Zur Typologie der Schädelformen
Relativ schwer tat sich die Anthropologie bisher
mit der Klassifizierung des Menschen nach Schädelformen. Zunächst
glaubte sie klare Grenzen ziehen zu können zwischen dem sogenannten
langschädeligen Typus und seinem Gegenstück, dem brachykranen
Kurzschädel. Ziemlich unwissenschaftlich ging diese Wissenschaft im
19. Jahrhundert vor, als sie der sogenannten nordischen Rasse das
Gütesiegel des germanischen Langschädels aufdrücken wollte, um sich
von den verachteten slawischen Untermenschen abzugrenzen. Als aber
im Zeitalter des Kolonialismus überall auf der Welt langschädelige
Typen auftauchten, wo man sie nicht im geringsten vermutet hätte,
nämlich auch unter Afrikanern und bei den australischen Aborigines,
stürzte das Kartenhaus der Schädelsystematiker in sich zusammen wie
nach einem Windbruch. Der Versuch, sich als kultivierter Europäer
als etwas Besseres von der Masse abzuheben, war fehlgeschlagen. Man
hatte nicht die physiologisch-physikalischen Gesetzmäßigkeiten
überlegt, die auf die Schädelform einen Einfluß nehmen können, und
das in einer Zeit, als gerade die Thermodynamik erstaunliche
Fortschritte erzielte. Geisteswissenschaftler redeten nicht mit
Naturwissenschaftlern, wohl aus eifersüchtiger Rivalität. Dabei
hätten sie übereinstimmend feststellen können, daß der Mensch ein
Warmblüter ist, der vor noch nicht allzulanger Zeit ein dichteres
Haarkleid trug, als er es
heute besitzt. Der Gesichtspunkt der Wärmeabgabe zum Zwecke
der Kühlung war ihnen nicht aufgefallen. Der Mensch ist aufgrund
seiner fehlenden natürlichen Waffen ein Fluchttier, bei körperlicher
Anstrengung steigt daher seine Körpertemperatur. Die überschüssige
Körperwärme wird über die exponierte Hautoberfläche abgegeben, durch
die dabei entstehende Verdunstungskälte wird der Körper vor
Überhitzung geschützt. Besonders starkes Schwitzen findet
hauptsächlich am Kopf statt. Je größer nun die Kopfoberfläche, desto
günstiger fällt die Wärmeabgabe aus. Eine lange Schädelform stellt
also unter sonst gleichen Bedingungen eine
größere Oberfläche
bereit, um die Wärme abgeben zu können. Sämtliche Frühformen des
menschlichen Schädels besaßen diese ausgeprägt langschädelige Form,
während der durch Brachykephalisation entstandene Kurzschädel ein
relativ junges Produkt der Evolution ist. Wie läßt sich nun dieser
Wechsel der ursprünglichen Schädelform physikalisch und biologisch
sinnvoll erklären? Alle Frühformen des Menschen besiedelten zunächst
die tiefliegenden gemäßigten Zonen; erst in späterer Zeit drang der
Homo sapiens in die kälteren Regionen vor. Sowohl die
Besiedelung der Kältesteppen Asiens als auch der Hochgebirgslagen
Europas mögen den Vorteil der Langschädeligkeit aufgewogen haben. Es
ist daher nur verständlich, daß sämtliche Altschichtbevölkerungen
der Erde, insbesondere die australischen Ureinwohner, aber auch alle
Bewohner der Tieflagen wie etwa die afrikanischen Bevölkerungen
südlich der Sahara ihre ursprüngliche Schädelform behaupten konnten.
Auch die Bevölkerung des Mittelmeerraums sowie die im äußersten
Westen Europas lebenden Kelten- und Germanenstämme konnten unter dem
Einfluß des Golfstroms die ursprüngliche Kopfform am längsten
bewahren. Bei den Bewohnern Asiens hingegen sowie den slawischen
Steppenvölkern hat sich die Langschädeligkeit im Laufe der Evolution
nicht mehr als Vorteil erwiesen. Die über den Kopf abgegebenen
Wärmeverluste des Körpers stellten sich in den Kälteregionen Asiens
offenbar als selektiver Nachteil heraus. Auch die Kriegführung hatte
durch die Domestizierung des Pferdes eine Veränderung erfahren, das
Fluchtverhalten wurde weitgehend abgelegt, das Pferd hatte diese
Rolle übernommen. Daher bildete sich vermutlich dort zuerst die
sogenannte Kurzschädeligkeit aus, die, von Osten kommend, das Vakuum
auffüllte, das im Laufe der Völkerwanderungszeit durch die
abgewanderten Germanenstämme in Osteuropa entstand, und bis nach
Mitteleuropa vordrang. Auch bei einigen Alpenvölkern mögen aufgrund
der Hochlagen, in denen diese lebten, seit dem Mittelalter ähnliche
Erscheinungen aufgetreten sein, vielleicht sogar völlig unabhängig
von der Entwicklung in Asien. In Europa dürfte daher eine Zuordnung
nach Rassen durch Unterscheidung in Lang- und Kurzschädelige
schwierig sein, da gerade Europa immer wieder Invasionen von Asien
her erlebt hat, die ihren genetischen Abdruck hinterlassen haben.
Das gleiche gilt für den Nahen und Mittleren Osten, die seit jeher
Überschwemmungsgebiet für Völker der südrussischen Steppe waren. Ist
allerdings die Stromrichtung einmal bekannt, so erklärt sich auch
das gleichzeitige Auftreten verschiedener Schädelformen auf
natürliche Weise. Gewiß ist diese Betrachtung etwas vereinfachend,
da es nicht immer möglich ist, die genauen Wanderbewegungen der
einzelnen Völker eindeutig zu rekonstruieren, doch kommt es darauf
auch gar nicht an. Wichtig ist fürs erste, die Schädelform als ganz
groben Anhaltspunkt und unterstützend bei der Untersuchung anderer
genetischer Merkmale, etwa der Blutgruppen-systeme, als
Kontextwissen einzubeziehen.
