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Homosexualität
Aus anthropologischer
Sicht scheint Homosexualität eine lange Tradition zu haben; seit es
schriftliche Überlieferungen gibt, wird über sie berichtet. Bereits
die antiken Hochkulturen liefern eine Reihe von Beispielen teils
auch berühmter Männer, die ihr zuneigten. Prominenteste Beispiele
sind der Philosoph Platon, aber auch Weltenbeherrscher wie Alexander
der Große wurden ihrer bezichtigt. Im christlichen Mittelalter fiel
Gleichgeschlechtlichkeit unter den Begriff Unzucht, im
Nationalsozialismus war sie geächtet, weil sie den Vorstellungen von
gesundem Erbgut zuwiderlief, das nicht wert war, weitervererbt zu
werden. Es gibt eine Menge von Theorien, wie Homosexualität
entsteht: Die einen meinen sie unter "anerzogen" einreihen zu
müssen, andere sprechen von Vererbung. Der Vererbungstheorie schien
zu widersprechen, daß es Männer gab, die nach außen hin den
perfekten Ehemann und Familienvater zur Schau stellten, heimlich
jedoch dunkle Orte aufsuchten, um ihrem eigentlichen Verlangen
nachzugehen. Auf jeden Fall ist eine Doppelorientierung nicht von
der Hand zu weisen. Wir interessieren uns zunächst jedoch nicht für
die feinen Unterschiede, sondern wollen der Frage der strengen
Homosexualität auf den Grund gehen, die keinerlei Interesse am
anderen Geschlecht bekundet. Bis heute ist das Gen, welches für die
Homosexualität verantwortlich ist, nicht genau aufgeschlüsselt, aber
es scheinen sich Anzeichen für die
Vererbbarkeit dieser Eigenschaft abzuzeichnen. Es wäre im
übrigen verwunderlich, wenn dem nicht so wäre. Wenn wir im folgenden
diesen Ansatz weiterverfolgen, so ist unsere Aufgabenstellung indes
noch lange nicht gelöst, denn auch wenn Homosexualität sich vererbt,
erklärt dies nicht, warum die Homosexuellen dann nicht schon längst
ausgestorben sind. Bekanntlich gelten in der Vererbung die
Mendelschen Gesetze, d.h. daß ein einmal vorhandenes Merkmal immer
wieder hervorgebracht wird, wenn es im dominant-rezessiven Erbgang
weitergegeben wird. Wir wissen nicht, ob dieser Erbgang auf
Gleichgeschlechtlichkeit zutrifft, gehen aber der Einfachheit halber
im weiteren davon aus. Betrachten wir zunächst die nachfolgende
Abbildung a). Angenommen, in einer kleinstmöglichen
Gründerpopulation bestehend aus Mann und Frau sei durch Mutation ein
Allel (schwarz) entstanden, das in homozygoter Form für Homosexualität steht, d.h. wer dieser Allel in seinen Genen doppelt (homozygot)
besitzt, ist unverrückbar homosexuell, auch wenn seine Eltern es
nicht waren. Die heterozygote Form stehe für die bisexuelle
Variante, also für solche, die Sexualität sowohl
gleichgeschlechtlicher als auch heterosexueller Natur ausüben
können. Der Vater sei also im folgenden Beispiel der Bisexuelle, was
genausogut auch die Mutter sein könnte. Statistisch gesehen sind
also 50 % aller Kinder aus einer solchen Verbindung bisexuell.


Abbildung a): Nachkommen von Bisexuellem
mit Heterosexuellem
Gehen die Nachkommen
der F1-Generation untereinander eine geschlechtliche Verbindung ein,
so resultieren daraus, wenn sich zwei Heterosexuelle verbinden,
weder Homo- noch Bisexuelle, zwei Heterosexuelle und zwei Bisexuelle
wie schon in Abbildung a) gezeigt oder, wie in der folgenden
Abbildung b) dargestellt, ein "echter" (homozygoter) Homosexueller,
ein Heterosexueller und zwei Bisexuelle.
Abbildung b): Nachkommen von zwei
Bisexuellen
Das Allelverhältnis
bleibt dabei bis zur F2-Generation erhalten. Da Homosexuelle sich
nicht fortpflanzen, scheiden Verbindungen aus Homosexuellen und
Heterosexuellen bzw. Bisexuellen von vornherein aus. Es sind also
stets nur Verbindungen vom Typ a) oder b) zu betrachten. Von den
verbleibenden drei Kombinationsmöglichkeiten lebt aus statistischen
Gründen ein weiterer mit einem Partner gleichen Geschlechts
zusammen, so daß vom Allelverhältnis 8:4 jeweils zwei Allele
abgezogen werden müssen. Das verbleibende Allelverhältnis lautet
dann 6:2 bzw. 3:1, d.h. am Allelverhältnis ändert sich nichts. Ein
Merkmal, welches also in homozygoter Form klinisch auffällig ist, in
heterozygoter Form jedoch nur zu 50 %, wird unter Beibehaltung
seiner Allelfrequenz ewig weitervererbt. Daher können die
Homosexuellen, obwohl sie sich nicht fortpflanzen, niemals
aussterben. Was hier am Beispiel der Homosexualität demonstriert
wurde, gilt natürlich auch für jedes andere Gen, bei dem der
homozygote Phänotyp klinisch auffällig ist, d.h. Mutationen dieser
Art werden genetisch weitergegeben, ohne daß die durch sie
verursachte Krankheit jemals aussterben könnte. So viele
Homosexuelle es prozentual zu Beginn einer Gründung gegeben hat, so
viele sind es prozentual auch am Ende.
Copyright © Manfred Hiebl, 2008. Alle
Rechte vorbehalten.
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