung nahe, daß es zwischen den Papua- und den australischen
Sprachen eine genetische Verwandtschaft geben muß, was man auch dem
Umstand entnehmen kann, daß die Haplogruppe P der
mitochondrischen Eva sowohl auf Neu-Guinea als auch in Australien
vorkommt. Die Ureinwohner Borneos, die Dayak, sprechen eine
austronesische Sprache, die wegen des gemeinsamen Vorkommens der
Haplogruppe E einst auch auf Taiwan gesprochen worden sein
muß. Auf Neu-Guinea charakterisiert die ebenfalls protomalaiische
Haplogruppe Q einen Teil der nicht malayo-polynesisch
sprechenden Bevölkerung, woran wir erkennen, daß auf dem indischen
Subkontinent die Protomalaien das älteste Substrat darstellen.
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