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Der Übergang vom Tier zum Menschen

Was den Menschen genau ausmacht und was ihn vom Tier unterscheidet ist eine relativ schwer zu beantwortende Frage. Es ist gewiß nicht der aufrechte Gang, denn dieser ist dem Homo sapiens nicht neu, er war auch schon bei anderen Arten der Gattung Mensch vorhanden. Es spielt im übrigen keine große Rolle, ob man nun auf vier Beinen läuft oder eben nur auf zweien, was sich am Beispiel unserer Laufvögel kundtut. Auch das Denken scheint keine typisch menschliche Angelegenheit zu sein, denn Tiere verstehen schließlich auch, was man von ihnen will, obwohl sie keine Antwort geben können, die wir verstehen. Und sie haben ebenso ein Gedächtnis, was sich dadurch beweist, daß sie sich dressieren lassen. Auch das Ich-Bewußtsein besitzt das Tier sehr wohl, wenn es etwa darum geht, wie man anderen den Rang abläuft. Das ist a priori nicht immer klar und muß erst durch einen Machtkampf entschieden werden, genau wie beim Menschen. Der Mensch scheint also nichts zu besitzen, was andere Tierarten, wenngleich in abgeschwächter Form, nicht auch haben. Niemand hat ein Tier zwar je lachen sehen, aber Lachen ist eine Gefühlsäußerung, eine Gebärdensprache, die auch dem Tier eignet, wenn auch auf andere Art. Der Mensch allein, sagt man, sei im Unterschied zum Tier zum Bösen fähig, zur Heimtücke. Doch was ist Böses anderes als das Ausführen vorausgeplanter Handlungen, die einem anderen schaden. Auch der Fuchs liegt schließlich arglistig auf der Lauer und wartet nur darauf, daß sein Opfer nichtsahnend vorbeiläuft, und was ist das anderes als geplantes Vorgehen? Man tut sich in der Tat schwer, dem Menschen irgend etwas zuzubilligen, was nur ihn allein vor allen Lebewesen auszeichnet. Der Mensch würde seinen Tod vorausahnen, heißt es, im Unterschied zu anderen Lebewesen. Aber flieht nicht auch das Tier und nimmt Reißaus, wenngleich seine Todesahnung vielleicht etwas kürzer ist? Der Mensch habe als erster Faustkeile gefertigt, ein Beweis seiner Fähigkeit, Werkzeuge herzustellen, und habe damit den Tieren handwerklich etwas voraus, meinen einige. Doch versteht nicht auch der Schimpanse, einen Stein in die Hand zu nehmen und damit unaufhörlich auf den Boden zu klopfen, bis ihm langweilig wird? In arge Schwierigkeiten gebracht, werden wieder andere argumentieren, allein der Mensch sei in der Lage, Erlerntes an seine Nachkommen weiterzugeben. Aber bringt nicht auch die Bärin ihrem Jungen bei, wie man Lachse fängt; lernt das Junge nicht allein dadurch, daß es der Mutter zusieht und diese vormacht, was man auch ihr beigebracht hat? Nein, es gibt nichts, was allein nur der Mensch kann, nichts, was nicht auch ein Tier zu tun in der Lage ist; der Mensch kann lediglich alles ein bißchen besser. Zu den Chromosomen, die den Menschen von seinem nächsten Verwandten, dem Schimpansen, unterscheiden, ist nichts hinzugekommen und nichts weggefallen. Einiges an ihm ist lediglich gewandelt worden, durch Mutation, mehr ist es nicht, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Denn über seine Zukunft denkt auch das Tier nach, nicht nur der Mensch; auch das Tier weiß, was ihm bevorsteht, wenn es nichts zu fressen findet, nämlich Hunger oder Tod. Der Mensch mit seiner größeren Fantasie und seinem besseren Verständnis für Fragen, welche das Tier erst gar nicht aufwirft, macht sich aufgrund seiner Unwissenheit die an ihm erst zutage tritt und die durchaus einen Evolutionsnachteil darstellt, den das Tier nicht besitzt transzendentale Gedanken. Das Tier ist gewissermaßen unvorbelastet und unbeschwert, obwohl es härteren Selektionsmechanismen unterliegt. Es ist definitiv in allen Bereichen, und seien sie auch noch so abstrakt, schwierig, irgend etwas zu finden, was den Menschen über das Tier erhebt. Es gibt nichts, woran man festmachen könnte, was ein Mensch ist und was ein Tier. Nehmen wir als Beispiel die besondere Sprachfähigkeit des Menschen, die sich durch den Besitz des FOX2-Gens erklärt. Der Mensch lernte sprechen, weil es ihm von Kindheit auf beigebracht wurde. Angenommen, durch Mutation sei irgendwann in der Entwicklungsgeschichte des Menschen ein sogenanntes Sprachfähigkeits-Gen entstanden, welches demjenigen, der es besaß, eine erweiterte Ausdrucksfähigkeit verlieh, insofern, als er Worte, denen man eine bestimmte Bedeutung beimißt, sprechen, behalten und weitergeben konnte. Damit war der Grundstock zu einer ersten Art von Abstraktion gelegt, denn das erste jemals gesprochene Wort hätte auch ganz anders lauten können. Aber dadurch, daß es immer wieder ausgesprochen und wiederholt wurde, prägte es sich ein und blieb im Gedächtnis. Es würde aber keinen Sinn machen, wenn in einer Gruppe von lauter Stummen nur ein einzelner sprechen kann, denn die anderen mochten das Wort zwar hören und erfaßten intuitiv seine Bedeutung, aber sie konnten es nicht selbst wiedergeben, da ihnen dieses Gen fehlte. Erst, nachdem wenigsten zwei aus der Sippe das gleiche Gen geerbt hatten (dazu mußten sie notwendigerweise miteinander verwandt sein), kam sozusagen die erste begriffliche Urkorrespondenz zustande. Die, die das Wort aussprechen konnten, standen somit auf einer höheren Entwicklungsstufe als ihre „stummen“ Artgenossen, und sie werden auch engere Kontakte miteinander gepflogen haben, da sie sich ja „besser“ verstanden. Vielleicht ist aus dieser Verbindung auch eine kleine Familie erwachsen, wobei nach den Mendelschen Regeln jeweils ein Viertel aller Nachkommen das Merkmal homozygot ererbt, so daß aus einer zufälligen Verbindung zweier Homozygoten irgendwann gar keine stummen Nachkommen mehr hervorgingen. Diese Homozygoten mußten eines Tages wohl begriffen haben, daß sie mit ihren stummen Brüdern und Schwestern aus der Stammessippe rein gar nichts mehr anfangen konnten, denn je größer ihr Wortschatz wurde, desto abstraktere Wortfolgen konnten sie bilden und desto stärker war ihr Wunsch, sich unter Gleichen zu bewegen. Auf diese oder ähnliche Art wird es wohl zum ersten Founder effect gekommen sein, d.h. daß die Sprachbegabten sich aus ihrem alten Verband herauslösten, diesen möglicherweise ganz verließen und sich geographisch absetzten. Die ersten sprechenden Menschen waren entstanden, und sie blieben wahrscheinlich unter sich, denn für sie gab es kein Zurück mehr in die dunkle Zeit der Sprachlosigkeit. Noch heute gilt: „Gleich und gleich gesellt sich gern“, und es müssen in der Folge noch weitere Mutationen passiert sein, die weitere Founder effects bewirkt haben.

