Bestimmung der keltotocharischen Abstammung
Seit es den Menschen gibt, wird über seine Abstammung gerätselt.
Schließlich ist der Homo sapiens wie jede Art das Ergebnis
von zahlreichen Mutationen, die zu den fundamentalen Wirkprinzipien
des Lebens gehören und entscheidende Auswirkungen auf die
Nachkommenschaft haben. Die Masse der heute lebenden Menschen ist
das Produkt eines im wesentlichen unkontrollierten
Wachstumsprozesses. Ein solcher besitzt die Eigenschaft,
exponentiell zu sein, und eine Exponentialfunktion startet immer mit
dem Wert Eins. Das wären dann in der Tat jener Adam und jene Eva,
von denen uns die Schöpfungsgeschichte berichtet. Dieses
Urelternpaar sind aber nicht die einzigen damals lebenden Menschen
gewesen. Durch die moderne Genetik wissen wir, daß die Evolution
kein stetiger Prozeß ist, sondern sich in Quantensprüngen vollzieht.
Alle Menschen einer Rasse (Haplogruppe) haben bis zu einem
bestimmten Zeitpunkt den gleichen gemeinsamen Vorfahren, bis durch
eine Mutation der DNA des Y-Chromosoms bzw. der mitochondrischen Eva
ein neuer Stammvater bzw. eine neue Stammutter ins Leben gerufen
werden. Da sich mit jedem dieser Quantensprünge auch eine Reihe
vorteilhafter Mutationen ergeben, werden der alte Stammvater und die
alte Stammutter zurückgedrängt, nachdem die Neumutationen
Verbreitung gefunden haben. Diese Verdrängung kann partiell, aber
auch total sein. Im Isolat können die Vorgängerhaplogruppen dennoch
überdauern. Daß es im Verlauf der jüngeren Menschheitsgeschichte
nicht zu mehr als etwa vier Dutzend solcher Mutationen gekommen ist,
zeigt, wie selten sich diese Vorgänge in Wirklichkeit ereignen.
Dennoch baut jede Mutation auf der vorhergehenden auf, ein Rückfall
in ein früheres stammesgeschichtliches Entwicklungsstadium ist nicht
möglich. Allerdings sind väterliche und mütterliche Linie völlig
voneinander unabhängig, ein Rückschritt in stammesgeschichtlicher
Hinsicht beim jeweils anderen Geschlecht ist also immer möglich. Bei
Mischlingen hinkt eine der beiden Abstammungslinien der anderen
stets hinterher, und demnach fehlen bei ihnen auch eine Reihe
erfolgreicher Mutationen. In der Krone des Stammbaums können demnach
nur etwa gleich moderne Haplogruppen ein optimales
Fortpflanzungsergebnis liefern. Damit ist natürlich nicht gesagt,
daß eine früher vom Hauptast der Stammbaums abzweigende Haplogruppe
nicht auch Fortschritte gemacht haben kann, definitiv fest steht
allerdings, daß sie diese nur später nachvollzogen haben kann. Ein
Teil der Menschheit bleibt hinter dem anderen also stets zurück. Die
Sieger in diesem Rennen stehen allerdings nicht a priori fest. Stark
veränderte Umweltbedingungen können völlig veränderte
Ausgangssituationen schaffen, das mag in der Vergangenheit schon so
gewesen sein, und das ist heute noch so. Eins scheint aber ziemlich
sicher, daß nämlich der Europide sich nicht vom Negriden herleitet,
sondern umgekehrt der Negride aus dem Europiden hervorgegangen ist
bzw. beide einen gemeinsamen, heute ausgestorbenen Vorfahren hatten.
Wenn es sich aber bewahrheiten sollte, daß sich Homo sapiens
und Neandertaler tatsächlich gekreuzt haben, dann wäre der
Neandertaler keine eigene Menschenart, sondern lediglich eine
ausgestorbene Menschenrasse gewesen. Das wiederum würde bedeuten,
daß der Europide einen gemeinsamen Vorfahren nicht nur mit dem
Afrikaner teilt, sondern auch mit dem Neandertaler, welcher sogar
der für seine geistige Entwicklung ausschlaggebende Vorfahre war.
