Asien, rassengeschichtlich
Trotz seiner gewaltigen Ausdehnung hat
dieser Großkontinent anthropologisch bisher wenig Verwertbares
erbracht. Die Präsapiensreste aus Skhul und Kafzeh, die zusammen mit
Präneandertalern als Mischpopulation aufgefunden wurden, werden in
das erste Stadial der letzten Kaltzeit datiert und rücken somit
relativ nahe an das Auftreten vollentwickelter Sapiensskelette
heran. Die Skelette aus der Shanidarhöhle in Nordostirak sind
ähnlichen Charakters wie die der Skhul-Kafzeh-Gruppe und zeitgleich
mit vollentwickelten Sapiensfunden aus dem Libanon. Letztere stammen
aus Ksar Akil: Funde unter Felsendach von 2 Individuen, Schädel
lang, schmal und hoch; Grotte d'Antélias: Bruchstücke einer ganzen
Reihe von Individuen, Schnittspuren aufweisend, Anzeichen von
Kannibalismus, nacheiszeitlichen Alters; Abri Bergy:
spätpaläolithisch, bruchstückhaftes männliches Skelett; Djebel
Kafzeh (Nazareth): Ende Paläolithikum, cromagniform.
Die drei Schädel aus der Oberhöhle von
Chou Kou Tien, Reste von Individuen aus dem oberen
Jungpaläolithikum, decken die gesamte Formenbreite der fossilen
Sapienstypen vom breiten Cromagnon bis zum schmaleren Combe Capelle
der Chanceladerasse ab. Die weit voneinander entfernten
Menschenreste des asiatischen Jungpaläolithikums von der Ostküste
des Mittelmeers und aus Fernost lassen anhand des Fundguts noch
keine rassische Aufgliederung erkennen. Die Formenvielfalt der drei
Funde von Chou Kou Tien unterstreicht, daß sich die Funde
hinsichtlich Schädel und Skelett bis jetzt innerhalb des Rahmens der
aus Europa bekannten Variationsbreite des fossilen Sapiens hält.
Diese bemerkenswerte Ähnlichkeit im morphologischen Befund an
Schädel und Körperskelett über riesige Entfernungen sagt natürlich
nichts darüber aus, welche rassenabgrenzenden Merkmale bereits
damals an der Behaarung, der Hautfarbe, in den Gesichtszügen und
der Haarform ausgebildet waren.
Auch im asiatischen Mesolithikum ist
China noch kaum vertreten, lediglich aus den tropischen Zonen dieses
Kontinents stammen einige wenige Belegstücke. Die wichtigsten Serien
aus dem Nahostraum sind Mugharet el Wad (Palästina): zahlreiche
Skelette, kleinwüchsig-zierlich bis untermittelgroß, schlanker
Körperbau, Schädel lang bis mittellang, hochgewölbt, Gesicht eher
niedrig, aber nicht breit, z.T. mäßig vorkiefrig, noch nicht mit
heutigen Rassen zu parallelisieren, wohl Vorform des Mediterraniden;
Mugharet el Kebarah (Palästina): Typenbild wie Wad; Shukbah
(Palästina): Typenbild wie Wad und Kebarah; Erq el Ahmar
(Palästina): Reste von sieben Individuen zierlichen bis
untermittelgroßen Körperbaus, langköpfig mit schmalem bis mäßig
breitem Gesicht; Tell es Sultan/Jericho (Jordanien): Reste von gut
350 Individuen von 8000 bis 6000 v. Chr., zuerst noch großwüchsig,
extrem langschädlig, dann überwiegend untermittelgroß, zunehmend
schmalgesichtig. Daneben an einer Stelle extrem Grob-Großwüchsige,
alle ohne Schädel, wohl cromagniform, Anzeichen von Brachykranie;
Hotu Cave (Iran): Höhle enthielt in endpaläolithischen, meist
mesolithischen Schichten Reste mehrerer Individuen, cromagniform;
Guak Kepah (Malaysia): Unterkieferrest, vielleicht mesolithisch;
Kwangsi (China): Unterkieferrest, möglicherweise mesolithisch. Auch
in Asien ist das gesamte Typenspektrum des fossilen Homo sapiens
belegt, wobei einige Anthropologen bei den Anbau treibenden
Populationen einen Trend zu zierlicheren Formen erkennen wollen.
Deren Argumentation mag wohl darin begründet liegen, daß die wenig
eiweißreiche Ernährung und die damit einhergehenden
Mangelerscheinungen dem Längenwachstum abträglich gewesen sein
müssen, oder daß mit dem Wegfallen der Lauftätigkeit des Jägers der
Vorteil langer Beine in der Evolution keine beeinflussende Rolle
mehr gespielt haben mag. Was bei dieser Argumentation freilich
häufig übersehen wird ist, daß wir sofort in einen Widerspruch zu
Afrika geraten, wo gerade die wildbeuterisch lebenden Populationen
der Khoisan besonders geringe Körpergröße aufweisen, während die
Feldbau treibenden Bantu-Stämme in der Regel stattlichere Maße
besitzen. Zudem haben moderne ernährungsphysiologische Studien
ergeben, daß ein kräftigeres Muskelwachstum neben einer ausreichend
proteinhaltigen Ernährung auch eine erhöhte Zufuhr von Kohlehydraten
erfordert. Die allgemein günstigen Lebensbedingungen im Mittleren
Orient hätten also ein Längenwachstum geradezu begünstigen müssen.
Folglich kann die Argumentation der Anthropologen nicht richtig
sein. Es müssen vielmehr Rassenalter und Zeitpunkt der
Seßhaftwerdung für das Längenwachstum verantwortlich gemacht werden.
Mit der Seßhaftwerdung geht ein höheres Rassenalter einher, oder es
findet eine rückläufige Tendenz des Längenwachstums statt, die
identisch dem Beharren in einem Rückzugsgebiet gleicht. Wie es
scheint, sind Grazil-Indide und Orientalide phylogenetisch jünger
als Mediterranide, Osteuropide und Nordide, da sie ihrem
südostasiatischen Entstehungsort näher sind. Ihr Längenwachstum hat
dadurch, daß ihre Wandertätigkeit vorzeitig beendet war, auch früher
aufgehört. Von Indochina ausgehend nimmt das Längenwachstum bis nach
Südskandinavien, aber auch bis Westafrika aufgrund von Selektion kontinuierlich zu. Am Ende dieser großen
Wanderungsbewegung von Ost nach West steht der hochgewachsene
Europäer, der damit auch als letzter von allen seßhaft wurde, zum
Teil erst nach der Völkerwanderung. Diese „indogermanische
Wanderung“, deren letzte Episode erst die eigentliche historische
Völkerwanderung darstellt, nahm vor gut 60000 Jahren von
Südostasien, dem ersten Unruhezentrum des modernen Menschen, ihren
Ausgang und hielt bis in die Jetztzeit ungebrochen an. Dies erklärt,
warum die Kultur von Mohenjodaro im Industal bzw. ihre Vorläufer vermutlich älter
sind
als die in Mesopotamien, und diese wiederum älter als die
ägyptische. Weiter westlich stieg zuerst Griechenland und dann Rom
zur führenden Macht auf. Der bislang letzte kulturelle Aufstieg
erfolgte getreu diesem Prinzip in Westeuropa, der von Südostasien am
weitesten entfernten Enklave der Menschheit.