Wenngleich also Mensch und Schimpanse in 98,7 % ihrer Merkmale übereinstimmen, so bedeutet dies dennoch mehrere Tausend unterschiedliche Gene. So besitzt der Schimpanse 48 Chromosomen, der Mensch hingegen nur 46. Dies erklärt auch, warum der Mensch und sein nächster Verwandter jeweils eigene Arten begründen. Etliche Gene, die beim Schimpansen noch existent sind, sind dem Menschen abhanden gekommen. So besitzt der Schimpanse beispielsweise das Caspase-12-Gen, welches vor der Alzheimer-Erkrankung schützt und welches der Mensch im Verlaufe seiner Evolution verloren hat. Das Chromosom 22 des Schimpansen, welches dem Chromosom 21 des Menschen entspricht, wurde gerade erst entschlüsselt, womit die Wissenschaft der drängenden Frage, worin Mensch und Tier sich unterscheiden, einen Schritt nähergekommen ist. Auf jeden Fall scheint festzustehen, daß der Mensch in der Evolution der ältere ist. Dadurch, daß er stets auf Wanderschaft war, hat seine DNA mehr Duplikationen mitgemacht als die des Schimpansen, der Afrika wohl nie verlassen haben dürfte. Der Mensch als das höher geordnete Wesen hat daher im Laufe seiner Evolution auch mehr Erbkrankheiten als non-humane Primaten erfahren. Mit jeder selektiv positiv verlaufenden Mutation nimmt seine Spezialisierung zu, aber leider auch die mit Genunverträglichkeiten einhergehenden Polymorphismen, die einen Zustand höherer Unordnung repräsentieren, ganz wie das Entropiegesetz es vorhersagt. Einmal erzeugte Allele lassen sich auf natürliche Weise nie mehr ganz ausrotten, sonderlich nicht in ihrer klinisch unauffälligen Form, in der sie heterozygot, d.h. phänotypisch unerkannt, weitervererbt werden. Durch möglichst bunte, unkontrollierte Genmischung ist das Risiko von Polymorphismusunverträglichkeiten größer als in homozygoten d.h. ursprünglichen oder auch gezüchteten Populationen. Im genetischen Sinne ist der gesunde Zustand der reine oder monomorphe, während der polymorphe oder unreine der kranke Zustand ist, da dieser einer Gleichverteilung von Zuständen am nächsten kommt. Dabei muß man annehmen, daß im dominant-rezessiven Erbgang die Kombination zweier dominanter Allele wie auch die Kombination aus dominantem und rezessivem Allel keine klinischen Auffälligkeiten verursachen, sondern diese auf die Kombination zweier rezessiver Allele beschränkt sind. Rezessive Allele rühren aber aus einem Polymorphismus her, d.h. je stärker sich Polymorphismen ausbreiten, desto größer wird auch das Risiko, daß zwei veränderte Allele aufeinandertreffen. Es ist zum Beispiel gleichgültig, ob der A1A2B0-Polymorphismus bei den Vorfahren des Homo sapiens bereits vorhanden war – denn erstens sind diese ausgestorben und zweitens vollzog sich der Übergang zum Homo sapiens mutativ nur an einem einzigen Exemplar der Gattung Präsapiens, und dieses hatte eben nur eine bestimmte Blutgruppe – oder ob dieser Polymorphismus mit der Entstehung des Homo sapiens sozusagen neu entstanden ist. Sofern er früher schon vorhanden war, waren aber an seiner Entstehung keinesfalls mehr als zwei Blutgruppen beteiligt.