Insbesondere wäre dann der sogenannte „Germane“ mit seinen
rötlich-blonden Haaren und seinen blauen Augen wohl ein direkter,
heute noch lebender Nachfahre des Neandertalers, den es bekanntlich
außer in Europa und im Nahen Osten nirgendwo sonst auf der Welt
gegeben hat.

Abbildung
1: Leerformular für keltotocharische Abstammung
Als der Begriff »Indogermanen« geprägt wurde, wußte man noch nicht,
daß Keltisch eine indogermanische Sprache ist. Auch wußte damals
niemand, daß das in Ostturkestan lebende, heute ausgestorbene Volk
der Tocharer wie die Kelten und Germanen zu den indogermanischen
Kentumsprechern zählte. Folglich benannte man die heute als
indogermanisch bekannte Sprachfamilie nach ihren westlichsten und
östlichsten Vertretern: das waren im Westen die Germanen und im
Osten die Inder. Aus moderner Sicht ist diese Definition allerdings
veraltet und durch keltotocharisch zu ersetzen. Dabei ist das Wort
tocharisch nicht mit arisch zu verwechseln, denn die Arier waren ein
im Norden Persiens beheimatetes, relativ unbedeutendes Volk, das
erst in der jüngsten Vergangenheit systematisch für
Abstammungsnachweise mißbraucht wurde. Während der Zeit des
Nationalsozialismus mußten Parteiangehörige und Beamte die
sogenannte arische d.h. nichtjüdische Abstammung nachweisen. Dieser
Nachweis beruhte ausschließlich auf Eintragungen in Kirchenbüchern,
denn die moderne Genetik gab es damals noch nicht. Über die wahre
Herkunft ließ sich durch diese Art der Bestimmung allerdings nur
wenig aussagen, denn zum einen ließen sich damit leicht falsche
Schlußfolgerungen ziehen, wenn beispielsweise Anhänger der jüdischen
Religion einfach zum katholischen oder evangelischen Glauben
konvertierten oder wenn die Geburt unehelich war und das Kind
automatisch die Religion der Mutter übernahm und getauft wurde. Zum
andern ging es den Nationalsozialisten genaugenommen gar nicht um
Religion, sondern um die dubiose Feststellung jüdischer bzw.
nichtarischer Rassenmerkmale. Aufgrund äußerer Anzeichen können
diese aber nur sehr vage festgestellt werden. Nur wenn man die
mitochondische DNA bzw. die DNA des Y-Chromosoms unter die Lupe
nimmt, kann man zweifelsfrei jüdische Haplogruppen anhand ihrer
geographischen Verteilung mehr oder weniger gut lokalisieren. So
sind etwa die Haplogruppen J und T im System der
mitochondrischen Eva eindeutig dem Urvolk der Kanaaniter zuzuordnen,
aber auch bestimmte Mutationen der Haplogruppe H deuten auf
sephardische Linien hin. Beim Adam des Y-Chromosoms ist es die
Haplogruppe J, welche im wesentlichen, wenn auch nicht
ausschließlich, auf jüdische Herkunft hinweist.