Über die Großrasse der Mongoliden sagt
das Mesolithikum noch nichts aus, die späteren Serien lassen aber
der Vermutung Raum, daß Südostasien damals noch von zahlenmäßig
schwachen, aber bereits überwiegend europiformen Gruppen umgeben
war, die durch den Ausdehnungsdruck des mittlerweile nach Ostasien
gewanderten tungiden Rassenzentrums mehr und mehr nach Westen und
zugleich nach Nord- und Südosten abgedrängt wurden. Dafür sprechen
zum einen ein höherer Anteil europiden Formguts unter den frühen
Menschenresten Amerikas wie den noch heute dort lebenden Altgruppen
geringer „indianider“ Rassenprägung und zum andern die noch heute in
Ozeanien und Indonesien lebenden europiden und australiformen
Vertreter, erstere palämongoliden, letztere negriden
Charakters.
So leiten die Australiden und
Ostweddiden Indonesiens und Ozeaniens morphologisch über die
Weddiden Indiens und Hinterindiens zu den Hochkulturen Nordindiens (Harappa,
Mohenjodaro) und den etwas älteren Kulturen des Zweistromlandes (Eridu
und Sialk I) über. Belegt sind in diesen Regionen für das
Neolithikum nur die gröberen Langschädel mit kräftig entwickelter
Überaugenregion, während die feineren Langkopftypen in
vorherrschenden Anteilen, der Höherentwicklung des Menschen in
Ausbreitungsrichtung folgend, erst an der Ostküste des Mittelmeeres
(Kilikien, Syrien, Libanon, Palästina) und in Kleinasien auftauchen.
Mit der allmählichen Seßhaftwerdung, die mit zunehmender
Bewegungsarmut einhergeht, tritt allmählich auch die Verrundung des
Schädels ein. Es ist bezeichnend, daß die älteste Kurzkopfserie
Vorderasiens aus der Mitte des 4. Jahrtausends in Khirokitia auf
Zypern belegt ist, wo die Enge des Inseldaseins die
Bewegungsfreiheit der Menschen wohl sehr eingeengt haben muß,
während wir vom asiatischen Festland aus dieser Zeit noch keine
Entsprechungen kennen. Aus Kleinasien sind größere Anteile von
kurvoccipitalen Rundschädeln neben immer noch höheren Prozentsätzen
von Langschädeln aus verschiedenen Serien erst im 2. Jahrtausend v.
Chr. belegt. Planoccipitale, steilhinterhäuptige Kurzköpfe sind
sogar erst noch später zu fassen. Die Hethiter haben nach Ausweis
von Schädelserien bis jetzt nur Anteile kurvoccipitaler, aber noch
keine planoccipitalen Kurzköpfe erbracht, können also keinesfalls
als Prototypen der steilhinterhäuptigen Armeniden angesprochen
werden. In jüngerer Zeit nimmt der Anteil feinerer Langköpfe in
Vorder- und Westasien zu, die schwerer gebauten Langköpfe treten
anteilsmäßig mehr und mehr zurück, an ihre Stelle setzen sich (auch
im Iran) entsprechende Anteile von zumeist planoccipitalen
Kurzköpfen. Die Anthropologen stoßen nun mit ihrer landläufigen
Meinung, Langköpfigkeit sei unbegrenzt vererbbar, auf Unverständnis.
Wir können aber zutreffend mit ihnen feststellen, daß sowohl die
Invasion der langköpfigen Orientaliden nach Nordost, Nordwest und
West als auch die Überlagerung indogermanischer Herrenschichten
und nicht zuletzt der vermeintlich biologisch viel wirksamere
Zustrom griechischer Bevölkerungsschübe seit dem 6. Jh. v. Chr. und
besonders in hellenistischer Zeit relativ rasch von den autochthonen
Bevölkerungen wiederaufgenommen wurden. Es kann einerseits
nicht erwartet werden, daß Minderheiten sich genetisch durchsetzen,
und zum anderen darf auch nicht übersehen werden, daß sich die
Eindringlinge den Wirtschafts- und Lebensweisen der Uransässigen
sehr schnell angepaßt haben und damit den gleichen Bedingungen der
Seßhaftigkeit unterlagen wie die Überlagerten. Man braucht auch nicht
damit rechnen, daß einmal Seßhafte wieder zu Jägern und Sammlern werden
und ihr Schädel dadurch wieder an Länge gewinnt.
Einerseits wird der weite europide
Siedlungsraum in seinen dünn besetzten Außenzonen vom Neolithikum an
von Osten her zunehmend durch die mongolide Großrasse eingeengt, die
schon im letzten Jahrtausend v. Chr. zahlenmäßig in den Vordergrund
tritt, andererseits entstehen an den Südabhängen des Himalaya
europide Ballungsräume. Mit den Großreichbildungen der Hunnen und
Mongolen setzt dann eine verstärkte Druckwirkung nach Westen ein,
durch die besonders Teile der deutlich mongolid durchsetzten
Turkvölker nach West- und Vorderasien hineingespült werden.
Von den europiden Rassentypen Vorder-
und Mittelasiens sind einmal zu nennen die langköpfigen Orientaliden
und zum andern die kurzköpfigen Armeniden. Aus Mittelasien seien als
zweite Kurzkopfkomponente die deutlicher kurvoccipitalen Turaniden
erwähnt. In Indien ist die überwiegend etwas schwerer gebaute
Langform bei den Weddiden erhalten. Deutlich faßbarer wird am
südöstlichen Gebirgsrand des Himalaya wie auf der Landbrücke nach
Hinterindien ein stetiges Einsickern mongoliden Rassenguts. Auf dem
indischen Subkontinent überwiegen bis auf den Indobrachiden die
Langkopfrassen. Die Grazilindiden zeigen dagegen eine den
kleinwüchsigen europäischen Langköpfen des Mittelmeerraums ähnliche
Merkmalskombination, doch sind sie noch keine Mediterraniden.