Die Entstehung einer neuen Art bedeutet immer zugleich das Aussterben einer Vorläuferart. Eine neue Art entsteht natürlich nicht übergangslos und nicht im direkten Anschluß an den Niedergang der vorherigen Art, sondern meist laufen beide, die neu entstandene wie die aussterbende, noch eine Zeitlang parallel. Ein gutes Beispiel dafür bietet die Koexistenz von Neandertaler und Homo sapiens über einen Zeitraum von 5.000 Jahren, wobei nach heutigem Kenntnisstand angenommen werden kann, daß beide Arten Mensch sich nicht miteinander kreuzten. Es kann auch ausgeschlossen werden, daß die eine Art aus der anderen hervorgegangen ist, vielmehr müssen beide einen gemeinsamen Vorfahren besitzen. Dieser gemeinsame Vorfahre könnte entweder der Heidelberg- oder der Rhodesienmensch gewesen sein. Wenn etwa in einer Gruppe, die sich von den übrigen losgesagt in ein Rückzugsgebiet begeben hat und einer Mutation unterlegen ist, so daß über lange Zeit kein genetischer Austausch mit andern mehr stattgefunden hat und dasselbe Ereignis sich mehrfach wiederholt hat, treten bei darauffolgenden Generationen Genunverträglichkeiten auf, die zu einer Dezimierung des Bestandes führen. Spürbar werden die derart bedingten Verluste aber erst, wenn mehrere solcher gleichgerichteten Genunverträglichkeiten zusammenkommen, d.h. wenn jeweils mehrere Gene beider Gruppen gemeinsam auftretende Genkombinationen aufweisen, die in  homozygoter Form alle klinisch auffällig sind. Vier bimorphe (zweiwertige) Paarungen reichen im allgemeinen aus, damit eine Art ausstirbt, weil statistisch jedes vierte Allelpaar in zwei identischen Allelen vorliegt. Bei einem Gen mit drei Allelen, von denen zwei homozygote Allelpaare klinisch auffällig sind, sind es nur drei solcher Gene, die für das Aussterben der Art ausreichen.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Mensch und Menschenaffe ist der aufrechte Gang, der beim Affen nur ansatzweise vorhanden ist. Affen setzen für ihre Fortbewegung auf dem Boden in der Regel ihre überlangen Arme ein. Für den Pongiden, der sich auf Lianen von Baum zu Baum hangelt, sind die Arme eindeutig die wichtigeren Gliedmaßen. Um wieviel mehr der Mensch im Unterschied zum Affen seine Beine einsetzt, zeigt sich beim Steigen oder Aufwärtsgehen. Wäre der Mensch hierbei überwiegend auf seine Arme angewiesen, würde er wohl nie Berge erklimmen. Steigen tut  man primär mit den Beinen, und selbiges gilt auch für das Klettern, bei dem die Arme nur unterstützende Hilfen sind. Schimpansen sind ausgesprochen langrumpfig, die Länge ihrer Beine ist im Vergleich zum Menschen unterentwickelt. Für den beginnenden Menschen muß es daher ein Evolutionsvorteil gewesen sein, eine größere Beinlänge entwickelt zu haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen ermöglichen längere Beine in der offenen Steppenlandschaft eine schnellere Fortbewegung auf der Flucht, zum anderen stellen sie auch einen Vorteil beim Jagen nach Beute dar. Noch vor kurzem jagten einige wildlebende Stämme Australiens und des südlichen Afrikas durch bloßes Hinterherlaufen, so lange, bis die Tiere erschöpft waren und stehenblieben. Der Mensch ist ein ausdauernderer Läufer als jedes Tier. Klarerweise führte dies in der Evolution dazu, daß die Langbeinigen einen Überlebensvorteil besaßen. Ein regelrechtes Charakteristikum, das spezifisch auf den Menschen gemünzt ist, stellt dies jedoch nicht dar, denn auch Frösche haben lange Beine, und selbst einige Raubsaurier wie der Tyrannosaurus Rex bewegten sich ausschließlich auf den Hinterbeinen, während die verkümmerten vorderen Gliedmaßen praktisch überflüssig waren. Die Art und Weise der Fortbewegung einer Art ist stets an ihr Jagdverhalten gekoppelt und nichts, was irgendwie eine besondere Errungenschaft wäre. Folglich kann der aufrechte Gang des Menschen nicht etwas sein, was ihn grundsätzlich vom Affen abheben würde.

