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Blut und Rasse
Wer sich in Deutschland mit
Anthropologie beschäftigt, wird schnell feststellen, daß er auf
diesem Gebiet selbst als Laie nahezu konkurrenzlos dasteht. Da
taucht in uns das Bild von dem Anthropologen auf, der
eingeschüchtert und versteckt hinter seinem Ofen sitzt und
ängstlich in
einem Gesetzestext nach dem Volksverhetzungsparagraphen
blättert. Wehe, wenn einer es wagen sollte, sich mit Populationsgenetik
zu befassen! Luigi Luca Cavalli-Sforza hat es getan, was ihm als
Repräsentanten des faschistischen Italiens offenbar auch nicht
uneingeschränkt möglich war. Vielleicht kam er gerade deswegen
zu gänzlich befremdlichen Ergebnissen, indem er etwa den
Rassenbegriff vollständig ablehnt, und dies, obwohl bislang noch
nicht einmal das Gen aufgefunden wurde, welches für die Hautpigmentierung zuständig
ist. Statt dessen stürzt er sich mit ausgesuchter
Finesse auf die unter der Haut steckenden genetischen Merkmale, weil
ihm die äußerlichen zu vordergründig erscheinen, und wagt sich an
die Analyse der verschiedenen Blutgruppensysteme heran.
Daraus leitet er den Schluß ab, daß es nicht möglich sei, den
Menschen anhand seiner Blutgruppen eindeutig einer bestimmten Rasse
zuzuordnen, was natürlich auch nicht weiter verwunderlich ist, denn
einmal abgesehen davon, daß es für ein Gen völlig belanglos ist, ob
damit eine wichtige oder unwichtige Körperfunktion gesteuert wird,
ist sicher ein Blut so gut wie das andere, wenn es nur um dessen
hauptsächliche Funktion geht, nämlich den Sauerstoff zu
den Zellen zu transportieren. Verglichen damit kommt einem Gen,
welches dafür verantwortlich zeichnet, ob die Haut nun Verbrennungen
erleidet oder unbeschadet bleibt, ein viel höheres Gewicht zu, denn
hier geht es immerhin um das erhöhte Risiko, an Hautkrebs
zu erkranken. Entscheidend für die
richtige Beurteilung einer Klassenzugehörigkeit ist jedoch eine ganz
andere Sache, als nur den gegenseitigen genetischen Abstand zweier
Populationen zu bestimmen. Es kommt uns vor, als hätten die modernen
Anthropologen die Heisenbergsche Unschärferelation nicht richtig verstanden,
wenn sie die Rassenzugehörigkeit eines Individuums in Zweifel ziehen
oder von einer eindeutigen Zuordnungsmöglichkeit abhängig machen.
Sie gebärden sich wie durchgeknallte Elementar-teilchenphysiker, die Ort und Impuls eines
Elektrons gleichzeitig mit gleicher Genauigkeit bestimmen wollen,
was nach den obengenannten Gesetzen prinzipiell nicht möglich ist.
Ein Elektron bleibt trotz seiner Nichtunterscheidbarkeit immer noch ein Elektron, das sich
eindeutig von anderen Elementarteilchen unterscheidet, hinsichtlich
seiner Ladung, seiner Masse und seines Drehimpulses. Wenn also die
Gene einer bestimmten Rasse sich nicht in allen Fällen gleichen, so
liegt das einfach an ihrer prinzipiellen Unschärfe, und ähnlich, wie
in einem Mehrteilchensystem die Wellenfunktionen zweier
Elementarteilchen überlappen, gilt das gleiche Prinzip auch für die
Gesamtheit der Allele zweier Individuen innerhalb einer Population. Die Rasse bleibt
immer die, die sie ist, weil es für die
Beurteilung der Rassenzugehörigkeit in Anbetracht der Fülle der zu
vergleichenden Merkmale unerheblich ist, ob ein oder
zwei oder vielleicht sogar mehrere verschiedene Allele voneinander abweichen. Wenn
bei einer Gesamtheit von nur drei untersuchten Merkmalen zweier
Individuen eines verschieden ist, so ist das etwas anderes, als wenn
sich derselbe Unterschied bei insgesamt zehn Vergleichsmerkmalen
ergibt. Um zu einer halbwegs vernünftigen Aussage zu gelangen,
reicht es nicht, sich auf nur zwanzig Blutgruppensysteme zu
beschränken, es müßte sich größenordnungsmäßig schon um mindestens
hundert verschiedenartige Merkmale handeln, die durch äußere
Faktoren möglichst nicht beeinflußt werden, sondern bereits
von Geburt an unveränderlich vorhanden sind. Zudem darf man bei der
Rassenbestimmung Bastarde nicht miteinbeziehen. Noch besser wäre
es, wenn man alle diese Untersuchungen nicht erst
heute anstellen würde, sondern sie schon viel früher
angestellt hätte, als die trennenden Rassenschranken noch nicht
durchbrochen waren, wie das
heute der Fall ist, seitdem der Mensch in der Lage ist, auf
einfache Weise große Entfernungen zu überbrücken. Es wird uns
wahrscheinlich nur mehr möglich sein, die sogenannten Urrassen
entwicklungsgeschichtlich zu rekonstruieren, da der Faktor Entropie
die meisten Spuren der Vergangenheit verwischt hat. Die heutigen
Verteilungen der Blutgruppen, und darin werden sich wohl alle Vertreter
selbst der konträrsten Theorien einig sein, repräsentieren nicht
mehr den höhergeordneten Zustand von einst. Daß dieser höhergeordnete
Zustand einmal existiert haben muß, das liegt an einem Naturgesetz,
welches besagt, daß die Unordnung, d.h. die Entropie, in einem
abgeschlossenen System stets zunimmt. In der Isolation ändern sich
die Gene nur langfristig, erst im Laufe vieler Generationen, allein, wenn
das Verhältnis der Blutgruppen untereinander durch genetische Beimischung künstlich
gestört wird, kann ein
rapider Wandel die Folge sein. Es wird sich daher bestenfalls
noch feststellen lassen, welches Allel in welcher Population einmal
das häufigste gewesen ist, und vielleicht noch, sofern mehrere Allele in vergleichbarer Häufigkeit vorliegen, welches woher
eingedrungen ist und wie die rassische Urform dieser Population
beschaffen war. Reinheit ist dabei, wie stets bei
statistischen Schwankungen unterworfenen Systemen, niemals als etwas
Absolutes anzusehen, sondern kann nur als Maximalwert begriffen
werden, weil es die absolute (im mathematischen Sinne 100%ige)
Reinheit bei natürlich vorkommenden Systemen, die einer Gaußschen
Normalverteilung gehorchen, nicht gibt. Diese
Maximalforderung, die einen Absolutheitsanspruch begründet,
müssen wir indes auch gar nicht erheben. Unser Ziel ist erreicht, wenn es uns gelingt, die ursprünglich am häufigsten
vorkommenden Blutgruppensysteme bei einzelnen Populationen innerhalb und
außerhalb Europas zu rekonstruieren. Dabei gehen wir von wenigen
axiomatischen Grundannahmen aus, daß nämlich eine genetisch
reinrassige Population keine Anomalien aufweisen darf, die zu
ihrer vorzeitigen Auslöschung führen könnten, wie wir dies bei den
heutigen Mischbevölkerungen lebhaft beobachten können. Wir müssen
daher annehmen, daß es in der Urbevölkerung Europas vor der
Beimischung eingewanderter Gruppen, die die Blutgruppe 0 und den
fehlenden Rhesusfaktor mitbrachten, keine
Mutter-Kind-Unverträglichkeiten gegeben hat, wie sie etwa
zwischen den Blutgruppen A, B und 0 einerseits und durch den
Rhesusfaktor andererseits bedingt sind. In Europa wurde die Blutgruppe
A
durch die Blutgruppe 0 aufgrund des obigen Selektionsmechanismus schon
so stark zurückgedrängt, daß es sie in absehbarer Zeit
vielleicht nicht mehr geben wird. In ähnlicher Weise wird auch
der rhesus-negative Anteil der Bevölkerung Europas, der
heute nur noch im Baskenland signifikant hoch ist, schon
bald verschwunden sein. Extrapoliert man nun ausgehend von den heutigen
Häufigkeitsverteilungen zurück in die Vergangenheit, so sollte es
uns gelingen, den Rassenbegriff neu zu fassen, nämlich nicht aus
Sicht der Gegenwart, sondern aus der genetischen Vergangenheit heraus.
1 Die erythrozytären
Polymorphismen
1.1 Das A1A2B0-System
Das klassische
AB0-Blutgruppensystem besteht aus sechs verschiedenen
Phänotypen: 0, AA, A0, AB, BB und B0, denen vier autosomale allele Gene zugrunde liegen: AB0*A1,
AB0*A2, AB0*B und AB0*0.
Daß der Polymorphismus des
AB0-Blutgruppensystems schon bestand, ehe der Mensch zum Homo
sapiens sapiens wurde, ist heute eine allgemein anerkannte
Tatsache. Es wäre sonst kaum möglich, daß beim Schimpansen die
Blutgruppen 0 und A ebenfalls vorhanden sind und die Blutgruppe B
bei unserem noch älteren Verwandten, dem Gorilla, ausschließlich
vorkommt. Wie man heute weiß, unterliegt das
A1A2B0-Blutgruppensystem einem Selektionsmechanismus, der
sogenannten Mutter-Kind-Unverträglichkeit, welche zu Lasten der
Blutgruppen A und B geht. Wenn nämlich der Mann die Blutgruppe A
oder B besitzt und die Frau die Blutgruppe 0, kann das Kind vom
Vater das Blutgruppenantigen A oder B erben, welches die Mutter
nicht hat. Es besteht daher die Möglichkeit, daß 0-Mütter gegen A-
oder B-Kinder immunisiert werden und diese dann durch Zerstörung
ihrer Erythrozyten so geschädigt werden, daß es zu einem Abbruch der
Schwangerschaft kommt. Aus Verbindungen von 0-Müttern mit A- oder
B-Vätern gehen daher weniger Kinder mit der Blutgruppe A oder B
hervor, als es der statistischen Erwartung entspricht. Dieser
Selektionsmechanismus hat dazu geführt, daß die Verteilung der
Allele des AB0-Blutgruppensystems regional sehr verschieden ist. Da
A und B zueinander kodominant sind, sollte deren Verhältnis überall
auf der Welt in etwa gleich sein, was wir durch einen Blick auf die
Frequenzverteilungen der einzelnen Allele des AB0-Systems auf den
ersten Blick bestätigen können. Danach ist A überall auf der Welt
häufiger als B, außer in Süd- und Südostasien und südlich der
Sahara, wo zusätzliche Selektionsmechanismen eine Rolle gespielt
haben könnten. Da das Allel AB0*B der Selektion länger
ausgesetzt war und daher weniger häufig ist, muß es auch älter sein
als das Allel AB0*A1. B ist überall dort selten, wo die
ältesten Populationen leben, d.h. in den Randzonen der drei
Hauptrassenbereiche, in Westeuropa, in Südamerika, in Westafrika
sowie in Australien und Ozeanien. Bei den Basken und Sarden, den
ältesten Populationen auf europäischen Boden, sind A und B
erwartungsgemäß seltener als im europäischen Vergleich. Ebenfalls
sind bei den Indianiden Süd- und Mittelamerikas beide Blutgruppen
sehr selten. Die Mongolenfalte ist bei ihnen auch deutlich weniger
ausgeprägt als bei den eigentlichen Mongoliden, d.h. sie müssen
älter sein als diese, zumal sie auch mehr europides Formengut auf
sich vereinen. Den größten Sprung macht das Allel AB0*B
zwischen Südostasien und Australien, was nichts anderes bedeuten
kann, als daß die Australiden älter sein müssen als ihre mongoliden
Nachbarn. A und B zusammen sind dort am häufigsten, wo die jüngsten
Rassen leben, nämlich in Ostasien. Umgekehrt konnte sich dort das
Allel AB0*0 frequenzmäßig noch nicht vollends durchsetzen und
befindet sich daher in seinem globalen Minimum. Daß die Verteilung
des AB0*A1-Allels wesentlich gleichförmiger verläuft im
Vergleich zu der mehr Gaußförmigen Verteilung des Allels AB0*B
zeigt, daß die Blutgruppe B gegenüber A in weiten Teilen Asien und
Afrikas einen zusätzlichen selektiven Vorteil besessen haben muß.
Sowohl unter den Alteuropiden Australiens, unter Europäern und
Eskimiden hat A scheinbar gegenüber B sogar noch zugenommen. Diese
Verteilungen mögen ihre heutige Gestalt erst relativ spät angenommen
haben, etwa durch Seuchen wie Pocken und Pest; mit Vorzügen einer
Rasse gegenüber einer anderen haben sie wohl kaum etwas zu tun. Im
übrigen besitzt die Blutgruppe A eine erhöhte Anfälligkeit für die
meisten Krebsarten, ist also anatomisch als eher schlecht
einzustufen. Dies harmoniert vortrefflich mit der Beobachtung, daß
die Blutgruppe 0, obwohl sie rezessiv ist, ihren Siegeszug
unaufhaltsam fortsetzen wird, während A und B langsam aber sicher
dem Aussterben preisgegeben sind. Lediglich die süd- und
mittelamerikanischen Indianer haben diesen Zustand nahezu 100%iger
Reinheit bereits erreicht. Ein Großteil der heutigen Europäer
hingegen stellt in genetischer Hinsicht keinen guten
Fortpflanzungspartner dar.
Auf die Blutgruppe
AB sind wir gar nicht erst eingegangen, sie muß noch sehr jungen
Datums sein und ist vermutlich ausschließlich der Sapiensevolution
zuzuordnen, da sie in Australien nicht vorkommt und somit erst
später entstanden sein kann, als die Besiedlung des Kontinents
erfolgte.
1.2 Das
ABH-Sekretor-System
Bei den sogenannten
ABH-Sekretoren kommen AB0-Blutgruppensubstanzen nicht nur auf den
Erythrozyten vor, sondern auch in den Körperflüssigkeiten. Dafür
verantwortlich ist ein autosomales dominantes Gen Se.
Sekretoren sind demnach entweder homozygot für das Allel ABH*Se
(ABH*Se/ABH*Se) oder heterozygot in beiden Allelen (ABH*Se/ABH*se),
Non-Sekretoren homozygot für das Allel ABH*se, ihr Genotyp
ist (ABH*se/ABH*se). Auch alle non-humanen Primaten erwiesen
sich bisher als Sekretoren, womit dieses Merkmal phylogenetisch
recht alt sein dürfte. Die Non-Sekretor-Eigenschaft ist demnach
spezifisch
für den Menschen. Ähnlich wie die
Mutter-Kind-Unverträglichkeit die Blutgruppe 0 begünstigt, könnte
zum Beweis der Tatsache, daß das ABH*se-Allel rezessiv ist,
auch die Gruppe der Non-Sekretoren selektive Vorteile besitzen.
Das Allel ABH*Se ist daher eindeutig das ältere und gehört
ganz dem Präsapiens an. Es ist auch überall auf der Welt das
häufigere, mit Ausnahme von Westeuropa sowie West-, Ost- und
Südostasien,
und es ist bei den Basken und Sarden erwartungsgemäß häufiger als
bei den restlichen Europäern. Das Allel ABH*Se korreliert
sehr gut mit dem Verbreitungsgebiet der Blutgruppe 0 und dürfte
daher eine ähnliche Ausbreitungsgeschichte wie diese haben. Das
Non-Sekretor-Allel ABH*se hingegen ist der Altschicht
zugehörig und besitzt zwei Minima in Australien und Alaska,
zwischen
welchen Lokalitäten
es durch Mutation entstanden sein muß, nachdem die letzten
Auswanderer Asien
bereits
in Richtung Amerika
und Australien verlassen hatten. Durch noch spätere Auswanderer kam
es nach Europa und Afrika. Diese These wird unterstützt durch die
Tatsache, daß
das
Non-Sekretor-Allel ABH*se
sich weder nach Australien noch nach Amerika ausbreiten konnte, weil
diese Landmassen am Ende der Eiszeit vom Festland abgeschnitten
wurden, im Rest der Welt aber hat es sich durchgesetzt. In Europa steht dieses
Allel stellvertretend für die anthropologisch jüngeren
Einwanderergruppen. Sein absolutes
Maximum liegt aber in Polynesien, wohin es nur von Südostasien aus
gelangt sein kann.
1.3 Das MNSs-System
Vom MNSs-Blutgruppensystem kann
angenommen werden, daß die Vererbung der vier in diesem System
vorhandenen Antigene M, N, S und s durch zwei eng gekoppelte
Genpaare erfolgt, wobei das eine die Allele M und N
umfaßt, das andere die Allele S und s. Die Vererbung
erfolgt danach über die vier Haplotypen MNS*MS, MNS*Ms,
MNS*NS und MNS*Ns. Bei den beiden Arten des
Schimpansen besteht eine echte Antigen-Gemeinschaft mit dem
M-Antigen des Menschen, während die Ss-Antigene streng artspezifisch
geprägt sind, also erst nach der Abspaltung des Schimpansen von der
menschlichen Evolutionslinie ausgebildet wurden. Der Haplotyp MNS*Ns
ist weltweit der häufigste und findet sich in hohen Frequenzen vor
allem in Europa, Nordafrika und Nordasien sowie in Neu-Guinea,
Melanesien, Mikronesien und Neuseeland. Er dürfte ebenfalls schon
beim Präsapiens vorhanden gewesen sein und erreicht sein Häufigkeitsmaximum
auf Neu-Guinea. Das s-Allel ist dabei bedeutend älter als das
S-Allel und muß daher dem Präsapiens angehören,
da es sowohl in Kombination mit dem M- als auch mit dem N-Allel
von Südostasien ausgehend nach allen Richtungen abnimmt, während das
S-Allel umgekehrt zunimmt. Vergleichen wir für das gleiche
Allel s bzw. S die beiden anderen Allele M und
N, so finden wir, daß der Haplotyp MNS*MS stärker
zugenommen hat als der Haplotyp MNS*NS und der Haplotyp MNS*Ms stärker
abgenommen hat als der Haplotyp MNS*Ns und folglich das Allel
M früher dagewesen sein muß als das Allel N. Insgesamt
kann man vermuten, daß der Haplotyp MNS*Ms in Südostasien
wegen der Korrelation der zwei älteren Präsapiensallele M und
s deutlich häufiger sein muß als irgendwo sonst, was auch
tatsächlich der Fall ist, denn er besitzt in Südostasien,
mit Ausnahme der grönländischen Inuit und vielleicht der
australischen Aborigines, ein globales Maximum
und weist die geringsten Werte, wie von der Theorie vorhergesagt,
in Europa sowie in Neu-Guinea, Melanesien und Mikronesien,
also unter den zugleich stärksten Alteuropiden auf. Insbesondere die
Saami, für die dieser Haplotyp in Europa ein Minimum besitzt, würden
demnach ebenfalls zu den älteren Bewohnern Europas zählen. Eindrucksvoll beweist sich die Richtigkeit der Theorie bei
den nachweislich ältesten Populationen auf europäischem Gebiet, den
Basken und Sarden, bei denen die Summe der Frequenzen für die Haplotypen MNS*Ms und MNS*Ns,
also das s-Allel, erwartungsgemäß unter dem europäischen
Durchschnitt liegt. Die Samen hingegen liegen gut im europäischen
Schnitt. Genetisch junge
Rassen besitzen stets einen sehr hohen Anteil an Präsapiensallelen, während Altschichtallele
bei ihnen auf die letzten Plätze verwiesen werden. Der wohl erst während der mongoliden
Rassenbildung, also erst relativ spät durch Mutation von s →
S aus dem Haplotyp MNS*Ns hervorgegangene Altschicht-Haplotyp MNS*NS,
der die beiden jüngeren Allele N und S vereint, ist
nahezu überall auf der Welt derjenige mit der geringsten Haplotypfrequenz.