Daneben gibt es aber auch grob-großwüchsigere Elemente mit dem
deutlicheren Relief und vielfach breiteren Gesicht der
cromagniformen Komponente der Altschicht. Nördlich sind in einem
größeren Block die Gondiden vertreten, im Südteil des Kontinents als
Restbevölkerung die Maliden mit besonders dunklen Hauttönen, deren
Kulturleistungen in Hinterindien im Khmer-Reich gipfeln. Zu den
Weddiden kann auch die kleinwüchsig-infantile untermittelgroße
Altschicht Hinterindiens gezählt werden. Zur Altschicht des Homo
sapiens zählen ferner die Andamaner, die Aëta auf den Philippinen
und die Semang und Senoi auf der Halbinsel Malakka.
Die mongolide Rasse läßt sich in weitere
Unterrassen unterteilen, deren südlichere das kennzeichnende
Merkmalskombinat immer weniger scharf ausgebildet haben und die
daher als Palämongolide zusammengefaßt werden, aus denen letztlich
die Mongoliden hervorgegangen sind. Kennzeichnend für die mongolide
Rasse ist allgemein ein untersetzterer Körperbau mit langem Rumpf
und kürzeren Gliedmaßen, wobei die heute vorherrschende Brachykranie
sicher eine relativ junge Erwerbung ist. Das Gesicht ist
überwiegend breit und durch die vorgeschobenen Wangenbeine
außerordentlich flach wirkend. Besonders kennzeichnend aber ist die
Mongolenfalte. Die Pigmentierung der Haut zeigt von Nord nach Süd
wenig Änderung, das Haar ist straff, die Körperbehaarung
außerordentlich schwach. Das biologische Ballungszentrum der
Mongoliden entstand entsprechend den Möglichkeiten der
Nahrungserzeugung vermutlich in China. Vom südsiniden Kernraum aus
wie aus dem mittelsiniden Rassenbereich sind gegen Ende des
ostasiatischen Neolithikums erste Bevölkerungsschübe nach den
südlichen japanischen Inseln gelangt, wobei aus dem südlichen
Bereich auch Palämongolides mitgerissen wurde. Gegen die
alteuropiden Vorbesiedler der japanischen Inseln, die Ainu, konnten
sich diese Wellen aber erst durchsetzen, als in späterer Zeit über
Korea ein stärkerer Zustrom nordsiniden und besonders tungiden
Rassentums erfolgte.
Über die rassengeschichtlichen Vorgänge
im bergigen Gebiet zwischen den großen Strömen wie den Bergländern
Südchinas kann die Anthropologie noch wenig sagen. Da jedoch die
Bildung der mongoliden Rasse aus der palämongoliden am
wahrscheinlichsten ist, bleibt zwangsläufig nur die Schlußfolgerung,
daß die Palämongoliden einmal sehr viel weiter verbreitet gewesen
sein müssen als heute. Da die Proto- und Deuteromalayiden
phylogenetisch älter sind als die Mongoliden, dürften sie von den
Südsiniden aus China verdrängt worden sein. So muß denn Indochina
oder Südchina auch die Urheimat aller Polynesiden sein, welche dem
von Norden kommenden Druck der Mongoliden insofern nachgegeben
haben, als sie von Südostasien aus den Pazifik besiedelten, da ihnen
eine andere Ausdehnungsmöglichkeit nicht gegeben war: im Westen
behinderten die Bergketten des Himalaya und das Hochland von Tibet
das weitere Vordringen sowie der schon damals dicht bevölkerte
indische Subkontinent, im Süden lag der ebenfalls bereits besiedelte
australo-melanesische Raum.
Zusammenfassend läßt sich feststellen,
daß die Kette frühen cromagniden Formguts den weiten Bogen vom
nördlichen China über den südostasiatischen Raum sowie den Iran bis
nach Palästina und Kleinasien umspannt, daß jedoch aus dem häufig
postulierten tungiden Rassenzentrum der Äußeren oder Inneren
Mongolei und den Kältesteppen Sibiriens bislang keinerlei Funde
vorliegen. Tatsache bleibt, daß sich der fossile Homo sapiens zu
seinem Schutz so gut wie ausschließlich in Höhlen aufgehalten hat,
und somit an Wohnstätten, für welche die Steppe nicht gerade der
ideale Fundort ist. Zu Bedeutung gelangt die Steppe erst mit der
Domestizierung des Pferdes, also relativ spät in der Geschichte und
keinesfalls mehr im Neolithikum.
Bis zur Seßhaftwerdung konnte die
Wanderungsbewegung des fossilen Homo sapiens nur längs der
Hochgebirgsketten erfolgt sein, die sich vom östlichen Himalaya über
den Hindukusch, Kaukasus zum Taurus und von dort weiter über den
Balkan bis zu den Alpen, ja sogar zu den Pyrenäen erstreckte. Wo
immer sich Höhlen oder auch nur Felsdächer fanden, waren diese dem
frühen, noch als Jäger lebenden Menschen bis in die jüngere
Steinzeit willkommene Behausungen. Diese nahezu durchgängige
Ost-West-Verbindung ermöglichte es dem fossilen Homo sapiens, vor
Witterungsunbilden und wilden Tieren geschützt, in einer feindlichen
Umwelt zu überleben. Ausgehend vom austronesischen Raum, der
Urheimat aller europiden, polynesiden und mongoliden Völker, teilte
sich die Menschheit schon früh in zwei Gruppen: solche, die am
Südrand des Himalaya über Hinterindien, Indien und Iran nach
Mesopotamien, auf die Arabische Halbinsel und von dort weiter nach
Afrika und in den Mittelmeerraum wanderten, und anderen, die den Weg
an den Ost- und Nordabfällen des Himalaya entlang durchs Turanbecken
wählten. Hier, in den Weiten der Taklamakan, längs der Seidenstraße,
muß unter denen, die westwärts zogen, auch die weitere Aufhellung
von Haar- und Augenfarbe erfolgt sein, wie die Funde blonder
skythischer Krieger in den westlichen Provinzen Chinas und
Turkestans beweisen, lange bevor dieser Raum von den nachfolgenden
türkischstämmigen Völkern, allen voran den Hunnen (chin. Hsiung-nu),
in Besitz genommen wurde. Unter denen, die sich weiter nördlich im
Altaigebirge niederließen, dem tungiden Rassenzentrum, blieb Schwarz
die bestimmende Haar- und Augenfarbe, obwohl auch dieses Gebiet
zuvor bereits von bärtigen (d.h. barbarischen) Völkern in Beschlag
genommen war, deren östlichste Ausläufer in den Ainu auf Hokaido zu
sehen sind. Man kann heute
davon ausgehen, daß jene Völker, die vom Norden dieser
langgezogenen Gebirgsgruppe kommend zuerst einen Vorstoß gen Süden
machten, nach Indien, Iran und Kleinasien, darunter die Sumerer und
Hethiter, vorindogermanische und später indogermanische Völker
waren. Für den umgekehrten Fall, einen Vorstoß von Norden nach
Süden, lassen sich keine Belege anführen. Somit fußen
wahrscheinlich sämtliche Hochkulturen Indiens, Mesopotamiens und
Kleinasiens auf indogermanischen oder protoindogermanischen
Eindringlingen, die den Feldbau, die Metallverarbeitung, das Pferd
und den Streitwagen mitbrachten, ein Kulturgut also, dessen sich
dann später semitische und auf der Stufe des Nomadentums stehende,
noch in der Steinzeit lebende Völkerschaften der Arabischen
Halbinsel bemächtigten, vermutlich, weil sie in dem ihnen vertrauten
Lebensraum kämpferisch überlegen waren.