|
Abstammung |
Y-Adam |
Alter |
Abstammung |
Ur-Eva |
Alter |
|
khoisanisch |
A |
|
afrikanisch |
L1,
L2 |
174-107.600 |
|
pygmäisch |
B |
|
äthiopisch |
L3 |
104-84.000 |
|
australisch |
C |
60.000 |
australisch |
N |
71.000 |
|
nigerianisch |
ExE3b |
52.000 |
austronesisch |
R |
66.000 |
|
sinotibetisch |
D |
50.000 |
malaiisch |
M |
60.000 |
|
indisch |
F |
45.000 |
tungusisch |
C |
60.000 |
|
tamilisch |
H |
45-20.000 |
na-denéisch |
A |
60.000 |
|
papua-neuguineisch |
K |
40-35.000 |
hasarisch |
Z |
|
|
vedisch |
R |
35-30.000 |
aleutisch |
D
|
60.000 |
|
chinesisch |
O |
35-20.000 |
papua-neuguineisch |
P |
|
|
sibirisch |
P |
34-25.000 |
uralisch |
U |
55.000 |
|
dravidisch |
L |
30-25.000 |
polynesisch |
B |
50.000 |
|
semitisch |
J |
30-25.000 |
melanesisch |
Q |
50.000 |
|
hamitisch |
T |
30-25.000 |
mesopotamisch |
J |
45.000 |
|
berberisch |
E3b |
30.000 |
siamesisch |
F |
43.300 |
|
melanesisch |
M |
30-10.000 |
aschkenasisch |
K |
40-22.000 |
|
skythoslawisch |
R1a |
26.800 |
taiwanesisch |
E |
30.000 |
|
keltotocharisch |
R1b |
26.800 |
turanisch |
HV |
30.000 |
|
finno-ugrisch |
I |
25-23.000 |
irokesisch |
X |
30.000 |
|
samojedisch |
Q |
20-15.000 |
niwchisch |
Y |
|
|
jakutisch |
N |
20-15.000 |
kamtschadalisch |
G |
|
|
georgisch |
G |
20-9.500 |
indogermanisch |
H |
30-25.000 |
|
|
|
|
kaukasisch-kurdisch |
I,
W |
26.300 |
|
|
|
|
finnisch |
V |
12.000 |
|
|
|
|
phönizisch |
T |
10.000 |
Tabelle
1:
Haplogruppenklassifikation des Menschen
Man kann im engeren Sinne nur die Haplogruppen R1a,
R1b, H und V als indogermanisch bezeichnen.
Nicht zu den indogermanischen Haplogruppen zählen in Europa die
Haplogruppe N der Samen, die Haplogruppe E der Berber,
die Haplogruppe I der Finno-Ugrier, die Haplogruppe G
der Armenier und die Haplogruppe J der Juden. Im Sinne der
genetischen Abstandsbestimmung sind R1a und R1b so eng
miteinander verwandt, daß sie beide als indogermanisch angesehen
werden müssen. Ebenso ist die Haplogruppe I der Finno-Ugrier
mit der Haplogruppe J der Palästinenser so eng verwandt, daß
sie faktisch nicht unterschieden werden können. Streng genommen wird
man selbst die Haplogruppe R, von der sich die beiden
herleiten, und die heute überwiegend in Persien vorkommt, dazuzählen
müssen. Damit muß man auch akzeptieren, daß sie in einem Teil der
negriden Bevölkerung Kameruns auftritt. Im System der
mitochondrischen Eva wären demnach nur die Haplogruppen H und
V, die über HV miteinander verwandt sind, als
indogermanisch zugelassen, die Haplogruppen U und K
indes, die in Europa ebenfalls signifikant vorkommen, wird man
ausschließen müssen. Wer also unter seinen Ahnen nur die
Haplogruppen R1a, R1b, I, H oder V
vorfindet, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
indogermanischer Abstammung, also entweder Kelte, Hellene, Romane,
Slawe, Sikh, Perser, Finne oder Germane.
Auch wenn keine schriftlichen Aufzeichnungen existieren, so kann
dennoch jeder heute lebende Mensch seine Abstammung bis zum ersten
lebenden Homo sapiens, der genetische Spuren hinterlassen
hat, zurückverfolgen.
Das Erbgut eines jeden Menschen stammt bekanntlich zur Hälfte vom
Vater, zur anderen Hälfte von der Mutter. Geschwister haben den
gleichen Vater und die gleiche Mutter, und somit besitzt nicht jeder
von uns einen eigenen, nur für ihn maßgeblichen Vorfahren, denn
sonst würden wir uns nach n Generationen auf insgesamt
2n
verschiedene Urahnen zurückführen, was eine unglaublich große Zahl
ergäbe.
