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Trotz seiner gewaltigen Ausdehnung hat dieser Großkontinent anthropologisch bisher wenig Verwertbares erbracht. Die Präsapiensreste aus Skhul und Kafzeh, die zusammen mit Präneandertalern als Mischpopulation aufgefunden wurden, werden in das erste Stadial der letzten Kaltzeit datiert und rücken somit relativ nahe an das Auftreten vollentwickelter Sapiensskelette heran. Die Skelette aus der Shanidarhöhle in Nordostirak sind ähnlichen Charakters wie die der Skhul-Kafzeh-Gruppe und zeitgleich mit vollentwickelten Sapiensfunden aus dem Libanon. Letztere stammen aus Ksar Akil: Funde unter Felsendach von 2 Individuen, Schädel lang, schmal und hoch; Grotte d'Antélias: Bruchstücke einer ganzen Reihe von Individuen, Schnittspuren aufweisend, Anzeichen von Kannibalismus, nacheiszeitlichen Alters; Abri Bergy: spätpaläolithisch, bruchstückhaftes männliches Skelett; Djebel Kafzeh (Nazareth): Ende Paläolithikum, cromagniform.

Die drei Schädel aus der Oberhöhle von Chou Kou Tien, Reste von Individuen  aus dem oberen Jungpaläolithikum, decken die gesamte Formenbreite der fossilen Sapienstypen vom breiten Cromagnon bis zum schmaleren Combe Capelle der Chanceladerasse ab. Die weit voneinander entfernten Menschenreste des asiatischen Jungpaläolithikums von der Ostküste des Mittelmeers und aus Fernost lassen anhand des Fundguts noch keine rassische Aufgliederung erkennen. Die Formenvielfalt der drei Funde von Chou Kou Tien unterstreicht, daß sich die Funde hinsichtlich Schädel und Skelett bis jetzt innerhalb des Rahmens der aus Europa bekannten Variationsbreite des fossilen Sapiens hält. Diese bemerkenswerte Ähnlichkeit im morphologischen Befund an Schädel und Körperskelett über riesige Entfernungen sagt natürlich nichts darüber aus, welche rassenabgrenzenden Merkmale bereits damals an der Behaarung, der Hautfarbe, in den  Gesichtszügen und der Haarform ausgebildet waren.

Auch im asiatischen Mesolithikum ist China noch kaum vertreten, lediglich aus den tropischen Zonen dieses Kontinents stammen einige wenige Belegstücke. Die wichtigsten Serien aus dem Nahostraum sind Mugharet el Wad (Palästina): zahlreiche Skelette, kleinwüchsig-zierlich bis untermittelgroß, schlanker Körperbau, Schädel lang bis mittellang, hochgewölbt, Gesicht eher niedrig, aber nicht breit, z.T. mäßig vorkiefrig, noch nicht mit heutigen Rassen zu parallelisieren, wohl Vorform des Mediterraniden; Mugharet el Kebarah (Palästina): Typenbild wie Wad; Shukbah (Palästina): Typenbild wie  Wad und Kebarah; Erq el Ahmar (Palästina): Reste von sieben Individuen zierlichen bis untermittelgroßen Körperbaus, langköpfig mit schmalem bis mäßig breitem Gesicht; Tell es Sultan/Jericho (Jordanien): Reste von gut 350 Individuen von 8000 bis 6000 v. Chr., zuerst noch großwüchsig, extrem langschädlig, dann überwiegend untermittelgroß, zunehmend schmalgesichtig. Daneben an einer Stelle extrem Grob-Großwüchsige, alle ohne Schädel, wohl cromagniform, Anzeichen von Brachykranie; Hotu Cave (Iran): Höhle enthielt in endpaläolithischen, meist mesolithischen Schichten Reste mehrerer Individuen, cromagniform; Guak Kepah (Malaysia): Unterkieferrest, vielleicht mesolithisch; Kwangsi (China): Unterkieferrest, möglicherweise mesolithisch. Auch in Asien ist das gesamte Typenspektrum des fossilen Homo sapiens belegt, wobei einige Anthropologen bei den Anbau treibenden Populationen einen Trend zu zierlicheren Formen erkennen wollen. Deren Argumentation mag wohl darin begründet liegen, daß die wenig eiweißreiche Ernährung und die damit einhergehenden Mangelerscheinungen dem Längenwachstum abträglich gewesen sein müssen, oder daß mit dem Wegfallen der Lauftätigkeit des Jägers der Vorteil langer Beine in der Evolution keine beeinflussende Rolle mehr gespielt haben mag. Was bei dieser Argumentation freilich häufig übersehen wird ist, daß wir sofort in einen Widerspruch zu Afrika geraten, wo gerade die wildbeuterisch lebenden Populationen der Khoisan besonders geringe Körpergröße aufweisen, während die Feldbau treibenden Bantu-Stämme in der Regel stattlichere Maße besitzen. Zudem haben moderne ernährungsphysiologische Studien ergeben, daß ein kräftigeres Muskelwachstum neben einer ausreichend proteinhaltigen Ernährung auch eine erhöhte Zufuhr von Kohlehydraten erfordert. Die allgemein günstigen Lebensbedingungen im Mittleren Orient hätten also ein Längenwachstum geradezu begünstigen müssen. Folglich kann die Argumentation der Anthropologen nicht richtig sein. Es müssen vielmehr Rassenalter und Zeitpunkt der Seßhaftwerdung für das Längenwachstum verantwortlich gemacht werden. Mit der Seßhaftwerdung geht ein höheres Rassenalter einher, oder es findet eine rückläufige Tendenz des Längenwachstums statt, die identisch dem Beharren in einem Rückzugsgebiet gleicht. Wie es scheint, sind Grazil-Indide und Orientalide phylogenetisch jünger als Mediterranide, Osteuropide und Nordide, da sie ihrem südostasiatischen Entstehungsort näher sind. Ihr Längenwachstum hat dadurch, daß ihre Wandertätigkeit vorzeitig beendet war, auch früher aufgehört. Von Indochina ausgehend nimmt das Längenwachstum bis nach Südskandinavien, aber auch bis Westafrika aufgrund von Selektion kontinuierlich zu. Am Ende dieser großen Wanderungsbewegung von Ost nach West steht der hochgewachsene Europäer, der damit auch als letzter von allen seßhaft wurde, zum Teil erst nach der Völkerwanderung. Diese „indogermanische Wanderung“, deren letzte Episode erst die eigentliche historische Völkerwanderung darstellt, nahm vor gut 60000 Jahren von Südostasien, dem ersten Unruhezentrum des modernen Menschen, ihren Ausgang und hielt bis in die Jetztzeit ungebrochen an. Dies erklärt, warum die Kultur von Mohenjodaro im Industal bzw. ihre Vorläufer vermutlich älter sind als die in Mesopotamien, und diese wiederum älter als die ägyptische. Weiter westlich stieg zuerst Griechenland und dann Rom zur führenden Macht auf. Der bislang letzte kulturelle Aufstieg erfolgte getreu diesem Prinzip in Westeuropa, der von Südostasien am weitesten entfernten Enklave der Menschheit.