Nun ist die Geschichte der Völker
bekanntlich ein Spiegel ihrer heutigen sprachlichen Verteilung. So
lassen sich die Sprachen Asiens grob unterteilen in die den
mongoliden Rassenkreis kennzeichnenden sinotibetischen und
altaischen Sprachen, die uralischen Sprachen, die als Kontaktsprache
zwischen Asien und Europa fungieren, die Tai-Kadai- und die
austroasiatischen Sprachen, welche Bindeglied zum
indonesisch-ozeanischen Raum sind, sowie einige dem europiden
Rassenkreis nahestehende indoeuropäische und afroasiatische Sprachen
wie etwa die iranischen, indischen und semitischen Sprachen, wobei
die semitischen die Kontaktsprache zu Afrika darstellen. Daneben
sind als ältere und einstmals weiter verbreitete Reste im Süden
Indiens noch die drawidischen, im äußersten Nordosten Asiens die
paläosibirischen und zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer die
kaukasischen Sprachen zu nennen. Die trennenden Einschübe slawischer
Sprachen sind dem russischen Vordringen bis zum Pazifik
zuzuschreiben und erst relativ jungen Datums, so daß sie für
populationsgenetische Betrachtungen nicht herangezogen werden
können.
Als erste größere Sprachverwandtschaft
können wir über die Kontinentalgrenzen hinweg eine Verwandtschaft
der nordamerikanischen Na-Dene-Sprachen mit den sinotibetischen
Sprachen feststellen und sie zu einer Makrofamilie, dem
Dené-Kaukasischen zusammenfassen, was u.a. den Beweis dafür liefern
soll, daß Amerika von China aus besiedelt worden ist. Allerdings
haben sich tungusische Sprachen dazwischengeschoben, oder aber, die
Einwanderer Amerikas haben paläosibirisches Gebiet lediglich
durchquert, sind dort aber nicht geblieben. Das außerordentlich
weite Verbreitungsgebiet der dene-kaukasischen Sprachfamilie vom
Baskenland über den Kaukasus und den alten Orient bis nach China und
Mittelamerika läßt bedeutende Schlußfolgerungen zu. Unter der
Annahme, daß die Ausbreitung des Menschen von Ost nach West
erfolgte, müßte man die Basken als die Vorfahren der Chinesen
ansehen und letztere zu den jüngsten Bevölkerungen weltweit zählen.
Dieser Zusammenhang mag aber kaum einer ernsthaften Überprüfung
standhalten. Vielmehr ist wahrscheinlich, daß die Basken mit der
vorindogermanischen Bevölkerung Griechenlands, den namensgleichen
Pelasgern, eine genetische Einheit bilden. Nach Ansicht einiger
Sprachwissenschaftler soll Baskisch mit den südkaukasischen bzw.
kartwelischen Sprachen, in jedem Fall aber mit einer der
kaukasischen Sprachen verwandt sein. Im unzugänglichen
Kaukasusgebiet konnten sich noch eine Reihe vorindogermanischer
Sprachen bis auf die heutige Zeit erhalten. Zu den dene-kaukasischen
Sprachen rechnet man auch die heute ausgestorbenen Sprachen des
Sumerischen, Hattischen und Hurritisch-Urartäischen sowie die
jenisseischen Sprachen, das Burushaski, eine isolierte Sprache, die
im Karakorum, und Nahali, welches in Nadhya Pradesh gesprochen wird.
Nicht völlig auszuschließen ist eine sehr frühe Abspaltung des
Nahali von den Mundasprachen, die einen Zweig des Austroasiatischen
darstellen. Auch die nordwestkaukasischen
oder abchaso-adygeischen Sprachen zählen zur
dene-kaukasischen Sprachfamilie. Während das Hurritisch-Urartäische
mit dem Nordostkaukasischen bzw. Nach-Dagestanischen verwandt ist,
sind Sumerisch und Hattisch isolierte Sprachen. Die Herkunft der
Sumerer ist unbekannt, sie sind aber mit Sicherheit keine Semiten
und auch nicht mit den nordöstlich angrenzenden Elamitern verwandt.
Den vielleicht einzigen Hinweis auf ihren Ursprung liefert das
Gilgamesch-Epos: „Mein Vater, ein Mann, der vom Steppenland
gekommen.“ Das Sumerische ist eine der ersten Sprachen, für die eine
Schrift entwickelt wurde. Die meisten sumerischen Worte sind
einsilbig, daher entsprachen die Zeichen unabhängig von ihrer
ursprünglichen Bedeutung bald nur noch einzelnen Silben. Auch wenn
zu manchen Zeiten eine Tendenz zur Vereinfachung der Schrift durch
die Reduzierung der Anzahl der Logogramme und durch Nutzung der
Polyphonie bestand, wurde der Schritt zu einem Alphabet nicht
vollzogen. Das Hattische wiederum ist die älteste durch Texte
belegte Sprache Anatoliens und wurde erst von den eingewanderten
Hethitern schriftlich fixiert. Die Hethiter waren ein
kleinasiatisches Volk des Altertums mit einer indoeuropäischen
Sprache. Sie bildeten im 2. Jahrtausend v. Chr. ein Großreich.
Im Altertum bewohnten semitischsprachige
Völker die Arabische Halbinsel. Durch Völkerwanderungen gelangten
sie nach Mesopotamien, Syrien und Israel, Ägypten, Äthiopien und mit
der phönizischen Kolonisierung bis an die Küsten des westlichen
Mittelmeers. Es läßt sich aus gutem Grunde vermuten, daß sie
ursprünglich aus Nordost-Afrika stammten, wo auch die anderen Zweige
der afroasiatischen Sprachfamilie zu finden sind, aus der Senke des
Roten Meeres, das nach der letzten Eiszeit geflutet wurde
(„Sintflut“). Zu den semitischen Sprachen zählen das ausgestorbene
Akkadische ebenso wie die erloschenen Sprachen Phönizisch-Punisch,
Moabitisch, Ammonitisch, Edomitisch und Ugaritisch sowie das
Hebräische, Aramäische, Arabische und Äthiosemitische.