Blutsverwandte definieren sich bekanntlich dadurch, daß sie einen
oder mehrere gemeinsame Ahnen teilen, mit denen sie in einem
Vergleich genetischer Merkmale übereinstimmen. Gewisse dieser
Merkmale, die statistisch gesehen mit jeder weiteren Generation mit
50prozentiger Wahrscheinlichkeit wieder verlorengehen, bleiben indes
immer erhalten, egal, über wie viele Generationen man sie
zurückverfolgt. Es sind dies die Haplogruppe der mitochondrischen
Eva, die nur von der Mutter vererbt werden kann, und die vom Vater
auf den Sohn übertragbare, nur mit dem Y-Chromosom vererbte
Haplogruppe des Adam des Y-Chromosoms. Frauen, die ihren Vater nicht
kennen, können demnach nur ihre mütterliche Herkunft bestimmen. Da
über eine DNA-Analyse die verwandtschaftlichen Beziehungen äußerst
genau festgestellt werden können, ist es stets möglich, gemeinsame
Vorfahren zu ermitteln. Deren gibt es nur begrenzt, auch wenn man
noch so weit zurückgeht, d.h. die gesamte heute lebende Menschheit
führt sich auf endlich viele, überschlägig etwa vier Dutzend
gemeinsame Ahnen zurück, und das sowohl auf seiten der mütterlichen
als auch der väterlichen Linie. Diese genetischen Urahnen
unterscheiden sich jeweils nur durch eine oder mehrere Mutationen,
die zwischen ihnen liegen, und es baut eine auf der anderen auf. Der
Stammbaum des Menschen hat nämlich eine dendritische Struktur, um es
in den Worten der Chaostheorie auszudrücken. Daß alle Menschen über
nur wenige Personen miteinander verwandt sind, heißt natürlich
nicht, daß zu Lebzeiten dieser gemeinsamen Vorfahren nur diese
allein gelebt haben, es heißt nur, daß die Nachfahren aller anderen
mittlerweile ausgestorben sind, da deren Mutationen offenbar nicht
überlebensfähig waren. Wenn in einer Haplogruppe nur vier
pathologische Gene gleichverteilt auftreten, stirbt sie statistisch
gesehen aus. Es zeigt sich auch, daß erfolgreiche Mutationen sich
nicht jeden Tag, sondern nur in längeren Zeitabständen ereignen.
Jede der heute existierenden Haplogruppen war auf ihre Weise
erfolgreich, diejenigen, die es nicht waren, gibt es inzwischen
nicht mehr. Der selektive Erfolg einer Haplogruppe bemißt sich
allerdings nur bis zum Ablauf des geschlechtsreifen Alters, weil
nach diesem die Selektion nicht mehr wirksam ist. Man kann
beispielsweise nicht argumentieren, die mtDNA-Haplogruppe H
sei nicht erfolgreich gewesen, nur weil ein Viertel ihrer Träger an
Altersdemenz erkranken. Der langfristige Erfolg einer Haplogruppe
erweist sich vielmehr darin, wie sehr sie sich durchgesetzt hat, und
genau aus diesem Grund ist die Haplogruppe H der Indogermanen
die wohl erfolgreichste gewesen, auch wenn sie sich mittlerweile,
der veränderten Lebensbedingungen wegen, auf dem absteigenden Ast
befindet. Die bevölkerungsreichste mtDNA-Haplogruppe der Welt dürfte
allerdings die in Indien und China stark vertretene Haplogruppe M
sein, die sich aber in viele Unterhaplogruppen aufspaltet.