Hebt
man die Unterscheidung zwischen dem S- und dem s-Allel
auf, so dominiert überall noch das ältere Präsapiensallel M, außer im
australo-melanesischen Raum sowie in Nordafrika und in Nordasien, wo
das jüngere Präsapiensallel N vorherrschend ist. Dies
könnte darauf hindeuten, daß das S-Allel nicht in
Südostasien, sondern auf Neu-Guinea entstanden ist,
und zwar, nachdem Australien bereits besiedelt war, weil dort das
S-Allel nicht mehr hingekommen ist.
1.4 Das Rhesus-System
Das Rhesussystem
ist eines der komplexesten Blutgruppensysteme, die wir kennen.
Dennoch ist es neben dem GM-System wohl am besten geeignet, eine
klar abgegrenzte Rasseneinteilung vorzunehmen, denn wir
unterscheiden zwischen einem gesicherten Präsapiens-Haplotyp, dem afroasiatischen
Rhesusfaktor RH*cDe, und drei Altschicht-Haplotypen, einem
älteren, dem australischen Haplotyp RH*CDe, einem
jüngeren, dem austronesischen Haplotyp RH*cDE, sowie einem
indogermanischen Haplotyp RH*cde. Der vermutlich älteste Rhesusfaktor ist der afroasiatische Haplotyp RH*cDe,
der ein allen Menschen gemeinsames Erbe des Präsapiens ist. Aus ihm sind
durch Mutationen, die sich alle in Afrika ereignet haben, sämtliche Rhesusfaktoren hervorgegangen, zunächst
durch Übergang von c → C der jüngere, heute weltweit
häufigste australische Haplotyp RH*CDe, sodann durch
Übergang von e → E der austronesische RH*cDE, der
im System der mitochondrialen Eva
frühestens
in der Haplogruppe C signifikant vorkommt, und auch der
rhesus-negative indogermanische Haplotyp RH*cde
ist eindeutig der Altschicht zuzurechnen und aus dem
afroasiatischen Haplotyp durch Mutation von D → d
hervorgegangen. Sein gemeinsames Vorkommen innerhalb der europiden
und negriden Rasse beweist deren enge Verwandtschaft.
Einstmals besaßen alle Europiden nur den
afroasiatischen Rhesusfaktor, bis in Westafrika, in der Gegend des
heutigen Kamerun –
dies läßt sich anhand der Haplogruppe RxR1 im System des Adam
des Y-Chromosoms belegen
–, der Rhesusfaktor durch
Mutation verlorenging. Dies war zugleich die Geburtsstunde der
Mutter-Kind-Unverträglichkeit, einer Art natürlicher Rassenschranke.
Einer kleinen Gruppe, innerhalb der die Mutation durch Zufall die
Oberhand gewinnen konnte, war es gelungen, Afrika
–
wahrscheinlich im Zuge der Austrocknung der Sahara
– zu verlassen. Aus ihr sollten
später die Indogermanen entstehen. Dies ist auch der Grund, warum in
Mittel- und Westeuropa der afrikanische Rhesusfaktor heute nahezu
verschwunden ist, während er bei allen anderen Rassen noch in
geringen Frequenzen vertreten ist. Lediglich unter den
Paläosibiriern kommt Rhesus-negativ außerhalb Europas etwas häufiger
vor. Der Homo
sapiens besaß also, als er Südostasien erreichte, mindestens
diese vier Allele, wobei der oben erwähnte Haplotyp
RH*cde nicht mehr sehr häufig gewesen sein kann. Das Ganze passierte, als Australien, Neu-Guinea
und Indonesien noch eine gemeinsame zusammenhängende Landmasse
bildeten.
Der
australische Haplotyp RH*CDe
ist ein
Kennzeichen des primitiven Europiden, besser Altschicht genannt, und
besitzt in
Europa sein Minimum. Er erreicht
im System der mitochondrialen Eva in der Haplogruppe P, die
heute nur noch in Neu-Guinea und im australo-melanesischen
Raum vorkommt, sein absolutes Maximum, aber auch innerhalb der
Weddiden Südostasiens liegen noch signifikant hohe Werte vor. Er ist
in allen älteren Haplogruppen der Haupthaplogruppe N
enthalten, nicht mehr hingegen in den jüngeren, wobei die älteren
Haplogruppen hauptsächlich im Osten vorkommen, die jüngeren hingegen
im Westen. Träger des australiden Rhesusfaktors in Europa sind daher
uralischen, kaukasischen oder armeniden Ursprungs. In Europa wurde
der australide Rhesusfaktor durch die später eingewanderten,
zahlenmäßig überlegenen, rhesus-negativen Indogermanen
zurückgedrängt. Dennoch
sind die meisten Europäer heute rhesus-positiv. Ein bemerkenswertes
Verhalten weisen allerdings die Basken auf. Bei ihnen hat sich der australische Haplotyp
gegenüber dem indogermanischen offenbar nicht durchgesetzt.
Der austronesische Rhesusfaktor RH*cDE entspricht im System
der mitochondrialen Eva der Haupthaplogruppe M und ihren
Untergruppen. Dennoch ist er, wenngleich in niedrigen Frequenzen,
auch nach Europa gelangt. Sein Entstehungszentrum muß gleichwohl in
Afrika liegen, wenngleich seine Ausbreitungsrichtung einen etwas
anderen Weg vom Zentrum Südasien in Richtung Sibirien bis nach
Amerika genommen hat. Man kann ihn daher mit der späteren mongoliden
Rasse gleichsetzen. Da er hauptsächlich in Amerika in höheren
Frequenzen vorkommt, könnte man ihn auch zutreffend den
amerikanischen Rhesusfaktor nennen.
In ganz Europa,
West- und Südasien überwiegt der australische Rhesusfaktor RH*CDe
den indogermanischen RH*cde deutlich. In Afrika gilt für den
afroasiatischen Rhesusfaktor im wesentlichen dasselbe wie für den
australischen in Europa. Der indogermanische Rhesusfaktor
dürfte deshalb phylogenetisch der jüngste sein, zumal er Australien
und Neu-Guinea nach Abtrennung der Landbrücke nicht mehr erreicht
hat und von dort aus auch nicht mehr nach Polynesien und Melanesien
weitergereicht werden konnte. Auch nach Amerika und zu den Inuit
konnte er nach Flutung der Beringstraße nur noch in geringen
Anteilen gelangen. Zusätzlich zur Überflügelung des indogermanischen
durch den afroasiatischen Haplotyp hat in Afrika, außer in
Nordafrika, umgekehrt wie in Europa, auch noch der indogermanische
gegenüber dem australischen
Haplotyp
beträchtlich an Boden gewonnen. Dies zeigt, daß sich der
australische Haplotyp erst außerhalb Afrikas durchsetzen konnte.
Der indogermanische Rhesusfaktor ist
heute nirgends mehr der häufigste. Das war indes nicht immer
so und ist wahrscheinlich ein Ergebnis der Völkerwanderung. Da die
Mutter-Kind-Unverträglichkeit die Heterozygoten bevorzugt, stirbt
immer derjenige Rhesusfaktor zuerst aus, der anfangs in der
Minderzahl war. Damit ist auch das Ende der Indogermanen
irreversibel eingeleitet.
Es zeigt
sich, daß der australische Rhesusfaktor RH*CDe hinsichtlich
seiner Verteilung mit dem Gammaglobulin-Marker-System GM*1;21
auffallend übereinstimmt. Des weiteren stellen wir fest, daß der
afroasiatische Haplotyp GM*1;5,13 mit der Verbreitung des
afroasiatischen Rhesusfaktors RH*cDe bestens übereinstimmt.
In guter Übereinstimmung sind auch der austronesische Haplotyp
GM*1,2;21, der sich gut auf den austronesischen Rhesusfaktor
RH*cDE abbildet, während der indogermanische Haplotyp
GM*3;5,13 hinsichtlich seiner Verteilung ganz dem
indogermanischen rhesus-negativen Haplotyp RH*cde entspricht.
Am Beispiel des
Rhesusfaktors sehen wir also sehr eindrucksvoll, daß anhand eines
rassenspezifischen Merkmals eine relativ gesicherte Klassifizierung
möglich ist.
Menschenrassen weisen also durchaus Verbindendes auf, was auf ihre
gemeinsame Abstammung zurückzuführen ist, aber auch Trennendes, was
sich aus ihrer eigenständigen Entwicklung herleitet.
1.5 Das P-System
Das P-Blutgruppensystem
wird autosomal dominant vererbt. Da das P-Antigen bei den
non-humanen Primaten fehlt, kann es erst im Verlauf der
Hominidenevolution entstanden sein. Das Allel P*p dürfte
wohl das ältere sein, eine Erbe des Präsapiens, das der Homo
erectus schon aus Afrika mitgebracht haben muß. In Südostasien,
wo auch sein Gaußsches Maximum liegt, ist dann durch Mutation das Altschichtallel P*P entstanden. Von dort hat es sich in alle Welt
ausgebreitet. Seine höchsten Werte liegen in Mitteleuropa und im
südlichen Afrika, den von Südostasien am weitesten entfernten
Regionen. Aber auch in Südamerika erreicht es höhere Frequenzen, als
in ganz Asien je gemessen werden. Afrikaner und Europäer sind
aufgrund ihrer gemeinsamen Wanderungsbewegung durch dieses Allel
enger miteinander verwandt als ihre beidseitige Verwandtschaft zu
den Asiaten auch nur sein könnte. Man sieht an dem etwas höheren Frequenzwert des Allels P*P
bei den Basken, der noch etwas höher liegt als der bei den
Südeuropäern, aber niedriger als bei Mitteleuropäern, daß die Basken
genetisch jünger sein müssen als die Mitteleuropäer, aber wiederum
älter als die Südeuropäer, und darum verglichen mit letzteren Europa auch früher erreicht
haben müssen. Die niedrigen Frequenzen bei den Samen deuten auf
deren asiatische Abkunft hin. Die Frequenzen bei den Sarden hingegen
liegen deutlich über dem europäischen Durchschnitt, was diese als
die älteste isolierte Altschichtgruppe Europas ausweist.
1.6 Das Kell-System
Das Kell-Blutgruppensystem
wurde zuerst bei einer Familie namens Kellacher in England entdeckt.
Neben einer Reihe weiterer, seltener Antigene, über die bisher kaum
Bevölkerungsuntersuchungen vorliegen, kennt man vor allem die
Antigene Kell (K) und Cellano (k), deren Vererbung autosomal
dominant erfolgt. Untersuchungen haben ergeben, daß das Kell-Antigen
auch beim Schimpansen vorhanden ist, es müßte also vor dessen
Abspaltung vom Menschen bereits existiert haben. Der Schimpanse
dürfte den Aufstieg zum Menschen nicht mehr geschafft haben, er kann
also nur als Entropieprodukt zurückgeblieben sein. Es zeigt sich, daß das Kell-Antigen mit Ausnahme von Europa, Nordafrika sowie West- und
Südasien überall außerordentlich selten ist. Das Allel KEL*k
ist somit das allen Menschen gemeinsame Präsapiens-Allel, während
das KEL*K-Allel der Altschicht zuzurechnen ist. Letzteres
ist bei den Basken ähnlich häufig wie in Westeuropa, obwohl die Basken
angeblich früher dagewesen sind. Da dieses Allel bei den Sarden
häufiger ist als in Nordostafrika, müssen die Sarden von dort aus
eingewandert sein. In Europa fallen lediglich die Samen durch niedrige Kellfrequenzen
auf, was auf ihre jüngere asiatische Vergangenheit hindeutet. Das
hohe Alter des Kell-Antigens muß daher ein wenig in Zweifel gezogen werden, zumal
es in Teilen der Altschicht komplett fehlt, etwa innerhalb der
australischen Ureinwohnerschaft. Dies spricht im übrigen dafür, daß
es beim Menschen erst nach der Besiedlung Australiens entstanden
sein kann. Es scheint sogar ausgesprochen
jungen Datums zu sein und hat sich wahrscheinlich erst während der
mongoliden Rassengenese durch Mutation gebildet. Sein Verteilungsmuster
entspricht weitgehend dem des rhesusnegativen Allels RH*cde.
Damit kann allerdings sein Vorhandensein bei den non-humanen
Primaten nicht mehr in Verbindung mit einer gemeinsamen
Vergangenheit gebracht werden, sondern es muß beim Schimpansen
unabhängig entstanden sein. Die Tatsache, daß das Kell-Antigen beim
Schimpansen vorhanden ist, ändert nichts daran, daß es beim Homo
sapiens ursprünglich nicht da war. Auch könnte nicht erklärt werden, warum
die Mutter-Kind-Unvertäglichkeit im Kell-Blutgruppensystem, die
zuungunsten des weniger häufigen Allels KEL*K verläuft, unter
der jüngeren mongoliden Rasse größer gewesen sein sollte als in der
europiden Rasse, die schon länger existiert. Da Kell-Antikörper die
Ursache eines Morbus haemolyticus neonatorum sein können, ist der
Selektionsvorteil des KEL*K-Allels jedenfalls nicht auf
Anhieb erkennbar. Man muß es folglich unter die genetischen Defekte
einreihen.
1.7 Das Duffy-System
Beim
Duffy-Blutgruppensystem werden die beiden Allele FY*A und
FY*B autosomal kodominant vererbt. Das Allel FY*A ist
weltweit, außer in Europa, das häufigere. Das besonders in Afrika in
homozygoter Form auftretende Allel FY hingegen fehlt in vielen Regionen der
Erde völlig. Die entsprechenden Phänotypen und die ihnen zugrunde
liegenden Genotypen der Antigene FY (A) und FY (B) lauten: FY (A+B-)
- FY*A/FY*A, FY (A+B+) - FY*A/FY*B, FY
(A-B+) - FY*B/FY*B und FY (A-B-) - *FY/*FY.
Bei den bisher untersuchten non-humanen Primaten fehlt das Antigen
FY (A); somit kann nicht ausgeschlossen werden, daß
es erst im Verlauf der Hominidenevolution entstanden ist.
Dennoch dürfte das Allel FY*A das ältere sein.
Es gehört ganz dem Präsapiens an, wurde demnach bereits aus Afrika nach Südostasien
eingeführt, wo dann innerhalb der Altschicht durch Mutation das Allel
FY*B entstanden ist. Das Allel FY*A hat allerdings nicht
im geringsten etwas der mongoliden Rasse zu tun, wie fälschlich behauptet wurde, da es bei
den australischen Aborigines, die dieser Rasse
auf gar keinen Fall angehören, in besonders hohen Frequenzen
auftritt, aber auch unter der
Bevölkerung Namibias. Deutlich zu erkennen ist auch, daß das Allel FY*B
erst nach der Besiedlung Australiens entstanden sein kann, weil es
sich dort am wenigsten
durchgesetzt hat. Im
entfernten Europa, im südwestlichen Afrika und in Südamerika konnte
es sich jedoch in stärkerem Maße anhäufen, weil diese
Bevölkerungen von Südostasien früher aufgebrochen sind, d.h.
genetisch älter sind. Auch haben
die älteren Bewohner des Pazifiks, etwa auf den Osterinseln, höhere
Anteile am Altschicht-Allel FY*B als ihre später nachgezogenen
Ahnverwandten. Besonders deutlich
zeigt sich das Altschicht-Allel unter den Randgruppen Europas,
nämlich bei den Basken und Sarden, deren Allelfrequenzen
deutlich höher liegen als der europäische Durchschnitt, und die
demnach genetisch älter sein müssen. Nach der
Abspaltung Australiens und dem Anstieg des Meeresspiegels muß nach der
letzten Eiszeit irgendwo im tropischen Südostasien noch das Allel *FY
hinzugekommen sein, was man daran erkennt, daß es in Spuren auch in Südamerika
sowie in Nordeuropa vorkommt. Durchsetzen konnte sich der Phänotyp FY (A-B-) aber nur im tropischen Afrika, weil er offenbar eine
deutlich bessere Resistenz gegen die Malaria tertiana besaß und somit einen
selektiven Vorteil bot. Lediglich im malariaarmen Südwestafrika
konnten sich daneben auch die Allele FY*A und FY*B
behaupten. Auf jeden Fall ist das Allel *FY
das jüngste von allen und der negriden Rasse zuzuordnen. Die
mongolide Rasse hat im Duffy-System bisher kein eigenes Allel
entwickelt, sie ist genetisch wohl noch zu jung. Ohne die Existenz der Malaria würde
auf jeden Fall die Bevölkerung Afrikas derjenigen Europas genetisch
viel näher stehen.
