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In diesem Abschnitt geht es nicht in erster Linie um die Frage, welcher biologische Vorteil sich hinter der Nasenlänge (eigentlich Schmalnasigkeit) verbirgt, und auch nicht um den Geruchssinn schlechthin, wenngleich diese Fragen durchaus von anthropologischer Bedeutung sind, sondern es geht um die auffallende Tatsache, daß unterschiedliche Rassen unterschiedliche Nasenlängen besitzen. Auch bei unseren biologisch nächsten Verwandten, den non-humanen Primaten, haben sich im Laufe der Evolution verschiedene Nasenformen herausgebildet, wobei sich die Nase einer jeder Affenart einheitlich gestaltet; lediglich beim Menschen treten bereits innerhalb der Art erhebliche Variationen auf. Innerhalb einer Population gibt es zwar auch noch zum Teil beträchtliche Schwankungen, aber die Mittelwerte einzelner Populationen weichen doch deutlich voneinander ab. Betrachten wir zunächst die weiße Rasse, die an Nasenlänge alle anderen Rassen übertrifft, vor allem durch die nur bei dieser Rasse auftretende Spitznasigkeit. Das berühmte Stupsnäschen kann man zwar auch unter Weißen beobachten, vorrangig bei weiblichen Individuen, aber hierbei dürften sexuelle Auswahlkriterien eine Rolle gespielt haben. Bei solchen Populationen hingegen, die in Tropenregionen leben, konnte sich die schmale Nase augenscheinlich nicht durchsetzen. Durch besonders ausgeprägte Flachnasigkeit sticht vor allem die mongolide Rasse heraus, aber auch die Afrikaner der Tieflagen haben keine besonders schmalen Nasen vorzuweisen. Bei der indianiden Bevölkerung Amerikas, die ja von der mongoliden Rasse abstammen soll, finden sich erheblich größere Nasenlängen, bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen sogar durchaus den europäischen Maßen vergleichbare. Auch die Bevölkerung Ozeaniens, etwa die Papua in Neu-Guinea oder die Ainu in Japan, haben zum Teil beachtliche Riechorgane, obwohl Melanesien, Mikronesien und Polynesien von Asien aus besiedelt worden sind, d.h. die Kurznasigkeit kann erst eine relativ junge Errungenschaft des Menschen sein. Auffallend ist, daß gerade unter den Angehörigen der Altschicht, das sind die australischen Ureinwohner, die Weddiden Indiens, die Negritos in Südostasien, die Khoisaniden Südafrikas und nicht zu vergessen die Europäer, besonders ausgeprägte Nasen zu finden sind. Indien stellt gewissermaßen einen Übergangsbereich zwischen alteuropider Langnasigkeit und afro-asiatischer Kurznasigkeit dar. Nun darf nicht übersehen werden, daß es vor 60.000 Jahren eine durchgehende Verbindung der Alteuropiden von Europa bis nach Australien gegeben hat, deren Reste heute in nur noch wenigen Rückzugsgebieten leben, ehe die mongolide Rasse, allen voran die Protomalaien, durch Einwanderung und Übervölkerung des südostasiatischen Raums diese Landverbindung abgeschnitten hat. Die Spitznasigkeit ist ein dominantes Merkmal, welches sich im Lauf der Evolution unter verschiedenen Rassen, insbesondere der Altschicht, durchgesetzt hat. Dominante Merkmale sind aber in der Regel später entstanden als die rezessiven und müßten demnach die jüngeren sein. Insbesondere beim Vergleich mit dem Schimpansen, dem nächsten Verwandten des Menschen, fällt auf, daß der Schimpanse ausgesprochen kurznasig ist. Demnach müßte auch der gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse kurznasig gewesen sein, d.h. »affenartig« ausgesehen haben. Das steht im Widerspruch dazu, daß sowohl die negride als auch die mongolide Rasse deutlich jüngeren Datums sind als die alteuropide. Was für die Nasenform gilt, gilt im selben Maße auch für die Form des Unterkiefers. Das vorspringende »affenähnliche« Unterkiefer, welches noch heute bei der negriden wie auch der mongoliden Rasse ausgeprägter ist als bei der alteuropiden, muß jüngeren Datums sein als das »Rückbeißergebiß« der Altschicht. Wie lassen sich diese scheinbaren Widersprüche nun erklären? Durch Vererbung und Alter können sie nicht erklärt werden. Also können nur Selektionsmechanismen als Erklärung dienen. Auch in der Altschicht sind die Merkmale, die wir heute in ausgeprägter Form nur noch bei der negriden und mongoliden Rasse finden, im Genotyp nach wie vor vorhanden, im Phänotyp sind sie jedoch wegen der Dominanz der Langnasigkeit und Rückkiefrigkeit aufgrund der Mendelschen Regeln ausgestorben. Welche Selektionsmechanismen nun bei den Negriden und Mongoliden dazu geführt haben, daß diese Allele bei ihnen in homozygoter Form häufiger vorkommen, darüber kann nur spekuliert werden. Es mag an den Ernährungsgewohnheiten gelegen haben, daß nach Abwanderung der Altschicht aus Afrika und dem Übergang zu Fleischfressern die Zurückgebliebenen weiterhin auf vegetarischer Basis gelebt haben. Der Gorilla verzehrt beispielsweise trotz seines furchterregendes Gebisses überwiegend pflanzliche Nahrung, ähnlich könnten sich der Negride durch die Kultivierung der Hirse und der Asiate durch den traditionellen Reisanbau als Ernährungsgrundlage für ihr Aussehen rechtfertigen. Die Altschicht der nördlichen Breiten und der ariden Zonen war seit frühester Zeit auf verstärkten Fleischverzehr angewiesen. Um Tiere aufzuspüren, war ein verbessertes Riechorgan für sie überlebenswichtig. In den Tropengebieten war dies offenbar nicht nötig, da die Natur dort an eßbaren Früchten und Pflanzen über das ganze Jahr verteilt ein reichhaltigeres Nahrungsangebot bereithielt. In diesen Gebieten boten Langnasigkeit und Hinterkiefer keinen Überlebensvorteil und konnten sich dort auch nicht durchsetzen. Vielleicht wurden die Langnasen in diesen Regionen durch sexuelle Auswahlkriterien sogar ausgesprochen abgewählt, oder die Gründerpopulationen besaßen durch Zufall bedingt gerade vermehrt die rezessiven Merkmale. Wir wissen es nicht genau. Sicher jedoch ist, daß sich die Kurznasigkeit in ausgezeichneter Weise mit der Verteilung der Blutgruppe B zur Deckung bringen läßt.
 

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

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