Abbildung
2:
Beispiel eines Abstammungsbaumes nichtkeltotocharischer Abstammung
Menschen, die in ihren genetischen Merkmalen übereinstimmen, müssen
bis zu einer bestimmten Generation einen gemeinsamen Vorfahren
gehabt haben. Durch Vergleich genetischer Marker lassen sich ganze
Stammbäume erstellen, deren Zweige irgendwo auseinanderlaufen. Für
die Bestimmung der eigenen Abstammung können daher auch weitläufige
Verwandte herangezogen werden, sofern man mit ihnen nur gemeinsame
Vorfahren sprich gleiche Haplogruppen teilt. In der Regel kann jeder
Mann bei sich seine eigenen Haplogruppen bestimmen lassen, die
mitochondrische Eva durch einen mtDNA-Test, den Adam des
Y-Chromosoms durch einen Y-DNA-Test. In der nächsten Generation
überträgt man die Y-Haplogruppe automatisch auf den Vater, von dem
man sie ja ererbt hat, und die mitochondrische Eva analog auf die
Mutter. Nun hat jeder Mensch aber auch vier Großeltern, allerdings
haben sowohl der Großvater mütterlicherseits als auch die Großmutter
väterlicherseits keine unmittelbar der Messung zugänglichen
genetischen Spuren in unseren Mitochondrien bzw. auf dem Y-Chromosom
hinterlassen. Das gilt indes nicht für unsere Eltern, denn die
mitochondrische Eva unserer Großmutter väterlicherseits und der Adam
des Y-Chromosoms unseres Großvaters mütterlicherseits sind direkt
oder indirekt bei ihnen vorhanden. Es reicht also nicht, nur das
Erbgut unserer Eltern auszuwerten, denn um die väterliche Linie der
Mutter in Erfahrung zu bringen, muß auf deren Brüder bzw. deren
männliche Nachkommen oder Vorfahren zurückgegriffen werden. Hat die
Mutter keinen Bruder oder Vater mehr, so kommen eben die Brüder
ihres Vaters bzw. deren männliche Nachkommen für Vergleiche in
Frage. Wenn eine männliche Linie ausgestorben ist, so muß man sie
nur weit genug zurückverfolgen, um eines gemeinsamen Vorfahren
fündig zu werden. Dieses Verfahren kann man auf jede frühere
Generation anwenden, bis man von jedem männlichen als auch
weiblichen Vorfahren dessen weitergegebene Haplogruppe festgestellt
hat. Auf diese Weise erhält man ein gleichmäßig geschlossenes
Abstammungsbild aller seiner Vorfahren.
Hat man nun in seiner eigenen Generation 2, in der Elterngeneration
4, in der Großelterngeneration 8 und in der nten Generation
2n Haplogruppen
sicher bestimmt und in Anteile z1
/2n,
z2 /2n,
... , zm
/2n zerlegt,
wobei z1 + z2
+ ... + zm =
2n,
so läßt sich eine Folge zl
/2n
> zl+1
/2n
> ... > zp
/2n konstruieren,
welche in dieser Reihenfolge die Zuordnung zu den einzelnen
Urvölkern festlegt. Die Zugehörigkeit zum Hauptvolk wird dabei durch
zl
/2n
beschrieben, aber von einer Reinrassigkeit läßt sich überhaupt nur
dann sprechen, wenn dieser Wert größer oder gleich 87,5 % ist. Wer
also in seiner Großelterngeneration 8 verschiedene Haplogruppen
aufweist, ist keinem Volk wirklich zugehörig und kann nur als
Mischling eingestuft werden. Es zeigt sich aber auch, daß das
Auftreten nur einer rassenfremden Linie, sollte es dabei bleiben,
ihren Einfluß schnell verliert, da ihr Beitrag im Limes n
gegen Unendlich eine Nullfolge bildet, d.h.

Selbst k identische Haplogruppen gehen im Grenzwert für große
n immer noch gegen Null, solange k <
2n.
Natürlich hat der Homo sapiens seit seinem Bestehen nicht
unendlich viele Generationen durchlaufen, denn man kann eine Art nur
bis zur Entstehung der jeweils ersten Haplogruppe zurückverfolgen,
danach muß man bei derjenigen fortsetzen, aus der sie hervorgegangen
ist. Ohnehin würde man bei einem Zurückrechnen überraschende Effekte
feststellen, denn nach dem Entropiegesetz müßte die genetische
Reinheit zunehmen, ein einziges Urvolk sich immer stärker
herauskristallisieren, indem die beigemischten Haplogruppen
zunehmend verschwinden, bis das Stadium der Inzucht erreicht ist,
das nur noch aus zwei Haplogruppen besteht: einem Adam des
Y-Chromosoms und einer mitochondrischen Eva. Inzwischen
ausgestorbene Haplogruppen lassen sich nur fossil untersuchen.
Quer durch alle Linien gibt es bei n Generationen
2n Unbekannte.