Verwandtschaften besitzen die semitischen Sprachen nur innerhalb der
afro-asiatischen Sprachfamilie, z.B. mit dem Ägyptischen, dem
Omotischen, Berberischen, Kuschitischen und Tschadischen. Semitische
Völker gelten als die Ureinwohner der Arabischen Halbinsel. In
sumerischen Erwähnungen der 3. Dynastie von Ur werden sie als
Amurriter und unzivilisierte Krieger beschrieben: Ein Volk, das kein
Korn kennt. Zu dieser Zeit waren die Amurriter noch Nomaden, die in
keinem festgelegten Gebiet wohnten. Auch die genaue Herkunft der
Hyksos ist umstritten; als relativ sicher gilt, daß sie aus dem
vorderen Asien stammen. Die Semiten unterscheiden sich
blutgruppenmäßig kaum vom Europäer, lediglich das Duffy-Allel *FY,
das sie mit den Drawiden Südindiens und den Bewohnern der
Malakka-Halbinsel gemein haben, weist auf ihre austroasiatische
Herkunft hin.
Überhaupt stellt der Nahe Osten einen
Scheideweg dar zwischen den mehr nördlich ziehenden Völkern, die von
China aus durch Turkestan entlang des Kaukasus über die damals noch
existierende Landbrücke, den Asien und Europa verbindenden Bosporus,
nach Südeuropa vordrangen und von dort aus den Alpenraum
besiedelten, und solchen, die südlich des Kaukasus und dann längs
des afrikanischen Grabenbruchsystems, der Fortsetzung des
Jordan-Grabens, nach Afrika einwanderten. Es muß kein Zufall sein,
daß die aus dem illyrischen Raum stammenden Dinariden, die wiederum
mit den steilhinterhäuptigen Armeniden verwandt zu sein scheinen,
ihre kennzeichnende Merkmalskomponente, die typische Hakennase, mit
den dunklen Europiden, die man Äthiopide nennt, gemein haben. Der
Versuch, die vorindogermanischen Kurzkopfrassen, die vom
Taurusgebirge aus über eine damals existierende Landbrücke nach
Zypern einwanderten und denen die dortigen Städtegründungen
zugeschrieben werden, unter dem Namen Tauride zusammenzufassen,
erscheint durchaus sinnvoll. Kurzköpfigkeit ist ein Merkmal der
Seßhaftigkeit, und so muß es nicht verwundern, daß die
kurvoccipitalen Schädelfunde von Khirokoitia, das zu den ältesten
Stadtgründungen überhaupt zählt, Parallelen in den ebenfalls sehr
frühen städtischen Gründungen von Byblos und Jericho finden. In
jedem Fall müssen die Orientaliden zu den Tauriden eine engere
genetische Verwandtschaft besitzen als zu den Indogermanen, mit dem
Unterschied, daß erstere als umherstreifende Nomaden ihre
Langschädligkeit noch länger bewahren konnten. Tauride waren es mit
großer Wahrscheinlichkeit auch, denen als ersten die Domestizierung
von Getreide gelang, bereits um 9000 v. Chr. in Tell Abu Hurayra am
syrischen Euphrat. Wahrscheinlich noch vor ihrer Seßhaftigkeit
errichteten Menschen auf dem Göbekli Tepe, dem höchsten Punkt eines
langgestreckten Bergzugs nordöstlich der Stadt Şanlıurfa, ein
Bergheiligtum, das mit ca. 11500 Jahren die derzeit älteste bekannte
Tempelanlage der Welt ist. Auf dem Tell Dja'de al Mughara nahe
Aleppo legten Grabungen neolithische Siedlungsreste aus dem 9.
Jahrtausend v. Chr. frei, einen großen Rundbau, in dem sich die
derzeit älteste bemalte Wand der Welt befindet. Leider ist uns aus
dieser frühen Zeit noch keine Schrift überliefert, so daß die
Herkunft der Tauriden weiterhin nebulös bleibt, wenngleich das
meiste darauf hindeutet, daß sie ursprünglich ebenfalls aus dem
Kaukasus kamen.
Die nördlich des Kaukasus verbreiteten
uralischen Sprachen gliedern sich in die Zweige des Finno-Ugrischen,
zu denen Finnisch, Estnisch und Ungarisch gehören, und die
samojedischen Sprachen östlich des Urals. Als Besonderheit in Europa
gelten weiterhin die Ungarn, die trotz der großen Distanz zu den
Finnen gleichen Ursprungs sind. Die Heimat aller uralischen
Sprachen, die Muttersprache des Proto-Uralischen, lag wahrscheinlich
im zentralen oder südlichen Uralgebiet. Diese angenommene Urheimat
war auch bestimmend für die Namensgebung dieser Sprachfamilie. Der
Prozeß der Abtrennung einzelner uralischer Gruppen und die
Einwanderung in ihre späteren Siedlungsgebiete begann vor etwa 5000
Jahren, als sie sich vom Kaukasischen abzweigten. Bemerkenswert ist,
daß wir mit den Finnen innerhalb der uralischen Völkerfamilie auf
eine helle Komplexion stoßen, was die uralischen Völker deutlicher
in die Nähe der indogermanischen rückt, da nämlich die
Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Hellmutante, die sich mit
Sicherheit nur einmal in der kurzen Zeitspanne der Rassenentwicklung
ergeben hat, äußerst gering sein dürfte.
Eine ernstzunehmende Hypothese ist die
Verwandtschaft des Uralischen mit der sonst als isoliert
eingestuften paläosibirischen Sprache Jukagirisch. Jukagirisch wird
noch von einigen hundert Menschen in Nordost-Sibirien gesprochen. Zu
den insgesamt fünf paläosibirischen, genetisch jedoch nicht
verwandten Sprachen Jenisseisch, Jukagirisch,
Tschuktscho-Kamtschadalisch, Niwchisch und Ainu kann man auch die
eskimo-aleutischen Sprachen zählen, die wiederum mit den
nordamerindischen Wakash-Sprachen verwandt sind. Jenisseisch besitzt
andererseits gewisse Gemeinsamkeiten mit den Na-Dené-Sprachen, so
daß über die Kontinente hinweg Sprachverbindungen hergestellt werden
können. Wahrscheinlich sind die paläosibirischen Sprachen Überreste
von einst größeren, über weite Teile Sibiriens verbreiteten
Sprachfamilien, die zunächst von den eindringenden uralischen,
turkischen und tungusischen Stämmen zurückgedrängt und teilweise
aufgesogen wurden. Nachweislich waren sie einmal in wesentlich
größeren und auch weiter westlich gelegenen Gebieten verbreitet als
heute.