1.8 Das Kidd-System
Das Kidd-Blutgruppensystem
besteht aus den drei Phänotypen JK (A+B-), JK (A+B+) und JK (A-B+),
die von einem Paar autosomaler, kodominanter alleler Gene
determiniert werden: JK*A und JK*B. Auch bei diesem
Blutgruppensystem existiert ein Phänotyp JK (A-B-), der allerdings
sehr selten ist und populationsgenetisch keine Rolle spielt.
Untersuchungen an non-humanen Primaten liegen bisher nicht vor. Das
Allel JK*B dürfte eindeutig das ältere sein und ist ebenso
wie das Allel JK*A dem
Präsapiens zuzuordnen. Es besitzt sein Maximum in Australien,
gefolgt von Mittelamerika und Ostasien. Es folgen Süd- und
Nordamerika sowie Neu-Guinea. Die geringsten Frequenzen besitzt
dieses Allel südlich der Sahara, aber auch in Nordostafrika ist es
selten, also überall dort, wo der Homo sapiens erst sehr spät
auftauchte. Die baskische Altschicht liegt unter
dem europäischen Mittelwert, da sie älter ist, die Sarden darüber,
da letztere scheinbar früher in die Isolation gerieten. Umgekehrt
ist das jüngere Präsapiens-Allel JK*A ebenfalls schon vom
Homo erectus aus Afrika mitgebracht worden; es besitzt südlich und
nordöstlich der Sahara sein Maximum, aber auch Neu-Seeland, Mikronesien und die kanadischen Inuit belegen vordere Plätze. Seltener
ist dieses Allel in Amerika, wohin die Altschicht kaum noch kam,
aber auch in Australien und Neu-Guinea, weil es bei der Geburt des
Homo sapiens wohl insgesamt noch in sehr geringen Frequenzen
vorhanden war. In Ostasien und Australien finden sich die vergleichsweise niedrigsten Werte,
also genau dort, wo der Homo sapiens seinen Ausgang nahm.
1.9 Das Diego-System
Das Diego-Blutgruppensystem
besteht aus den drei Phänotypen DI (A+B-), DI (A+B+) und DI (A-B+),
die durch ein Paar autosomaler, kodominanter alleler Gene
determiniert werden: DI*A und DI*B. Untersuchungen an
non-humanen Primaten liegen bisher nicht vor. Es hat sich gezeigt,
daß dieses Blutgruppensystem offenbar in enger Beziehung zur
mongoliden Rassengruppe steht, da es primär unter den
Indianerbevölkerungen Südamerikas vorkommt. Das Allel DI*A
dürfte selektionsneutral sein und bietet daher ein sehr gutes
Beispiel für eine Verbreitung durch Bevölkerungswanderung. In jedem
Fall aber muß das Allel DI*B bereits beim Präsapiens
vorhanden gewesen sein, noch ehe dieser nach Südostasien
eingewandert ist. Das Allel DI*A war weder beim Präsapiens
noch in der Altschicht vorhanden. Nur so erklärt sich sein völliges
Fehlen bei den australischen Ureinwohnern sowie in Nord-, West- und
Mitteleuropa sowie im südlichen Afrika. Das Fehlen in Ozeanien, bis
auf Mikronesien, sowie in Nordostafrika und in Israel und das nur
sporadische Auftreten in Neu-Guinea und in Südeuropa deuten darauf
hin, daß es in der Altschicht nicht vorhanden war, sondern erst
später durch Mutation entstanden ist. Aber auch in der negriden
Rasse, die älter ist als die mongolide, ist es bisher nicht gefunden
worden, da es in Afrika, welches von Südostasien aus besiedelt
worden ist, auch nicht in Spuren vorkommt. In geringen Frequenzen
erscheint das Allel in Europa nur im asiatisch vermischten
Osteuropa, und dort hauptsächlich in Ungarn, sowie in einigen Teilen
Griechenlands, ebenso wie in Westasien. Das Maximum des Diego-Allels
DI*A liegt in Asien im Gebiet des Himalaya; ähnlich häufig
ist es in Ostasien. Es ist also eindeutig erst während der mongoliden
Rassengenese entstanden und besitzt sein absolutes Maximum in Südamerika.
Es ist hauptsächlich in den jüngeren und primitiveren
Indianerbevölkerungen Amerikas vertreten, die ins Amazonasgebiet
abgedrängt wurden, weniger in den indianischen Hochkulturen.
1.10 Das Lutheran-System
Das
Lutheran-Blutgruppensystem besteht aus den drei Phänotypen LU (A+B-),
LU (A+B+) und LU (A-B+), die durch ein Paar autosomal-kodominanter
Gene determiniert werden: LU*A und LU*B. Auch in
diesem System ist der seltene Phänotyp LU (A-B-) bekannt geworden,
der populationsgenetisch allerdings unbedeutend ist. Untersuchungen
an non-humanen Primaten sind bisher nicht bekannt. Das Allel LU*A
ist überall auf der Welt recht selten und fehlt teilweise völlig,
z.B. bei den australischen Aborigines, in Ozeanien und in
Mittelamerika sowie bei den Inuit. Folglich ist das Allel LU*B
eindeutig das ältere und stammt noch vom Präsapiens. Das Allel
LU*A ist der Altschicht zuzurechnen und tritt in den von
Südostasien am weitesten entfernten Regionen am häufigsten auf, z.B.
südlich der Sahara, in Nordostafrika und in Europa außer Osteuropa.
Bei den Basken als den Ältesten in Europa kommt dieses Altschicht-Allel in höheren Frequenzen
vor als im europäischen Durchschnitt, bei den Sarden und Samen in niedrigeren.
Dennoch könnten die Sarden noch älter sein als die Basken, weil sie
aufgrund ihrer Insellage, ähnlich den australischen Aborigines,
komplett von der Außenwelt abgeschnitten worden sind. Die Tatsache, daß das Allel LU*A in Ozeanien, bei den Inuit,
in Amerika und in Nordasien nahezu komplett fehlt, deutet darauf
hin, daß es irgendwo weiter westlich als Südostasien entstanden ist,
so daß man leicht zu der Überzeugung gelangen kann, daß seine
Verteilung die europide und negride Rasse unter sich ausgemacht
haben. Die Niloten in Nordostafrika könnten aufgrund der Verteilung
der Lutheran-Allele sogar noch älter sein als die übrigen Europiden.
1.11 Das XG-System
Das XG-System ist ein Beispiel
für ein Blutgruppensystem, welches nicht autosomal vererbt wird,
sondern dessen Genlocus auf dem X-Chromosom liegt. Bisher ist nur
ein Antigen bekannt, nämlich XG (A). Sofern Männer die entsprechende
genetische Informatiin besitzen, haben sie den Genotyp XG*A/Y,
während bei Frauen zwei Genotypen möglich sind: XG*A/XG*A
und XG*A/XG. Die merkmalsnegativen Männer und Frauen
lauten: XG/Y bzw. XG/XG. Bei den non-humanen Primaten
wurde XG (A) in geschlechtsgekoppeltem Erbgang bisher nur beim
Gibbon, nicht jedoch bei den anderen Primaten gefunden. Das Allel
XG*A, welches überall auf der Welt das häufigere ist, kommt
besonders in Neu-Guinea, in Australien, in Nordamerika und bei den
Inuit in sehr hohen Frequenzen vor, gefolgt von Europa und
Mikronesien. Es ist also charakteristisch für die ältesten
Bevölkerungsgruppen, während innerhalb den jüngeren Populationen, in
der mongoliden Rasse Ostasiens und in der negriden südlich der
Sahara die absolut minimalen Frequenzen zu verzeichnen sind. Somit
dürfte das Allel XG*A das ältere sein. Daher ist er auch bei
den Basken im Vergleich zum Rest Europas in geringeren Frequenzen vorliegend.
Beide Allele waren schon beim Präsapiens vorhanden, das Fehlen des merkmalsnegativen Typs
bei den Inuit Alaskas könnte zufallsbedingt sein.
2 Die
Serumproteinpolymorphismen
2.1 Das HP-System
Die Bedeutung des Haptoglobins,
das in der Leber synthetisiert wird, liegt in der Fähigkeit, freies
Hämoglobin in der Blutbahn zu binden. Beim Haptoglobin-System sind
die Phänotypen HP 1 und HP 2 jeweils homozygot, der Phänotyp HP 2-1
heterozygot. Der HP-Polymorphismus ist offensichtlich auf den
Menschen beschränkt. Alle non-humanen Primaten lassen nur einen
einzigen HP-Phänotyp erkennen, der dem menschlichen HP 1 weitgehend
ähnlich ist. Das HP*2-Allel war allerdings schon vorhanden,
als die ersten anatomisch modernen Menschen von Afrika aus die
übrigen Regionen der Erde in Besitz nahmen. Über die
HP-Subtyp-Allele liegen erst wenige populationsgenetische
Untersuchungen vor. Das HP*1-Allel kommt insbesondere dort
häufig vor, wo etwa im Gefolge der Malaria durch Anämien oder
parasitären Befall bedingte Eisenverluste besonders häufig sind,
also in den Regionen Afrikas, Mittel- und Südamerikas. Die hohen
HP*1-Frequenzen stellen dort wegen ihrer größeren
Bindungsfähigkeit für freies Serum-Hämoglobin einen Vorteil dar, mit
der Folge, daß durch Selektion die HP*2-Allelfrequenzen
deutlich reduziert wurden. Im Widerspruch dazu scheint zu stehen,
daß gerade in Indien das Allel HP*2 dominiert, was aber mit Selektionsvorteilen dieses Allels gegenüber
Typhus erklärt werden kann. Das Haptoglobin-Allel HP*1 mag
zwar das phylogenetisch ältere sein, zumal es bei den non-humanen
Primaten das einzig vorkommende ist, das ändert aber nichts an der
Tatsache, daß es beim Homo sapiens das häufigere, wenn nicht
gar das ausschließliche Allel war, welches der Präsapiens schon aus
Afrika mitgebracht hat. Das HP*2-Allel ist, wie man
heute weiß, durch ein nonhomologes Crossing-over aus dem
HP*1-Allel hervorgegangen, und es könnte, da Haptoglobin die
Prostaglandin-Synthese hemmt, durch eine erhöhte Keimdrüsenaktivität
einen selektiven Vorteil in der Hominidenevolution besessen haben.
Das HP*2-Allel findet sich in seinen höchsten Frequenzen in
der australischen Urbevölkerung, in Südasien, wo selektive Vorteile
aufgrund einer besseren Typhusresistenz zusätzlich beigetragen haben
mögen, sowie in Ostasien, also genau dort, wo die Ausbreitung des
Homo sapiens begonnen hat. Bezeichnend ist, daß bei den Basken,
der nachweislich ältesten Bevölkerung auf europäischem Boden, die
HP*2-Allelfrequenz deutlich unter dem europäischen Mittelwert
liegt, die der Samen aufgrund ihrer asiatischen Herkunft aber
deutlich darüber. Junge Bevölkerungen haben stets einen sehr hohen
Anteil an HP*2, ältere aufgrund des biologischen Vorteils des
HP*1-Allels in Zusammenhang mit der AB0-Unverträglichkeit
zwischen Mutter und Kind einen niedrigen. Die niedrigsten HP*1-Frequenzen
findet man außerhalb der klassischen Typhusgebiete Asiens nur in
Europa, womit das HP-System nur bedingt geeignet ist, eine
Altersabstufung der einzelnen Rassen vorzunehmen. Bei einer Subtypisierung des
HP-1-Proteins zeigt es sich, daß außer in Afrika, und zwar sowohl in
Nordostafrika als auch südlich der Sahara, der Subtyp HP*1S
deutlich häufiger vorkommt als der Subtyp HP*1F. In Amerika
taucht fast ausschließlich der Subtyp HP*1S auf, sowohl bei
den süd- und nordamerikanischen Indianern als auch bei den Inuit,
womit wir diesen Subtyp als den asiatischen erkennen,
während wir den HP*1F-Subtyp als den afrikanischen
bezeichnen müssen, der erst später in der Evolution hinzugekommen
sein mag. Unter den Alteuropiden überwiegt eindeutig der HP*1S-Subtyp.
Bei den HP*2-Subtypen zeigt es sich, daß der Subtyp
HP*2FS weltweit der häufigste ist. Interessant ist, daß es sich
beim Subtyp HP*2FF um die europäische Variante des HP*2-Allels
handeln muß, da dieses fast nur noch bei den Basken häufiger
vorkommt. In Afrika ist dieser Subtyp nur in Nigeria signifikant
vorhanden, was die ältesten Alteuropiden Europas, nämlich die Basken,
bezüglich ihrer direkten Herkunft mehr in die Nähe von Afrika rückt.
Der HP*2SS-Subtyp hingegen ist charakteristisch für die
indogermanischen Gruppen Europas, namentlich Griechen, Engländer,
Norweger und Deutsche. In Asien zählen zu diesen Indogermanen
vorrangig Inder und Altbewohner der Türkei. Aber auch nach Ostafrika scheint es einige
Gruppen verschlagen zu haben, etwa nach Malawi und Djibouti. In
Chile, auf Bali, im Jemen, in Tunesien und Algerien, aber auch in
Ungarn und sogar in Italien finden wir bei diesem Gen kein
indogermanisches Blut. Mithin ist das Datenmaterial aber noch zu
spärlich, um genügend aussagekräftig zu sein.
2.2 Das GC-System
Das
Group-specific-component-System besteht aus den drei Phänotypen
GC 1, GC 2 und GC 2-1, die durch die beiden autosomalen kodominanten
Allele GC*1 und GC*2 determiniert werden. Die
Phänotypen GC 1 und GC 2 sind homozygot, der Phänotyp GC 2-1
heterozygot. Das zu den α-Globulinen gehörende GC- Molekül besitzt
eine Vitamin-D-bezogene Sterolbindungsstelle und wird daher auch als
Vitamin-D-bindendes Protein (VDBP) bezeichnet. Die GC-Varianten
der non-humanen Primaten weisen nur eine teilweise immunologische
Identität mit den GC-Varianten des Menschen auf. Der
GC-Polymorphismus ist phylogenetisch alt und könnte auch schon bei
den frühen Formen des Menschen vorhanden gewesen sein. Wie kaum ein
anderes Blutgruppensystem liefert er einen Einblick in die
Hautpigmentierungsevolution des Menschen.
Der Homo sapiens
besaß am Anfang seiner Entwicklung vermutlich bereits zwei
Allele, das ältere Präsapiens-Allel GC*2 und das jüngere
Präsapiens-Allel GC*1, das sich durch Mutation schon bald in
zwei Subtypen aufgespalten hat. Von den Subtypen des GC*1-Allels,
das der Homo sapiens schon aus Afrika mitgebracht haben
dürfte, ist wahrscheinlich das GC*1S-Allel das ältere und
auch häufigere. Sein Frequenzmaximum liegt in Nordeuropa, gefolgt
von Westasien, dem übrigen Europa, Südamerika, Nordafrika, Südasien
und Nordamerika. Seine Grenzen bewegen sich damit exakt innerhalb
der europiden Rasse, zu der teilweise auch die nord- und
südamerikanischen Indianer zählen. Das Minimum des GC*1S-Allels
liegt südlich der Sahara, wie jener Teil Afrikas mit Europa
überhaupt wenig gemein hat. In Neu-Guinea, Ost- und Südostasien ist
es eher selten. GC*1S gehört im System der mitochondrischen
Eva der europiden Altschicht der Australiden an.
Das vermutlich
jüngere Allel GC*1F nimmt vom südlichen Afrika ausgehend, wo
es sein Häufigkeitsmaximum aufweist, nach allen Richtungen ab,
außerhalb Afrikas aber liegt sein Maximum in Südostasien, dem am
meisten afrikanisch anmutenden Teil des asiatischen Kontinents. Das
beweist, daß der Mensch über Südostasien nach Afrika gekommen sein
muß. GC*1F kennzeichnet folglich die negriden Merkmale des
Menschen, innerhalb Europas ist es kaum mehr vorhanden, wobei es in
Osteuropa am seltensten vorkommt. Es läßt sich leicht feststellen,
daß das GC*1F-Allel bei Menschen mit dunkler, auch
gelblich-brauner Hautfarbe häufiger vertreten ist, bei denen das
ältere Präsapiensallel GC*1S keinen Selektionsvorteil
besessen haben kann. Daraus erklärt sich auch sein Maximum in Afrika
südlich der Sahara, gefolgt von Südost- und Nordasien, Mittelamerika
und Nordostafrika. Bei den Basken wiederum ist es sehr selten, diese
liegen erwartungsgemäß unter dem europäischen Durchschnitt und haben
folglich den größten genetischen Abstand zu Negriden, gefolgt von
den Osteuropäern. Der weiße Europäer dürfte der einzige Vertreter
sein, bei dem dieses Allel nicht in höheren Frequenzen vorkommt.
Das älteste Allel
jedoch dürfte das GC*2-Allel sein, da es in heißen Gegenden
kaum noch vertreten ist, denn neben Afrika, Australien und
Südostasien ist dieses Allel auch in Mittelamerika sehr selten. In
allen anderen Gegenden, in Europa, Westasien, bei den Inuit, unter
den Polynesiern und auf Papua-Neuguinea hat es seine normalen
Frequenzen behalten. Es charakterisiert vor allem die entferntesten
Verwandten des Präsapiens, nämlich die Europiden und die mit ihnen
verwandten Polynesier, bei denen es etwa gleich häufig auftritt. Das
GC*2-Allel ist deshalb vor allem für Rassen mit heller Haut
charakteristisch, es ist aber auch bei den Inuit signifikant
vertreten. Bemerkenswert ist, daß es in Europa bei den Basken am
häufigsten vorkommt, die damit die älteste Population darstellen. In
sonnenscheinarmen Regionen hat sich also das Allel GC*2
behaupten können. Es kommt aber nicht nur in den regenreichen
Wäldern der gemäßigten Zonen überdurchschnittlich oft vor, sondern
auch in den tropischen Regenwaldgebieten. Da einerseits ein
erheblicher Frequenzunterschied zwischen Nordafrika und Südeuropa
besteht, andererseits ein relatives Maximum in Osteuropa liegt, aber
auch auf Neu-Guinea, muß dieses Allel jedenfalls sehr alt sein, es
nimmt von dort aus in Richtung der heißen Zonen ab, da es in der
afrikanischen und australischen Bevölkerung nicht mehr auffallend
vertreten ist. Wir ersehen daraus, daß die Basken, bei denen das
Allel GC*2 seinen Spitzenwert annimmt, über Südostasien
gekommen sein müssen. In Ost- und Westeuropa, Polynesien und
Neuseeland ist es relativ häufig, womit der Beweis erbracht ist, daß
Basken und Austronesier gemeinsamer Herkunft sind. CG*2 ist
also typisch für aufgehellte Bevölkerungen und stellt unter diesen
einen Selektionsvorteil bei der Vitamin-D-Synthese dar.