Jedem Menschen, der nur seine väterliche und mütterliche Linie
kennt, fehlen also
2n
- 2
Informationen über seine Herkunft: in der Elterngeneration (n
= 1) 0, in der Großelterngeneration (n = 2) 2, in der
Urgroßelterngeneration (n = 3) 6 usw. Wer hingegen auch seine
großelterlichen Haplogruppen kennt, dem fehlen in der nten
Generation nur noch 2n -
2²
Informationen, also in der Großelterngeneration (n = 2) 0, in
der Urgroßelterngeneration (n = 3) 4, in der
Ururgroßelterngeneration (n = 4) 12 usw. Erst, wer alle seine
Haplogruppen bis zur nten Generation kennt, besitzt alle
Informationen, um eine Abstammungsbestimmung auch durchführen zu
können. Wer ein halbwegs vernünftiges Ergebnis erzielen möchte, der
sollte seine Haplogruppen über wenigstens 7 Generationen
zurückverfolgen können, doch dazu wären abzüglich der eigenen
Haplogruppen bei Männern 122 bzw. bei Frauen 123 zusätzliche
Messungen erforderlich. Aber auch schon ab der 3. Generation lassen
sich gewisse Tendenzen erkennen.
In Abbildung 1 ist ein Leerformular
eines genetischen Ahnenpasses veranschaulicht. Jedes Kästchen ist
einem eigenen Vorfahren gewidmet. Männliche Vorfahren erhalten dabei
eine geradzahlige Nummer, weibliche eine ungeradzahlige. Lediglich
die Nummer 1 bleibt uns selbst vorbehalten, egal, ob wir männlichen
oder weiblichen Geschlechts sind. In der Zeile darunter wird die
Haplogruppe des Adam des Y-Chromosoms eingetragen, kenntlich am
Buchstaben a. Für die mitochondrische Eva haben wir den
Buchstaben b reserviert. Die entsprechende Haplogruppe tragen
wir in der dritten Zeile ein. Dabei gelten hinsichtlich der
Generationenerbfolge die folgenden Rekursionsformeln:

wobei der Index i von 0 bis
2n läuft,
also in der 1. Generation 1, in der 2. Generation 4, in der 3.
Generation 8 Werte aufweist usw. Der Grad der Zugehörigkeit zu einem
bestimmten Urvolk läßt sich an folgender Formel festmachen,

wobei im Falle der keltotocharischen Abstammung für die
Koeffizienten gilt:

Bestätigt sich eine bestimmte Abstammung, so gilt im Grenzwert

Solange jedoch
kein eindeutiger Grenzwert erreicht ist, bleibt die Herkunft
unbestimmt. Eine gemischte Herkunft ist aber eher die Ausnahme, es
sei denn, daß die eheliche Verbindung im ausgehenden 20. Jahrhundert
eingegangen wurde, denn früher waren Mischehen eher selten. Ähnliche
Abstammungstafeln kann man auch für jedes andere Urvolk festlegen,
man muß nur die richtige Zuordnung zwischen dem Adam des
Y-Chromosoms und der mitochondrischen Eva treffen.
Eine zusammenfassende Übersicht über die verschiedenen Urvölker
liefert Tabelle 1. Die meisten West-
und Südeuropäer sind keltotocharischer Abstammung, während
Osteuropäer in der Regel skythoslawischer Herkunft sind.
Finno-ugrisch besetzte Regionen sind Nord- und Südosteuropa, aber
auch Teile Mitteleuropas. Die Samen, Roma, Berber, Armenier und
Juden sind aus dem Nahen Osten eingewandert bzw. umgesiedelt worden
und stellen daher nicht die Urbevölkerung Europas dar. Lediglich die
Finno-Ugrier, zu denen im Norden die Germanen, im Süden die Illyrer
zählen, könnten noch früher in Europa ansässig gewesen sein, wie
immer die Umschichtungen auch gewesen sein mögen, die später
eingetreten sind.
In Abbildung 2 ist auch ein Beispiel
für eine nicht keltotocharische Abstammung angegeben.
Väterlicherseits liegt die georgische Haplogruppe G vor,
während die Herkunft mütterlicherseits mesopotamisch ist. Der
Großvater mütterlicherseits ist jüdischer Herkunft, lediglich die
Mutter väterlicherseits ist Indogermanin. Der Koeffizient H0 ist
gleich Null, eine keltotocharische Abstammung liegt nicht vor. Der
Koeffizient H1 ist
gleich 1/4, weitere keltisch-germanische Vorfahren lassen sich
vermuten. Ob die Folge Hn deswegen
schon gegen 1 konvergiert, läßt sich daraus noch nicht ableiten, vor
allem, weil in der Großelterngeneration vier Haplogruppen noch nicht
bestimmt sind. Sollte sich die keltotocharische Abstammung hingegen
bestätigen, müßten mindestens noch zwei weitere indogermanische
Haplogruppen festgestellt werden. Insbesondere fehlen ein
Urgroßvater väterlicher- als auch mütterlicherseits sowie je eine
Urgroßmutter väterlicher- und mütterlicherseits.