Über die Großrasse der Mongoliden sagt das Mesolithikum noch nichts aus, die späteren Serien lassen aber der Vermutung Raum, daß Südostasien damals noch von zahlenmäßig schwachen, aber bereits überwiegend europiformen Gruppen umgeben war, die durch den Ausdehnungsdruck des mittlerweile nach Ostasien gewanderten tungiden Rassenzentrums mehr und mehr nach Westen und zugleich nach Nord- und Südosten abgedrängt wurden. Dafür sprechen zum einen ein höherer Anteil europiden Formguts unter den frühen Menschenresten Amerikas wie den noch heute dort lebenden Altgruppen geringer „indianider“ Rassenprägung und zum andern die noch heute in Ozeanien und Indonesien lebenden europiden und australiformen Vertreter, erstere palämongoliden, letztere negriden Charakters.

So leiten die Australiden und Ostweddiden Indonesiens und Ozeaniens morphologisch über die Weddiden Indiens und Hinterindiens zu den Hochkulturen Nordindiens (Harappa, Mohenjodaro) und den etwas älteren Kulturen des Zweistromlandes (Eridu und Sialk I) über. Belegt sind in diesen Regionen für das Neolithikum nur die gröberen Langschädel mit kräftig entwickelter Überaugenregion, während die feineren Langkopftypen in vorherrschenden Anteilen, der Höherentwicklung des Menschen in Ausbreitungsrichtung folgend, erst an der Ostküste des Mittelmeeres (Kilikien, Syrien, Libanon, Palästina) und in Kleinasien auftauchen. Mit der allmählichen Seßhaftwerdung, die mit zunehmender Bewegungsarmut einhergeht, tritt allmählich auch die Verrundung des Schädels ein. Es ist bezeichnend, daß die älteste Kurzkopfserie Vorderasiens aus der Mitte des 4. Jahrtausends in Khirokitia auf Zypern belegt ist, wo die Enge des Inseldaseins die Bewegungsfreiheit der Menschen wohl sehr eingeengt haben muß, während wir vom asiatischen Festland aus dieser Zeit noch keine Entsprechungen kennen. Aus Kleinasien sind größere Anteile von kurvoccipitalen Rundschädeln neben immer noch höheren Prozentsätzen von Langschädeln aus verschiedenen Serien erst im 2. Jahrtausend v. Chr. belegt. Planoccipitale, steilhinterhäuptige Kurzköpfe sind sogar erst noch später zu fassen. Die Hethiter haben nach Ausweis von Schädelserien bis jetzt nur Anteile kurvoccipitaler, aber noch keine planoccipitalen Kurzköpfe erbracht, können also keinesfalls als Prototypen der steilhinterhäuptigen Armeniden angesprochen werden. In jüngerer Zeit nimmt der Anteil feinerer Langköpfe in Vorder- und Westasien zu, die schwerer gebauten Langköpfe treten anteilsmäßig mehr und mehr zurück, an ihre Stelle setzen sich (auch im Iran) entsprechende Anteile von zumeist planoccipitalen Kurzköpfen. Die Anthropologen stoßen nun mit ihrer landläufigen Meinung, Langköpfigkeit sei unbegrenzt vererbbar, auf Unverständnis. Wir können aber zutreffend mit ihnen feststellen, daß sowohl die Invasion der langköpfigen Orientaliden nach Nordost, Nordwest und West als auch die Überlagerung indogermanischer Herrenschichten und nicht zuletzt der vermeintlich biologisch viel wirksamere Zustrom griechischer Bevölkerungsschübe seit dem 6. Jh. v. Chr. und besonders in hellenistischer Zeit relativ rasch von den autochthonen Bevölkerungen wiederaufgenommen wurden. Es  kann einerseits nicht erwartet werden, daß Minderheiten sich genetisch durchsetzen, und zum anderen darf auch nicht übersehen werden, daß sich die Eindringlinge den Wirtschafts- und Lebensweisen der Uransässigen sehr schnell angepaßt haben und damit den gleichen Bedingungen der Seßhaftigkeit unterlagen wie die Überlagerten. Man braucht auch nicht damit rechnen, daß einmal Seßhafte wieder zu Jägern und Sammlern werden und ihr Schädel dadurch wieder an Länge gewinnt.

Einerseits wird der weite europide Siedlungsraum in seinen dünn besetzten Außenzonen vom Neolithikum an von Osten her zunehmend durch die mongolide Großrasse eingeengt, die schon im letzten Jahrtausend v. Chr. zahlenmäßig in den Vordergrund tritt, andererseits entstehen an den Südabhängen des Himalaya europide Ballungsräume. Mit den Großreichbildungen der Hunnen und Mongolen setzt dann eine verstärkte Druckwirkung nach Westen ein, durch die besonders Teile der deutlich mongolid durchsetzten Turkvölker nach West- und Vorderasien hineingespült werden.

Von den europiden Rassentypen Vorder- und Mittelasiens sind einmal zu nennen die langköpfigen Orientaliden und zum andern die kurzköpfigen Armeniden. Aus Mittelasien seien als zweite Kurzkopfkomponente die deutlicher kurvoccipitalen Turaniden erwähnt. In Indien ist die überwiegend etwas schwerer gebaute Langform bei den Weddiden erhalten. Deutlich faßbarer wird am südöstlichen Gebirgsrand des Himalaya wie auf der Landbrücke nach Hinterindien ein stetiges Einsickern mongoliden Rassenguts. Auf dem indischen Subkontinent überwiegen bis auf den Indobrachiden die Langkopfrassen. Die Grazilindiden zeigen dagegen eine den kleinwüchsigen europäischen Langköpfen des Mittelmeerraums ähnliche Merkmalskombination, doch sind sie noch keine Mediterraniden. Daneben gibt es aber auch grob-großwüchsigere Elemente mit dem deutlicheren Relief und vielfach breiteren Gesicht der cromagniformen Komponente der Altschicht. Nördlich sind in einem größeren Block die Gondiden vertreten, im Südteil des Kontinents als Restbevölkerung die Maliden mit besonders dunklen Hauttönen, deren Kulturleistungen in Hinterindien im Khmer-Reich gipfeln. Zu den Weddiden kann auch die kleinwüchsig-infantile untermittelgroße Altschicht Hinterindiens gezählt werden. Zur Altschicht des Homo sapiens zählen ferner die Andamaner, die Aëta auf den Philippinen und die Semang und Senoi auf der Halbinsel Malakka.