Es gibt Hinweise,
wonach das seltene Allel GC*Ab, welches bei 4 % der
ostaustralischen Ureinwohner gefunden wurde, auch in Afrika,
insbesondere bei den zentralafrikanischen Pygmäen häufiger vorkommt.
Daraus läßt sich auf einen gemeinsamen Vorfahren afrikanischer und
australider Gruppen schließen, der primär im Europiden zu suchen
ist, der lange, bevor die Negriden entstanden sind, bereits in
Westeuropa (Steinheim und Swanscombe) nachgewiesen werden konnte.
Insbesondere die Pygmäen sind aufgrund ihrer geringen Körpergröße
der Altschicht zuzurechnen. Das Vorkommen von CG*Ab bzw.
GC*1A1 in Afrika beweist, daß letzteres von Südostasien aus
besiedelt worden sein muß.
Wir erkennen an
dieser Verteilung die phylogenetischen Abstände wieder, vor allem
wird daran sichtbar, daß der Homo sapiens anfangs
unpigmentiert gewesen sein muß. Das Allel GC*1F bietet einen
gewissen Schutz vor Sonneneinstrahlung, daher konnten sich ältere
Allele überall dort nicht durchsetzen, wo die Haut weitgehend
ungeschützt der Sonne ausgesetzt war, also vorrangig in Afrika,
Australien und Südostasien. Es muß daher das jüngste Allel sein,
weil der Mensch noch während der letzten Eiszeit eine viel stärkere
Körperbehaarung trug und diese erst zu Beginn der jetzigen Warmzeit,
als er sich plötzlich vermehrter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sah,
aufgrund der besseren Verdunstung auf nackter Haut abgelegt worden
ist. Das Präsapiens-Allel muß vielmehr das Allel GC*2 sein,
da es in der am stärksten behaarten Rasse der Europiden, die einem
wesentlich geringeren Selektionsdruck durch UV-Strahlung ausgesetzt
war, noch immer am häufigsten vorkommt. Da der Selektionsdruck erst
bei den schwach behaarten Negriden entstanden ist, für die Behaarung
eher nachteilig gewesen sein muß, nimmt die Frequenz des Allels
GC*1F von Afrika ausgehend immer mehr ab und hat nichts mit dem
Rassenalter zu tun. Während das Allel GC*1S die stark mit
Pigmentflecken bzw. Sommersprossen übersäte Haut kennzeichnet, die
sich der Sonnenintensität anpaßt, und nur in Europa in größerem
Frequenzen zu finden ist, steht das Allel GC*1F für braune,
gleichmäßig pigmentierte bis gelbliche Haut, die nebenbei auch ein
geringeres Hautkrebsrisiko aufweist. Unter Weißen steht das Allel
GC*1F vor allem für Menschen mit schöner reiner Haut.
Noch vor der
indogermanischen Einwanderung gab es in Europa einen noch älteren
Vorfahren, der heute nur noch durch den Basken repräsentiert wird.
In einer zweiten Welle erscheinen dann die Repräsentanten der
Indogermanen, also Romanen, Germanen und Slawen. Die keltische
Bevölkerung Europas ist noch älteren Datums als die später
nachfolgenden Germanen, und sie hat auch die älteren Zeugnisse
hinterlassen, nämlich Menhire und Megalithbauten. Keltische Haut
erscheint anders, seltsam weiß und gebleicht, so wie der Mensch wohl
ausgesehen haben mag, als er anfing, sein Haarkleid zu verlieren.
Somit haben keltische Frauen auch die empfindlichste Haut unter den
Frauen, bedingt durch das Präsapiens-Allel GC*2. Zuletzt aber
tauchen in Europa die Bewohner der Steppe auf, die Finno-Ugrier, von
jenseits des Urals kommend und erkennbar an ihrem pigmentfreien
asiatischen Teint, charakterisiert durch das Schönheitsallel
GC*1F.
2.3 Das TF-System
Das Transferrin-System war zunächst
populationsgenetisch wenig ergiebig, erfuhr aber durch die
Entdeckung der TF-Subtypen einen erheblichen Informationszuwachs.
Wir unterscheiden 3 homozygote Phänotypen, namentlich TF C, TF B und
TF D, und mehrere heterozygote, die sich z.B. zu TF CB oder TF CD
kombinieren können. Die physiologische Bedeutung des in der Leber
synthetisierten Transferrins ergibt sich aus der Bindungsfähigkeit
dieses Serumproteins für Eisen, wo es darum geht, Eisen zu
Körpergeweben zu transportieren, die Eisen benötigen. Man nimmt an,
daß es mehr als nur passiv für die Kontrolle des Eisenstoffwechsels
von Bedeutung ist.
Durch Untersuchungen an non-humanen Primaten ist
wahrscheinlich, daß die Allele TF*C und TF*B erst im
Verlauf der Hominidenevolution entstanden sind, während das TF*D-Allel
das phylogenetisch älteste zu sein scheint. Es besitzt sein Maximum
in Australien und Neu-Guinea und zwei Minima, eines in Europa und
das zweite bei den Inuit. Bei den ältesten Populationen Europas, den
Basken und Sarden, ist es bereits ganz ausgestorben, während es sich
bei der jüngeren Bevölkerung im Herzen Afrikas und in Südostasien
noch in signifikanten Anteilen halten konnte. Daß das
Präsapiensallel TF*D südlich der Sahara noch vorhanden ist,
deutet auf die enge Verwandtschaft der australischen
Ureinwohnerschaft mit der afrikanischen Urbevölkerung hin und
liefert erneut einen
Beweis dafür, daß die genetische Struktur der Australier den
ursprünglichen Zustand der Menschheit weitaus besser beschreibt als
die der afrikanischen Bevölkerung. Dabei zeigt es sich, daß
das TF-DChi-Allel eine eigene mongolide Variante darstellt, die nur
in Asien und unter den von dort ausgewanderten heutigen Indianerpopulationen
sowie bei den Weddiden Indiens vorkommt, aber auch bei den aus Asien
stammenden Finnen.
Das TF*C-Allel
ist überall
auf der Welt das häufigste, sowohl bei den Inuit in Kanada und
Alaska als auch bei den Maori kommt ausschließlich dieses Allel vor.
Der Phänotyp TF C
kann noch weiter subtypisiert werden. Dabei zeigt es sich, daß der
Subtyp TF*C1 überall der häufigste ist und sein Maximum, wie
könnte es anders sein, in Australien und Mikronesien aufweist,
aber auch noch im Afrika südlich der Sahara in bedeutenden Anteilen
vorhanden ist. Der TF*C1-Subtyp ist wiederum jünger als der
TF*C2-Subtyp, er ist aber in jedem Fall noch dem Präsapiens
zuzuordnen und liegt bei den Basken folglich auch in größeren
Frequenzen vor als im Rest Europas. Verglichen damit konnte sich der
Subtyp TF*C2 von Südasien aus, wo er entstanden ist, noch
nach Australien ausbreiten, in höheren Frequenzen nach Neu-Guinea
und Melanesien. Er ist der älteste unter den TF*C-Subtypen
und daher bei den Basken auch in geringeren Frequenzen vorhanden als
im europäischen Durchschnitt.
Das ist
erst im Verlauf der Hominidenevolution entstandene Allel TF*B
ist in Australien, Neu-Guinea und im größten Teil Asiens erst in
sehr geringen Frequenzen vorhanden, während es in Nordamerika,
Mittel- und Westeuropa, insbesondere bei den Basken sein Maximum
erreicht. Es muß so jungen Datums sein, daß es nicht einmal bis
Australien und weiter als bis nach Nordamerika transportiert werden
konnte. Außerdem liefert er einen weiteren Beweis dafür, daß gewisse
Merkmale nordamerikanischer Indianerstämme auf eine engere
Verwandtschaft zu europäischen Populationen hindeuten als etwa zu
asiatischen.
Der Subtyp TF*C3 kann wiederum erst vor so kurzer Zeit ins
Leben getreten sein, daß er wahrscheinlich erst nach Abwanderung der
«baskischen Vorhut»
entstanden ist und daher bei diesen im Vergleich zum europäischen
Durchschnitt in niedrigeren Frequenzen vorliegt. Auch nach
Australien und Neu-Guinea sowie bis Südamerika ist dieser Subtyp
nicht mehr gelangt. Weil er sich
auf Europa, Westasien und Nordostafrika beschränkt, kann er somit als
indogermanisches Merkmal gelten.
2.4 Das PI-System
Das
Protease-Inhibitor-System besteht aus dem in allen Bevölkerungen
überaus häufigen homozygoten Phänotyp PI M und einer Reihe von mehr
als 15 seltenen, meist heterozygot auftretenden Varianten, von denen
allerdings nur die Phänotypen PI S und PI Z eine größere Bedeutung
haben. Genetisch determiniert werden diese Phänotypen durch eine
Reihe von autosomal kodominanten Allelen, nämlich PI*M,
PI*S, PI*Z etc. Der Phänotyp PI M konnte weiter
subtypisiert werden, was den Informationswert dieses
Serumprotein-Systems noch beträchtlich gesteigert hat. Den PI*M-Subtypes
liegen die autosomalen kodominanten Allele PI*M1, PI*M2
und PI*M3 zugrunde, die entweder homozygot wie bei den
Phänotypen PI M1, PI M2 und PI M3 oder heterozygot wie bei den
Phänotypen PI M2-1, PI M3-1 und PI M3-2 vorliegen können. Bei den
non-humanen Primaten wurde bislang kein Polymorphismus gefunden, was
heißt, daß auch der Mensch bis zur Abspaltung des Schimpansen
monomorph bezüglich des PI-Systems gewesen sein muß. Das PI*M-Allel
ist überall das häufigste, und es ist in Europa und Afrika, aber
auch in Südamerika, d.h. in den von Südostasien aus am weitesten
entfernten Gebieten, in den geringsten Frequenzen vorhanden, gehört
somit eindeutig dem Präsapiens an. Das Allel PI*Z hingegen
fehlt in der Altschicht völlig, vor allem in Südostasien und
Ozeanien, mit Ausnahme von Neu-Seeland, und dürfte somit das jüngste
Allel von allen sein, d.h. es wäre damit der mongoliden
Rassenbildung zuzurechnen. Das Allel PI*S schließlich könnte
sowohl der negriden Rasse als auch der Altschicht angehören, aber
mehr noch der negriden Rasse, weil Präsapiensallele in Europa doch
recht häufig vorkommen, was in Altsschichtpopulationen eher nicht
die Regel ist. Unter den Subtypes dürfte das Allel PI*M2 als
der häufiger vorkommende Typ, etwa in Australien und Neu-Guinea, das
eigentliche Präsapiens-Allel sein, wohingegen das Allel PI*M1
das Altschichtallel sein müßte. Bei den Basken und Sarden ist das
Altschichtallel naturgemäß in niedrigeren Frequenzen vorhanden, weil
diese als die ältesten Bevölkerungen Europas dem Präsapiens am
nächsten stehen und damit höhere Frequenzen dieses Allels aufweisen
als der europäische Durchschnitt. Erstaunlicherweise muß das
Altschichtallel PI*M1, in diesem speziellen Fall als Subtyp
des Präsapiensallels, bereits in Afrika entstanden sein, da es dort
sein Minimum besitzt, also noch niedrigere Werte aufweist als in
Ostasien. In Südasien scheint dann noch ein weiteres Altschichtallel,
der Subtyp PI*M3, hinzugekommen zu sein, der sein Maximum in
Südamerika annimmt. Bei den Samen und grönländischen Inuit hingegen
kommt dieser Subtyp überhaupt nicht vor. Obwohl das PI-System
insgesamt recht komplex ist, fügt es sich dennoch relativ problemlos
in das theoretische Gerüst ein.
2.5 Das GM-System
Das
Gammaglobulin-Marker-System ist mitunter am besten geeignet, um
eine Einteilung des Menschen in Rassen vorzunehmen. Die zugrunde
liegenden Selektionsprozesse liegen zwar noch völlig im dunkeln,
aber allein die geographische Verteilung läßt erkennen, daß die
einzelnen Haplotypen lokal begrenzt werden können, es sich also um
relativ junge Errungenschaften der Hominidenevolution handeln muß. Somit
kommen von den insgesamt 7 populationsgenetisch bedeutsamen Allelen
die beiden Haplotypen GM*1;5,13 und GM*1;5,6
ausschließlich in Afrika vor, der Haplotyp GM*1,3;5,13 nur in
Südostasien und Ozeanien (was demnach auch von dort aus besiedelt
worden sein muß) und der Haplotyp GM*1;13,15,16 nur in
Nordasien und bei den Inuit. Der indogermanische Haplotyp
GM*3;5,13 kommt heute ausschließlich in Europa, Nordafrika, im
Nahen Osten, aber nicht über Indien hinaus vor, also im gesamten
indoeuropäischen Sprach- und Siedlungsraum. Nun gibt es aber noch
den australischen Haplotyp GM*1;21, der ein gemeinsames
Merkmal aller Europiden ist, und den austronesischen Haplotyp
GM*1,2;21, der in etwa mit dem Verbreitungsgebiet des
Rhesusfaktors RH*cDE bzw. der Haplogruppe M der
mitochondrialen Eva
übereinstimmt, jedenfalls den Mongoliden zugeordnet werden muß. In Australien sowie in
Süd- und Mittelamerika kommen nur diese beiden Haplotypen vor, was einen
indirekten Beweis dafür liefert, daß Australien und Amerika etwa
zeitgleich (Australien wohl etwas früher) besiedelt worden sein
müssen. In Europa existiert neben diesen Haplotypen praktisch nur der
jüngere indogermanische Haplotyp GM*3;5,13, der sich
weitgehend mit dem Verbreitungsgebiet des rhesus-negativen Allels
RH*cde deckt. Der altaische Haplotyp GM*1,3;5,13 stimmt
mit keiner bekannten Haplogruppe
überein, muß aber sehr alt sein, weil er
augenscheinlich nur noch unter den jüngsten Populationen zu finden
ist. Der afrikanische Haplotyp GM*1;5,6 hingegen scheint sich
aus dem afroasiatischen Haplotyp lediglich durch Mutation ergeben zu
haben. Es zeigt sich auch, wie noch aus vielen anderen Blutmerkmalen
ersichtlich, daß die australischen Ureinwohner sowie die
Indianerbevölkerungen Süd- und Mittelamerikas zu den rassisch
reinsten Populationen weltweit gehören, während im europäischen Raum
vergleichsweise große Durchmischungen stattgefunden haben, was aus
dem signifikant vorhandenen australischen Haplotyp GM*1;21
ersichtlich ist, welcher der Haplogruppe N entspricht bzw. dem
australischen Rhesusfaktor RH*CDe. Bemerkenswert ist noch,
daß bei den europäischen Randgruppen, den Basken und Samen, der
australische Anteil unter dem europäischen Mittelwert liegt, bei
den Sarden aber überwiegt. Dies deutet im übrigen auf eine Herkunft
der Sarden aus dem afroasiatischen Bereich hin. Interessant ist in
dem Zusammenhang auch, daß die phönizisch-semitischen Völkerschaften
genetisch den indogermanischen am nächsten stehen, zumal sich ihre
Allelfrequenzen am meisten mit denen Südeuropas decken. Eine völlig
eigenständige und genetisch isolierte Entwicklung scheint jedoch das
subsaharanische Afrika genommen zu haben, welches sich von der
restlichen Welt in zahlreichen Blutmerkmalen unterscheidet. Es fällt
auf, daß sich der Süden Afrikas offenbar schon früh von der
Altschicht abgetrennt hat, was sich aus dem dem afroasiatischen Haplotyp
GM*1;5,13 verwandten afrikanischen Haplotyp
GM*1;5,6 ergibt, für den allerdings noch keine ausreichenden
Untersuchungen vorliegen. Letzterer deckt sich weitgehend mit dem
afroasiatischen Rhesusfaktor RH*cDe, kann also insofern nicht
mehr der Altschicht zugerechnet werden, und ist dann später
kennzeichnend für die negride Rasse geworden. Deren Rassenmerkmale
scheinen allen Indizien zufolge jünger zu sein als die der europiden
Altschicht.
2.6 Das KM-System
Das
Kappaketten-Marker-System wurde ursprünglich InV-System (Inhibitrice
Virm) genannt, nach einem Blutspender namens Viermontois. Die
KM-Faktoren liegen auf den leichten Ketten des
Immunoglobulin-G-Moleküls. Es ist wahrscheinlich, daß dieses
polymorphe Serumproteinsystem sich erst im Laufe der
Hominidenevolution entwickelt hat. Daher ist es geeignet, das Alter
der einzelnen Rassen zu bestimmen. Es sind drei Phänotypen bekannt,
die sich durch die autosomalen Allele KM*1, KM*1,2 und
KM*3 bestimmen lassen. Aus Mangel an Antiseren wurde bisher
meist nur das Merkmal KM (1) bestimmt. Es steht zu erwarten, daß der
populationsgenetische Informationswert sich künftig noch erheblich
steigern wird. Beachtliche Frequenzen des KM*1-Allels treten
hauptsächlich in Amerika auf, in Melanesien, aber auch in Afrika und
bei den Inuit. Das Maximum all derer, die das KM*1-Allel
nicht besitzen, liegt in Europa, und hier wieder bei den Slawen,
gefolgt von den Völkern Mitteleuropas und den Westeuropäern, was ein Beweis für deren
nahe
Verwandtschaft liefert. Vergleichbar niedrige
Frequenzen weisen nur noch die nord- und westasiatischen Völker auf, was
auf deren enge Verbindung zu den Europäern hindeutet. In Amerika
sind am ehesten noch die Inuit Grönlands mit den Europäern
verwandt, obwohl auch sie bereits deutlich von letzteren abweichen. Über Süd- und
Südostasien läßt sich eine Brücke des fehlenden KM*1-Allels
bis nach Neu-Guinea schlagen, wo in der Tat die weltweit niedrigsten
Frequenzen dieses Allels vorkommen. Im benachbarten Melanesien liegen die Werte
bereits deutlich höher, aber Melanesien ist auch wesentlich später
besiedelt worden. Es deutet einiges darauf hin, daß das KM*1-Allel
ursprünglich in der
gesamten Altschicht nicht vorhanden war, wofür das
Fehlen bei den subhumanen Primaten einen Hinweis liefert.