Die mandschu-tungusischen Sprachen, die
in Nordchina, den ostsibirischen Gebieten Rußlands und Teilen der
Mongolei gesprochen werden, bilden ebenfalls einen genetischen
Sprachverbund und weisen zudem große Ähnlichkeit mit den
mongolischen und turkischen Sprachen auf, mit denen sie zur
altaischen Sprachfamilie zusammengefaßt werden können. Den
tungusisch sprechenden Völkern ist eindeutig der tungide Rassentyp
zuzuordnen. Da die paläosibirischen Sprachen älteren Datums sind,
kann der Tungide nur auf den überwiegend europiden Paläosibirier
folgen bzw. aus ihm hervorgegangen sein. Die wichtigsten
tungusischen Sprachen sind das Ewenkische und das Mandschurische,
und es läßt sich in Abständen feststellen, daß sowohl mongolische
als auch tungusische Sprachen immer wieder in den Kaiserdynastien
Chinas gesprochen wurden. Angehörige dieser Sprachgruppen haben sich
den mittel- und südsiniden Völkern sozusagen als Herrenrasse
aufgepfropft und diesen teilweise ihre Sprache aufgezwungen, ohne
das Chinesische allerdings nachhaltig beeinflussen zu können.
Zu den mongolischen Sprachen gehören
insbesondere das Burjatische und Kalmückische. Burjaten und
Kalmücken sind diejenigen Völker mit der höchsten Frequenz der
Blutgruppe B, was darauf hindeutet, daß die mongolide Rasse, der
diese Sprache zugeordnet ist, sehr jung sein muß und damit auch ihr
Entstehungsort auf diese Völker konzentriert werden kann.
Zu den altaischen Sprachen zählen
außerdem noch das Koreanische und Japanische. Ethnisch sind die
Koreaner aus dem Tungusenstamm der Yemaek hervorgegangen, und
besiedelt worden ist die koreanische Halbinsel bereits vor 18000
Jahren von Sibirien aus. Die koreanische Sprache hat sich schon sehr
früh von der altaischen Sprachfamilie abgespalten, es bestehen zudem
strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Japanischen. Das Japanische
wiederum gehört zur Familie der Ryūkyūsprachen und ist weder
eindeutig den altaischen noch den austronesischen Sprachen
zuzuordnen. Ainu, die Sprache der heute mit den Japanern weitgehend
vermischten Ureinwohner, kann noch am ehesten mit den
paläosibirischen Sprachen zu einer Einheit zusammengefaßt werden. In
ihrer Blutgruppenzusammensetzung gleichen die Japaner vielfach mehr
dem Europiden als dem Mongoliden, beispielsweise weisen sie einen
für Asiaten ungewöhnlich hohen Anteil der Blutgruppe A auf.
Die ersten turksprachigen Völker stammen
aus der Altai-Region, genauer gesagt lebten sie am Schnittpunkt der
beiden Flüsse Orchon und Selenga. In ihre heutigen Gebiete sind sie
erst im Laufe der Völkerwanderung gekommen. Die wichtigsten
Turksprachen sind Türkisch, Aserbaidschanisch, Usbekisch,
Kasachisch, Uigurisch, Turkmenisch, Kirgisisch, Tschuwaschisch,
Baschkirisch, Tatarisch und Kaschgaisch. Berührungspunkte zu China
ergeben sich zweifellos in der Provinz Xinjiang, dem ehemaligen
Ostturkestan.
Das heutige Turkestan war ursprünglich
von iranischen Völkern besiedelt und unter dem Namen Turan bekannt.
Insofern ist die Rassenbezeichnung Turanide durchaus irreführend, da
damit heute die ursprünglich viel weiter östlich lebenden Turkvölker
gemeint sind, die aus einer Vermischung mit nach Westen
expandierenden Mongoliden hervorgegangen sind, aber immer noch mehr
europide Anklänge aufweisen als mongolide. Die Steppen
Zentralasiens, Südrußlands und der Ukraine waren jahrtausendelang,
mindestens vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zum Einfall der Hunnen,
die Heimat der iranischen Volksstämme. Die dardischen Sprachen sind
eine Untergruppe der indoarischen Sprachen, die zusammen mit den
iranischen Sprachen einen Zweig des Indogermanischen bilden.
Tatsache ist, daß sowohl der Iran als auch der nördliche Teil des
indischen Subkontinents vom Turanbecken aus besiedelt worden sind,
und zwar mit Menschen indoeuropäischen Typs, die es ursprünglich
südlich des Himalaya und Kaukasus nicht gegeben hat und die offenbar
über die Seidenstraße und den Khaiberpaß kamen. Es wäre
sonst wohl kaum der Kreis zu schließen zwischen den australiformen
Altschichtgruppen Südostasiens, den Weddiden und Maliden, zu den
cromagniformen Gruppen Europas und Afrikas. Aus der Tatsache, daß es
in Pakistan drawidische Sprachinseln gibt, folgt, daß diese Sprachen
vor dem Eindringen des Indoarischen wesentlich weiter verbreitet
gewesen sein müssen als heute, ähnlich wie einige austroasiatische
Sprachen bis nach Indien vorgedrungen sind, um dort allmählich zu
versickern. Aus dem Drawidischen ergibt sich auch ein Hinweis auf
eine sprachliche Verwandtschaft mit der Indus-Kultur. Die
Indus-Schrift, die mit keiner anderen Schrift verwandt ist, ist
allerdings bis heute nicht entschlüsselt. Weitere vielversprechende
genetische Verwandtschaften könnten zur elamischen Sprache und zur
uralischen Sprachfamilie bestehen. Eine Verwandtschaft mit der
elamischen Sprache, die mit keiner anderen altorientalischen oder
indogermanischen Sprache verwandt ist, würde anthropologisch am
meisten Sinn machen, weil sie einen Meilenstein auf dem südlichen
Wanderweg des fossilen Homo sapiens von Südostasien nach
Afrika markiert. Denn wie sonst möchte man eine Brücke zwischen den
australiden und weddiden Bewohnern jener Regionen schlagen, wenn man
nicht eine einstmals durchgehende Verbindung zwischen dem
austro-melanesischen Raum und dem indischen Subkontinent annimmt.
Ein weiteres Indiz für einen genetischen Zusammenhang liefert das Gammaketten-Marker-System GM*1,2;21, welches nur in
Südindien, d.h. unter der drawidischen Bevölkerung, und nur in
Australien häufiger vorkommt.