Die mongolide Rasse läßt sich in weitere Unterrassen unterteilen, deren südlichere das kennzeichnende Merkmalskombinat immer weniger scharf ausgebildet haben und die daher als Palämongolide zusammengefaßt werden, aus denen letztlich die Mongoliden hervorgegangen sind. Kennzeichnend für die mongolide Rasse ist allgemein ein untersetzterer Körperbau mit langem Rumpf und kürzeren Gliedmaßen, wobei die heute vorherrschende Brachykranie sicher eine relativ junge Erwerbung ist. Das Gesicht ist überwiegend breit und durch die vorgeschobenen Wangenbeine außerordentlich flach wirkend. Besonders kennzeichnend aber ist die Mongolenfalte. Die Pigmentierung der Haut zeigt von Nord nach Süd wenig Änderung, das Haar ist straff, die Körperbehaarung außerordentlich schwach. Das biologische Ballungszentrum der Mongoliden entstand entsprechend den Möglichkeiten der Nahrungserzeugung vermutlich in China. Vom südsiniden Kernraum aus wie aus dem mittelsiniden Rassenbereich sind gegen Ende des ostasiatischen Neolithikums erste Bevölkerungsschübe nach den südlichen japanischen Inseln gelangt, wobei aus dem südlichen Bereich auch Palämongolides mitgerissen wurde. Gegen die alteuropiden Vorbesiedler der japanischen Inseln, die Ainu, konnten sich diese Wellen aber erst durchsetzen, als in späterer Zeit über Korea ein stärkerer Zustrom nordsiniden und besonders tungiden Rassentums erfolgte.

Über die rassengeschichtlichen Vorgänge im bergigen Gebiet zwischen den großen Strömen wie den Bergländern Südchinas kann die Anthropologie noch wenig sagen. Da jedoch die Bildung der mongoliden Rasse aus der palämongoliden am wahrscheinlichsten ist, bleibt zwangsläufig nur die Schlußfolgerung, daß die Palämongoliden einmal sehr viel weiter verbreitet gewesen sein müssen als heute. Da die Proto- und Deuteromalayiden phylogenetisch älter sind als die Mongoliden, dürften sie von den Südsiniden aus China verdrängt worden sein. So muß denn Indochina oder Südchina auch die Urheimat aller Polynesiden sein, welche dem von Norden kommenden Druck der Mongoliden insofern nachgegeben haben, als sie von Südostasien aus den Pazifik besiedelten, da ihnen eine andere Ausdehnungsmöglichkeit nicht gegeben war: im Westen behinderten die Bergketten des Himalaya und das Hochland von Tibet das weitere Vordringen sowie der schon damals dicht bevölkerte indische Subkontinent, im Süden lag der ebenfalls bereits besiedelte australo-melanesische Raum.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Kette frühen cromagniden Formguts den weiten Bogen vom nördlichen China über den südostasiatischen Raum sowie den Iran bis nach Palästina und Kleinasien umspannt, daß jedoch aus dem häufig postulierten tungiden Rassenzentrum der Äußeren oder Inneren Mongolei und den Kältesteppen Sibiriens bislang keinerlei Funde vorliegen. Tatsache bleibt, daß sich der fossile Homo sapiens zu seinem Schutz so gut wie ausschließlich in Höhlen aufgehalten hat, und somit an Wohnstätten, für welche die Steppe nicht gerade der ideale Fundort ist. Zu Bedeutung gelangt die Steppe erst mit der Domestizierung des Pferdes, also relativ spät in der Geschichte und keinesfalls mehr im Neolithikum.

Bis zur Seßhaftwerdung konnte die Wanderungsbewegung des fossilen Homo sapiens nur längs der Hochgebirgsketten erfolgt sein, die sich vom östlichen Himalaya über den Hindukusch, Kaukasus zum Taurus und von dort weiter über den Balkan bis zu den Alpen, ja sogar zu den Pyrenäen erstreckte. Wo immer sich Höhlen oder auch nur Felsdächer fanden, waren diese dem frühen, noch als Jäger lebenden Menschen bis in die jüngere Steinzeit willkommene Behausungen. Diese nahezu durchgängige Ost-West-Verbindung ermöglichte es dem fossilen Homo sapiens, vor Witterungsunbilden und wilden Tieren geschützt, in einer feindlichen Umwelt zu überleben. Ausgehend vom austronesischen Raum, der Urheimat aller europiden, polynesiden und mongoliden Völker, teilte sich die Menschheit schon früh in zwei Gruppen: solche, die am Südrand des Himalaya über Hinterindien, Indien und Iran nach Mesopotamien, auf die Arabische Halbinsel und von dort weiter nach Afrika und in den Mittelmeerraum wanderten, und anderen, die den Weg an den Ost- und Nordabfällen des Himalaya entlang durchs Turanbecken wählten. Hier, in den Weiten der Taklamakan, längs der Seidenstraße, muß unter denen, die westwärts zogen, auch die weitere Aufhellung von Haar- und Augenfarbe erfolgt sein, wie die Funde blonder skythischer Krieger in den westlichen Provinzen Chinas und Turkestans beweisen, lange bevor dieser Raum von den nachfolgenden türkischstämmigen Völkern, allen voran den Hunnen (chin. Hsiung-nu), in Besitz genommen wurde. Unter denen, die sich weiter nördlich im Altaigebirge niederließen, dem tungiden Rassenzentrum, blieb Schwarz die bestimmende Haar- und Augenfarbe, obwohl auch dieses Gebiet zuvor bereits von bärtigen (d.h. barbarischen) Völkern in Beschlag genommen war, deren östlichste Ausläufer in den Ainu auf Hokaido zu sehen sind. Man kann heute davon ausgehen, daß jene Völker, die vom Norden dieser langgezogenen Gebirgsgruppe kommend zuerst einen Vorstoß gen Süden machten, nach Indien, Iran und Kleinasien, darunter die Sumerer und Hethiter, vorindogermanische und später indogermanische Völker waren. Für den umgekehrten Fall, einen Vorstoß von Norden nach Süden, lassen sich keine Belege anführen. Somit fußen wahrscheinlich sämtliche Hochkulturen Indiens, Mesopotamiens und Kleinasiens auf indogermanischen oder protoindogermanischen Eindringlingen, die den Feldbau, die Metallverarbeitung, das Pferd und den Streitwagen mitbrachten, ein Kulturgut also, dessen sich dann später semitische und auf der Stufe des Nomadentums stehende, noch in der Steinzeit lebende Völkerschaften der Arabischen Halbinsel bemächtigten, vermutlich, weil sie in dem ihnen vertrauten Lebensraum kämpferisch überlegen waren.