Genaugenommen sieht aber eher umgekehrt aus, als sei der Verlust des KM*1-Allels
parallel zur Größenzunahme des Gehirns
verlaufen, da indogermanische Populationen, zu denen noch die
ältesten Vertreter der Altschicht hinzugenommen werden müssen, kaum
davon betroffen sind. Daraus können wir schließen, daß die Bevölkerung Neu-Guineas
augenscheinlich älter sein muß als die Australiens. Sehr alt scheint
auch die Bevölkerung Südindiens zu sein, aber die Wiege der Indogermanen
müßte nach der Verteilung des KM-Systems ganz eindeutig
im germanisch-keltischen Siedlungsraum zu suchen sein. Die Slawen sind vermutlich die
jüngsten
Vertreter der europiden Rasse. Dies korreliert bestens mit den
Beobachtungen der Brachykephalisation, der Schädelverrundung. Die
ältesten Rassen haben zugleich die höchste Stirn und das größte
Hirnvolumen, wobei auffällt, das letzteres generell von Nord nach
Süd abnimmt. Daher mögen die Germanen stammesgeschichtlich älter sein als
die Kelten und die Kelten wiederum älter als die Slawen. Auch die Negriden
sind relativ jungen Datums, was aus ihrer Langschädeligkeit folgt.
Alle diese Rassen haben die ursprünglich allen Menschen gemeine
Kopfform noch nicht ablegen können, weil sie einfach noch nicht alt
genug sind. Je stärker eine Rasse in ihrer Schädelform von der des
Affen abweicht, desto älter ist sie. Eine sehr junge Rasse sind nach den
Schlußfolgerungen des KM-Systems auch die in Mittelamerika lebenden
Indios, denn in Amerika
liegen die KM*1-Allelfrequenzen mit am höchsten. Auch
Melanesien und Afrika, insbesondere südlich der Sahara, haben im
Mittel sehr junge Bevölkerungen. In Asien besitzt eindeutig Ostasien
die jüngste Bevölkerung, gefolgt von Südostasien. Die Bevölkerung
Nordostafrikas wiederum ist jünger als die berberide Urbevölkerung
Nordafrikas. Die älteste Rasse aber ist die weiße, es folgt die
mongolide und als jüngste die negride. Je jünger eine Rasse ist,
desto später ist sie vom Affen abgezweigt, und desto
«affenähnlicher»
kommt sie uns vor. In der Tat scheinen die Völker Schwarzafrikas die
phylogenetisch jüngsten zu sein. Dabei kann man vom Alter einer Rasse
eigentlich nicht sprechen, denn jede der drei Grundrassen enthält in
sich wieder eine Altersabstufung. So müssen wir innerhalb der
mongoliden Rasse die Indianerbevölkerung Mittelamerikas als die rassengeschichtlich
jüngste
bewerten.
2.7 Das CP-System
Das in der Leber
synthetisierte Coeruloplasmin gehört in die
α2-Globulinfraktion
des menschlichen Serums und spielt eine wichtige Rolle beim
Kupfertransport und im Kupferstoffwechsel. Der Polymorphismus
besteht aus sechs Phänotypen, die durch drei autosomale kodominante
Allele determiniert werden: CP*A, CP*B und CP*C.
Das Allel CP*B ist überall das häufigste, während das Allel
CP*C entweder völlig fehlt oder nur in sehr geringen
Frequenzen vorhanden ist. Das Allel CP*A hingegen kommt nur
in Afrika in größeren Frequenzen vor, und dort vor allem in
Westafrika, also in den von Südostasien am weitesten entfernten
Gebieten, während es in Ägypten und Sudan gar nicht vorkommt. In
Europa liegt das Allel CP*A in höheren Frequenzen vor als in
Asien, es besitzt die typischen Merkmale eines Altschichtallels der
jüngeren Hominidenentwicklung. Das gleiche gilt auch für das Allel
CP*C. Das Allel CP*B ist demnach eindeutig dem
Präsapiens zuzuordnen. Die These, homozygote CP-A-Individuen hätten
infolge einer zu starken Transferreduktion den Nachteil einer
herabgesetzten Fitneß, während der homozygote Phänotyp CP AB die
Lebensfähigkeit von Malariaparasiten erheblich einschränken würde,
ohne daß der Genträger selbst benachteiligt ist, ist leider bislang
völlig ungeprüft.
2.8 Das C3-System
Das Komplementsystem C3
spielt eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Infektionen, und zwar
insofern, als die Komplementaktivierung das Ziel hat, den
Antigen-Antikörper-Komplex zu zerstören. Neben einer Reihe von
Varianten sind drei Phänotypen bekannt: C3 F, C3 FS und C3 S, denen
die autosomalen kodominanten Allele C3*S und C3*F
zugrunde liegen. Das C3*S-Allel besitzt in Ozeanien, bei den
Inuit und besonders in Amerika sehr hohe Frequenzen, während es in
Europa, Asien und Afrika niedrigere Werte annimmt. Es zeigt den
typischen Verlauf eines Präsapiensallels. Umgekehrt weist das Allel
C3*F den Verlauf eines Altschichtallels auf, d.h. es muß das
jüngere von beiden sein. Extrapoliert man seine niedrigen Werte in
Amerika zurück nach Asien, so dürfte es in der Tat dort auch
entstanden sein. Klarerweise weisen die Samen, die aus Asien
eingewandert sind, eine sehr niedrige C3*F-Allelfrequenz auf.
Bei den Tibetern konnte dieses Allel z.B. gar nicht gefunden werden.
Auch die mongolide Indianerbevölkerung in Guyana und Ecuador läßt es
vermissen. Die Frequenzen in Afrika liegen deutlich unter denen
Europas, weil die Afrikaner jünger sind als die Europäer. Es ist
daher nur wahrscheinlich, daß das Allel C3*F gerade zu Beginn
oder kurz vor der mongoliden Rassengenese entstanden ist, als die
Vorfahren der europiden und negriden Rasse Asien bereits verlassen
hatten. Allele verschiedener Gene werden nämlich nicht unabhängig
voneinander selektiert, sondern sind durch Fortpflanzung miteinander
korreliert. Unterliegt also ein Gen einer Selektion, so werden im
gleichen Verhältnis auch alle anderen Gene selektiert, wenn nicht
andere, nicht ans Generationenalter gekoppelte Selektionsfaktoren
dagegen stehen.
2.9 Das ORM-System
Beim
Orosumocoid-System sind eine Reihe von Phänotypen bekannt, die
durch die autosomal-kodominanten Allele ORM*F1, ORM*F2
und ORM*S determiniert werden. In neuerer Schreibweise, die
nachfolgend verwendet wird, entspricht das Allel ORM*F1 dem
Allel ORM*1, das Allel ORM*S dem Allel ORM*2
und das Allel ORM*F2 dem Allel ORM*3. Dieses saure
α-Glykoprotein dürfte eine Rolle bei der Bindung von Steroiden
bilden, Syntheseort ist vor allem die Leber. Für die australischen
Aborigines liegen überhaupt noch keine Daten vor, daher muß
angenommen werden, daß bei ihnen ähnliche Werte vorliegen wie auf
Neu-Guinea. Insbesondere dürfte das Allel ORM*1 das ältere
sein und wäre damit eindeutig dem Präsapiens zuzuweisen. Es ist
folglich bei den unbeweglichen und jungen Rassen der mongoliden
Bevölkerungen noch deutlich das häufigste, während es in Amerika, in
Europa, in Afrika, d.h. bei den phylogenetisch älteren Rassen, und
bei den Inuit in deutlich niedrigeren Frequenzen vorkommt. Diese
besitzen hauptsächlich das Allel ORM*2, während das Allel
ORM*3 fast nur in Europa vorkommt und dort sein Maximum in
Frankreich besitzt, der am weitesten westlich gelegenen Enklave des
Homo sapiens. Der anthropologische Nullmeridian verläuft wie gesagt
durch Südostasien. Andere seltene ORM-Varianten kommen in Summe fast
nur in Japan vor.
2.10 Das BF-System
Der Name des
BF-Systems leitet sich von Properdinfaktor B ab. Dieses
Glykoprotein spielt eine wichtige Rolle im sogenannten alternativen
Aktivierungsmechanismus des Komplements. Neben einer Reihe von
seltenen Varianten sind vierzehn verschiedene Phänotypen bekannt,
die durch die vier autosomal-kodominanten Allele BF*F, BF*S,
BF*F1 und BF*S1 determiniert werden. Das BF-System
ähnelt hinsichtlich seines Verhaltens dem A1A2B0-System, wenn man
das Allel BF*S dem Allel AB0*0 gleichsetzt, das Allel
BF*F dem Allel AB0*A1, das Allel BF*S1 dem
Allel AB0*B und das Allel BF*F1 dem Allel AB0*A2.
Sie alle sind, außer dem Allel BF*F, Präsapiensallele, und
diese müßten sich auch bei den non-humanen Primaten auffinden
lassen. Das Allel BF*S1 wäre demnach das älteste und ist
schon weitgehend ausgestorben. Es ist in Spuren nur noch bei den
älteren Rassen vorhanden und bei den jüngeren gar nicht mehr oder
nur noch selten. Der Grund ist, daß es schon beim Präsapiens in den
heute ältesten Populationen in höheren Frequenzen vorhanden war, die
sich daher auch noch nicht so schnell verringern konnten. Für das
Allel BF*F gilt im wesentlichen das gleiche, nur daß es eben
noch überall in höheren Frequenzen vorliegt, weil es jünger ist,
ähnlich wie das Allel AB0*A1 häufiger ist als das Allel
AB0*B. Auf Erfolgskurs steuerte in der Evolution offenbar nur
das BF*S-Allel, welches um so häufiger vorkommt, je weiter
eine Population von Südostasien entfernt ist. Es ist auch absolut
gesehen das häufigste, während das Allel BF*F1 erst in der
hominiden Phase entstanden sein dürfte. Der von GRUPPONI et al.
beobachtete Nord-Süd-Gradient des Allels BF*S ist
unschlüssig, da die Bevölkerung Ozeaniens in südlichen Breiten lebt
und bei ihr der BF*S-Anteil dennoch den BF*F-Anteil
überwiegt. Da die Basken mit die älteste Population Europas stellen,
muß bei ihnen das Allel BF*F1 logischerweise auch den
höchsten prozentualen Anteil erreichen. Alle Merkmale dieses relativ
komplexen Blutgruppensystems stehen völlig im Einklang mit den
Aussagen der Theorie.
2.11 Das AHSG-System
Die Funktion des
α2-HS-Glykoprotein-Systems ist noch nicht völlig geklärt, es
scheint aber eine wichtige Rolle bei der Phagozytose durch
neutrophile Leukozyten und Monozyten zu spielen. Neben einigen
seltenen Varianten sind drei Phänotypen bekannt, die durch die
autosomalen kodominanten Allele AHSG*1 und AHSG*2
determiniert werden. Das AHSG*2-Allel dürfte das ältere sein, da es unter
den jüngeren Rassen seine höchsten Werte annimmt, etwa bei den Ozeaniern
mit 70,4 %, den Indianern mit 69,7 % und den Inuit mit 60,0 %
vertreten ist. Dieses Allel ist daher dem Präsapiens zuzurechnen.
Umgekehrt besitzt das Allel AHSG*1 Altschichtcharakter, erreicht
seine höchsten Frequenzen in Afrika mit 79,3 % und in Jordanien mit
83,5 %. In Italien liegen die Frequenzen mit 76,0 % etwas niedriger,
obwohl Europa die älteste Bevölkerung besitzt. Das mag daran liegen,
daß es in Europa ein wohl noch älteres Allel AHSG*3 gab, das heute
nur noch bei den Basken, einer der ältesten Bevölkerungen Europas,
signifikante Werte annimmt. Da für Südostasien, insbesondere die
australischen Ureinwohner, keine Angaben über die Häufigkeit des
AHSG*1-Allels bekannt sind, kann keine exakte Aussage gemacht
werden, ob dieses Allel etwa schon beim Präsapiens vorhanden war
oder erst in der hominiden Phase der Evolution entstanden ist. Sind
die dort aufgefundenen Frequenzen, wie zu erwarten steht, niedrig,
so sollte es auch bei den non-humanen Primaten nicht vorhanden sein.
Umgekehrt könnten diese wiederum das Allel AHSG*3 besitzen. Im
übrigen scheint das AHSG-System die ganz normale
Generationsselektion aufzuweisen, der auch alle anderen
Blutgruppensysteme unterliegen.
2.12
Das PLG-System
Plasminogen ist die
inaktive Vorstufe von Plasmin und wird durch Aktivatoren in
letzteres umgewandelt. Der Polymorphismus besteht aus drei
Phänotypen, die durch die autosomalen kodominanten Allele PLG*1
und PLG*2 determiniert werden. Das PLG-System liefert
geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie die beobachteten
Frequenzverteilungen in bestem Einklang mit den wesentlichen
Aussagen der Theorie stehen. Die Frequenz des Präsapienallels PLG*1
ist in Asien, speziell bei den Inuit, also innerhalb der mongoliden
Rasse, die die jüngste ist, am höchsten. Das Präsapiensallel nimmt
frequenzmäßig von Südostasien ausgehend radial nach allen Richtungen
ab, während das Altschichtallel PLG*2 in Europa und Afrika,
also unter den ältesten Populationen des Globus, sein absolutes
Maximum erreicht. In Europa zählt die keltische Bevölkerung der
Schweiz zu den ältesten Populationen, in Afrika die berberischen
Libyer. Diejenigen, die das Allel PLG*2 besitzen, haben einen
selektiven Vorteil gegenüber den Trägern des Präsapiensallels.
Welcher Natur aber der damit verbundene Evolutionsvorteil ist,
darüber herrscht noch weitgehend Unklarheit. Noch liegen nicht
genügend Befunde für einen Vergleich innerhalb der drei Großrassen
vor, aber man kann das Ergebnis vorwegnehmen. Danach gehört das
Allel PLG*2 eindeutig der hominiden Phase der
Menschheitsentwicklung an und sollte bei den non-humanen Primaten
nicht vorhanden sein.
2.13 Das F13-System
Beim Faktor-13-System
handelt es sich um einen fibrinstablisierenden Faktor, der bei der
Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielt. Der im Plasma vorhandene
Gerinnungsfaktor besteht aus zwei Untereinheiten, wobei der Faktor
F13A Transglutaminase-Aktivität besitzt und der Faktor F13B als
Trägermolekül dient. Für das Faktor-F13A-System sind neben einer
Reihe von seltenen genetisch bedingten Varianten drei Phänotypen
bekannt, die durch die beiden autosomal kodominanten Allele
F13A*1 und F13A*2 determiniert werden. Das
Faktor-F13B-System umfaßt neben genetisch bedingten seltenen
Varianten insgesamt sechs Phänotypen, denen die autosomal
kodominanten Allele F13B*1, F13B*2 und F13B*3
zugrunde liegen. Das Allel F13A*1 ist überall das häufigste
und besitzt unter den phylogenetisch jüngeren Bevölkerungen,
namentlich in Asien, Amerika, Neu-Guinea, Australien und Ozeanien
die höchsten Werte, während es in Afrika und Europa seltener ist.
Die keinesfalls niedrigen F13A*2-Maximalfrequenzen zeigen,
daß es sich dabei um ein Altschicht-Allel handeln dürfte, das schon
sehr früh vorhanden gewesen sein muß, und das daher in Afrika und
Europa seine höchsten Werte annimmt. Dieser Umstand macht deutlich,
daß die negride Bevölkerung nicht wesentlich jünger sein kann als
die europide. Ein deutlich komplexeres Verteilungsmuster hat
demgegenüber das Faktor-F13B-System. Es besitzt ganz offensichtlich
zwei Präsapiensallele, womit dieser Polymorphismus schon vor der
Sapiensentwicklung vorhanden gewesen sein dürfte. Das phylogenetisch
ältere F13B*2-Allel muß in der Urbevölkerung Afrikas zu
suchen sein, auf dem Weg nach Südostasien aber schon soweit
abgenommen haben, daß sich unter den jungen Bevölkerungen Asiens und
Amerikas das heute dort häufiger vorkommende jüngere Präsapiensallel
durchsetzen konnte, und das ist eindeutig das F13B*3-Allel.
Umgekehrt sollte dieses Allel dann in Afrika und Europa seltener
sein, was auch tatsächlich der Fall ist. Nach dem F13B*3-Präsapensallel
ist dann das Altschichtallel F13B*1 entstanden, welches das
Präsapiensallel F13B*3 zurückdrängte, während das ältere
Präsapiensallel F13B*2 aber immer noch existierte und auf dem
Weg zurück nach Europa und Afrika wieder an Häufigkeit zulegte,
während das Präsapiensallel F13B*3 auf dem Weg dorthin
abnahm. Da das F13B*2-Allel unter Europäern nur schwach
vertreten ist, dürften sich die europide und afrikanische Linie
schon früh getrennt haben, wobei bei den nach Afrika ziehenden
Gruppen das phylogenetisch ältere Allel F13B*2 überwogen
haben muß, während die nach Europa ausgewanderten Gruppen offenbar
höhere Frequenzen des Altschichtallels F13B*1 besaßen. Das
Faktor-13B-System bietet also ein gutes Beispiel für eine
Allelrückentwicklung, die nur durch das Hinzukommen eines
konkurrierenden dritten Allels ausgelöst worden sein kann, welches
das jüngere Präsapiensallel in diesem Fall verdrängte.