Ein wesentlich größerer Meilenstein der Menschwerdung ist der Umgang mit dem Feuer. Tiere haben Angst vor dem Feuer und ergreifen die Flucht, wenn es sich ausbreitet. Von dieser Angst wird instinktiv auch der Mensch erfaßt, man denke nur an die um sich greifende Panik, wenn in einem mehrstöckigen Gebäude Feuer ausbricht. Der Mensch hat es aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten geschafft, seine Instinkte zu bezähmen und die Furcht vor dem Feuer, wenn auch nicht ganz, abzulegen und damit umzugehen gelernt. Dabei war anfangs noch gar nicht an Nahrungszubereitung gedacht, sondern erst einmal diente das Feuer dazu, sich vor wilden Tieren zu schützen und sich nebenbei noch zu wärmen. Auch hierbei leistete die Evolution dem Menschen wertvolle Dienste, denn diejenigen unter ihm, die zuerst bemerkt hatten, daß keine Gefahr mehr seitens der damals so zahlreichen Raubtiere drohte, wenn sie sich in die Nähe des Feuers begaben, überlebten, während die anderen, die sich von der allgemeinen Panik anstecken ließen, mit zu den Opfern zählten. Die Nähe des Feuers als Schutz vor wilden Tieren aufzusuchen führte zu der Erkenntnis, daß man niemals mehr Angst vor dem Gefressen-werden zu haben bräuchte, wenn man Feuer nur immer dabei habe. Also erlangten die, dies es bewerkstelligen konnten, glühende Holzkohle auf Schieferplatten von Ort zu Ort zu transportieren und das Feuer nie ausgehen zu lassen, einen Überlebensvorteil gegenüber den anderen. Später nahm man das Feuer sogar mit in die Höhlen, die man nicht nur aufsuchte, um sich vor Raubtieren zu schützen, sondern auch, um einen Unterschlupf gegen die eiszeitliche Kälte zu finden. Dabei konnte nicht ausbleiben, daß der frühe Mensch entdeckte, daß die behütete Feuerstelle nicht nur Sicherheit vor Angreifern bot, sondern auch Wärme spendete, derer man, je weiter sich der Mensch in kältere Regionen vorwagte, so dringend bedurfte. Denn der Mensch drang nicht von ungefähr in Kälteregionen vor, vielmehr zwangen ihn die Herden, denen er hinterher zog, dazu, sich in immer nördlichere Gefilde zu begeben. In diesem Stadium seiner Entwicklung zum Jäger, welches über das vorherige des Sammlers weit hinausging, bedurfte der Mensch des Feuers, denn erst dieses ermöglichte ihm überhaupt ein Überleben in der Kälte. Erfunden wurde der Gebrauch des Feuers gewiß noch auf der Stufe des Sammlers, denn dem Sammeln war naturgemäß nur in den wärmeren waldreichen Regionen Erfolg beschieden, die auch Beeren und Pilze hervorbrachten. In diesem Stadium seiner Entwicklung war der Mensch allerdings mehr Gejagter als Jäger, lebte noch im Freien und ernährte sich überwiegend pflanzlich, aber auch von Eiern, Fröschen und Insekten, ähnlich dem Gorilla. Auf dieser Stufe hätte ihm das Feuer noch wenige Dienste bei der Jagd geleistet, weil es letztere im engeren Sinne noch nicht gab, aber es bot bereits Schutz vor Feinden. Um das Feuer schließlich zum Braten und Rösten zu verwenden, bis dahin war es noch ein weiter Weg, der die Erfindung entsprechender Werkzeuge voraussetzte, denn einfach nur ins Feuer werfen konnte man auch damals Fleisch nicht, geschweige denn, daß es im Vergleich zu rohem Fleisch den nötigen Nährwert besessen hätte. Denn bis dahin aß der Mensch das Fleisch blutig und roh. Der Umgang mit dem Feuer als Waffe war eine in der Evolution noch nie dagewesene Fähigkeit, die den Menschen allen anderen Arten überlegen machte und seinen Siegeszug unter diesen einleitete.