Nun ist die Geschichte der Völker bekanntlich ein Spiegel ihrer heutigen sprachlichen Verteilung. So lassen sich die Sprachen Asiens grob unterteilen in die den mongoliden Rassenkreis kennzeichnenden sinotibetischen und altaischen Sprachen, die uralischen Sprachen, die als Kontaktsprache zwischen Asien und Europa fungieren, die Tai-Kadai- und die austroasiatischen Sprachen, welche Bindeglied zum indonesisch-ozeanischen Raum sind, sowie einige dem europiden Rassenkreis nahestehende indoeuropäische und afroasiatische Sprachen wie etwa die iranischen, indischen und semitischen Sprachen, wobei die semitischen die Kontaktsprache zu Afrika darstellen. Daneben sind als ältere und einstmals weiter verbreitete Reste im Süden Indiens noch die drawidischen, im äußersten Nordosten Asiens die paläosibirischen und zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer die kaukasischen Sprachen zu nennen. Die trennenden Einschübe slawischer Sprachen sind dem russischen Vordringen bis zum Pazifik zuzuschreiben und erst relativ jungen Datums, so daß sie für populationsgenetische Betrachtungen nicht herangezogen werden können.

Als erste größere Sprachverwandtschaft können wir über die Kontinentalgrenzen hinweg eine Verwandtschaft der nordamerikanischen Na-Dene-Sprachen mit den sinotibetischen Sprachen feststellen und sie zu einer Makrofamilie, dem Dené-Kaukasischen zusammenfassen, was u.a. den Beweis dafür liefern soll, daß Amerika von China aus besiedelt worden ist. Allerdings haben sich tungusische Sprachen dazwischengeschoben, oder aber, die Einwanderer Amerikas haben paläosibirisches Gebiet lediglich durchquert, sind dort aber nicht geblieben. Das außerordentlich weite Verbreitungsgebiet der dene-kaukasischen Sprachfamilie vom Baskenland über den Kaukasus und den alten Orient bis nach China und Mittelamerika läßt bedeutende Schlußfolgerungen zu. Unter der Annahme, daß die Ausbreitung des Menschen von Ost nach West erfolgte, müßte man die Basken als die Vorfahren der Chinesen ansehen und letztere zu den jüngsten Bevölkerungen weltweit zählen. Dieser Zusammenhang mag aber kaum einer ernsthaften Überprüfung standhalten. Vielmehr ist wahrscheinlich, daß die Basken mit der vorindogermanischen Bevölkerung Griechenlands, den namensgleichen Pelasgern, eine genetische Einheit bilden. Nach Ansicht einiger Sprachwissenschaftler soll Baskisch mit den südkaukasischen bzw. kartwelischen Sprachen, in jedem Fall aber mit einer der kaukasischen Sprachen verwandt sein. Im unzugänglichen Kaukasusgebiet konnten sich noch eine Reihe vorindogermanischer Sprachen bis auf die heutige Zeit erhalten. Zu den dene-kaukasischen Sprachen rechnet man auch die heute ausgestorbenen Sprachen des Sumerischen, Hattischen und Hurritisch-Urartäischen sowie die jenisseischen Sprachen, das Burushaski, eine isolierte Sprache, die im Karakorum, und Nahali, welches in Nadhya Pradesh gesprochen wird. Nicht völlig auszuschließen ist eine sehr frühe Abspaltung des Nahali von den Mundasprachen, die einen Zweig des Austroasiatischen darstellen. Auch die nordwestkaukasischen oder abchaso-adygeischen Sprachen zählen zur dene-kaukasischen Sprachfamilie. Während das Hurritisch-Urartäische mit dem Nordostkaukasischen bzw. Nach-Dagestanischen verwandt ist, sind Sumerisch und Hattisch isolierte Sprachen. Die Herkunft der Sumerer ist unbekannt, sie sind aber mit Sicherheit keine Semiten und auch nicht mit den nordöstlich angrenzenden Elamitern verwandt. Den vielleicht einzigen Hinweis auf ihren Ursprung liefert das Gilgamesch-Epos: „Mein Vater, ein Mann, der vom Steppenland gekommen.“ Das Sumerische ist eine der ersten Sprachen, für die eine Schrift entwickelt wurde. Die meisten sumerischen Worte sind einsilbig, daher entsprachen die Zeichen unabhängig von ihrer ursprünglichen Bedeutung bald nur noch einzelnen Silben. Auch wenn zu manchen Zeiten eine Tendenz zur Vereinfachung der Schrift durch die Reduzierung der Anzahl der Logogramme und durch Nutzung der Polyphonie bestand, wurde der Schritt zu einem Alphabet nicht vollzogen. Das Hattische wiederum ist die älteste durch Texte belegte Sprache Anatoliens und wurde erst von den eingewanderten Hethitern schriftlich fixiert. Die Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums mit einer indoeuropäischen Sprache. Sie bildeten im 2. Jahrtausend v. Chr. ein Großreich.

Im Altertum bewohnten semitischsprachige Völker die Arabische Halbinsel. Durch Völkerwanderungen gelangten sie nach Mesopotamien, Syrien und Israel, Ägypten, Äthiopien und mit der phönizischen Kolonisierung bis an die Küsten des westlichen Mittelmeers. Es läßt sich aus gutem Grunde vermuten, daß sie ursprünglich aus Nordost-Afrika stammten, wo auch die anderen Zweige der afroasiatischen Sprachfamilie zu finden sind, aus der Senke des Roten Meeres, das nach der letzten Eiszeit geflutet wurde („Sintflut“). Zu den semitischen Sprachen zählen das ausgestorbene Akkadische ebenso wie die erloschenen Sprachen Phönizisch-Punisch, Moabitisch, Ammonitisch, Edomitisch und Ugaritisch sowie das Hebräische, Aramäische, Arabische und Äthiosemitische. Verwandtschaften besitzen die semitischen Sprachen nur innerhalb der afro-asiatischen Sprachfamilie, z.B. mit dem Ägyptischen, dem Omotischen, Berberischen, Kuschitischen und Tschadischen. Semitische Völker gelten als die Ureinwohner der Arabischen Halbinsel. In sumerischen Erwähnungen der 3. Dynastie von Ur werden sie als Amurriter und unzivilisierte Krieger beschrieben: Ein Volk, das kein Korn kennt. Zu dieser Zeit waren die Amurriter noch Nomaden, die in keinem festgelegten Gebiet wohnten. Auch die genaue Herkunft der Hyksos ist umstritten; als relativ sicher gilt, daß sie aus dem vorderen Asien stammen. Die Semiten unterscheiden sich blutgruppenmäßig kaum vom Europäer, lediglich das Duffy-Allel *FY, das sie mit den Drawiden Südindiens und den Bewohnern der Malakka-Halbinsel gemein haben, weist auf ihre austroasiatische Herkunft hin.