2.14
Das ITI-System
Das
Inter-α-Trypsin-Inhibitor-Protein wird in der Leber
synthetisiert und gehört zu den Protease-Inhibitoren. Es gibt sechs
populationsgenetisch bedeutsame Phänotypen, die durch die drei
autosomalen kodominanten Allele ITI*1, ITI*2 und
ITI*3 determiniert werden. Beim ITI-System müssen aus dem
geringen Datenmaterial, welches vorliegt, die richtigen
Schlußfolgerungen gezogen werden. Es muß zumindest sichergestellt
sein, daß sich keine Widersprüche ergeben. Nur die Tatsache, daß die
Allelfrequenzen des ITI*1-Allels in Europa, Afrika und bei
den Inuit höher sind als in Asien, läßt vermuten, daß dieses Allel
das jüngere ist, während umgekehrt das Allel ITI*2 das
ältere, vom Präsapiens übernommene sein muß. Das ITI*3-Allel
scheint indes ein noch älteres Präsapiensallel zu sein, welches der
Homo erectus bereits aus Afrika mitgebracht hat. Es nahm beim
Transport von Afrika nach Asien in seiner Frequenz fast bis auf Null
ab, während das ITI*2-Allel dabei desto stärker zunahm. Da
das ITI*1-Allel sich im Laufe der Evolution immer mehr
durchsetzte, ist es vor allem in älteren europäischen Bevölkerungen
häufiger zu finden und hinkt in der jüngeren afrikanischen
Population deutlich hinterher. Während also das Allel ITI*2
zugunsten des Allels ITI*1 weltweit unterlegen ist, ist das
Allel ITI*3 in der afrikanischen Bevölkerung immer noch
deutlich vertreten, während es in der europiden schon nahezu
ausgestorben ist.
3 Die
Enzympolymorphismen
3.1 Das ACP1-System
Die saure
Erythrozytenphosphatase (acid phosphatase) spielt bei der
Hydrolyse von Monophosphatestern eine Rolle. Es sind insgesamt 6
Phänotypen bekannt, die durch die Allele ACP1-A, ACP1-B und ACP1-C
determiniert sind. Nachdem das dem ACP1-B-Phänotyp zugrunde liegende
Allel ACP1*B in seiner biochemischen Struktur dem pongiden
ACP1-B-Phänotyp ähnlich ist, ließe sich vermuten, daß die nur beim
Menschen vorhandenen Allele ACP1*A und ACP1*C erst im
Verlauf der Hominidenevolution entstanden sind. Somit ist das Allel
ACP1*B weltweit das häufigste, es ist als gemeinsames Erbe
der Altschicht bei allen Menschen gleichermaßen vorhanden, ähnlich
wie die Blutgruppe 0. Das ACP1*A-Allel hingegen kommt
besonders bei Europäern, bei den Inuit, auf Neu-Guinea und in Teilen
von Ozeanien in großen Frequenzen vor. Daß es in der Altschicht
Australiens kaum vorhanden ist, beweist, daß es erst kurz vor der
Besiedlung dieses Kontinents entstanden sein kann. Da es mit einer
Ausnahme auch in Südamerika vergleichsweise selten ist, kann
gefolgert werden, daß die südamerikanischen Indianer zu der ältesten
Einwanderergruppe Amerikas gehören müssen, weil unter ihnen offenbar
relativ hohe Altschichtanteile vertreten sind. Die auf sie folgenden
jüngeren Gruppen müssen sie geradezu vor sich hergeschoben und aus
Nordamerika verdrängt haben. Insbesondere sind die Hochlandindios
augenscheinlich jüngeren Datums als die Tiefland-Indianer. Während
die Verteilung des ACP1*B-Allels weitgehend der der
Blutgruppe 0 entspricht, korreliert das ACP1*A-Allel bis auf
Australien und Südamerika sehr gut mit der Verteilung der Blutgruppe
A. Während die Blutgruppe A in Australien vorhanden ist, fehlt das
ACP1*A-Allel hingegen dort fast völlig. Umgekehrt ist es in
Südamerika, wo es die Blutgruppe A kaum gibt, in bedeutenden
Frequenzen zu finden. Die Unterschiede mögen durch selektive
Faktoren bedingt sein, die uns bislang unbekannt sind. Sowohl das
ACP1*A-Allel als auch die Blutgruppe A haben ihr
Häufigkeitsmaximum bei den Inuit. Da innerhalb Europas das Maximum
bei den Samen liegt und diese altaischen Ursprungs sind, dürfte dort
auch der Entstehungsort dieses Allels anzusiedeln sein. Speziell in
Europa gibt es daneben noch ein weiteres Allel, ACP1*C, das
bei den Basken sein Minimum erreicht, also nicht alteuropäischen
Ursprungs sein kann, sondern eindeutig hinzugekommen sein muß, wohl
durch Teile der Germanen. Für eine Rasseneinteilung ist das
ACP1-System dennoch denkbar ungeeignet, mit der einen Ausnahme
vielleicht, daß den Germanen und Teilen der Slawen eindeutig das
ACP1*C-Allel zugeordnet werden kann. Bei mittelamerikanischen
Indianern und im subsaharischen Afrika sind noch andere Allele
bekannt geworden, die sich allerdings auf die Völker, bei denen sie
gefunden wurden, begrenzen lassen.
3.2 Das PGM1-System
Der
genetische Polymorphismus der Phosphoglucomutase 1
spielt beim Abbau der Glukose eine Rolle und wird durch die
autosomalen kodominanten Allele PGM1*1, PGM1*2 und
PGM1*3 bestimmt. Vergleiche mit non-humanen Primaten legen nahe,
daß das PMG1*2-Allel erst im Verlauf der Hominidenevolution
in der Altschicht entstanden ist. Wir unterscheiden drei
Phänotypen: PGM1 1, PGM1 2 und PGM1 2-1. In der Altschicht ist das
PGM1*2-Allel dennoch kaum vorhanden. So erklärt sich
beispielsweise sein Minimum in Neu-Guinea, gefolgt von Mittel- und
Südamerika, Australien, den alaskischen Inuit, Mikronesiern und den
nordamerikanischen Indianern. Bei den Sarden, den
Altschicht-Vertretern Europas, liegen die Werte des PGM1*2-Allels im
europäischen Vergleich ganz unten. Relativ häufig ist dieses Allel
in West- und Südasien anzutreffen, aber auch in Nordost- und
Westafrika, wo es entstanden sein dürfte, also im gesamten
indogermanischen Raum, sowie bei den grönländischen Inuit und den
Samen. Bei den Basken liegt es über dem europäischen Durchschnitt,
was einen Beweis mehr liefert, daß die europäische Altschicht sich
von den übrigen Alteuropiden doch deutlich unterscheidet.
Spitzenwerte über 50 % erreicht der Phänotyp PGM1 2 in Westafrika
nördlich der Sahelzone. Er scheint also von dort aus nach Europa
gelangt zu sein, zumal auch für Südeuropa im europäischen Vergleich
überdurchschnittliche Häufigkeiten erreicht werden. Bei den
PGM1-Subtypen ist das Allel PGM1*1A durchweg häufiger als das
Allel PGM1*1B, was im Grunde auch für das Allel PGM1*2A
gilt, außer bei den alaskischen Inuit, den nordamerikanischen
Indianern und den Ozeaniern, wo regelmäßig das Allel PGM1*2B
überwiegt. Eine schlüssige Erklärung dafür kann bisher nicht gegeben
werden.
3.3 Die PGM2- und PGM3-Systeme
Neben dem PGM1-Enzym sind noch
zwei weitere Enzyme entdeckt worden, nämlich die
Phosphoglucomutase 2 bzw. 3. Im Unterschied zu PGM1 und
PGM2, die nahezu in allen Zellen nachweisbar sind, lassen sich die
Genprodukte von PGM3 nur in Plazenten, Leukozyten und Spermien
nachweisen. Für beide Systeme kann man je drei Phänotypen
unterscheiden, die durch autosomale kodominante Allele determiniert
werden: PGM2*1 und PGM2*2 bzw. PGM3*1 und
PGM3*2. Dazu kommen in beiden Systemen noch weitere, ebenfalls
genetisch bedingte Varianten. Untersuchungen an non-humanen Primaten
haben ergeben, daß auch bei diesen das PGM2-System vorhanden ist.
Völlig offen ist bisher, ob auch das PGM3-System bereits bei den
non-humanen Primaten vorhanden ist oder ob dieses sich erst im
Verlauf der Hominidenevolution entwickelt hat. Wie aus
Bevölkerungs-untersuchungen hervorgeht, ist das erstere kaum
polymorph, das letztere dagegen stark.
PGM2-System: In allen bisher
untersuchten Bevölkerungen überwiegt eindeutig das Allel PGM2*1,
während das Allel PGM2*2 anteilsmäßig stark zurücktritt.
Interessanterweise erreicht letzteres jedoch in Afrika besonders
hohe Frequenzen, vor allem in Swaziland (5,6 %) und bei den Pygmäen
(6,8 %). Ursache könnte ein bisher unbekannter Selektionsvorteil
sein. Beträchtliche Frequenzen erreicht das PGM2*9-Allel in
Neu-Guinea (auch PGM2*10) und das Allel PGM2*3 bei den
australischen Aborigines. Die insgesamt 12 bisher bekannten
PGM2-Allele sind alle mutativ entstanden und auf bestimmte
Bevölkerungen begrenzt.
PGM3-System: Für dieses System
liegen mit Ausnahme von Europa und Asien erst wenige
Bevölkerungsuntersuchungen vor. So überwiegt in Europa, Asien,
Amerika und bei den Inuit deutlich das PGM3*1-Allel, während
dieses vor allem in Afrika, aber auch bei den australischen
Aborigines und auf Neu-Guinea anteilsmäßig stark zurücktritt, und
zwar zugunsten des Allels PGM3*2. Letzteres dürfte damit das
Präsapiensallel sein, während ersteres das Altschichtallel sein muß.
3.4 Das AK1-System
Die Adenylatkinase 1
spielt beim Muskelstoffwechsel eine wichtige Rolle, indem es die
Umwandlung von Adenosindiphosphat in Adenosinmono- und
Adenosintriphosphat katalysiert. Für das AK1-System sind drei
Hauptphänotypen bekannt: AK1 1, AK1 2-1 und AK1 2, die durch die
beiden autosomalen kodominanten Allele AK1*1 und AK1*2
bestimmt werden. Da bei den Pongiden nur AK1-Phänotypen festgestellt
werden konnten, die dem AK1-1-Phänotyp des Menschen entsprechen,
kann man annehmen, daß das Allel AK1*1 phylogenetisch das
ältere ist und daher dem Präsapiens zuzuordnen ist. Folglich sollte
dieses Allel bei den jüngsten Rassen in den höchsten Frequenzen
auftreten, was auch tatsächlich der Fall ist, denn es weist in
Neu-Guinea, Australien, ganz Ozeanien, in Mittel- und Südamerika
sowie bei den kanadischen Inuit seine höchsten Werte auf, wohingegen
es in Asien, Afrika und insbesondere Europa seltener ist. Dort nimmt
umgekehrt das Allel AK1*2 seine höchsten Frequenzen an, wobei
Afrika noch vor Ost-, Südost- und Nordasien rangiert, allerdings
hinter Süd- und Westasien, das stärker mit Europiden durchsetzt ist.
Die absoluten Spitzenwerte dieses Allels werden allerdings nicht in
Westeuropa gemessen, sondern in Südasien, woraus wir die
erstaunliche Schlußfolgerung ziehen können, daß offenbar Teile der
indogermanischen Rasse, nachdem diese bereits weit nach Westen
vorgestoßen war, wieder umgekehrt und bis ins südliche Indien
vorgedrungen sind. In Europa zählen die Tschechen und Jugoslawen zu
den jüngsten Bevölkerungen, während die Griechen unter die ältesten
zu rechnen sind. Die Basken sind bezüglich des afro-europiden
AK1*2-Allels überhaupt die Ältesten, da sie nicht nur über dem
europäischen Durchschnitt, sondern sogar an erster Stelle liegen,
wohingegen die Sarden vermutlich nur deswegen mit den niedrigsten
Werten in Europa behaftet sind, weil sie vermutlich kurz nach der
Entstehung des AK1*2-Allels schon in die Isolation geraten
sind. Auch die Samen weichen deutlich vom westasiatischen
Durchschnitt ab. In jedem Fall dürfte das AK1*2-Allel weit im
Westen entstanden sein, und es sieht ganz danach aus, als habe es
keine frühe indogermanische Besiedlung Indiens gegeben.
3.5 Das ADA-System
Im
Adenosindesaminase-System sind drei Phänotypen bekannt: ADA 1,
ADA 2-1 und ADA 2. Dieses Enzym katalysiert als Aminohydrolase die
Desaminierung des Adenosins zu Inosin beim Abbau der Purinbasen. Die
Adenosindesaminasen der non-humanen Primaten unterscheiden sich von
denen des Menschen, so daß sich des letzteren ADA-Phänotypen erst im
Verlauf der Hominidenevolution entwickelt haben können. Obwohl nun
das ADA*1-Allel überall auf der Welt mit Abstand das
häufigste ist, spiegelt das ADA-System in ausgezeichneter Weise das
Verbreitungsgebiet der sogenannten Indogermanen wider. Das
indogermanische Allel ADA*2 fehlt völlig in der Altschicht
und den daraus abzweigenden Rassen der Negriden und Mongoliden, wo
es in nur geringen Anteilen vorhanden ist. Seine größte Häufigkeit
erzielt es abgesehen von Neu-Guinea und Ozeanien, wofür gesonderte
Erklärungen gegeben werden müssen, in Südasien sowie in Nordeuropa,
aber auch in Nordafrika. Auch hier zeigt es sich wieder, daß die
Vertreter der Altschicht Europas, namentlich die Basken und Sarden,
dieses Allel in nur ganz geringen Frequenzen besitzen. Das
indogermanische Verbreitungsgebiet erstreckt sich, nicht sprachlich,
sondern rassisch, von Nordeuropa in einem schmalen Streifen bis nach
Papua-Neu-Guinea und weiter nach Ozeanien. Der Schwerpunkt dieser
vormals Kaukasier genannten Rasse liegt etwas östlich des Kaspischen
Meeres, also keineswegs im Kaukasus. Es läßt sich auch erkennen, daß
Ozeanien von Neu-Guinea aus besiedelt worden sein muß, aber nicht
von mongoliden Bevölkerungsgruppen, sondern von "kaukasischen", da
nur diese jene erstaunlichen Kenntnisse in der Navigation besessen
haben, wie sie aufgrund der Höherentwicklung ihrer Kulturstufe zu
erwarten waren. Vermutlich wurden die australischen Ureinwohner, die
möglicherweise selbst gar keine nautischen Kenntnisse besaßen, von
ihren "kaukasischen" Nachbarn auf Neu-Guinea, die über solche
Kenntnisse verfügten, schon vor ca. 40000 Jahren auf Booten oder
Flößen nach Australien "übergesetzt". Überhaupt scheinen die
Ozeanier vor ihren malaiischen Verfolgern auf die Inseln, die sie
heute bewohnen, regelrecht geflohen zu sein. Nach Australien wollten
diese Vorfahren scheinbar nicht, da sie dorthin bereits ihre
unliebsamen Nachbarn aus der Altschicht "deportiert" hatten. Beweise
gibt es für diese Spekulationen bisher freilich nicht.
3.6 Das ESD-System
Das Enzym Esterase D
gehört in die Gruppe der Hydrolasen, die in der Lage sind,
Karbonsäureester zu spalten. Für das ESD-System können drei
Hauptphänotypen nachgewiesen werden: ESD 1, ESD 2 und ESD 2-1, die
durch die beiden autosomalen kodominanten Allele ESD*1 und
ESD*2 determiniert werden. Das ältere der beiden Allele dürfte
das Präsapiens-Allel ESD*2 sein, welches seine höchsten Werte
in Südostasien erreicht, dem Ausgangspunkt der Sapiensausbreitung.
Von dort fällt es radial nach allen Richtungen stark ab, so daß
seine Frequenz bereits in Australien und Neu-Guinea auf unter 10 %
abgesunken ist. Auch in Mittelamerika, welches die älteste
Bevölkerung auf dem Doppelkontinent besitzt, liegen die Frequenzen
ähnlich niedrig, ebenso wie in Afrika südlich der Sahara oder im
äußersten Norden Europas. Klarerweise liegt der Wert bei den Basken,
die eine der ältesten Populationen Europas stellen, noch niedriger
als irgendwo sonst in Europa, während die Sarden, die aus Westasien
stammen, etwas niedrigere Werte aufweisen, als man sie dort findet.
Interessanterweise setzt sich der Anstieg dieses Allels noch bis in
den mikronesischen Raum hinein fort, so daß wir daraus die
Schlußfolgerung ableiten können, daß die Urheimat dieses Allels dort
zu suchen ist, wo die Mikronesier einst lebten. Da die Mikronesier
einige Jahrtausende benötigt haben werden, um ihre heutigen
Wohnsitze zu erreichen, kann man annehmen, daß bei ihnen das Allel
ursprünglich noch wesentlich häufiger war. Umgekehrt nimmt das
hominide Allel ESD*1, das – zumal sich bezüglich dieses
Blutgruppensystems auch noch kein Polymorphismus etabliert hat,
welcher mehr als zwei Allele umfaßt – der Altschicht anzugehören
scheint, mit dem Abstand zu Südostasien immer mehr zu und erreicht
seine höchsten Werte in Europa unter den Basken, in Amerika bei den
Inuit in Alaska, in Afrika besonders im Süden und im
australo-melanesischen Raum auf dem australischen Kontinent. Es
zeigt die typischen Merkmale eines Altschichtallels. Da über sein
Vorhandensein bei den non-humanen Primaten nichts bekannt ist, kann
derzeit auch nicht entschieden werden, ob der Polymorphismus nicht
schon beim Präsapiens vorhanden war. Welche Selektionsmechanismen
für das heute existierende Allelverhältnis gesorgt haben, ist
gleichwohl nicht bekannt. Durch natürliche Altersselektion kann
maximal ein Verhältnis ESD*2/ESD*1 von 1:3 erklärt
werden, so daß speziell für Mikronesien und Neuseeland noch andere
Differenzierungsfaktoren herangezogen werden müssen.