Eine andere Erklärung für die Brachykephalisation liefert das
unterschiedliche Wanderverhalten des Homo sapiens, welches
Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in der Schädelform erkennen
läßt. Der Mensch ohne äußere Waffen, ein Fluchttier, welches schnell
ins Schwitzen gerät, ist darauf angewiesen, die bei körperlicher
Anstrengung entstehende Wärme rasch abzuführen. Daher haben Gruppen,
die im Verlauf ihrer Rassengenese ständig in Bewegung waren, den
selektiven Vorteil der Langschädeligkeit beibehalten, während es bei
Völkern, die wenig auf Wanderschaft waren, keinen Unterschied
machte, ob der Schädel lang war oder kurz. Gehen wir also von einem
Entstehungszentrum des anatomisch modernen Menschen in Südostasien
aus, so dürfte sich die Schädelverrundung bei Populationen um so
weniger zeigen, je weiter diese von dort geographisch entfernt sind,
was in der Tat auch der Fall ist. So haben etwa Westeuropäer eine
deutlich schmalere Kopfform als Osteuropäer, westafrikanische
Negerstämme sind stärker dolichokran als ostafrikanische, aber auch
Indianide haben weniger runde Kopfformen als ihre artgleichen
asiatischen Verwandten. Je länger offenbar eine Gruppe auf
Wanderschaft war, desto deutlicher hat sich das ursprünglich allen
Menschen gemeinsame Erbe erhalten. Erst mit aufkommender
Seßhaftigkeit, die teilweise erst nach der Völkerwanderung
anzusetzen ist, haben brachykrane Schädelformen an Deutlichkeit
zugenommen, und sie haben sich vom Entstehungszentrum Südostasien
aus in alle Richtungen ausgebreitet, zuletzt auch nach Osteuropa.
Somit wird verständlich, warum gewisse Alpenvölker, die sich
offenbar seit Jahrhunderten in ihren Isolaten aufgehalten haben, wo
nachweislich kein Blutaustausch stattgefunden hat, einen deutlichen
Zuwachs an Schädelverrundung erfahren haben. Gewisse Theorien
bescheinigen selbst dem weiblichen Geschlecht rundere Kopfformen als
seinen männlichen Artgenossen, was allerdings nur auf einer
unsauberen Beobachtung beruhen kann, da sich ein genetisch
vererbbares Merkmal wohl kaum auf ein Geschlecht beschränken läßt,
selbst wenn man unterstellt, daß weibliche Wesen aufgrund ihres
Rollenverhaltens weniger auf die Jagd gegangen seien als ihre
männlichen Begleiter. Für eine Rassenklassifizierung ist die
Schädelform daher kaum geeignet, wohl aber leitet sich bei
sämtlichen Rassen, bei denen ein dolichokranes Merkmal auftritt, ein
Beweglichkeitsvorteil ab, sei es Laufstärke, die allerdings auch mit
anderen Merkmalen gepaart ist wie etwa Längenwachstum, oder generell
größerer Pioniergeist, erhöhte Widerspruchsfähigkeit und größerer
Wissensdurst. Kurzschädeligkeit bringt man leichter in Verbindung
mit untersetztem Körperbau, größerer geistiger und körperlicher
Trägheit, geringem Kampfgeist, weniger Unternehmungslust und
erhöhtem Gehorsam. Rundköpfigkeit ist daher nicht nur ein
biologischer Evolutionsnachteil, sondern steht auch im Verdacht, ein
Degenerationsmerkmal zu sein. Es läßt sich allerdings nur eine
schwache Korrelation mit dem Hirnvolumen feststellen, welches eher
ein Nord-Südgefälle aufweist. So besitzt beispielsweise der
mediterrane Typus eine grazilere Schädelform als die nördlich von
ihm Lebenden. Osteuropäer haben trotz ihrer Rundköpfigkeit ein ihren
westlichen Nachbarn vergleichbares Hirnvolumen, mit denen sie zum
Teil auch verwandt sind. Sorge bereiten muß uns allerdings die seit
dem Mittelalter beobachtete kontinuierliche Zunahme der
Rundköpfigkeit in Mitteleuropa, die offenbar mit körperlich immer
weniger beanspruchenden Berufstätigkeiten einhergeht.
Fließbandarbeiten und leichte Kopier- und Verkaufstätigkeiten haben
anscheinend den Nachteil, den Menschen auch geistig immer weniger zu
beanspruchen: zunehmende Verdummung weiter Kreise der Bevölkerung
ist die Folge. Körperliche und geistige Beweglichkeit haben
insbesondere der kaukasischen Rasse genetische Vorteile verschafft,
die sich bis heute in ihrer langköpfigen Schädelform sichtbar
niedergeschlagen hat. Durch genetische Vermischung ist die Alte Welt
auf dem besten Wege, sich dieser Evolutionsvorteile wieder zu
entledigen. Bei ehelichen Verbindungen mit Vertretern
kurvoccipitaler oder steilhinterhäuptiger Ausprägung innerhalb der
eigenen Fortpflanzungsgemeinschaft ist daher im Sinne des
Festhaltens von Evolutionsvorteilen höchste Vorsicht geboten.
Degeneration ist durchaus zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für
den Fortbestand der Technologiefähigkeit einer zivilisierten Nation
geworden.