Überhaupt stellt der Nahe Osten einen Scheideweg dar zwischen den mehr nördlich ziehenden Völkern, die von China aus durch Turkestan entlang des Kaukasus über die damals noch existierende Landbrücke, den Asien und Europa verbindenden Bosporus, nach Südeuropa vordrangen und von dort aus den Alpenraum besiedelten, und solchen, die südlich des Kaukasus und dann längs des afrikanischen Grabenbruchsystems, der Fortsetzung des Jordan-Grabens, nach Afrika einwanderten. Es muß kein Zufall sein, daß die aus dem illyrischen Raum stammenden Dinariden, die wiederum mit den steilhinterhäuptigen Armeniden verwandt zu sein scheinen, ihre kennzeichnende Merkmalskomponente, die typische Hakennase, mit den dunklen Europiden, die man Äthiopide nennt, gemein haben. Der Versuch, die vorindogermanischen Kurzkopfrassen, die vom Taurusgebirge aus über eine damals existierende Landbrücke nach Zypern einwanderten und denen die dortigen Städtegründungen zugeschrieben werden, unter dem Namen Tauride zusammenzufassen, erscheint durchaus sinnvoll. Kurzköpfigkeit ist ein Merkmal der Seßhaftigkeit, und so muß es nicht verwundern, daß die kurvoccipitalen Schädelfunde von Khirokoitia, das zu den ältesten Stadtgründungen überhaupt zählt, Parallelen in den ebenfalls sehr frühen städtischen Gründungen von Byblos und Jericho finden. In jedem Fall müssen die Orientaliden zu den Tauriden eine engere genetische Verwandtschaft besitzen als zu den Indogermanen, mit dem Unterschied, daß erstere als umherstreifende Nomaden ihre Langschädligkeit noch länger bewahren konnten. Tauride waren es mit großer Wahrscheinlichkeit auch, denen als ersten die Domestizierung von Getreide gelang, bereits um 9000 v. Chr. in Tell Abu Hurayra am syrischen Euphrat. Wahrscheinlich noch vor ihrer Seßhaftigkeit errichteten Menschen auf dem Göbekli Tepe, dem höchsten Punkt eines langgestreckten Bergzugs nordöstlich der Stadt Şanlıurfa, ein Bergheiligtum, das mit ca. 11500 Jahren die derzeit älteste bekannte Tempelanlage der Welt ist. Auf dem Tell Dja'de al Mughara nahe Aleppo legten Grabungen neolithische Siedlungsreste aus dem 9. Jahrtausend v. Chr. frei, einen großen Rundbau, in dem sich die derzeit älteste bemalte Wand der Welt befindet. Leider ist uns aus dieser frühen Zeit noch keine Schrift überliefert, so daß die Herkunft der Tauriden weiterhin nebulös bleibt, wenngleich das meiste darauf hindeutet, daß sie ursprünglich ebenfalls aus dem Kaukasus kamen.

Die nördlich des Kaukasus verbreiteten uralischen Sprachen gliedern sich in die Zweige des Finno-Ugrischen, zu denen Finnisch, Estnisch und Ungarisch gehören, und die samojedischen Sprachen östlich des Urals. Als Besonderheit in Europa gelten weiterhin die Ungarn, die trotz der großen Distanz zu den Finnen gleichen Ursprungs sind. Die Heimat aller uralischen Sprachen, die Muttersprache des Proto-Uralischen, lag wahrscheinlich im zentralen oder südlichen Uralgebiet. Diese angenommene Urheimat war auch bestimmend für die Namensgebung dieser Sprachfamilie. Der Prozeß der Abtrennung einzelner uralischer Gruppen und die Einwanderung in ihre späteren Siedlungsgebiete begann vor etwa 5000 Jahren, als sie sich vom Kaukasischen abzweigten. Bemerkenswert ist, daß wir mit den Finnen innerhalb der uralischen Völkerfamilie auf eine helle Komplexion stoßen, was die uralischen Völker deutlicher in die Nähe der indogermanischen rückt, da nämlich die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Hellmutante, die sich mit Sicherheit nur einmal in der kurzen Zeitspanne der Rassenentwicklung ergeben hat, äußerst gering sein dürfte.

Eine ernstzunehmende Hypothese ist die Verwandtschaft des Uralischen mit der sonst als isoliert eingestuften paläosibirischen Sprache Jukagirisch. Jukagirisch wird noch von einigen hundert Menschen in Nordost-Sibirien gesprochen. Zu den insgesamt fünf paläosibirischen, genetisch jedoch nicht verwandten Sprachen Jenisseisch, Jukagirisch, Tschuktscho-Kamtschadalisch, Niwchisch und Ainu kann man auch die eskimo-aleutischen Sprachen zählen, die wiederum mit den nordamerindischen Wakash-Sprachen verwandt sind. Jenisseisch besitzt andererseits gewisse Gemeinsamkeiten mit den Na-Dené-Sprachen, so daß über die Kontinente hinweg Sprachverbindungen hergestellt werden können. Wahrscheinlich sind die paläosibirischen Sprachen Überreste von einst größeren, über weite Teile Sibiriens verbreiteten Sprachfamilien, die zunächst von den eindringenden uralischen, turkischen und tungusischen Stämmen zurückgedrängt und teilweise aufgesogen wurden. Nachweislich waren sie einmal in wesentlich größeren und auch weiter westlich gelegenen Gebieten verbreitet als heute.