Anhand der festgestellten Haplogruppen können wir uns ein recht
aufschlußreiches Bild über die Herkunft der hier betrachteten Person
machen und ihre Umgebung nach genetischen Übereinstimmungen
absuchen. So ist beispielsweise die Haplogruppe G die derzeit
jüngste Haplogruppe des Y-Adams. Ihr Maximum liegt in Ossetien sowie
im benachbarten Georgien. Der Zeitpunkt ihrer Entstehung wird mit
dem Übergang vom Jäger und Sammler zur Seßhaftigkeit in Verbindung
gebracht. Das setzt die Domestizierung von „Getreide“ voraus. Die
Kultivierung von Gräsern ist aber sicher nicht im Zweistromland
geglückt, weil dazu erst die Idee der künstlichen Bewässerung
geboren werden mußte, welche wiederum das Schöpfrad voraussetzt.
Ebenso wie die Domestizierung des Pferdes und die Erfindung des
Rades kann auch die Züchtung von Getreide nur in den grasreichen
Ländern nördlich des Kaukasus und östlich des Schwarzen Meeres
gelungen sein, im Land Sumer. Lange bevor die ersten skythischen
Stämme nördlich des Kaukasus eintrafen, spaltete sich die
Haplogruppe G von der Haplogruppe F ab, deren
Verbreitungsgebiet bis weit nach Zentralasien reicht. Ins
Zweistromland gelangte die Haplogruppe G vermutlich über
Ostanatolien oder auf dem schon damals bekannten Weg der
Seidenstraße. Es ist sicher falsch, die Haplogruppe G mit den
Skythen, speziell den Alanen, in Verbindung zu bringen, denn der
skythische Einfall in Mesopotamien passierte erst sehr viel später.
Zudem sprachen die Alanen eine indogermanische Sprache, die
grundlegend wesensverschieden von der Sprache der Sumerer ist. Auch
die Armenier und Georgier sprechen indogermanische Sprachen, die
aber von späteren Völkern dorthin gebracht wurden. Des weiteren war
es nicht historische Tradition skythischer Völker, Festungen
anzulegen. Dies ist eher der Kultur sumerischer Städtegründer
zuzuschreiben. Im übrigen findet sich die Haplogruppe G auch
unter den Etruskern, die sich auf die Trojaner zurückführen, welche
wiederum aus Kleinasien stammen, wo die Haplogruppe G
ebenfalls recht häufig vorkommt.
Die Haplogruppe J2 stammt aus Palästina und findet unter den
Juden ihre größte Verbreitung. Sie wurde in ägyptischen
Pharaonengräbern gefunden und bei Ausgrabungen in der Stadt Jericho,
einem der ältesten dauerhaft besiedelten Plätze der Welt. Die
mitochondrische Haplogruppe J schließlich stammt ebenfalls
aus dem Nahen Osten und besitzt ihr Häufigkeitsmaximum im heutigen
Mesopotamien. Durch vergleichende Merkmalsbestimmung können also die
einzelnen Linien bis in ihr Ursprungsland zurückverfolgt werden und
liefern somit eine Fülle für Forschungszwecke wichtiger Details.
Am effizientesten können Gentests demnach in der Familien- und
Sippenforschung eingesetzt werden, wo man mit den klassischen, sich
der Kirchenbücher bedienenden Methoden nicht weiter kommt als bis
ins 16. Jahrhundert. Wenn alle Menschen sich einem solchen
Abstammungstest unterziehen würden, wäre so manches Rätsel der
Vergangenheit schnell gelöst. Die ganze Geschichte könnte aufgedeckt
oder müßte teils neu geschrieben werden. Vor allem aber hätte man
sichere Beweise für viele offene Fragen, denn Gene lügen nicht.