Der Mensch braucht Nahrung und Energie nicht nur, um arbeiten und Kalorien verbrauchende Körperfunktionen aufrechterhalten zu können, sondern allein schon deswegen, um den Organismus auf Körpertemperatur zu halten, denn ohne Brennstoffzufuhr würde der Körper auf Umgebungstemperatur abkühlen oder sich entsprechend aufheizen. Da Energie nicht immer in entsprechender Menge verfügbar ist, wie sie gerade gebraucht wird, verfügt jeder Organismus über zum Teil im Fettgewebe gespeicherte Reserven, welche dem Körper im Bedarfsfall schnell Energie bereitstellen können. Bei jedem Arbeitsvorgang wird Energie vom Körper nicht nur zur Verrichtung von Arbeit abgegeben, sondern auch in Form von Wärme. Die dabei entstehende Überhitzung wird durch die bei der Schweißproduktion entstehende Verdunstungskälte wieder abgeführt. Jedoch nicht nur bei körperlicher Betätigung wird im Körper Wärmeenergie freigesetzt, sondern auch durch Sonnenlicht, schon durch bloßes In-der-Sonne-liegen, zugeführt. Um dieselbe Körpermasse zu kühlen, benötigt ein Mensch mit stark pigmentierter Haut in der Sonne weniger körpereigene Reserven als ein solcher mit schwach pigmentierter Haut, da jener aufgrund der besseren Wärmeabsorption dunkler Haut auf weniger körpereigene Energiereserven zurückgreifen muß. Er kommt daher bei gleicher Belastung mit weniger Nahrung aus. Dies ist der Grund, warum die Evolution der dunklen Hautfarbe in den heißen Zonen eine bessere Überlebensfähigkeit eingeräumt hat. Da die Evolution gerichtet verläuft, also in Richtung Vorteil, kann ein erhöhter Energiebedarf nicht aus einem geringeren folgen, d.h. weiße Haut kann nicht durch Aufhellung aus der pigmentierten entstanden sein. Würde man das Gegenteil behaupten, hieße das, an der Irreversibilität der natürlichen Prozesse zweifeln. Des weiteren gehen die jüngeren Rassen bekanntlich aus den älteren hervor, und  darin, daß die europide Rasse zugleich die älteste ist, sind sich wohl alle Anthropologen mittlerweile einig.