Die mandschu-tungusischen Sprachen, die in Nordchina, den ostsibirischen Gebieten Rußlands und Teilen der Mongolei gesprochen werden, bilden ebenfalls einen genetischen Sprachverbund und weisen zudem große Ähnlichkeit mit den mongolischen und turkischen Sprachen auf, mit denen sie zur altaischen Sprachfamilie zusammengefaßt werden können. Den tungusisch sprechenden Völkern ist eindeutig der tungide Rassentyp zuzuordnen. Da die paläosibirischen Sprachen älteren Datums sind, kann der Tungide nur auf den überwiegend europiden Paläosibirier folgen bzw. aus ihm hervorgegangen sein. Die wichtigsten tungusischen Sprachen sind das Ewenkische und das Mandschurische, und es läßt sich in Abständen feststellen, daß sowohl mongolische als auch tungusische Sprachen immer wieder in den Kaiserdynastien Chinas gesprochen wurden. Angehörige dieser Sprachgruppen haben sich den mittel- und südsiniden Völkern sozusagen als Herrenrasse aufgepfropft und diesen teilweise ihre Sprache aufgezwungen, ohne das Chinesische allerdings nachhaltig beeinflussen zu können.

Zu den mongolischen Sprachen gehören insbesondere das Burjatische und Kalmückische. Burjaten und Kalmücken sind diejenigen Völker mit der höchsten Frequenz der Blutgruppe B, was darauf hindeutet, daß die mongolide Rasse, der diese Sprache zugeordnet ist, sehr jung sein muß und damit auch ihr Entstehungsort auf diese Völker konzentriert werden kann.

Zu den altaischen Sprachen zählen außerdem noch das Koreanische und Japanische. Ethnisch sind die Koreaner aus dem Tungusenstamm der Yemaek hervorgegangen, und besiedelt worden ist die koreanische Halbinsel bereits vor 18000 Jahren von Sibirien aus. Die koreanische Sprache hat sich schon sehr früh von der altaischen Sprachfamilie abgespalten, es bestehen zudem strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Japanischen. Das Japanische wiederum gehört zur Familie der Ryūkyūsprachen und ist weder eindeutig den altaischen noch den austronesischen Sprachen zuzuordnen. Ainu, die Sprache der heute mit den Japanern weitgehend vermischten Ureinwohner, kann noch am ehesten mit den paläosibirischen Sprachen zu einer Einheit zusammengefaßt werden. In ihrer Blutgruppenzusammensetzung gleichen die Japaner vielfach mehr dem Europiden als dem Mongoliden, beispielsweise weisen sie einen für Asiaten ungewöhnlich hohen Anteil der Blutgruppe A auf.

Die ersten turksprachigen Völker stammen aus der Altai-Region, genauer gesagt lebten sie am Schnittpunkt der beiden Flüsse Orchon und Selenga. In ihre heutigen Gebiete sind sie erst im Laufe der Völkerwanderung gekommen. Die wichtigsten Turksprachen sind Türkisch, Aserbaidschanisch, Usbekisch, Kasachisch, Uigurisch, Turkmenisch, Kirgisisch, Tschuwaschisch, Baschkirisch, Tatarisch und Kaschgaisch. Berührungspunkte zu China ergeben sich zweifellos in der Provinz Xinjiang, dem ehemaligen Ostturkestan.

Das heutige Turkestan war ursprünglich von iranischen Völkern besiedelt und unter dem Namen Turan bekannt. Insofern ist die Rassenbezeichnung Turanide durchaus irreführend, da damit heute die ursprünglich viel weiter östlich lebenden Turkvölker gemeint sind, die aus einer Vermischung mit nach Westen expandierenden Mongoliden hervorgegangen sind, aber immer noch mehr europide Anklänge aufweisen als mongolide. Die Steppen Zentralasiens, Südrußlands und der Ukraine waren jahrtausendelang, mindestens vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zum Einfall der Hunnen, die Heimat der iranischen Volksstämme. Die dardischen Sprachen sind eine Untergruppe der indoarischen Sprachen, die zusammen mit den iranischen Sprachen einen Zweig des Indogermanischen bilden. Tatsache ist, daß sowohl der Iran als auch der nördliche Teil des indischen Subkontinents vom Turanbecken aus besiedelt worden sind, und zwar mit Menschen indoeuropäischen Typs, die es ursprünglich südlich des Himalaya und Kaukasus nicht gegeben hat und die offenbar über die Seidenstraße und den Khaiberpaß kamen. Es wäre sonst wohl kaum der Kreis zu schließen zwischen den australiformen Altschichtgruppen Südostasiens, den Weddiden und Maliden, zu den cromagniformen Gruppen Europas und Afrikas. Aus der Tatsache, daß es in Pakistan drawidische Sprachinseln gibt, folgt, daß diese Sprachen vor dem Eindringen des Indoarischen wesentlich weiter verbreitet gewesen sein müssen als heute, ähnlich wie einige austroasiatische Sprachen bis nach Indien vorgedrungen sind, um dort allmählich zu versickern. Aus dem Drawidischen ergibt sich auch ein Hinweis auf eine sprachliche Verwandtschaft mit der Indus-Kultur. Die Indus-Schrift, die mit keiner anderen Schrift verwandt ist, ist allerdings bis heute nicht entschlüsselt. Weitere vielversprechende genetische Verwandtschaften könnten zur elamischen Sprache und zur uralischen Sprachfamilie bestehen. Eine Verwandtschaft mit der elamischen Sprache, die mit keiner anderen altorientalischen oder indogermanischen Sprache verwandt ist, würde anthropologisch am meisten Sinn machen, weil sie einen Meilenstein auf dem südlichen Wanderweg des fossilen Homo sapiens von Südostasien nach Afrika markiert. Denn wie sonst möchte man eine Brücke zwischen den australiden und weddiden Bewohnern jener Regionen schlagen, wenn man nicht eine einstmals durchgehende Verbindung zwischen dem austro-melanesischen Raum und dem indischen Subkontinent annimmt. Ein weiteres Indiz für einen genetischen Zusammenhang liefert das Gammaketten-Marker-System GM*1,2;21, welches nur in Südindien, d.h. unter der drawidischen Bevölkerung, und nur in Australien häufiger vorkommt.