3.7 Das GLO1-System
Die Glyoxalase 1
katalysiert die irreversible Umsetzung von Glutathion und
Methylglyoxal zu S-Lactoyl-Glutathion. Es sind drei Hauptphänotypen
bekannt: GLO1 1, GLO1 2-1 und GLO1 2. Diesen liegen die beiden
autosomalen kodominanten Allele GLO1*1 und GLO1*2
zugrunde. Das Glyoxalase-Blutgruppensystem zeigt ein relativ
einfaches und schlüssiges Verteilungsmuster. Das Allel GLO1*2
ist phylogenetisch das ältere, da es beim Schimpansen, der ja
deutlich jünger ist als der Mensch, ausschließlich auftritt. Das
Allel GLO1*1 hingegen ist erst im Verlauf der
Hominidenevolution entstanden, d.h. nach der Abspaltung des
Schimpansen. Daher ist das Allel GLO1*2 bei den jüngsten
Sapienspopulationen, etwa unter der mongoliden Rasse, noch am
häufigsten anzutreffen. Das Allel GLO1*1 wiederum kann erst
entstanden sein, nachdem Australien vom Festland abgetrennt wurde,
da es auf diesem Kontinent sein absolutes Maximum annimmt, gefolgt
von Neu-Guinea. Unter den von Südostasien abgewanderten Gruppen,
insbesondere unter der europäischen und afrikanischen Bevölkerung,
die bedeutend älter ist, tritt das Hominiden-Allel GLO1*1
schon desto deutlicher hervor. Es muß somit der allerjüngsten
mongoliden Rassenbildung angehören, da es in Südostasien erst in
sehr geringen Frequenzen vorhanden ist. Die Westeuropäer rangieren
unter denen, die das hominide Sapiensallel GLO1*1 besitzen,
an erster Stelle. Sie müssen also zu den Angehörigen der ältesten
Menschenrasse auf dem Planeten gehören. Auch Nordafrika und
Westasien weisen hohe Werte auf, allerdings etwas niedrigere.
Folglich sind diese Populationen etwas jünger als die Westeuropäer.
Die jüngste und damit am spätesten angekommene Population in
Südamerika ist unter den Hochlandindianern Perus zu verzeichnen. Die
höchsten gemessenen Werte des Hominidenallels wird dort aber unter
den Hochkulturen Mittelamerikas gefunden, d.h. das Hochland wurde
erst von späteren Einwanderern erschlossen. Bei den Samen, die
deutlich jünger sind als die übrige europäische Bevölkerung, tritt
das Präsapiensallel in höheren Frequenzen auf als im europäischen
Durchschnitt. Die Basken hingegen liegen gut im südeuropäischen
Mittel, und für die Sarden liegen uns fehlerhafte Angaben vor, die
sich nicht zu 1 addieren. Nimmt man jedoch an, daß der Wert für das
Präsapiensallel der richtige ist, so liegt dieser deutlich unter dem
europäischen Durchschnitt, und die Sarden wären damit die älteste
isolierte Bevölkerung Europas. Die ungarischen Roma hingegen weisen
die höchsten Präsapiens-Allelfequenzen auf, was auf ihre asiatische
Herkunft hindeutet. Anhand des GLO1-Blutgruppensystems, für das
keine selektiven Faktoren bekannt sind, ist es möglich, das
phylogenetische Alter der Menschenrassen in recht eindrucksvoller
Weise zu demonstrieren. Welches nun die selektiven Faktoren gewesen
sind, die zu den unterschiedlichen Häufigkeitsverteilungen
beigetragen haben, darüber lassen sich nur Spekulationen anstellen.
Daß es eine solche Selektion aber gegeben haben muß, läßt sich daran
ermessen, daß das Allelverhältnis sich ohne diese Selektion nicht
ändern würde, es sei denn, daß ständig neuer Nachschub geliefert
würde. Die Selektion dürfte somit einfach in der höheren
Fortpflanzungsrate der Merkmalsträger zu suchen sein. Rassen, die
mehr Nachkommen produzieren, generieren die stammesgeschichtlich
älteren Individuen, deren Allele irgendwann dominieren. Wenn die,
die ein neu aufgetretenes Merkmal besitzen, sich rascher und
häufiger vermehren, wächst auch die absolute Häufigkeit des neu
entstandenen Allels vergleichsweise stärker.
3.8 Das GPT-System
Für den
Glutamat-Pyruvat-Transaminase-Polymorphismus können drei
Hauptphänotypen nachgewiesen werden: GPT 1, GPT 2 und GPT 2-1. Diese
werden durch die beiden autosomalen kodominanten Allele GPT*1
und GPT*2 determiniert. Bei GPT 1 ist die Enzymaktivität
dieser im Aminsäurestoffwechsel eine Rolle spielenden Transferase am
höchsten, bei GPT 2 am niedrigsten, dazwischen liegt GPT 2-1. Das GPT*1-Allel
scheint von beiden das ältere zu sein, da es sein Minimum in Südostasien unter
den dortigen mongoliden Rassen annimmt und mit zunehmender
Distanz von dort, d.h. unter den Migrationsgruppen, die höchsten
Werte erreicht. Offensichtlich wurden die Bevölkerungen im südlichen
Afrika, in Neu-Guinea, Australien und Mittelamerika irgendwann
abgeschnitten, was sich darin zeigt, daß diese relativ hohe Anteile
am GPT*1-Allel besitzen. In
Europa werden die höchsten GPT*1-Frequenzen in Nordeuropa
erreicht, welches wohl von den ersten und daher ältesten
Auswanderern besiedelt worden sein dürfte,
ähnlich wie in Asien Westasien. Die Mutation GPT*2 ist
hinterhergeeilt, sie hat Nordeuropa zuletzt erreicht, und
auch ins südliche Afrika, nach Neu-Guinea und Australien sowie nach
Mittelamerika ist sie kaum noch gelangt. Der GPT-Polymorphismus ist
populationsgenetisch nicht besonders ergiebig, er liefert einen
Beweis mehr, daß der anatomisch moderne Mensch aus Südostasien
stammt. Das GPT*1-Allel ist ein Erbe des Präsapiens, während
der Erfolg des Homo sapiens sich hauptsächlich auf die
Mutation GPT*2 gründet, deren Allel vielleicht auch schon
seit seinen Anfängen vorhanden war. Neben den beiden genannten Allelen gibt es noch die seltenen Allele GPT*3
bis GPT*10, die nur vereinzelt auftreten und
populationsgenetisch keine Rolle spielen.
3.9 Das PGD-System
Der genetische Polymorphismus
der 6-Phosphogluconat-Dehydrogenase weist drei
Hauptphänotypen auf: PGD A, PGD B und PGD AB, die durch die
kodominanten Allele PGD*A und PGD*B determiniert
werden. Dieses Enzym katalysiert die Umwandlung von
Gluconat-6-Phosphat in Ribulose-5-Phosphat. Es scheint, daß das
menschliche PGD-System von dem der non-humanen Primaten verschieden
ist und in seiner heutigen Form erst im Verlauf der
Hominidenevolution entstanden ist. Das Allel PGD*B dürfte in
der Tat das ältere sein und ist dem Präsapiens zuzurechnen. Es liegt
erwartungsgemäß bei den Basken und Sarden, den ältesten
Bevölkerungen Europas, in den geringsten Frequenzen vor, weil es
unter diesen schon stärker ausgestorben ist. In Südostasien, wo die
weltweit jüngsten Bevölkerungen leben, sind seine Frequenzen noch am
höchsten, speziell in Melanesien, auf Neu-Guinea und in Neu-Seeland,
aber auch in Australien. In Afrika, und dort insbesondere in Nord-
und Nordostafrika, scheint es ebenfalls recht junge Populationen zu
geben, innerhalb derer sich das PGD*B-Allel noch gut halten
konnte. Selten ist dieses Allel vor allem in Europa, außer in
Osteuropa, und in Amerika, speziell in Nord- und Südamerika, sowie
bei den Inuit. Umgekehrt nimmt das Allel PGD*A von
Südostasien aus radial nach allen Richtungen zu, erreicht seine
höchsten Werte in Nordamerika und Westeuropa. Da aber seine
Frequenzen in Südostasien schon außerordentlich hoch sind, dürfte es
ebenfalls ein jüngeres Präsapiensallel sein. Die Korrelation des
PGD*B-Allels mit der Höhenlage des Siedlungsraumes der
entsprechenden Population scheint eher zufällig zu sein, zumindest
gibt es Gegenbeispiele, wie etwa die Tiefländer Mittelamerikas, wo
höhere Frequenzen erreicht werden als in den Hochlagen der Anden.
Wie stets, hat der Europide die stärkste selektive Auswahl
durchgemacht, wenngleich die Unterschiede wegen des geringen Alters
dieses Blutgruppensystems noch im Prozentbereich liegen.
3.10 Das PGP-System
Die
Phosphoglycolat-Phosphatase spielt eine wichtige Rolle beim
Sauerstofftransport. Es sind sechs nachweisbare Phänotypen bekannt,
die durch die drei autosomalen kodominanten Allele PGP*1,
PGP*2 und PGP*3 determiniert werden. Das PGP*1-Allel
ist überall das häufigste, in Australien und Neu-Guinea sowie in
Afrika kommt dieses Allel sogar ausschließlich vor. Es ist daher
eindeutig dem Präsapiens zuzuordnen und nimmt von Südostasien
ausgehend radial nach außen in seiner Frequenz ab. Seine niedrigsten
Werte erreicht es unter den ältesten Bevölkerungen des Globus in
Europa, mit einem Minimum in England, aber auch in Amerika, aber
dort wohl nur wegen des hohen PGP*2-Anteils. Die Allele
PGP*2 und PGP*3 dürften erst in der hominiden Phase der
Menschheitsentwicklung entstanden sein, zumal sie in Australien,
Neu-Guinea und Afrika gar nicht vorkommen, genauer gesagt dort im
Sub-Promillebereich liegen. Dennoch müssen diese Allele, die der
jüngsten mongoliden Phase zuzurechnen sind, von Asien ihren Ausgang
genommen haben, sonst könnten sie nicht nach Amerika und Ozeanien
gelangt sein. Insbesondere scheint die indigene Bevölkerung Amerikas
deutlich älter zu sein als bisher angenommen, denn bei ihr tritt das
Allel PGP*2 deutlich häufiger auf als bei der ihr verwandten
mongoliden Bevölkerung Asiens. Es kommt außerdem nur in den
westlichen Regionen Asiens häufiger vor, während es außer in
Malaysia in sämtlichen süd- und ostasiatischen Regionen völlig
fehlt. Die Besiedlung Amerikas müßte daher von Malaysia ihren
Ausgang genommen haben, womit die Protomalaien zu den ältesten
Völkern Südostasiens gehören dürften. Was für das Allel PGP*2
gesagt worden ist, gilt im wesentlichen auch für das Allel PGP*3.
Letzteres ist noch etwas jünger als das erstere, was aus den
niedrigeren Frequenzen in Europa und Südamerika folgt. Hinsichtlich
des Verhaltens dieses Blutgruppensystems gilt es nur eine einzige
Anomalie zu erklären, das ist die ausgeprägte Häufigkeit des Allels
PGP*2 in Nordamerika, die nur dadurch erklärt werden kann,
daß dieses Allel eine hauptsächlich östliche Ausbreitung genommen
hat, also erst entstanden sein kann, als die Vorläufer der heutigen
Europiden Südostasien schon weitgehend verlassen hatten, womit nur
noch wenig Gennachfluß Richtung Westen erfolgt sein dürfte.
3.11 Das UMPK-System
Die
Uridin-5-Monophosphatkinase gehört in die Gruppe der
Transferasen und katalysiert die Umwandlung von Uridin-Monophosphat
und ATP in Uridin-Diphosphat und ADP. Das UMPK-System besteht aus
einer bisher unbekannten Zahl von Phänotypen, die durch drei
autosomal kodominante Allele determiniert werden: UMPK*1,
UMPK*2 und UMPK*3. Die Zahl bisher durchgeführter
Bevölkerungsuntersuchungen ist noch sehr gering. Nach den bis jetzt
vorliegenden Erkenntnissen dürfte das UMPK*2-Allel das
älteste sein und ist ganz dem Präsapiens zuzurechnen. Seine
Frequenzen liegen in Asien am höchsten und nehmen radial nach allen
Richtungen ab, wobei die niedrigsten Werte in Afrika erreicht
werden, wo es gar nicht vorhanden ist. Da das Allel UMPK*1 in
Asien ebenfalls sehr hohe Werte annimmt, kann man davon ausgehen,
daß auch dieses Allel ein Erbe des Präsapiens ist und schon von
Afrika aus nach Südostasien importiert worden ist. Man muß immer
davon ausgehen, daß die Menschwerdung sich nicht an einem Exemplar
vollzogen haben kann, sondern an einer ganzen Reihe von Individuen,
die höchstwahrscheinlich auch noch blutsverwandt miteinander waren.
Während der anthropogenen Wanderbewegung hat dieses Allel in Europa
und Asien sehr hohe Frequenzwerte angenommen, wobei es in Afrika
bereits in Sättigung gegangen zu sein scheint, während das Allel
UMPK*2 dort bereits vollständig ausgestorben ist. Schwierig ist
die Erklärung des Allelverhaltens von UMPK*3. Es scheint, als
wäre es nur nach Osten transportiert worden, von Gruppen, die dieses
Allel besaßen. Insgesamt liegen aber nur wenige populationsgenetisch
verwertbare Daten vor, um zu einer abschließenden Bewertung gelangen
zu können. Sicher zu sein scheint allein, daß das Allel UMPK*3
erst in der hominiden Phase der Menschheitsentwicklung entstanden
sein kann, denn sonst müßte es bei den ältesten lebenden
Populationen des Planeten, der europiden und negriden Rasse,
vorhanden sein. Es kann also nur durch eine Mutation in Fernost
entstanden sein.
3.12
Das ALADH-System
Die
δ-Aminolävulinat-Dehydratase ist ein Enzym, das bei der
Biosynthese des Häms eine wichtige Rolle spielt. Es konnten bisher
drei Phänotypen nachgewiesen werden: ALADH 1, ALADH 2 und ALADH 2-1,
denen die zwei autosomal kodominanten Allele ALADH*1 und ALADH*2
zugrunde liegen. Für dieses Enzym liegen bisher erst wenige
Blutgruppenuntersuchungen vor. Das ALADH*2-Allel ist das ältere Präsapiensallel, da es in Asien seine maximale Frequenz erreicht und
von dort radial nach allen Richtungen abnimmt. In Afrika existiert
dieses Allel überhaupt nicht mehr. Umgekehrt besitzt das Allel ALADH*1
in Afrika seine höchsten Frequenzen, es ist dort so gut wie
ausschließlich vorhanden. Sein Entstehungszentrum muß daher von
Afrika weiter entfernt sein als von Europa und scheint im
westlichen Asien zu liegen, was auch tatsächlich der Fall ist. In
Thailand liegen die Frequenzen des ALADH*1-Allels bei 0,970, in
Israel dagegen nur bei 0,853, also unter dem asiatischen Mittelwert
von 0,886, der weltweit der niedrigste ist. In Italien liegen die
ALADH*1-Frequenzen mit 0,893 niedriger als im entfernten Dänemark
(0,938). Der anatomisch moderne Mensch scheint Afrika also erst
relativ spät besiedelt zu haben, während Europa schon viel früher
bewohnt gewesen sein muß.
3.13
Das PGI-System
Das Enzym
Phosphoglucose-Isomerase katalysiert die Umwandlung von
Fructose-6-Pphosphat in Glucose-6-Phosphat. Neben dem dominierenden
PGI-1-Phänotyp ist eine große Zahl von Varianten bekannt, denen
mindestens 10 verschiedene Allele zugrunde liegen. Da die
PGI-Varianten der non-humanen Primaten sich von denen des Menschen
unterscheiden, ist der Schluß gerechtfertigt, daß der menschliche
PGI-Polymorphismus erst in der hominiden Phase der Evolution
entstanden ist. Die bisher vorliegenden Bevölkerungsuntersuchungen
zeigen klar, daß praktisch überall das Allel PGI*1
ausschließlich oder zumindest in sehr hohen Frequenzen vorkommt.
Insofern kann man eigentlich von keinem echten genetischen
Polymorphismus reden. Das Allel PGI*2 konnte in sehr geringen
Frequenzen in Asien und auf Neu-Guinea beobachtet werden. Das PGI*3-Allel
wurde sowohl bei europäischen als auch afrikanischen und asiatischen
Bevölkerungen gefunden, wobei die Allelfrequenzen in der Regel sehr
niedrig sind. Die Allele PGI*4 bis PGI*9 wurden in
verschiedenen asiatischen Bevölkerungen gefunden, allerdings nur in
sehr geringen Frequenzen. Für die australischen Aborigines sowie für
die Bevölkerungen von Neu-Guinea, Melanesien, Mikronesien und
Polynesien sind bisher keine seltenen PGI-Allele bekannt. Bei diesen
dürfte ebenso wie bei den Inuit und den nord- und
mittelamerikanischen Indianern ausschließlich das Allel PGI*1
vorhanden sein. Man kann vermuten, daß diese selten vorkommenden
PGI-Allele mutativ entstanden sind.