Entscheidend für den Übergang zum Menschen sind aber nicht nur neue Überlebenstechniken, sondern auch veränderte Formen der Arterhaltung bzw. des Sexualverhaltens. Ursprünglich ist der Mensch wie sein nächster Verwandter der Inzucht nachgegangen. Ob diese beim Homo sapiens noch praktiziert wurde oder nicht mehr, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, Tatsache ist aber, daß selbst die Bibel noch davon zu berichten weiß, daß Lot seine eigenen Töchter schwängerte. Im alten Ägypten wie auch in einigen indianischen Hochkulturen war es Sitte, daß der Pharao bzw. der höchste Inka die eigene Schwester ehelichte und mit ihr Kinder zeugte. Was dem Herrscher erlaubt war, muß natürlich nicht auch dem einfachen Volk gestattet gewesen sein, doch auszuschließen ist auch das nicht. Vermutlich hätte der Mensch aber nicht überlebt, als er noch in kleinen Familien- und Sippenverbänden umherstreifte, wenn er, vom Aussterben bedroht, nicht auf den Inzest zurückgegriffen hätte. Doch der endgültige Übergang zum Menschen vollzog sich erst durch die Abkehr von der Blutschande. Vermutlich hatte bereits der frühe Mensch entdeckt, daß aus geschlechtlichen Verbindungen zwischen Verwandten gehäuft behinderte Kinder hervorgingen und sich deshalb selbst das Tabu der Verwandtenehe auferlegt. Es kann natürlich auch sein, daß in der Evolution überhaupt nur diejenigen, die gegen Inzest eine erblich bedingte innere Abneigung besaßen, überlebt haben.