Iran und Indien waren also in ihrem Kern niemals indoarisch, was uns auf eine Herkunft der Indoeuropäer aus einem viel nördlicheren Gebiet schließen läßt. Der Entstehungsraum des Indoeuropäers kann also nur an den Nord- und Ostabhängen des Himalayas gelegen haben, längs der Seidenstraße, möglicherweise sogar im Westen Chinas, da nur im Gebirge Höhlen zu finden waren, die während der letzten Vereisung eisfrei blieben. Die Grenze dieser ehemaligen Steppe bildet im Süden das Kopet-Dag-Gebirge zwischen Turkmenistan und Iran, im Westteil von Turkmenistan der Große Balkan und im Norden das Tienschan. Die westlich angrenzende Kysylkumwüste ist reich an prähistorischen Funden. Die Oase Merw war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Während das Turanbecken heute eine riesige Wüste darstellt, muß dieses Gebiet im oberen Pleistozän äußerst fruchtbar gewesen sein, und nur so konnte es später gelingen, daß hier die ersten Ackerbaukulturen Zentralasiens entstanden. Dscheitun, ein Ausgrabungsort im südlichen Turkmenistan, nordwestlich von Aşgabat im Kopet-Dag-Gebirge, gilt als ältester Beleg für ackerbautreibende Kulturen in Zentralasien. Die Funde werden der Jungsteinzeit zugeordnet und reichen bis ins 7. Jahrtausend v. Chr. zurück, in Europa begann diese Periode um 7000 v. Chr., etwa zeitgleich mit dem Auftreten der ersten Cardialkeramik an der Adria und im westlichen Mittelmeer. In Anatolien gibt es früheste Belege für Keramik um 7400 in Çatalhöyük. Auch die Körös-Kultur in Südosteuropa, die um 6200 v. Chr. einsetzt, datiert früher als die älteste Keramik Mesopotamiens um 6000 v. Chr. (Samarrakeramik), die vergleichsweise so alt ist wie die Sesklo-Keramik in Griechenland. Die Bandkeramik, deren erstes Auftreten in Europa etwa zeitgleich zu China erfolgt (Peiligang-Kultur), reicht bis auf 5600 v. Chr. zurück und tritt damit um gut 100 Jahre früher in Erscheinung als die erste Keramik an Nil und Indus.

Die Vorläufer der berittenen Kurgan-Kulturen mit ihrem patriarchalen System, bestehend aus einem Fürsten, Adligen und freien Männern, wanderten wahrscheinlich wegen einer Trockenperiode aus der Steppenregion des heutigen chinesischen Turkestans aus, zogen gen Westen Richtung Anatolien und weiter nach Europa, wandten sich auch nach Südwesten in den heutigen Iran und das heutige Indien und nach Nordwesten ins Baltikum. Wenn man von einem indoeuropäischem Ursprungszentrum im westlichen China ausgeht, läßt sich die Entstehung der westlichen Kentumsprachen und der östlichen Satemsprachen auf einen gemeinsamen Nenner bringen, wonach die Aufspaltung schon relativ weit im Osten erfolgt sein muß und die Kentumsprachen als die vorauseilenden auch die älteren sein müssen. Jetzt verstehen wir, wie das Wissen um die Pyramiden, die ja nichts anderes sind als steinerne Hügelgräber oder Kurgane einer patriarchalischen Gesellschaft, eine derart weltweite Verbreitung finden konnten. Wir kennen Pyramiden nicht nur aus Ägypten, sondern treffen sie auch in China, im Zweistromland und in Mittelamerika an. Erfunden wurden sie wahrscheinlich von den frühen Indogermanen in Zentralasien, und zu einer ersten Blüte gelangten sie in Göbekli Tepe in Ostanatolien. In der Nähe von Luhansk haben Archäologen 5000 Jahre alte Pyramiden entdeckt, die den ägyptischen sehr ähneln. Man geht davon aus, daß diese Pyramiden einem anderen Zweck gedient haben als im Alten Ägypten. Vermutlich handelt es sich um Heiligtümer wie in Göbekli Tepe, und nicht um gigantische Grabstätten. Auch die Megapyramiden in Mittelamerika dienten religiösen Zwecken, die alle ihren gemeinsamen Ursprung im westlichen China haben.

Hügelgräber finden sich in Eurasien in zahlreichen Ländern und Kulturen. Die größten Grabhügel überhaupt sind die Hügel über den Gräbern der frühen chinesischen Kaiser, sie verbergen riesige unterirdische Grabanlagen. Vor kurzem haben Archäologen in der Gemeinde Sijiazi im Banner Aohan auf dem Gebiet der Inneren Mongolei eine Pyramide freigelegt, die über 5000 Jahre alt ist. In Ägypten wurden Tumuli bis zum Ende der vordynastischen Zeit für Beerdigungen genutzt und sind somit die Vorläufer unserer Mastabas und Pyramiden. In fast allen nubischen Kulturen kommen Hügelgräber ebenfalls vor. In der Form des Stupa erlangte das Hügelgrab ab dem 3. Jh. v. Chr. große Bedeutung als Grab- und Reliquienmal im Buddhismus.

Auch die Mumifizierung scheint indogermanischen Ursprungs. In den Flußoasen des Tarimbeckens entstanden vor 4000 Jahren bronzezeitliche Siedlungen, in denen Europide lebten, die mumifiziert in bronzezeitlichen Grabkammern und Nekropolen bestattet wurden. Die im trockenen, sandigen Wüstenklima der Taklamakan und der Wüste Lop Nor immer wieder aufgefundenen Mumien sind erstaunlich groß, blond, blauäugig, mit Bart, teils hellhäutig und mit kaukasischen Gesichtszügen und werden dadurch sehr sicher den Indoeuropäern zugeordnet. Die Mumien datieren auf Zeiträume bis 1800 v. Chr. Auch die durchgeführten Gen-Analysen stützen das Bild vom Indoeuropäer. Eine skythische Mumie in der Mongolei ist dank des Dauerfrostbodens bis auf das Gesicht und den Oberkörper gut erhalten geblieben, was sich durchaus mit den vom Permafrost konservierten Hügelgräbern der Skythen am Hindukusch vergleichen läßt. Der Krieger aus dem Eis ist blond und gehört vermutlich der Oberschicht an. Ob ethnische Beziehungen zu den Tocharern bestehen und ob Verbindungen zu indoeuropäischen Völkern überhaupt anzunehmen sind, ist immer noch strittig, aber doch höchst wahrscheinlich. Die Tocharer sind die Sprecher der tocharischen Sprache, eines Zweigs der indogermanischen Sprachfamilie. Das ausgestorbene Tocharische, das relativ weit im Osten gesprochen wurde, ist eine Kentumsprache. Sämtliche westlichen Kentumsprachen lassen sich vermutlich auf das Tocharische zurückführen, wobei von den Satemsprachen nicht eine einzige weit nach Westen gelangt ist.