Iran und Indien waren also in ihrem Kern
niemals indoarisch, was uns auf eine Herkunft der Indoeuropäer aus
einem viel nördlicheren Gebiet schließen läßt. Der Entstehungsraum
des Indoeuropäers kann also nur an den Nord- und Ostabhängen des
Himalayas gelegen haben, längs der Seidenstraße, möglicherweise
sogar im Westen Chinas, da nur im Gebirge Höhlen zu finden waren,
die während der letzten Vereisung eisfrei blieben. Die Grenze dieser
ehemaligen Steppe bildet im Süden das Kopet-Dag-Gebirge zwischen
Turkmenistan und Iran, im Westteil von Turkmenistan der Große Balkan
und im Norden das Tienschan. Die westlich angrenzende Kysylkumwüste
ist reich an prähistorischen Funden. Die Oase Merw war bereits in
der Jungsteinzeit besiedelt. Während das Turanbecken heute eine
riesige Wüste darstellt, muß dieses Gebiet im oberen Pleistozän
äußerst fruchtbar gewesen sein, und nur so konnte es später
gelingen, daß hier die ersten Ackerbaukulturen Zentralasiens
entstanden. Dscheitun, ein Ausgrabungsort im südlichen Turkmenistan,
nordwestlich von Aşgabat im Kopet-Dag-Gebirge, gilt als ältester
Beleg für ackerbautreibende Kulturen in Zentralasien. Die Funde
werden der Jungsteinzeit zugeordnet und reichen bis ins 7.
Jahrtausend v. Chr. zurück, in Europa begann diese Periode um 7000
v. Chr., etwa zeitgleich mit dem Auftreten der ersten Cardialkeramik
an der Adria und im westlichen Mittelmeer. In Anatolien gibt es
früheste Belege für Keramik um 7400 in Çatalhöyük. Auch die
Körös-Kultur in Südosteuropa, die um 6200 v. Chr. einsetzt, datiert
früher als die älteste Keramik Mesopotamiens um 6000 v. Chr. (Samarrakeramik),
die vergleichsweise so alt ist wie die Sesklo-Keramik in
Griechenland. Die Bandkeramik, deren erstes Auftreten in Europa etwa
zeitgleich zu China erfolgt (Peiligang-Kultur), reicht bis auf 5600
v. Chr. zurück und tritt damit um gut 100 Jahre früher in
Erscheinung als die erste Keramik an Nil und Indus.
Die Vorläufer
der berittenen Kurgan-Kulturen mit ihrem patriarchalen System,
bestehend aus einem Fürsten, Adligen und freien Männern, wanderten
wahrscheinlich wegen einer Trockenperiode aus der Steppenregion des
heutigen chinesischen Turkestans aus, zogen gen Westen Richtung
Anatolien und weiter nach Europa, wandten sich auch nach Südwesten
in den heutigen Iran und das heutige Indien und nach Nordwesten ins
Baltikum. Wenn man von einem indoeuropäischem Ursprungszentrum im
westlichen China ausgeht, läßt sich die Entstehung der westlichen
Kentumsprachen und der östlichen Satemsprachen auf einen gemeinsamen
Nenner bringen, wonach die Aufspaltung schon relativ weit im Osten
erfolgt sein muß und die Kentumsprachen als die vorauseilenden auch
die älteren sein müssen.
Jetzt verstehen wir, wie das Wissen um die Pyramiden, die ja
nichts anderes sind als steinerne Hügelgräber oder Kurgane einer
patriarchalischen Gesellschaft, eine derart weltweite Verbreitung
finden konnten. Wir kennen Pyramiden nicht nur aus Ägypten, sondern
treffen sie auch in China, im Zweistromland und in Mittelamerika an.
Erfunden wurden sie wahrscheinlich von den frühen Indogermanen in
Zentralasien, und zu einer ersten Blüte gelangten sie in Göbekli Tepe
in Ostanatolien. In
der Nähe von Luhansk haben Archäologen 5000 Jahre alte Pyramiden
entdeckt, die den ägyptischen sehr ähneln. Man geht davon aus, daß
diese Pyramiden einem anderen Zweck gedient haben als im Alten
Ägypten. Vermutlich handelt es sich um Heiligtümer wie in Göbekli
Tepe, und nicht um gigantische Grabstätten. Auch die Megapyramiden
in Mittelamerika dienten religiösen Zwecken, die alle ihren
gemeinsamen Ursprung im westlichen China haben.
Hügelgräber finden sich in Eurasien in
zahlreichen Ländern und Kulturen. Die größten Grabhügel überhaupt
sind die Hügel über den Gräbern der frühen chinesischen Kaiser, sie
verbergen riesige unterirdische Grabanlagen. Vor kurzem haben
Archäologen in der Gemeinde Sijiazi im Banner Aohan auf dem Gebiet
der Inneren Mongolei eine Pyramide freigelegt, die über 5000 Jahre
alt ist. In Ägypten wurden Tumuli bis zum Ende der vordynastischen
Zeit für Beerdigungen genutzt und sind somit die Vorläufer unserer
Mastabas und Pyramiden. In fast allen nubischen Kulturen kommen
Hügelgräber ebenfalls vor. In der Form des Stupa erlangte das
Hügelgrab ab dem 3. Jh. v. Chr. große Bedeutung als Grab- und
Reliquienmal im Buddhismus.
Auch die Mumifizierung scheint
indogermanischen Ursprungs. In den
Flußoasen des Tarimbeckens entstanden vor 4000 Jahren
bronzezeitliche Siedlungen, in denen Europide lebten, die
mumifiziert in bronzezeitlichen Grabkammern und Nekropolen bestattet
wurden. Die im trockenen, sandigen Wüstenklima der Taklamakan und
der Wüste Lop Nor immer wieder aufgefundenen Mumien sind erstaunlich
groß, blond, blauäugig, mit Bart, teils hellhäutig und mit
kaukasischen Gesichtszügen und werden dadurch sehr sicher den
Indoeuropäern zugeordnet. Die Mumien datieren auf Zeiträume bis 1800
v. Chr. Auch die durchgeführten Gen-Analysen stützen das Bild vom
Indoeuropäer. Eine skythische Mumie in
der Mongolei ist dank des Dauerfrostbodens bis auf das Gesicht und
den Oberkörper gut erhalten geblieben, was sich durchaus mit
den vom Permafrost konservierten Hügelgräbern der Skythen am
Hindukusch vergleichen läßt. Der Krieger
aus dem Eis ist blond und gehört vermutlich der Oberschicht an.
Ob ethnische Beziehungen zu den Tocharern bestehen und ob
Verbindungen zu indoeuropäischen Völkern überhaupt anzunehmen sind,
ist immer noch strittig, aber doch höchst wahrscheinlich. Die
Tocharer sind die Sprecher der tocharischen Sprache, eines Zweigs
der indogermanischen Sprachfamilie. Das ausgestorbene Tocharische,
das relativ weit im Osten gesprochen wurde, ist eine Kentumsprache.
Sämtliche westlichen Kentumsprachen lassen sich vermutlich auf das
Tocharische zurückführen, wobei von den Satemsprachen nicht eine
einzige weit nach Westen gelangt ist.
Auch die Hephthaliten waren ein
Stammesverband mit unklarem, möglicherweise jedoch überwiegend
indogermanischem Ursprung, welcher um 425 n. Chr. ein Reich in
Mittelasien begründete. Die gängige Lehrmeinung geht davon aus, daß
die Hephthaliten zumindest in ihren bestimmenden Teilen recht eng
mit den Tocharern oder Iraniern verwandt waren.