Als Sammler war der Mensch wie sein nächster Verwandter noch überwiegend Pflanzenfresser. Mit der Menschwerdung jedoch vollzog sich ein schleichender Wandel zum Fleischfresser, was den Menschen schließlich dazu zwang, Beutetiere zu erlegen und der Jagd nachzugehen. Was nun den Verzehr von Menschenfleisch angeht, so konnte der Mensch, wenn ihm das jagdbare Wild einmal ausging, offenbar nur durch das Auffressen der eigenen Art überleben. Nachdem er also zum Fleischfresser mutiert war, war die Deckung des täglichen Eiweißbedarfs, lange bevor ihm die Kultivierung von Getreide gelang, sein vorrangiges Ziel. Blieb die Jagdbeute aber über längere Zeit aus, war Kannibalismus die  einzige Möglichkeit, sich mit dem lebensnotwendigen Eiweiß zu versorgen. Vorrangig wird der frühe Mensch das Fleisch seiner Feinde verspeist haben, aber in Notzeiten dürfte es auch vorgekommen sein, daß Stammesangehörige geschlachtet wurden. Da die Vertreter der unteren Haplogruppen des menschlichen Stammbaums bei ihrer Entdeckung allesamt noch auf der Stufe des Kannibalismus standen, vor allem in Südamerika, Neu-Seeland und auf Neu-Guinea, können wir mit Recht vermuten, daß Menschenfresserei noch vor 70.0000 Jahren gängige Praxis auf der gesamten damals bewohnten Erde war. Schließlich wurde in Europa die Entdeckung gemacht, daß der Homo sapiens offenbar auch seinen Nebenbuhler, den Neandertaler, vor gut 20.000 Jahren durch Kannibalismus ausgerottet hat. Allein dem Umstand, daß der Fleischbedarf des Menschen durch Massentierhaltung und Fischfang heutzutage weitgehend gedeckt ist, haben wir es zu verdanken, daß der Verzehr von Menschenfleisch geächtet und ebenfalls zum Tabu erklärt werden konnte. Wenn sich also die das Menschsein bedingenden Mangelerscheinungen wie Geburten- oder Eiweißmangel nicht erledigt hätten, wäre der Mensch noch heute seiner Natur nach Kannibale und Blutschänder.

Hinsichtlich seines Sexualverhaltens unterscheidet sich der Homo sapiens grundlegend von allem übrigen Getier. Seiner Natur nach sadomasochistisch, frönt der Mensch – der eine etwas weniger, der andere ein bißchen mehr –, auch sonst vielen Formen der Abartigkeit, die das Tier nicht auszuüben in der Lage ist. Bei den höheren Säugetieren spielt das Männchen nahezu ausschließlich den aktiven Part, allein beim Menschen fällt diese Rolle in nahezu ebenso hohem Maße auch dem weiblichen Geschlecht zu. Die erblich bedingte Neigung, Sexualhandlungen auch der Frau zu überlassen und in der Unzucht eine besondere Befriedigung zu finden, hat offenbar zu einer bevorzugten Auswahl des Sexualpartners geführt, was sich wohl gleichzeitig positiv auf die Häufigkeit der vorgenommenen Sexualhandlungen ausgewirkt hat. Nachdem abartigen Handlungen gesellschaftlich nur selten ein Tabu auferlegt bzw. ein Riegel vorgeschoben wird, mag das Stimulans der Unzucht durchaus Früchte in bezug auf eine zahlreichere Nachkommenschaft getragen haben. Auch der vergleichsweise große Busen der Sapiensfrau und ihr im Vergleich zu Pongiden unnatürlich breites Becken, die beide das Ergebnis von sexueller Zuchtauswahl sind, zeigen deutliche Geschlechtsunterschiede zwischen Mensch und Schimpansen und sind gewissermaßen aus einem gesteigerten Lustbedürfnis heraus entstanden, wobei das einzig maßgebliche Selektionskriterium wiederum in der abartigen Natur des Menschen begründet liegt, der offenbar zu seiner Fortpflanzung ein stärkeres Ergötzen benötigt als das Tier.

Trotz vieler verachtenswerter Eigenschaften des Menschen gibt es auch einige, die ihn von beinah göttlicher Abkunft erscheinen lassen, wie etwa das Erröten der Jungfrau.
 

 

 

 

 

 

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