Auch die Hephthaliten waren ein Stammesverband mit unklarem, möglicherweise jedoch überwiegend indogermanischem Ursprung, welcher um 425 n. Chr. ein Reich in Mittelasien begründete. Die gängige Lehrmeinung geht davon aus, daß die Hephthaliten zumindest in ihren bestimmenden Teilen recht eng mit den Tocharern oder Iraniern verwandt waren. Die Yüe-tschi, eine weitere indogermanische Stammesgruppe im Raum der heutigen Provinz Gansu, lassen sich vom Tarimbecken bis nach China verfolgen. Noch älter sind die im Dorf Ban Chiang in Nordost-Thailand ausgegrabenen Bronzefunde, die ins 3. Jahrtausend v. Chr. datieren, also etwa zeitgleich sind mit europäischen Funden. Siedlungen konnten bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen werden, und Felszeichnungen finden sich in Phu Phrabat und Pha Taem. Diese sind aber nicht den Thai-Völkern zuzuschreiben, da diese erst im 6./7. Jahrhundert n. Chr. aus dem südlichen China in ihre heutigen Sitze eingewandert sind, sondern es muß sich bei den Trägern dieser Kultur um europide Gruppen gehandelt haben.

Von China selbst ist bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel bekannt. Weder der Dingcun- noch der Dali- noch auch der Liujiang-Mensch lassen eine genauere Datierung zu als ins späte Pleistozän. Lediglich der alte Shandingdong-Mensch konnte auf ein Alter von mindestens 10000 Jahren datiert werden, wobei der eine Schädel anatomische Gemeinsamkeiten mit modernen Europiden besitzt, der andere dem von Angehörigen des australo-melanesischen Raumes gleicht, woraus wir schließen können, daß China mit Europiden von Südostasien aus besiedelt worden sein muß. Der Liujiang-Mensch gilt zudem als früher Vertreter der Mongoliden. Älteste Hinweise auf menschliche Aktivität in China liefert die sogenannte Pengtoushan-Kultur (ab 7500 v. Chr.), eine neolithische, primär um die mittlere Yangtze-Region im nordwestlichen Hunan zentrierte Kultur. Sie war in etwa zeitgleich mit ihrem nördlichen Nachbarn, der Peiligang-Kultur.

Die zum Dene-Kaukasischen zählenden sinotibetischen Sprachen dürften zweifellos zu den ältesten Sprachen Asiens gehören. Sie untergliedern sich in die sinitischen und tibetobirmanischen Sprachen. Die Tai-Kadai-Sprachen wiederum gliedern sich auf in die drei Hauptzweige Hlai, Kadai und Kam-Tai. Die Verwandtschaftsverhältnisse der ursprünglich für eine Untergruppe der sinotibetischen Sprachen gehaltenen Tai-Kadai-Sprachen sind unklar, sie sind aber ebenfalls Tonsprachen mit drei bis neun kontrastierenden Tönen, sind in der Regel monosyllabisch und besitzen kaum Morphologie.

Einen weiteren Hinweis, daß der frühe Mensch aus dem austronesischen Raum kam, liefern die austroasiatischen Sprachen, von denen angenommen werden muß, daß sie zu einer sehr frühen Bevölkerungsschicht Süd- und Südostasiens gehören, und daß die anderen Sprachen, die heute dort gesprochen werden, erst durch spätere Bevölkerungswanderungen in diese Region kamen. So ist etwa Orang Asli eine proto-malaiische Sprache. Zu den austroasiatischen Sprachen gehören ferner die Mon-Sprachen, deren Träger, die Mon bzw. Talaing, zu den ältesten Bewohnern Birmas zählen; ihr Königreich Dvaravati war stark von Indien beeinflußt. Eng verwandt mit dem Bergvolk der Mon sind die Khmer, die hauptsächlich in Kambodscha, aber auch im benachbarten Laos, Thailand und Vietnam siedelten. Die Vorfahren der heutigen Khasi sind aus mongolischen Stämmen hervorgegangen, sie selbst sind jedoch eine Ackerbaukultur. Die Khmu hingegen sind ein Bergvolk im nördlichen Laos. Archäologische Funde in Huaphanh und Luang Prabang belegen menschliche Aktivität auf laotischem Gebiet bereits vor etwa 40000 Jahren. Siedlungen seßhafter, Landwirtschaft betreibender Bewohner gab es erst um 4000 v. Chr., also mehr als tausend Jahre später als in China, woraus wir folgern können, daß der südostasiatische Raum mit Mongoliden von China aus besiedelt worden sein muß. Jüngere Funde in Grabstätten aus der Zeit um 1500 v. Chr. lassen dann auf eine komplexe, hochentwickelte Gesellschaft schließen.

Als noch besonders primitiv muß die vietnamesische Sprache angesehen werden, bei der jedes Wort aus nur einer einzigen Silbe besteht. Monosyllabische Sprachen sind wie die Tonsprachen gute Kandidaten, um mit jüngeren Völkern in Verbindung gebracht zu werden, eben wegen ihrer Einsilbigkeit. Die Tonhöhe wird mangels höherer Ausdrucksformen als zusätzliches Differenzierungsmittel gebraucht, wie es in allen wildbeuterisch lebenden Gesellschaften der Fall ist, die sich zum Zwecke der Jagd mit Lauten und Geräuschen verständlich machen mußten. Zu den Tonsprachen zählen in Asien neben den austroasiatischen Sprachen noch die sinotibetischen, die Tai-Kadai- und die Hmong-Mien-Sprachen. Auch die nikobaresischen Sprachen zählen zur austroasiatischen Sprachfamilie, die Gesichtszüge der meisten Stammesbewohner sind mongolid. Die Sprache der mit ihnen verwandten Shompen steht mit keiner anderen Sprache der Region in Zusammenhang. In Indien stellen die sogenannten Mundasprachen den Restbestand austroasiatischer Sprachen dar. Die Munda, nach denen diese Sprachfamilie benannt ist, sind ein indigenes Volk in Indien, sie zählen wie die Adivasi zu den Ureinwohnern des Landes.

Gerade diese Vielzahl an Sprachen im südostasiatischen Raum zeugt von einem jungen, noch hoch geordneten Zustand, während im Zuge der sogenannten „höheren“ kulturellen Entwicklung sich meist eine dominierende Sprache durchgesetzt hat, während die übrigen in der Vermischung aufgegangen sind, bis aus dem geordneten multi-lingualen Zustand schließlich ein einsprachiger ungeordneter Zustand hervorging. Das zeigt anschaulich, daß alle großen Kulturen älter sind als einzelne Stammeskulturen, die erst noch zu Hochkulturen werden müssen. Wir dürfen somit den südostasiatischen Raum als von den weltweit jüngsten Vertretern des Homo sapiens bewohnt ansehen. Anthropologisch gesehen läuft also die Entropie „rückwärts“.

 

 

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