Die Yüe-tschi, eine weitere indogermanische Stammesgruppe im
Raum der heutigen Provinz Gansu, lassen sich vom Tarimbecken bis
nach China verfolgen. Noch älter sind die im Dorf Ban Chiang in
Nordost-Thailand ausgegrabenen Bronzefunde, die ins 3. Jahrtausend
v. Chr. datieren, also etwa zeitgleich sind mit europäischen Funden.
Siedlungen konnten bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen
werden, und Felszeichnungen finden sich in Phu Phrabat und Pha Taem.
Diese sind aber nicht den Thai-Völkern zuzuschreiben, da diese erst
im 6./7. Jahrhundert n. Chr. aus dem südlichen China in ihre
heutigen Sitze eingewandert sind, sondern es muß sich bei den
Trägern dieser Kultur um europide Gruppen gehandelt haben.
Von China selbst ist bis zu diesem
Zeitpunkt noch nicht viel bekannt. Weder der Dingcun- noch der Dali-
noch auch der Liujiang-Mensch lassen eine genauere Datierung zu als
ins späte Pleistozän. Lediglich der alte Shandingdong-Mensch konnte
auf ein Alter von mindestens 10000 Jahren datiert werden, wobei der
eine Schädel anatomische Gemeinsamkeiten mit modernen Europiden
besitzt, der andere dem von Angehörigen des australo-melanesischen
Raumes gleicht, woraus wir schließen können, daß China mit Europiden
von Südostasien aus besiedelt worden sein muß. Der Liujiang-Mensch
gilt zudem als früher Vertreter der Mongoliden. Älteste Hinweise auf
menschliche Aktivität in China liefert die sogenannte
Pengtoushan-Kultur (ab 7500 v. Chr.), eine neolithische, primär um
die mittlere Yangtze-Region im nordwestlichen Hunan zentrierte
Kultur. Sie war in etwa zeitgleich mit ihrem nördlichen Nachbarn,
der Peiligang-Kultur.
Die zum Dene-Kaukasischen zählenden
sinotibetischen Sprachen dürften zweifellos zu den ältesten Sprachen
Asiens gehören. Sie untergliedern sich in die sinitischen und
tibetobirmanischen Sprachen. Die Tai-Kadai-Sprachen wiederum
gliedern sich auf in die drei Hauptzweige Hlai, Kadai und Kam-Tai.
Die Verwandtschaftsverhältnisse der ursprünglich für eine
Untergruppe der sinotibetischen Sprachen gehaltenen
Tai-Kadai-Sprachen sind unklar, sie sind aber ebenfalls Tonsprachen
mit drei bis neun kontrastierenden Tönen, sind in der Regel
monosyllabisch und besitzen kaum Morphologie.
Einen weiteren Hinweis, daß der frühe
Mensch aus dem austronesischen Raum kam, liefern die
austroasiatischen Sprachen, von denen angenommen werden muß, daß sie
zu einer sehr frühen Bevölkerungsschicht Süd- und Südostasiens
gehören, und daß die anderen Sprachen, die heute dort gesprochen
werden, erst durch spätere Bevölkerungswanderungen in diese Region
kamen. So ist etwa Orang Asli eine proto-malaiische Sprache. Zu den
austroasiatischen Sprachen gehören ferner die Mon-Sprachen, deren
Träger, die Mon bzw. Talaing, zu den ältesten Bewohnern Birmas
zählen; ihr Königreich Dvaravati war stark von Indien beeinflußt.
Eng verwandt mit dem Bergvolk der Mon sind die Khmer, die
hauptsächlich in Kambodscha, aber auch im benachbarten Laos,
Thailand und Vietnam siedelten. Die Vorfahren der heutigen Khasi
sind aus mongolischen Stämmen hervorgegangen, sie selbst sind jedoch
eine Ackerbaukultur. Die Khmu hingegen sind ein Bergvolk im
nördlichen Laos. Archäologische Funde in Huaphanh und Luang Prabang
belegen menschliche Aktivität auf laotischem Gebiet bereits vor etwa
40000 Jahren. Siedlungen seßhafter, Landwirtschaft betreibender
Bewohner gab es erst um 4000 v. Chr., also mehr als tausend Jahre
später als in China, woraus wir folgern können, daß der
südostasiatische Raum mit Mongoliden von China aus besiedelt worden
sein muß. Jüngere Funde in Grabstätten aus der Zeit um 1500 v. Chr.
lassen dann auf eine komplexe, hochentwickelte Gesellschaft
schließen.
Als noch besonders primitiv muß die
vietnamesische Sprache angesehen werden, bei der jedes Wort aus nur
einer einzigen Silbe besteht. Monosyllabische Sprachen sind wie die
Tonsprachen gute Kandidaten, um mit jüngeren Völkern in Verbindung
gebracht zu werden, eben wegen ihrer Einsilbigkeit. Die Tonhöhe wird
mangels höherer Ausdrucksformen als zusätzliches
Differenzierungsmittel gebraucht, wie es in allen wildbeuterisch
lebenden Gesellschaften der Fall ist, die sich zum Zwecke der Jagd
mit Lauten und Geräuschen verständlich machen mußten. Zu den
Tonsprachen zählen in Asien neben den austroasiatischen Sprachen
noch die sinotibetischen, die Tai-Kadai- und die Hmong-Mien-Sprachen.
Auch die nikobaresischen Sprachen zählen zur austroasiatischen
Sprachfamilie, die Gesichtszüge der meisten Stammesbewohner sind
mongolid. Die Sprache der mit ihnen verwandten Shompen steht mit
keiner anderen Sprache der Region in Zusammenhang. In Indien stellen
die sogenannten Mundasprachen den Restbestand austroasiatischer
Sprachen dar. Die Munda, nach denen diese Sprachfamilie benannt ist,
sind ein indigenes Volk in Indien, sie zählen wie die Adivasi zu den
Ureinwohnern des Landes.
Gerade diese Vielzahl an Sprachen im
südostasiatischen Raum zeugt von einem jungen, noch hoch geordneten
Zustand, während im Zuge der sogenannten „höheren“ kulturellen
Entwicklung sich meist eine dominierende Sprache durchgesetzt hat,
während die übrigen in der Vermischung aufgegangen sind, bis aus dem
geordneten multi-lingualen Zustand schließlich ein einsprachiger
ungeordneter Zustand hervorging. Das zeigt anschaulich, daß alle
großen Kulturen älter sind als einzelne Stammeskulturen, die
erst noch zu Hochkulturen werden müssen. Wir dürfen somit den
südostasiatischen Raum als von den weltweit jüngsten Vertretern
des Homo sapiens bewohnt ansehen. Anthropologisch gesehen
läuft also die Entropie „rückwärts“.
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