3.14 Das SOD-System
Die
Superoxiddismutase gehört zu den Oxireduktasen. Dieses Enzym
tritt in zwei molekularen Formen auf, als SOD A und SOD B. Es
besitzt offenbar die Fähigkeit, den Organismus vor Schäden durch
freie Radikale zu bewahren. Die Superoxiddismutase B wurde bisher
nicht untersucht. Das SOD-A-System ist polymorph und liegt in drei
nachweisbaren Phänotypen vor: SOD A1, SOD A2-1 und SOD A2. Diese
werden durch die beiden autosomalen kodominanten Allele SOD A*1
und SOD A*2 determiniert. Letzteres ist in den klassischen
Altschichtbevölkerungen, etwa bei den australischen Aborigines, den
Bevölkerungen Neu-Guineas, Melanesiens, Mikronesiens und
Polynesiens, sowie den amerikanischen Indianern und den Inuit, aber
auch in einigen mongoliden Populationen gar nicht vorhanden, so daß
es erst ganz jungen Datums sein kann. In den von Südostasien am
weitesten entfernten Bevölkerungen, nämlich den Finnen und Schweden,
ist es am häufigsten vertreten, wie man es von einem Altschichtallel
auch nicht anders erwarten dürfte. Daß das Allel SOD A*2 in
der finnischen Bevölkerung entstanden sei, wie von BECKMAN &
PAKARINEN vermutet, ist natürlich falsch, denn diese These kann das
sporadische Auftreten in verschiedenen afrikanischen und asiatischen
Bevölkerungen nicht erklären. Seine Verbreitung den Wikingern
zuzuschreiben ist ein wenig gewagt, zumal in den Adern der
zentralafrikanischen Bevölkerung, in der dieses Allel mit immerhin
0,5 % vorkommt, wenig echtes Wikingerblut fließen dürfte. Das Allel
SOD A*1 ist ein Präsapiensallel, das in Südostasien noch
beinahe ausschließlich vorhanden ist. Es nimmt nach Europa und
Afrika hin, wo die ältesten Bevölkerungen leben, klarerweise ab, wie
das auch bei den meisten anderen Präsapiensallelen aus den immer
wieder genannten Gründen der Fall ist.
3.15
Das PGK-System
Bei der
Phosphoglyceratkinase handelt es sich um ein Enzym, das den
Phosphattransfer von 3-Phospho-D-Glycerat + ATP in
1,3-Diphosphoglycerat + ADP steuert. Bisher sind 5 Allele bekannt,
PGK*1 – PGK*5, wozu noch ein sehr seltenes Allel PGK*Q0 kommt, das
homozygot einen Enzymdefekt bewirkt, der mit hämolytischer Anämie
einhergeht. Bei Untersuchungen an non-humanen Primaten wurden
insgesamt fünf Varianten entdeckt, deren häufigster Phänotyp ein dem
menschlichen PGK-1-Phänotyp entsprechendes Muster aufweist. Bisher
liegen kaum Bevölkerungsuntersuchungen vor. Was bisher allerdings
festzustehen scheint ist, daß in Europa, Asien, Amerika, Afrika
sowie bei den Inuit und den australischen Aborigines praktisch nur
das Allel PGK*1 vorkommt, welches damit auch das älteste ist und
dem Präsapiens angehört. Polymorph verhält sich das PGK-System
nur auf Neu-Guinea und in Ozeanien, aber auch dort übertreffen die
Frequenzen anderer Phänotypen niemals 10 %. Man kann vermuten, daß
die anderen PGK-Allele durch Mutation auf Neu-Guinea entstanden sind
und sich durch Genfluß bis nach Ozeanien ausgebreitet haben. In
jedem Fall dürfte damit der Nachweis erbracht sein, daß die
pazifischen Inseln von Neu-Guinea aus besiedelt worden sind und die
Ozeanier daher dem Alteuropiden näher stehen als dem Mongoliden.
3.16
Das CA-System
Die Carboanhydrasen katalysieren in
menschlichen Erythrozyten die schnelle Hydratisierung von
metabolisch entstandenem CO2
aus den Geweben und die Dehydratisierung von HCO3¯
in den Lungen. Es kommen drei Formen des Enzyms vor: CA I, CA II und
CA III. Untersuchungen an non-humanen Primaten lassen erkennen, daß
hinsichtlich der Aminosäuresequenzen die geringsten Unterschiede
zwischen Mensch und Schimpanse vorliegen, die beide auch die
geringste Phänotypenvariabilität besitzen.
Für das Enzym CA III liegen derzeit noch
keine eingehenden Bevölkerungsuntersuchungen vor. Bei der
Carboanhydrase I finden sich 10 verschiedene Allele. Dabei kommt das
Allel CA I*1 in Europa, bei den amerikanischen
Indianerbevölkerungen, bei den Inuit, in Afrika und auch auf
Neu-Guinea praktisch nur mit einer Frequenz von 1 vor, so daß man
kaum von einem polymorphen System sprechen kann. In Asien findet man
das Allel CA I*3 in Malaysia, in Indonesien, auf den
Philippinen und in Mikronesien mit Frequenzen im Promillebereich. In
Japan konnte ein Allel CA I*7 nachgewiesen werden, ein Allel
CA I*8 bei den Parsen in Indien. Die Allele CA I*9
und CA I*10 schließlich wurden bei den australischen
Aborigines gefunden.
Carboanhydrase II: In europäischen
Bevölkerungen ist praktisch nur das Allel CA II*1 vorhanden.
Das gilt für die autochthonen Bevölkerungen Südamerikas bis auf die
in Brasilien lebenden Baniwa und Wapishana ebenso. Das CA II*2-Allel
ist wiederum nur bei afrikanischen Bevölkerungen vorhanden (mit bis
zu 12 %). Aus Asien ist uns ein Allel CA II*3 bekannt,
welches bei den schon erwähnten Parsen und bei den Marathen entdeckt
wurde. Ein Allel CA II*4 fand sich sowohl bei den
australischen Aborigines als auch auf Neu-Guinea. In allen übrigen
untersuchten asiatischen und ozeanischen Bevölkerungen kommt dagegen
nur das Allel CA II*1 vor. Alle beobachteten CA-I- und
CA-II-Allele sind wahrscheinlich durch sporadische Mutationen
entstanden und sind daher populationsgenetisch noch nicht genügend
ergiebig.
3.17
Das LDH-System
Die Laktatdehydrogenase ist eine in allen
Körpergeweben vorkommende Oxireduktase, die als glykolytisches Enzym
die Umwandlung von Pyruvat zu Laktat katalysiert. Sie kommt in drei
Formen vor: LDH A, LDH B und LDH C. Bis heute sind 10 verschiedene
Varianten belannt, am Locus A beispielsweise die Varianten
Memphis 1, Memphis 2 sowie Calcutta 1 und
Calcutta 2, am Locus B die Varianten Delhi 1 und
Madras 1. LDH C wurde populationsgenetisch bisher noch nicht
untersucht. Die bisherigen Untersuchungen zeigen, daß LDH-Varianten
zwar in allen Bevölkerungen vorhanden sind, aber nur in äußerst
geringen Frequenzen. Vor allem in Indien scheinen sie weit
verbreitet zu sein, aber auch in anderen Regionen Asiens wie z.B. in
Malaysia, China und Japan finden sich LDH-Varianten in sehr geringen
Frequenzen. Auch bei verschiedenen Indianerbevölkerungen sowie in
Afrika und Europa sind LDH-Varianten beobachtet worden, die meisten
davon auf Locus A. Mit Ausnahme von LDH A Cal-1 sind sie
insgesamt aber populationsgenetisch wenig ergiebig.
4 Das G-6-PD-System
Die Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase nimmt
im Glukosestoffwechsel eine wichtige Schlüsselstellung ein. Ein
G-6-PD-Mangel ist Ursache für eine Reihe von hämolytischen
Anämien. Männer, die dieses Allel besitzen, weisen infolge ihrer
Hemizygotie in jedem Fall einen Enzymmangel auf, der zu
lebensbedrohlichen hämolytischen Anämien führen kann, insbesondere
in Verbindung mit der Einnahme bestimmter Medikamente und beim Genuß
von Vicia faba (Saubohnen). Das auf dem X-Chromosom liegende
Allel G6PD*def hat in bestimmten Malariaregionen zu einer
geringeren Sterblichkeit geführt und ihren Trägern dadurch zu einem
selektiven Vorteil verholfen, der den Nachteil einer hämolytischen
Anämie offenbar überwiegt. Der Ursprungsort dieses Gens ist das
zentrale Afrika südlich der Sahara, da es dort am häufigsten
auftritt. Eine Besonderheit ist auch, daß unter den G-6-PD-Varianten
die Allele G6PD*A+ und G6PD*A- so gut wie
ausschließlich in Afrika auftreten, während die Allele G6PD*B+
und G6PD*B- auch bei non-humanen Primaten zu finden sind. Den
»gesunden«
Zustand G6PD*B+ besitzen
zu 100% die autochtonen Bevölkerungen Australiens und Polynesiens,
die Inuit, die süd- und nordamerikanischen Indianer sowie die Nord-
und Westeuropäer. Obwohl auch in Afrika Populationen, die in
Hochlagen leben, deutlich geringere G6PD*def-Allelfrequenzen
aufweisen, was mit dem Fehlen der Malaria tropica begründet
werden kann, zeigen interessanterweise die südafrikanischen
San-Bevölkerungen sowie die in Zentralafrika lebenden Pygmäen
deutlich geringere Häufigkeiten als der Rest Afrikas, was noch einer
gesonderten Erklärung bedarf, die wir aber im Augenblick nicht geben
können. Da die Erblichkeit des G6PD*def-Allels erwiesen ist,
muß aus rassenhygienischer Sicht vor einer Vermischung von Nord- und
Westeuropäern mit Repräsentanten der Tropengebiete, aber auch mit
Westasiaten und Südeuropäern gewarnt werden.
5 Die Hämoglobin-Varianten
Der überwiegende Teil der Menschheit besitzt
ein und dasselbe Hämoglobin,
in Amerika, Australien, Nordasien sowie bei den Inuit und in
Mittel-, West- und Nordeuropa, aber auch in Nordostafrika, kommt nur dieses Hämoglobin
HB*A vor, während in den übrigen Teilen der Welt vor allem noch Hämoglobin
HB*S verbreitet ist. Im Afrika südlich der Sahara
kommt daneben auch noch das Hämoglobin C in signifikanten Anteilen
vor. Während in Nordostafrika Hämoglobin S völlig fehlt, taucht es
in Nordafrika sowie in Süd- und Osteuropa in Spuren wieder auf, aber auch
jenseits der Landbrücke zu Asien, und dort so gut wie
ausschließlich in West- und Südasien. Ein anderes Hämoglobin, das
praktisch nur in Südostasien vorkommt, Hämoglobin E, beschränkt sich
weitgehend auf die Länder Indochinas, in denen Mon-Khmer-Sprachen
gesprochen werden. Vor allem Menschen, die ihrer Herkunft nach aus
Malariagebieten stammen, sind hämoglobinmäßig verändert, während die
sonstigen betroffenen Gebiete, vor allem Südeuropa, die dort
vorkommenden geringen Spuren an artspezifisch verändertem Hämoglobin
einem Genfluß aus Afrika verdanken. Daß Nordostafrika praktisch nur
Hämoglobin A aufweist, zeugt davon, daß Hämoglobin S nur über
Westafrika nach Südeuropa gelangt sein kann, und nicht wie früher
angenommen über den Nahen Osten. Diese These läßt sich noch
untermauern durch die Verbreitung des Hämoglobins C, welches in
Westafrika, insbesondere am Flußlauf des Niger, häufiger auftritt und
nur von dort nach Südeuropa gelangt sein kann, zumal es in Osteuropa
völlig fehlt. Da das HB*S-Allel andererseits aber
auch auf der arabischen Halbinsel signifikant vorhanden ist und seine
letzten Ausläufer bis nach Indien reichen, kann auch nicht
ausgeschlossen werden, daß es durch genetischen Rückfluß über
Kleinasien nach Ost- und von dort schließlich nach Südeuropa gelangt
ist. Hämoglobin S ist der
Überträger der Sichelzellenanämie, und letztere wird ausschließlich durch
Menschen afrikanischer, arabischer und indischer Herkunft
übertragen. Die Lebenserwartung der daran Erkrankten ist in der
Regel gering, der Tod tritt noch vor Erreichen der Geschlechtsreife
ein, und das so gut wie ausschließlich bei den Homozygoten, während
die Heterozygoten
–
das ist das Heimtückische daran
–
lediglich Überträger der Krankheit sind.
Alle diese Heterozygoten haben eines gemein, daß sie nämlich klinisch unauffällig
sind und das Krankheitsbild sich auf die Homozygoten beschränkt. In
bezug auf die Rassenhygiene sind also Ehen von
Paaren mit unterschiedlichem Hämoglobin statistisch gesehen
weniger fruchtbar. Innerhalb einer idealen Population sind alle
Individuen in ihren wesentlichen Merkmalen genetisch homozygot (z.B.
gewisse Indianerstämme, die alle die Blutgruppe 0 haben), da
nur auf diese Art erbgesunder Nachwuchs bei gleichzeitig minimaler
Kindersterblichkeit garantiert werden kann. Im Laufe der Evolution
sind also in den Tropengebieten durch Mutation mehrere
Hämoglobin-Varianten entstanden. Deren Träger, die eines dieser
Allele besitzen, sind dadurch selektiv bevorzugt, eine Malaria
tropica zu überleben. Dennoch hat die Natur hierbei keinen Fehler
gemacht, auch wenn diese Mutation keinen Vorteil für alle bietet, indem
diejenigen, die das Allel zweimal besitzen, d.h. homozygot sind, von
einer unheilbaren Krankheit hinweggerafft werden.
6 Die Thalassämien
Bei den Thalassämien handelt es sich um eine
Hämoglobinopathie, eine erbliche Störung in der Synthese der
Polypeptidkette der Globinkomponente des Hämoglobins. Am häufigsten
kommt die ß-Thalassämie vor, bei der die Synthese der ß-Komponenten
gestört ist, so daß die Betroffenen auch nachgeburtlich kein
normales Hämoglobin A ausbilden können. Die homozygote Form ist
durch eine schwere hämolytische Anämie und eine hohe Sterblichkeit
in frühen Jahren charakterisiert. Die heterozygote Form ist
wesentlich gutartiger. Die ß-Thalassämie erreicht in Neu-Guinea, in
Südostasien sowie in Nord- und Nordostafrika seine höchsten
Allelfrequenzen. Das *ßTHAL-Allel kommt außer in nord- und
mittelamerikanischen Indianerbevölkerungen und in Polynesien
praktisch überall auf der Erde vor, wobei die höchsten Werte in den
klassischen Malariagebieten erreicht werden. Nach Mitteleuropa wurde
dieses Gen vor allem durch italienische und griechische Einwanderer
importiert, nach Großbritannien gelangte es aus verschiedenen Teilen
des Commonwealth. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie
durch mangelhafte Rassenhygiene in eine ursprünglich gesunde
Population völlig neue Krankheiten eingeschleppt werden. Dabei ist
die Aussage, ob es sich wirklich um eine Krankheit handelt, noch mit
einem großen Fragezeichen zu versehen, denn die Heterozygoten haben
durch dieses Gen offenbar einen Selektionsvorteil, eine durchaus
logische Entscheidung der Natur zu Lasten der Homozygoten, die aber
nach den Mendelschen Regeln, wenngleich in ungleich geringerer
Anzahl, auch immer mit auftreten. In malariafreien Gebieten ist
dieser Selektionsvorteil jedoch von geringem Nutzen, lediglich eine
erbliche Last. Offenbar hat eine derartige Selektion schon über
einen langen Zeitraum stattgefunden, denn das *ßTHAL-Gen
wurde bereits an den Skeletten vor- und frühgeschichtlicher
Bevölkerungen Südeuropas gefunden.
7 Der HLA-Polymorphismus
Die biologische Bedeutung des
Haupthistokompatibilitätskomplexes liegt in der Überwachung des
Immunsystems und der Immunreaktionen. Somit spielt der menschliche
HLA-Polymorphismus heute in der Transplantationsmedizin eine
außerordentlich wichtige Rolle. Es zeigt sich, daß die Verteilung
der HLA-Allelfrequenzen in den drei Hauptrassen des Menschen sehr
unterschiedlich ist. Das Allel HLAA*2 ist bei den Europiden
das häufigste, innerhalb der mongoliden und negriden Rasse aber
immer noch das zweithäufigste, wobei bei der letzteren das Allel HLAA*30 überwiegt ist und bei der mongoliden Rasse das Allel
HLAA*24.
Wieder läßt sich erkennen, daß Europide und Mongolide über letzteres
näher miteinander verwandt sind als Europide und Negride. Wir sehen
also auch hier, daß es Merkmale gibt, die augenscheinlich allen
Menschen gemein sind und solche, durch die sie sich voneinander
unterscheiden. Doch nur die Unterscheidungsmerkmale lassen eine
Einteilung nach Rassen zu, wohingegen Gemeinsamkeiten nicht dafür
hergenommen werden können, weil sie auf eine Zeit zurückreichen, als
es die Rassen noch nicht gab. Als der Mensch noch geschlossen in
Afrika weilte, war der genetische Abstand auch noch nicht so
groß wie heute, wo der Homo sapiens sich in mehreren
Gruppen über die ganze Erde ausgebreitet hat. Vieles von dem, was
er schon in Afrika besaß, ist bis heute geblieben, anderes wiederum
ist hinzugekommen, und dies um so mehr, je weiter sich einzelne
Gruppen, aus denen später die Rassen entstanden, voneinander
wegbewegten. Bei den Allelen HLA-B zeigt sich, daß hier gar keine
Gemeinsamkeiten existieren, sondern daß vielmehr bei jeder Rasse ein
eigenes Allel überwiegt; bei den Europiden HLAB*44, bei den
Mongoliden HLAB*40 und bei den Negriden HLAB*17, wobei in den
meisten Fällen die Europiden den Mongoliden enger verwandt sind als
den Negriden, aber es gibt auch gegenteilige Beispiele, nämlich das Allel
HLAB*7. Bei den HLA-C-Allelfrequenzen ist bei jeder Rasse HLAC*wX
das häufigste, hier lassen sich rassenspezifische Unterscheide
wiederum nicht erkennen, was auf eine sehr alte Eigenschaft
hindeutet. Bei den Loci HLA-DR und HLA-DQ verhält es sich ganz
ähnlich, und immer wieder erweist es sich, daß der Europäer in
manchen Merkmalen den Mongoliden, in anderen wiederum den Negriden
enger verwandt ist. Da diese Unlogik eigentlich nicht sein darf,
kann der Widerspruch nur dadurch aufgehoben werden, daß in Europa
zwei verschiedene Populationen miteinander verschmolzen sind, deren
eine augenscheinlich direkt aus Afrika kam, während die andere einen
Umweg über Asien genommen haben muß.
Quelle(n): Hubert Walter,
Populationsgenetik der
Blutgruppensysteme des Menschen, E. Schweizerbart'sche
Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1998.
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